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Mills Die Vergeltung

Roman
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-641-19863-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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ISBN: 978-3-641-19863-3
Verlag: Heyne
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Der größte Coup des Jahrhunderts

Brandon Vale, ein berüchtigter Meisterdieb, wird vom FBI-Agenten Scanlon für eine knifflige Mission aus dem Gefängnis befreit: Er soll die gesamten Einnahmen der Casinos von Las Vegas stehlen. Scanlon will damit Atomsprengköpfe kaufen, die ukrainische Gangster an den Meistbietenden versteigern wollen. Doch der geniale Raubzug ist erst der Anfang einer mörderischen Hetzjagd.

Kyle Mills, Jahrgang 1966, lebt in Jackson Hole, Wyoming, wo er sich neben dem Schreiben von Thrillern dem Skifahren und Bergsteigen widmet. In den USA ist Kyle Mills mit seinen Romanen regelmäßig in den Bestsellerlisten zu finden und gilt neben Tom Clancy, Frederick Forsyth oder David Baldacci als Erneuerer des intelligenten Politthrillers.
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EINS


»Five Card Draw, Gentlemen. Also, alles aufgepasst!«

Brandon Vale feuerte die Karten aus dem Stapel, um sie an die fünf nervös dreinblickenden Männer auszuteilen, die um den Tisch saßen. Nach einem kurzen Blick auf sein Blatt legte er die Karten neben die Beute, die er inzwischen angehäuft hatte, und musterte die Gesichter der Mitspieler. Alle starrten sie auf ihre Karten, als wäre der ganze Sinn des Lebens darin enthalten, und er wusste aus Erfahrung, dass sie ihr Blatt noch eine ganze Weile studieren würden.

Von der anderen Seite des Zimmers kam das Knattern von Maschinengewehrfeuer, und er drehte sich um und blickte auf den Fernseher an der Wand, während er auf die Reaktion der anderen wartete. Seine Brillengläser waren erst zwei Wochen alt, doch sie hatten von Anfang an nicht richtig gepasst. Gefängnisse gehörten nun einmal nicht zu den Orten, an denen Spitzenkräfte arbeiteten, und die Tatsache, dass der Optiker, der ihm die Brille angepasst hatte, selbst halb blind war, sprach sicher auch nicht für seine Qualifikation.

Die Brille war immerhin gut genug, um ihn die unverkennbaren Umrisse von Panzern und laufenden Männern erkennen zu lassen, begleitet von den allzu vertrauten Kriegsgeräuschen. Sudan, Israel, Irak, Afghanistan – irgendeine von diesen Wüstengegenden, wo die Leute sich die Schädel einschlugen wegen irgendeinem Unsinn, der vor tausend Jahren passiert war, oder weil sie den anderen beweisen wollten, dass ihr Gott der Bessere war. Er kannte das alles zur Genüge. In seinem Geschäft begegnete man den selbstzerstörerischen, den gewalttätigen und abartigen Typen auf Schritt und Tritt. Man musste schon verdammt wachsam sein und die nötige Portion Glück haben, um solchen Leuten aus dem Weg zu gehen. Wenn man jedoch in Bagdad lebte, war das wohl nicht so einfach.

Die Männer, die auf ihren Stühlen vor dem Fernseher saßen, waren nach Hautfarben getrennt – schwarz, braun und auch einige Weiße, die sich von ihm selbst vor allem dadurch unterschieden, dass sie kräftiger, gemeiner und auffälliger tätowiert waren. Die Gewaltszenen schienen sie sichtlich aufzuheitern.

Der Bericht aus dem Krisengebiet war jedoch bald wieder zu Ende, und die Anwesenden verfolgten enttäuscht, wie der Sprecher irgendetwas über die Bundeszentralbank erzählte. Im Grunde saßen sie nur vor dem Fernseher, um Ann Coulter oder irgendeine andere flotte Reporterin zu Gesicht zu bekommen.

Brandon Vale wandte sich wieder dem Tisch zu und musterte den Mann, der für die eher trüben Fernsehgewohnheiten hier im Knast verantwortlich war. Er wog ungefähr so viel wie ein italienischer Sportwagen und war in etwa so stark und so schnell. Seine Haut war außergewöhnlich dunkel, sodass das Weiße in seinen Augen noch kräftiger leuchtete und das Tattoo, das einen gehängten Ku-Klux-Klan-Mann darstellte, nur teilweise zu sehen war.

Als einer der vielen zum Islam übergetretenen Häftlinge interessierte sich Kassem stets für den »Kampf seiner Glaubensbrüder«, wenn er im Aufenthaltsraum saß. Und nach dem, was mit jenem Neonazi-Gewichtheber passiert war, gab es nicht viele hier, die ihm widersprochen hätten.

Nachdem die Spieler eher zurückhaltend ihre Einsätze getätigt hatten, schob Kassem seine abgelegten Karten über den Tisch. »Drei«, befahl er.

Brandon hatte ihm gerade die erste Karte gegeben, als der Hüne so plötzlich von seinem Platz aufsprang, dass der Boden unter ihm erzitterte.

»Du teilst von unten aus, du verdammter Mistkerl!«, rief er.

Brandon schüttelte gelassen den Kopf. »Das tu ich nicht«, erwiderte er ruhig.

»Oh«, sagte Kassem sichtlich enttäuscht und setzte sich wieder, während die anderen höflich lachten.

Brandon war wegen eines größeren Diamantenraubs im Gefängnis gelandet, dessen Beute nie gefunden werden konnte. Zusammen mit der Tatsache, dass er noch keinen seiner Komplizen verraten hatte, verschaffte ihm das einiges Ansehen unter den Mithäftlingen und umgab ihn sogar mit einer Aura des Geheimnisvollen. Dies änderte jedoch nichts daran, dass er ein schmächtiger dreiunddreißig Jahre alter Mann war, der sich in der Grundschule zum letzten Mal mit jemandem geprügelt hatte – und das Mädchen, mit dem er damals aneinandergeraten war, hatte ihm ordentlich in den Hintern getreten.

Er war erst ein paar Tage hier gewesen, als ihn Kassem »bat«, der Pokerrunde beizutreten. Nachdem Brandon immer schon an gewinnträchtigen Unternehmungen interessiert gewesen war, hatte er die Spiele aus sicherer Entfernung beobachtet und dabei einige ungewöhnliche Details bemerkt. Es wurde stets hart und erbittert gespielt – aber nur bis etwa eine Viertelstunde vor dem Ende der Sitzung. An diesem Punkt begannen die Spieler ihre besten Karten wegzuwerfen und ließen Kassem alles gewinnen, was auf dem Tisch lag – meistens Zigaretten und Schuldscheine für nicht näher benannte Dienste, die zu einem späteren Zeitpunkt zu leisten waren.

Da Brandon nicht rauchte und wenig Lust hatte, irgendwelche geheimnisvollen Dienste zu leisten, die hier im Knast gefragt waren, beschloss er, sich aus der Sache herauszuhalten. Es kam jedoch nicht infrage, Kassems Einladung auszuschlagen, und so sah er sich in der unangenehmen Position, die Wahrheit sagen zu müssen – dass er ein professioneller Kartenhai und ein brillanter Falschspieler war.

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund war Kassem des ewigen Gewinnens überdrüssig, wenngleich er es immer noch nicht leiden konnte, zu verlieren – und so betrachtete er Brandon als willkommene Abwechslung. Schließlich einigten sie sich darauf, dass die übrigen Mitspieler Brandon einen kleinen Teil ihres Einsatzes überließen, wofür er ihnen ein paar Tricks beibrachte und ihnen zeigte, wie man einem Falschspieler auf die Schliche kam. Am Ende des Spiels wurde sein Gewinn dann nach einem bestimmten Schlüssel aufgeteilt – und zwar weniger danach, wie gut jemand spielte, sondern eher, wie gefährlich jemand war. Ein gutes Abbild des Lebens hinter Gittern, von dessen Härte er nun jedoch befreit war. Seine enge Beziehung zu Kassem hatte ihn schlagartig unantastbar und allgemein beliebt gemacht.

»Ich glaube, das ist die letzte Runde«, verkündete Brandon – eine indirekte Ermahnung an alle, dass es Zeit war, alle vielversprechenden Karten abzulegen und alles zu verlieren, was sie hatten. Die Spieler, die bis dahin noch vorsichtig agiert hatten, setzten nun buchstäblich alles auf eine Karte.

»Du bist dran, Kassem«, sagte Brandon.

»Zwei Pärchen. Zweien und Dreien.«

Jene, die ihre Karten noch nicht weggelegt hatten, taten es nun mit einem gehorsamen Stöhnen. Alle außer Brandon.

»Na, was hast du?«, forderte ihn Kassem auf.

»Willst du wirklich sehen, was ich in der Hand habe?«

»Genau das will ich.«

»Glaubst du, dass du es mit meinem Blatt aufnehmen kannst?«

»Leg die verdammten Karten auf den Tisch, sonst breche ich dir deinen dünnen Hals«, forderte Kassem ihn lachend auf.

Brandon knallte seine Karten auf den Tisch. »Fünf Asse, Pik Straße.«

Diesmal war das Stöhnen der Mitspieler schon etwas echter.

»Ich weiß wirklich nicht, was ich mit euch machen soll«, sagte Brandon, als der Wärter das Signal gab, den Saal zu räumen. Kassem streckte ihm die Hand entgegen, und als Brandon seine Hand aus der des Mithäftlings löste, hatte er einen dicken Joint darin.

»Damit du besser schlafen kannst«, sagte Kassem.

»Hey, danke, Kas.«

Diese großzügigen kleinen Geschenke gab Brandon stets an seinen durchgeknallten Zellengenossen weiter, der sich auf diese Weise so weit beruhigte, dass Brandon sich seinerseits entspannen und ein wenig lesen konnte. Die Joints halfen ihm, seiner Leseleidenschaft zu frönen – wenngleich er zugeben musste, dass er »Moby Dick« und »Tess von den D’Urbervilles« nur als Comic gelesen hatte.

Er nahm seinen Platz in der Reihe ein und schlurfte langsam zur Tür hinaus – eingezwängt zwischen zwei stark schwitzenden und ziemlich bedrohlich aussehenden Fleischbergen. Doch solche kleinen Irritationen konnten seine momentane Stimmung nicht beeinträchtigen; in einer Stunde würde sein Zellengenosse völlig high auf seiner Pritsche liegen, während Brandon selbst sich in die inneren Mechanismen der Samurai-Gesellschaft versenken konnte. Es war nicht gerade das, was sich die meisten Leute unter einem herausragenden Abend vorstellten, aber unter den momentanen Umständen war es das Beste, was er mit seinen Abenden anfangen konnte.

»Vale!«

Er beugte sich aus der Reihe, rümpfte die Nase, als er der Achselhöhle hinter ihm zu nahe kam, und blickte zu dem Wärter hinüber, der mit seinem Schlagstock auf ihn zeigte.

»Vortreten!«

Brandon sprang aus der Reihe, lief in die Richtung, aus der er gekommen war, und blieb vor dem Mann stehen. »Ja, Sergeant Daly?«

Angus Daly galt allgemein als der zweitsadistischste und der drittkorrupteste von allen Wärtern, vor allem aber als derjenige, der sich mit Abstand am wichtigsten nahm. Seine Uniform war stets so gestärkt, dass sie wie aus Pappe wirkte, und seine Bürstenschnittfrisur lief in der Mitte der Stirn zu einer scharfen Spitze zusammen.

Das Bemerkenswerteste an Daly war jedoch, dass er zu den wenigen Menschen zu gehören schien, die Brandon aus tiefstem Herzen hassten. Für ihn war Brandon offenbar eine Art Intellektueller, der auf einfache Arbeiter wie ihn heruntersah und der nach...


Mills, Kyle
Kyle Mills, Jahrgang 1966, lebt in Jackson Hole, Wyoming, wo er sich neben dem Schreiben von Thrillern dem Skifahren und Bergsteigen widmet. In den USA ist Kyle Mills mit seinen Romanen regelmäßig in den Bestsellerlisten zu finden und gilt neben Tom Clancy, Frederick Forsyth oder David Baldacci als Erneuerer des intelligenten Politthrillers.



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