E-Book, Deutsch, 413 Seiten
Mills Die letzte Mission
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95530-582-6
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Politthriller
E-Book, Deutsch, 413 Seiten
ISBN: 978-3-95530-582-6
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Kyle Mills, geb. 1966 in Oregon, ist ein US-amerikanischer Thriller-Autor. Mills wuchs in Oregon auf, lebte jedoch auch schon in Virginia, Maryland, Wyoming und London. Sein Vater war ein FBI-Agent. So kam er schon früh mit den Dingen in Berührung, die auf Jungen eine gewisse Faszination ausüben. Die Jagd auf Verbrecher und die Abläufe beim FBI. Mills war bei einer kleinen Bankfiliale in Jackson Hole angestellt, vermittelte in der Woche Kredite und verbrachte die Wochenenden mit Klettern. Er stellte fest, dass er noch nie etwas künstlerisches gemacht hatte. Daher kam ihm die Idee, dass er etwas an seinem Leben verändern wollte. Zunächst dachte er daran, eigene Möbel zu entwerfen und herzustellen. Allerdings fehlte ihn das nötige Geschick, so dass seine Frau ihn auf die Idee brachte, einen Roman zu schreiben. Acht Monate darauf hatte er sein erstes Buch Phoenix Rising fertiggestellt. Inzwischen kann er von der Schriftstellerei seinen Lebensunterhalt bestreiten.
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PROLOG
Die wenigen Menschen auf der Straße schienen nichts anderes zu tun zu haben, als mit den Füßen den Staub aufzuwirbeln, der dann wie Rauch in der Luft hing. Sie hatten keine Plastiktüten mit Lebensmitteln bei sich, keine auf Drahtbügeln hängende Kleidung aus der chemischen Reinigung, kein aus einem plötzlichen Impuls heraus gekauftes Spielzeug für ihre Kinder. Sie führten keine belanglosen Gespräche mit Freunden und suchten auch keine Ablenkung in den nicht vorhandenen Schaufenstern des Dorfes. Es sah eher so aus, als hätte man ein paar Ratten ins Freie gescheucht, die wieder ins Dunkle, Enge zurückwollten, wo sie sich Sicherheit vorgaukeln konnten.
Salam al Fayed ging an einer bröckelnden Mauer vorbei. Vor der Stelle, an der die Mauer durch eine Granate zerstört worden war, blieb er stehen und hockte sich im Schatten nieder. In diesem Teil der Welt war die Sonne alles andere als eine Wohltat. Ihre Strahlen gaben in der dünnen, trockenen Luft keine Wärme und saugten die Kraft aus allem und jedem heraus. Al Fayed zog einen Wasserbeutel aus Ziegenleder unter seinem Kaftan hervor und sah zu, wie die Menschen auf der Straße sich bemühten, ihm aus dem Weg zu gehen. Für sie war er einer jener zahllosen gefährlichen Männer, die sich hier herumtrieben und Unruhe, Hunger und sinnlose Gewalt mit sich brachten. In gewisser Hinsicht hatten sie sogar Recht.
Jeder, der nicht sofort den Blick abwandte, wurde angestarrt, aus dunklen, drohenden Augen, die von der zerrissenen Kopfbedeckung fast verdeckt wurden. Sein Arabisch war hervorragend, aber wenn er den Mund aufmachen musste, würde ihn sein Akzent sofort als Ausländer verraten. Es war schwer zu sagen, ob jemand daran erkennen konnte, dass er aus New York kam. Aber er wollte es lieber nicht darauf ankommen lassen.
Das Wasser schmeckte nach Moschus und Schlamm und brannte auf seinen aufgesprungenen Lippen. Was hätte er für Lippenbalsam mit Sonnenschutzfaktor 30 und Kirschgeschmack gegeben! Und für eine Dusche. Und einen Drink mit Eiswürfeln. Er unterdrückte ein amüsiertes Lächeln, damit seine Lippen nicht wieder zu bluten anfingen. Mit seinen sechsundzwanzig Jahren wurde er langsam empfindlich.
Eine seltene Kombination aus idealem Wetter, viel zu pessimistischen Informationen und ausgesprochen viel Glück hatte dazu geführt, dass er den vielen tausend Toten in diesem Land noch vier weitere hinzugefügt hatte und seinem Zeitplan trotzdem noch zwei Stunden voraus war. Leider waren die Starbucks-Filialen im Nahen Osten nur recht dünn gesät – ein Umstand, den die USA sicher bald behoben hatten. So war es ihm nicht möglich, das Blut in einer sauberen kleinen Toilette abzuwaschen und dann über einem Caffe Latte mit Karamell- Nuss-Aroma und Nusssplittern die Zeit totzuschlagen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als schweigend hier zu hocken, die Einheimischen mit Blicken zu bedrohen und nach Ziegenhaaren auf seinen Zähnen zu suchen.
Join the Navy hatte es auf dem Rekrutierungsposter geheißen. See the world. Er hatte gedacht, die Navy würde Hawaii damit meinen.
Der Vorruhestand auf einer ruhigen Insel gewann immer mehr an Attraktivität. Obwohl die Operation reibungslos über die Bühne ging, hatte er seit dem Moment, in dem er den Fuß auf den glühenden Sand gesetzt hatte, ein merkwürdiges Gefühl. Wie vorherzusehen war, verlor es sich gleich wieder, als er sich auf seinen Auftrag konzentrieren musste, doch jetzt hatte er einige Minuten der Muße, um darüber nachzudenken. Er hatte Zweifel. Und den unmissverständlichen Eindruck, dass diese Operation eine zu viel war. Er hatte das Schicksal schon viel zu lange herausgefordert, und jetzt war der Moment gekommen, in dem sich das Blatt wendete.
Vielleicht war dieser Anflug von Angst auch nur Mutter Naturs Art, ihn mit der Nase darauf zu stoßen, dass er jetzt langsam in ein Alter kam, in dem er nicht mehr ganz so schnell oder stark sein würde wie früher. Vielleicht war es ein uralter Überlebensreflex, der ihm etwas sagen wollte, nur leider in einer Sprache, die niemand mehr verstand. Aber es war auch gut möglich, dass es gar nicht so kompliziert war. Vielleicht war es nur die Hoffnungslosigkeit und Nutzlosigkeit von dem, was er tat.
Vor vier langen Jahren, bei seinem ersten Einsatz im Nahen Osten, war er noch voller Idealismus gewesen. Obwohl seine Methoden nicht gerade die humansten waren, die der Menschheit zur Verfügung standen, war er tatsächlich der Meinung gewesen, etwas ändern zu können. Er konnte sich noch daran erinnern, dass er damals allen Ernstes davon geschwafelt hatte, die Welt zu einem besseren Ort machen zu wollen, obwohl er das heute natürlich nicht mehr zugeben würde.
Schließlich stellte sich heraus, dass die Wahrheit um einiges finsterer war als diese jugendliche Fantasie. Er war sich inzwischen ziemlich sicher, dass er nur tötete, um ein paar diplomierten Schreibtischhengsten in Washington das Gefühl zu geben, etwas getan zu haben. Oder schlimmer noch, damit sie sich trotz ihrer weichen, bleichen Leiber vorgaukeln konnten, sie wären die tapferen Krieger, die sie aufgrund ihres aufgeblasenen Egos zu sein hatten.
Al Fayed war nicht mehr so naiv zu glauben, dass Amerika sicherer war, nur weil er vier Männer getötet und unter der brennenden Sonne Nordafrikas zurückgelassen hatte. Sie waren bereits durch andere ersetzt worden. Und eines Tages würden ihre Söhne mit einem unbändigen Hass im Herzen den Kampf gegen das Land fortsetzen, das ihnen ihre Väter genommen hatte.
Er war inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass die Probleme, mit denen sich die Welt im Allgemeinen und ganz besonders in diesem Teil der Erdkugel herumschlug, im Grunde genommen so tief verwurzelt waren, dass es keine Lösung für sie gab – lediglich sinnlose Versuche, das Unvermeidliche hinauszuzögern. Zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts war alles noch so wie vor vielen tausend Jahren, als die Menschheit eine unberechenbare, hinterhältige Spezies gewesen war, deren Denkvermögen gerade ausreichte, um mit Schwertern und Speeren umzugehen. Wie konnte es Stabilität geben in einer Zeit, in der ein Einzelner innerhalb weniger Minuten zerstören konnte, was in Jahrhunderten gewachsen war?
Al Fayed trank noch einen Schluck Wasser und musterte die bröckelnden Gebäude vor sich. Obwohl sie aus getrocknetem Lehm und Steinen errichtet worden waren, wirkten sie sonderbar vergänglich. Wie völlig unzureichende Bollwerke gegen das Chaos, das um sie herum tobte. Ob ihnen letztendlich Amerikas großartige neue Bomben, plötzlich aufflammende Kämpfe unter rivalisierenden Splittergruppen oder einfach Verfall und Verzweiflung den Rest geben würden, war schwer vorherzusagen. Sicher war nur, dass es sie eines Tages nicht mehr geben würde.
Je mehr Zeit er im Nahen Osten verbrachte, desto sicherer war er, dass dieser Teil der Welt nicht wiedergutzumachende Schäden erlitten hatte. Wie sollten diese Leute ihren Platz in einer modernen Welt finden, die der Prophet, an den sie so inbrünstig glaubten, nicht vorhergesehen hatte? Es war ein psychologischer und moralischer Konflikt, der dazu führte, dass die Leute hier alles, was der Fortschritt ihnen bringen konnte, sowohl herbeisehnten als auch ablehnten.
Gerechterweise musste man anmerken, dass viele aus dem Westen wirklich helfen wollten. Sie hielten ihre Kultur für eindeutig überlegen – wohlhabender, weniger gewalttätig, gesünder. Sie dachten, dass selbst diese unzivilisierten Barbaren Wiederholungen von Sex and the City auf Großbildschirmen sehen und ihre Kinder in einem nagelneuen Geländewagen zum Fußballtraining fahren könnten, wenn sie sich nur dazu überreden ließen, mit dem Kämpfen aufzuhören und alles etwas lockerer zu sehen. Aber so einfach war es nicht.
Es hatte sich nämlich herausgestellt, dass Einfühlungsvermögen die einzige Waffe war, die es wert war, hier eingesetzt zu werden, nur leider hatten die Amerikaner keine Ahnung, wie man diese Waffe baute. Wenn man den Feind nicht verstand – wenn es einem nicht gelang, sich an seine Stelle zu versetzen –, konnte man ihn nicht besiegen. Es war absurd, einen planlos vorgehenden General nach dem anderen herzuschicken, der versuchte, Menschen zu kontrollieren, mit denen er sich nicht einmal verständigen konnte. Der Versuch, arabische Probleme mit amerikanischen Lösungen aus der Welt zu schaffen, hatte eine lange, illustre Geschichte von Fehlschlägen hervorgebracht, die anscheinend niemand zur Kenntnis nahm. Und so fuhr die Maschine einfach weiter, egal, wie kaputt sie schon war.
Al Fayed lehnte den Kopf an die kühle Mauer hinter sich und starrte in den wolkenlosen blauen Himmel. Er war in der zwölften Klasse ohne Abschluss von der Highschool gegangen, und jetzt entwickelte er sich zum politischen Philosophen. Keine sehr nützliche Qualifikation für jemanden mit seinem Beruf.
Er versuchte, an nichts mehr zu denken, und als ihm das nicht gelang, suchte er nach einem Witz, den er sich erzählen konnte. Angesichts der Umstände fiel ihm jedoch keiner ein, der lustig genug war, um ihn abzulenken. Vielleicht sollte er kündigen und sich einen ruhigen Job als Sicherheitsberater suchen. Magnum war schließlich auch als Privatdetektiv erfolgreich gewesen.
Er stand auf und ging auf der unbefestigten Straße weiter, doch als er einen gellenden Schrei hörte, duckte er sich hinter ein ausgebranntes Kettenfahrzeug. Mit der Hand auf der unter seinem Kaftan verborgenen Maschinenpistole lugte er auf die Straße hinaus, auf der plötzlich niemand mehr zu sehen war.
Einige Sekunden später hörte er den Schrei noch einmal, lange genug, um ihn einem jungen Mädchen zuzuordnen und zu vermuten, dass es sich in einer kleinen Gasse befand,...




