E-Book, Deutsch, Band 61, 64 Seiten
Reihe: Skull Ranch
Millett Skull-Ranch 61
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1919-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Des Colonels späte Rache
E-Book, Deutsch, Band 61, 64 Seiten
Reihe: Skull Ranch
ISBN: 978-3-7517-1919-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Sein Name war Jake Chilly. Das Leben führte ihn auf einem rauen Trail durch manche Hölle. Als Yankee-Colonel hatte er seine Feinde das Fürchten gelehrt, und nun, da er mit einer Horde rauer Wölfe eine blutige Spur durch Colorado zog, fürchteten ihn auch seine Spießgesellen. Es war sein glühender Hass, der ihn voranpeitschte. Seit sein Sohn von den Konföderierten gehenkt worden war, kannte er nur ein Ziel: Rache für seinen Sohn, Rache an John Morgan!
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Des Colonels späte Rache
von E.B. Millett
Sein Name war Jake Chilly. Das Leben führte ihn auf einem rauen Trail durch manche Hölle. Als Yankee-Colonel hatte er seine Feinde das Fürchten gelehrt, und nun, da er mit einer Horde rauer Wölfe eine blutige Spur durch Colorado zog, fürchteten ihn auch seine Spießgesellen.
Es war sein glühender Hass, der ihn voranpeitschte. Seit sein Sohn von den Konföderierten gehenkt worden war, kannte er nur ein Ziel: Rache für seinen Sohn, Rache an John Morgan!
Als die Sonne am höchsten steht, reiten sie in Golden City ein.
Doc Dan Finnegan und Jerry Multing stehen vor dem Eingang des Drugstore.
Old Sam, der Mietstallbesitzer, kratzt sich nervös am Kopf. Seine Kopfhaut beginnt zu jucken. Das hat noch niemals etwas Gutes bedeutet. Wenn Old Sam sich auf etwas verlassen kann, dann auf seinen Juckreiz.
Die Männer sind schmutzig, haben staubverkrustete Gesichter. In den Dreck hinein haben die Schweißtropfen helle Rinnen gezogen. Dass sie einen langen Ritt hinter sich haben, ist auch den Pferden anzusehen. Abgetriebene Gäule, die noch einmal munter werden, als sie das Wasser wittern, das Old Sam gerade frisch in die Tränke vor den Mietstall gefüllt hat.
Drüben, auf der anderen Straßenseite, schauen Doc Finnegan und Multing sich fragend an. Beinahe gleichzeitig zucken sie die Schultern. Sie haben die Männer noch niemals in der Stadt gesehen. Gleichzeitig geht aus den Gesichtern der beiden Bürger von Golden City hervor, dass sie sich nichts Gutes vom Auftauchen dieser Reiter versprechen.
Das haben der Doc und der Storekeeper im Gefühl.
Genau wie Sam, der die Zügel des Schecken auffängt, die ihm Jake Chilly zuwirft.
Jake Chilly ist ein hochaufgeschossener Mann. Er trägt dunkle Kleidung. Besonders auffallend sind die neuen, verzierten Stiefel mit den großen Silbersporen. Er hat ein scharfgeschnittenes, eckiges Gesicht, tiefliegende, dunkle Augen und beinahe schneeweißes Haar. Man kann sein Alter schlecht bestimmen, aber auf den ersten Blick wird deutlich, dass er auch in zwanzig Jahren noch ein gefährlicher Mann ist.
Die beiden anderen Reiter, Johnnie Bourban und Phil Denver, fallen durch nichts aus dem Rahmen. Hagere Gestalten mit nichtssagenden Gesichtern, an die man sich schon Minuten, nachdem man sie zum ersten Mal gesehen hat, nicht mehr erinnern kann.
Alle drei Männer sind nun aus dem Sattel gestiegen. Gemeinsam gehen sie zur Tränke und stecken die Köpfe ins Wasser.
Old Sam hält noch immer die Zügel des Schecken. Kein Wort ist gefallen. Dennoch fühlt Sam sich unbehaglich, als er den Männern zuschaut.
Jake Chilly, der Mann mit den Silbersporen, kommt ihm entgegen. Die großen Zackenräder klirren.
Das einzige Geräusch an diesem heißen Mittag. Man kann glauben, Golden City sei in einen tiefen Schlaf gefallen.
Außer dem Doc und dem Storekeeper auf der anderen Straßenseite kann Old Sam niemand entdecken, als er den Blick in die Runde schweifen lässt.
»Was sind sie noch wert?«, fragt der Mann mit den Silbersporen. Mit einer knappen Handbewegung deutet er auf die Gäule, die sich kaum noch auf den Beinen halten können.
»Zweihundert!«
Old Sam überlegt nicht lange. Für ihn steht fest, die Leute brauchen frische Pferde, und er kann zweimal verdienen, denn die drei sehen nicht so aus, als wollten sie sich lange in der Stadt aufhalten.
Old Sam kennt solche Männer. Die bleiben niemals lange und die kommen auch selten zweimal an den gleichen Ort zurück.
Also wird es keine Reklamationen geben. Zum anderen haben die gar keine Zeit, sich ein anderes Angebot einzuholen als das, das er ihnen gemacht hat.
»Was kosten drei gute, frische Pferde?«, kommt die nächste Frage von Jake Chilly.
»Fünfhundert«, antwortet Old Sam.
Das Gesicht seines Gegenübers wird noch etwas kantiger.
Old Sam sieht ihm an, dass der Preis ihm nicht gefällt. Er denkt, dass ihm die Pferde noch weniger gefallen werden, die er ihm für achthundert Dollars geben kann.
»Dafür sind es Gäule, die diese Klepper auf drei Meilen zwei hinter sich zurücklassen«, setzt Old Sam nach.
Er will dieses Geschäft machen, würde sich notfalls auch noch um einen Hunderter herunterhandeln lassen.
Doch das versucht niemand.
»Heute Abend reiten wir weiter«, sagt der Weißhaarige mit den Silbersporen.
Er winkt einem der anderen Männer.
»Dreihundert, Phil. Mach das klar!«
Phil Denver stößt sich den Stetson in den Nacken. Unwillen breitet sich auf seinem Gesicht. Der Preis ist viel zu hoch. Er will etwas sagen, doch Jake Chilly winkt ab.
»Zahl ihm dreihundert aus, Phil. Schau dir die Pferde an. Johnnie und ich sind im Saloon.«
Damit ist der Handel perfekt. Es gibt keine Diskussionen mehr.
Sam bekommt die dreihundert und die drei abgetriebenen Pferde, nachdem Phil einen kurzen Blick auf die frischen Pferde geworfen hat. Viel versteht er nicht von Gäulen. Er knurrt einmal, dann wendet er sich schweigend ab und folgt seinen Kumpanen in den Saloon.
Old Sam schaut ihm noch etwas benommen nach. Noch niemals hat der Alte in so kurzer Zeit so viele Dollars verdient. Er kann sich auch nicht erinnern, dass es jemals einen Kunden gegeben hat, der nicht versucht hat, ihn herunterzuhandeln.
Old Sams Kopf beginnt immer heftiger zu jucken.
Zum Teufel damit!, denkt Old Sam. Er tritt in den Schatten des Stalles zurück. Er hat sich um die Pferde zu kümmern, das ist sein Geschäft.
Was die Fremden angeht, so fallen die nicht in sein Ressort.
Wenn überhaupt jemand zuständig für sie ist, dann der Town Marshal George Rockwell. Doch der sucht mit einigen Leuten in den Cochetopa Hills nach einigen Kuhschwänzen und den Kerlen, die sie von einer fremden Weide abgetrieben haben.
Drüben in dem Drugstore trennen sich Doc Finnegan und Jerry Multing.
Jerry geht in den Laden zurück. Der Doc hat noch einen Krankenbesuch auf seinem Stundenplan stehen.
Golden City scheint die friedlichste Stadt in Colorado zu sein.
Doch das täuscht.
Zwei Stunden später kommen die nächsten Reiter in die Stadt. Bei deren Anblick juckt Old Sams Kopf nicht.
Er kommt aus seinem Stall heraus und stellt sich so auf die Straße, dass man ihn schon von weitem sehen kann.
Diesmal sind es Reiter von der Skull-Ranch.
Brazos, der riesenhafte Cowboy und Schmied, der aussieht wie ein gutmütiger Grizzly zu Pferd. Shorty, Brazos Freund, der neben dem Hünen wie ein Zwerg wirkt und Mary-Lou Morgan, die Tochter des Ranchers. Ein Mädchen, das mit ihrer natürlichen Schönheit überall Aufsehen erregt.
Shorty deutet auf Old Sam, der sich mitten auf der Straße aufgebaut hat. Die Hände in die Hüften gestemmt und den Blick starr auf Brazos gerichtet, der sich nun so unruhig auf seinem Sattel bewegt, als habe er eine wilde Hummel in der Hose.
»Old Sam meint dich, Brazos!«
Shorty wendet sich Brazos zu und grinst so breit, dass die Mundwinkel beinahe die Ohren berühren.
»Unsinn!« Brazos schüttelt den Kopf. »Der hält nach den ersten Regenwolken Ausschau. Besser, wir reiten schnell an ihm vorbei und stören ihn nicht.«
Mary-Lou Morgan versteht kein einziges Wort.
Woher soll das Mädchen auch wissen, dass Brazos' letzter Besuch in Golden City von wenig Erfolg gekrönt gewesen ist?
Mit zehn Dollars hatte Brazos sich an den Pokertisch gesetzt. Nach einer Stunde hatte Old Sam seinen Mietstall beinahe verloren. Nur zwei alte Klepper waren Old Sam noch geblieben, als Brazos' Pechsträhne begann. Eine Stunde später hatte Old Sam seinen Mietstall zurückgewonnen und wieder eine Stunde später hatte Brazos zwei Monatslöhne an Sam verloren.
Nun steht der Alte auf der Straße, um die erste Zahlung zu kassieren. Brazos hat sie fällig gestellt, sobald er wieder nach Golden City kommt.
»Was soll Old Sam schon von mir wollen?«, fragt Brazos scheinheilig, als Shorty noch immer grinst. »Ich bin mit meinem Gaul zufrieden. Mir kann Old Sam keinen müden Klepper mehr aufschwatzen. Vielleicht hat er es auf deine Rosinante abgesehen, Shorty.«
Shortys Rosinante ist das hässlichste Pferd, das jemals im Westen geboren worden ist. Man sieht ihm die guten Eigenschaften wirklich nicht an, die in ihm stecken. Und da mag kommen, was will, Shorty wird sich niemals von diesem hässlichen Gaul trennen.
Er will Brazos gerade eine passende Antwort geben, als Mary-Lou sich einschaltet.
»Warum fragt ihr ihn nicht, was er will? Ich reite derweil voraus. Wir treffen uns in einer Stunde in der Bank. Pass auf, dass Brazos nichts passiert, Shorty. Old Sam sieht wirklich so aus, als ginge es um höhere Beträge.«
Mary-Lou Morgan reitet voran, während Brazos sein Pferd zurückhält. Er hat es nicht eilig, in Sams Nähe zu kommen. Natürlich muss er seine Spielschulden bezahlen. Aber nicht so bald. Er hofft darauf, dass er Old Sam zu einem neuen Spiel herausfordern kann. Danach soll es Old Sam sein, der ein flaues Gefühl im Magen hat, wenn er in die Nähe der Skull-Ranch kommt.
Jetzt aber lässt es sich nicht umgehen, dass Brazos den...




