Miller | Melodie des Herzens | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 128 Seiten

Reihe: Freue dich Welt. Drei Weihnachtserzählungen

Miller Melodie des Herzens


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7751-7639-2
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 128 Seiten

Reihe: Freue dich Welt. Drei Weihnachtserzählungen

ISBN: 978-3-7751-7639-2
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Weihnachtsfest für eine junge Liebe England, Dezember 1813: Edith ist eingeladen, Weihnachten auf dem Landsitz ihrer Patentante zu feiern. Doch Ediths anfängliche Freude wandelt sich schnell ins Gegenteil, als sie erfährt, dass auch George Bannerman zu den Gästen gehört - der Mann, dessen Antrag sie aus Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie abgelehnt hatte, obwohl sie ihn liebt. Wie sollte sie ihre verantwortungsbewusste Fassade aufrechterhalten, wenn er ihr nun erneut gegenüberstehen würde? Auch George kämpft mit seinen Gefühlen. Er ist verletzt, aber liebt sie noch immer und ahnt, dass es ihr ähnlich geht. Während die Tage vor Heilig Abend geprägt sind von Gesellschaftsspielen, Vorbereitungen auf das große Fest und viel Musik, bleibt für die beiden nur eine Frage: Werden sie ihre Ängste und Pflichten beiseitelegen können, um zueinander zurückzufinden?

Carolyn Miller lebt in New South Wales in Australien. Sie ist verheiratet, hat vier Kinder und liebt es, zu lesen und Bücher zu schreiben. Ihre Romane handeln von Vergebung, Liebe und anderen Herausforderungen. Millers Lieblingsautorin ist natürlich Jane Austen. www.carolynmillerauthor.com
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Kapitel 2


George Bannerman spürte fast körperlich, wie sie den Blick von ihm abwandte. Er war sich ihrer Gegenwart schon immer überaus bewusst gewesen, als hätte er eine Art siebten Sinn für ihre Nähe. Das Wissen, dass sie hier sein würde, hatte ihn hoffen lassen; doch ihre kühle Begrüßung nach einem Jahr der Trennung hatte seine Hoffnungen ins Land der Träume verwiesen. Kein Zweifel, sie empfand nichts mehr für ihn.

»Also, was denken Sie?«

»Worüber?«, fragte George.

»Ganz im Bann der hübschen Damen, wie, Bannerman?«

Nur von einer einzigen. »Natürlich«, gab er der Frage scheinbar recht.

Alle lachten. Von wegen. Wie könnten ihn Satelliten von der Sonne ablenken?

»Ich glaube, Miss Mowbray hat ein Auge auf Sie geworfen«, sagte Mr Barnard Drake.

»Es ist mein Geld. Ich glaube, Miss Hammerson ist scharf auf mein Geld.« Lord Aylmer Sculthorpe klopfte George auf die Schulter. »Apropos – war da nicht mal was zwischen Ihnen und Miss Mansfield? Was ist denn nun aus Ihnen beiden geworden?«

»Unsere Wege haben sich getrennt.« Mehr würde und konnte George nicht sagen. Welcher Mann hätte schon eine Abweisung eingestanden?

»Dann ist sie also noch zu haben?«

Seine Hände ballten sich zu Fäusten. Er zwang sich, sie zu entspannen. »Soweit ich weiß, ja. Aber ich kann es wirklich nicht sagen.«

»Hm. Nun, das wäre eine Überlegung wert. Ein kleiner Flirt würde diese Party auf jeden Fall sehr viel amüsanter machen, meinen Sie nicht?«

»Meiner Meinung nach werden sich die geplanten festlichen Aktivitäten als vollkommen ausreichend unterhaltsam erweisen.« Er musterte den anderen kühl. »Ich bin jedenfalls sicher, dass meine Patentante sich große Mühe gegeben hat sicherzustellen, dass ihre Gäste die Zeit hier genießen.«

Bei der Erwähnung ihrer Gastgeberin wurde Lord Sculthorpe rot. Der sanfte Tadel in Georges Worten ließ den jungen Herrn die Augen niederschlagen.

»Ich bin überzeugt, dass wir unter den Misteln und dergleichen Spaß genug haben werden.«

Aber nicht mit Miss Mansfield. Wieder musste George sich zwingen, seine Fäuste zu entspannen. Wenn er sie nicht küssen konnte, würde er lieber sterben, als zuzusehen, wie ein anderer dieses Privileg genoss. Er würde mit seiner Patentante reden müssen. Irgendeinen Vorteil musste es ja haben, ihr Patenkind zu sein.

Doch später, als er sie endlich in der Bibliothek gefunden und ein wenig ausgefragt hatte, ging seine Hoffnung dahin. Sie hatte tatsächlich vor, sämtliche traditionellen Weihnachtsfeierlichkeiten voll auszukosten, und wenn der einzige Sohn ihres liebsten Freundes glaubte, er könnte sie überreden, dieses Vorhaben aufzugeben, dann sollte er sich das lieber noch einmal überlegen.

»Ich weiß, dass du enttäuscht wurdest«, sagte sie mitfühlend. »Ein Grund mehr, dass du dir die Zeit nimmst, über alles noch einmal gründlich nachzudenken. Die Reisen, die du in letzter Zeit unternommen hast, haben dir doch sicherlich gezeigt, dass es da draußen eine ganze Welt von jungen Damen gibt, George. Du brauchst dich also nicht an den Schürzenzipfel einer ganz Bestimmten gebunden zu fühlen.«

Er sah sie misstrauisch an. Eine ganze Welt junger Damen und Tante Margaret hatte ausgerechnet die Frau eingeladen, die er nicht vergessen konnte?

»George? Warum siehst du mich so an? Glaubst du wirklich, du seist einer bestimmten Dame verpflichtet?«

Er lachte. »Natürlich betrachte ich mich als keiner Frau gegenüber verpflichtet, ausgenommen selbstverständlich meiner Patentante.«

»Das freut mich zu hören.« Sie lächelte zufrieden. »Ich weiß, dass das letzte Jahr eine schwere Prüfung für dich war, aber ich glaube fest dran, dass die Weihnachtszeit eine Zeit der Versöhnung ist. Man sollte sich mit einer Entfremdung nicht einfach so abfinden.«

»Natürlich nicht«, murmelte er und es gelang ihm tatsächlich, sie nicht darauf hinzuweisen, dass die Entfremdung, von der sie sprach, nicht von seiner Seite ausgegangen war.

Sie sah ihn mit hochgezogenen Brauen an. Er unterdrückte einen Seufzer und versuchte, ihr Wohlwollen zurückzugewinnen, indem er sich anbot, jegliche Aufgabe dekorativer Art zu übernehmen, die sie für notwendig erachtete, einschließlich der Beschaffung des Julklotzes.

»Wirklich? Das wäre sehr schön. Mr Caddy ist ein Schatz, aber schon ziemlich betagt. Vielleicht können wir für morgen eine Exkursion ansetzen – wenn du meinst, das könnte den jungen Leuten gefallen.«

»Da bin ich ganz sicher.«

»Mein lieber Junge, ich wusste doch, dass ich mich auf dich verlassen kann.« Seine Patentante lächelte ihn liebevoll an. »Du bist ein solcher Trost für mich alte Frau.«

»Alt? Wie kannst du so was von meiner Patentante sagen?«, entgegnete er galant. »Das verbiete ich dir hiermit strengstens.«

Sie lachte ein wenig asthmatisch und tätschelte ihm den Arm.

Anscheinend würde er die Zähne zusammenbeißen und darauf vertrauen müssen, dass Gott ihm half, wieder in Ordnung zu bringen, was sich da entfremdete.

»Und ich hatte gehofft, heute Abend einige der vielen talentierten Musiker und Musikerinnen unter Ihnen überreden zu können, uns ein wenig zu unterhalten und zu erfreuen. Amelia, was meinen Sie?«

»Oh, sehr gern«, antwortete die hübsche Blonde geschmeichelt.

Er verbiss sich ein Lächeln. Miss Mowbray schien ihm keine derjenigen zu sein, die eine Gelegenheit zur Selbstdarstellung ausließen. Den Blick starr nach vorn gerichtet, bemühte er sich, nicht zu versuchen, Miss Mansfields Gesichtsausdruck zu ergründen. Nicht, dass er je besonders gut darin gewesen war, ihre Gedanken zu ergründen. Es war ihr schon immer gelungen, ihre wahren Gefühle perfekt zu verbergen.

Er schob diese Gedanken, die ihm noch immer einen schmerzlichen Stich versetzten, beiseite und konzentrierte sich auf das Pianoforte – und auf die Darbietung der jungen Dame, die sich unerschrocken an Noten wagte, bei denen begabtere junge Damen gezögert hätten. Als das Stück zu Ende war, applaudierte er automatisch und war nicht weiter überrascht, dass Miss Mowbray sich nicht weiter zierte, sondern sich sogleich zu einem weiteren Stück bereitfand. Diesem folgte ein drittes, doch danach erhob sich seine Patentante und gab mit ihrem Beifall das Zeichen für einen wahrhaft frenetischen Applaus aller Anwesenden.

»Vielen Dank, Amelia. Das war ein Genuss. Wenn ich jetzt vielleicht Miss Hammerson überzeugen könnte, uns eine Probe ihres Talents zu liefern? Ich glaube, Sie haben eine ganz besondere Begabung für die Harfe, meine Liebe?«

»Oh – natürlich, Ma’am. Es wäre mir eine Freude.«

Der Ton, in dem sie das sagte, stand so sehr im Gegensatz zu dem Ton der jungen Dame vor ihr, dass er sich abermals ein Lächeln verbeißen musste. Wenn er zum Wetten neigen würde, hätte er darauf gewettet, dass sie eher zu Tode erschrocken als erfreut war. Inmitten leiser Gespräche wurde eine Harfe nach vorn gerollt und hastig gestimmt. Dann begann Miss Hammerson zu spielen.

Doch ihre Nerven schienen bloßzuliegen, was zu einer so verhaltenen Darbietung führte, dass ihr Ende für die arme Musikerin wahrscheinlich eine ebenso große Erlösung war wie für ihre Zuhörer. George lächelte sie mitfühlend an, woraufhin sie errötete, was wiederum ihm Grund zum Nachdenken gab. Es hatte keinen Sinn, bei anderen jungen Damen Erwartungen zu wecken, die auf jeden Fall enttäuscht werden würden.

»Vielen Dank, Miss Hammerson, das war sehr hübsch.« Seine Patentante blickte sich um und begegnete seinem Blick. Er schüttelte leicht den Kopf. Sie schien ein wenig zu schmollen, ließ den Blick aber weiterwandern. »Ah, Lady Anne. Darf ich Sie vielleicht fragen …«

»Sie müssen entschuldigen, Lady Grantley, aber ich bin nicht im Geringsten musikalisch, auch wenn ich Talent ebenso sehr bewundere wie die junge Dame neben mir.« Lady Anne wandte sich an Edith, die neben ihr saß. »Vielleicht gelingt es Ihnen ja, Miss Mansfield zu überreden …«

»Oh, aber …«

»Ein ausgezeichneter Gedanke«, stimmte seine Patentante zu und wandte sich über die Köpfe der vor ihr Sitzenden hinweg an Edith. »Miss Mansfield? Hätten Sie vielleicht die Freundlichkeit?«

»Natürlich, gern.«

Das kam so leise heraus, dass er sie kaum verstand. Doch die Ironie war nicht zu überhören. Sie war alles andere als erfreut.

Edith ging ans Pianoforte, setzte sich, ohne nach Noten zu suchen, auf den Klavierhocker, hob die Hände und begann zu spielen.

Die Perfektion ihrer Darbietung erfüllte den Raum und schenkte seinem Herzen Frieden. Ihr Spiel war von einer Qualität ganz anders als das ihrer Vorgängerinnen: Die herzergreifende Intensität in Verbindung mit unübersehbarem Selbstvertrauen ließ keinen Zweifel an ihrem Talent. Dieses Selbstvertrauen schien sie auf anderen Gebieten nicht mehr zu besitzen – davon zeugten ihr gesenkter Kopf und wie sie bei ihrer Begrüßung und während des Rebhuhn-Dinners vorhin die Augen niedergeschlagen hatte.

Was hatte ihr die Selbstsicherheit genommen, an die er sich so gut erinnerte? Durfte er hoffen, dass es etwas mit ihm zu tun hatte? Doch nein. Das wäre dumme Eitelkeit. Solchen Gedanken durfte er sich gar nicht erst hingeben. Sie hatte ihre Wahl getroffen. Er stimmte in den Applaus am Ende ihrer Darbietung ein und zwang sein Gesicht zu einer Gleichgültigkeit, die er auch während ihrer zweiten Darbietung – einer Sonate von Haydn – nicht empfand. Dann stand sie auf, knickste, lehnte eine weitere Zugabe höflich ab und setzte sich wieder auf ihren Platz...


Miller, Carolyn
Carolyn Miller lebt in New South Wales in Australien. Sie ist verheiratet, hat vier Kinder und liebt es, zu lesen und Bücher zu schreiben. Ihre Romane handeln von Vergebung, Liebe und anderen Herausforderungen. Millers Lieblingsautorin ist natürlich Jane Austen. www.carolynmillerauthor.com

Carolyn Miller lebt in New South Wales in Australien. Sie ist verheiratet, hat vier Kinder und liebt es, zu lesen und Bücher zu schreiben. Ihre Romane handeln von Vergebung, Liebe und anderen Herausforderungen. Millers Lieblingsautorin ist natürlich Jane Austen. www.carolynmillerauthor.com



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