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E-Book

E-Book, Deutsch, 480 Seiten

Miller Magiestaub


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-95991-558-8
Verlag: Drachenmond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 480 Seiten

ISBN: 978-3-95991-558-8
Verlag: Drachenmond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dark Academia Romantasy mit einzigartiger Magie Ein verbrannter Name. Tanzender Magiestaub. Während sich das Magiewissenschaftsstudium für andere um Bestnoten und Creditpoints dreht, geht es für Amelie Fournier um Leben und Tod. Seit Jahrhunderten ist die Magie verschwunden und auf Amelie lastet die gewaltige Aufgabe, diese zurückzubringen. Scheitert sie, ist sowohl ihre Existenz bedroht als auch das Schicksal ihrer Liebsten und das der gesamten Welt. Für ein Privatleben bleibt daher keine Zeit. Erst recht nicht für ein Rendezvous mit dem Magieziner und Sohn ihres Chefs Raphael Chevalier, der ganz eigene Pläne verfolgt. Mit denen bringt er allerdings nicht nur Amelies Forschung und ihr Herz in Gefahr - sondern auch ihr Leben.

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1

Amelie


Der eisige Atem des Todes streifte meinen Nacken. Ich wirbelte herum, blinzelte in die Finsternis jenseits der unzähligen Kerzen, deren Licht über die steinernen Wände floss. Die Schritte der anderen entfernten sich und ich lauschte der darauffolgenden Stille. Es war eine, die mir in den Ohren dröhnte. Eine, wie sie nur möglich war, wenn man sich so tief unter der Erde befand, dass jedes Geräusch erstarb. Doch sie war trügerisch.

Ein Knistern hing in der Luft. Lautlos zwar, aber ich spürte es. Es war wie ein Prickeln auf der Haut und ein Schauder, der mir über den Körper rieselte. Meine Nackenhaare stellten sich auf und mein Herz geriet ins Stolpern, als ein Flüstern die Stille durchbrach. Daraus formten sich Worte. Alles in mir erstarrte. Ich hielt die Luft an, wagte nicht, mich zu rühren, und versuchte, zu verstehen, was diese körperlose Stimme sagte. Erfolglos. Es klang wie Bruchstücke einer fremden Sprache, eine, auf die mein Körper mit einem Summen reagierte, als verstünde er, was mir verborgen blieb.

Ich war nicht allein. Dieser Gedanke reifte mit überwältigender Gewissheit in mir, obwohl ich niemanden in der Dunkelheit erkannte, die im nächsten Moment allumfassend wurde und alles um mich herum verschluckte, als ein Windhauch fast alle Kerzen löschte.

Das mir vertraute, in den letzten Wochen hartnäckiger gewordene Schwindelgefühl erfasste mich und ließ mich durch die konturlose Umgebung wanken. Ich streckte eine Hand aus und betete, damit keinen der Totenschädel zu berühren, die sich an den Wänden links und rechts neben mir stapelten. Stattdessen fand ich an einer der Säulen Halt, die die niedrigen Decken trugen, und lehnte mich dagegen. Bis sich meine Augen an die Finsternis gewöhnt hatten und ich meinem Gleichgewichtssinn wieder vertrauen konnte, verharrte ich in dieser Position. Woher war der Wind gekommen? Ich sah mich nach meinen Mitstudierenden um und überlegte, ob sich jemand von ihnen einen Scherz mit mir erlaubte. Ein Flüstern streifte mein Ohr und strich sanft durch mein Haar. Ich fuhr herum, hob die Hand und griff ins Leere.

Wieder ein Flüstern, dessen Worte ich nicht verstehen konnte. Wut über diesen albernen Streich verknotete mir den Magen und ich zog mein kleines Notizbuch aus der Gesäßtasche meiner Hose, um eine Seite herauszutrennen und sie in die winzige Flamme der Kerze zu halten. Ein orangefarbenes Licht floss durch den unterirdischen Raum, tanzte über die Schädel, malte Schatten in die Ecken. Da war niemand außer mir.

Der Zettel in meiner Hand schrumpfte unter der Hitze des Feuers zusammen und als dieses den Namen, den ich mir zuvor darauf notiert hatte, verbrannte, überkam mich ein eigenartiges Gefühl, als würde mein schneller schlagendes Herz den Schwindel aus meinem Körper vertreiben wollen. Und als besäße es die Macht dazu.

Seit Tagen plagte mich eine irrationale Mischung aus Müdigkeit und Schlaflosigkeit, doch in diesem Augenblick fühlte ich mich lebendig und unbesiegbar. Der Zettel in meiner Hand zerfiel zu Asche, die Flamme erlosch, aber um mich herum tanzten goldene Partikel, die den Raum erhellten. Sie schwebten in der Luft, gerieten durch meinen Atem in Bewegung und trieben die Schatten vor sich her. Über den erloschenen Kerzen verdichteten sie sich, bis sie wie aus dem Nichts erneut zu brennen begannen.

Ich hielt den Atem an, verfolgte das Schauspiel mit offenem Mund und versuchte, zu verstehen, was ich da sah.

Als Wissenschaftlerin komprimierte sich dieser Moment auf die Wechselwirkung von Beobachtung und Schlussfolgerung, die keinen Spielraum für Interpretationen ließ. Denn was ich sah, war Magie, dessen war ich mir absolut gewiss.

Die Kerzenflammen schossen hoch, der Magiestaub legte sich und das machtvolle Gefühl in mir verklang. Zurück blieb das Flüstern.

»Amelie?«

Kein Flüstern mehr, ein Rufen jetzt. Es riss mich aus der Starre. Juliens Gestalt tauchte vor mir in einem der halbrunden Gänge auf. Er war hochgewachsen, mit breiten Schultern und bewegte sich in geduckter Haltung durch die Katakomben auf mich zu. Das schwarze Haar trug er als Buzz Cut, er hatte dunkelbraune Augen und einen warmen Blick. Als er vor mir stehen blieb, wurde seine positive Ausstrahlung von dem grimmigen Zug um seinen Mund gedämpft.

»Bist du in Ordnung?« Seine Stimme hallte von den Wänden wider.

Der Schreck über das, was gerade geschehen war, saß tief und lähmte mir die Zunge. Zwei Möglichkeiten: Es ging mir sehr viel schlechter, als ich angenommen hatte, und die Halluzinationen setzten bereits ein. Oder ich war meinem Ziel näher als je zuvor. Ich drehte mich von Julien weg, sah durch den Raum, der nicht wirkte, als wäre hier gerade eben etwas Ungewöhnliches geschehen.

Ein Nicken war alles, was ich zustande brachte. Aber es genügte meinem Kommilitonen und er verzog das Gesicht zu einer Grimasse.

»Echt gruselig hier unten«, sagte Julien. »Möglicherweise ist das Professor D’Amboises neuste Strategie, um den Kurs auszudünnen, nachdem dieses Vorhaben bei der letzten Abschlussprüfung gescheitert ist.«

Um einen Platz in einer der legendären Vorlesungen von Professor D’Amboise belegen zu dürfen, musste man schnell sein und sich an dem Tag, wenn der Veranstaltungsplan online gestellt wurde, vor allen anderen einschreiben. Grundvoraussetzung dafür waren ein Wecker und eine zuverlässige Internetverbindung. Julien und ich hatten es in diesem Semester zum zweiten Mal geschafft und nicht zu viel erwartet. Denn die Einführungsveranstaltung der Vorlesung verbrachten wir in den Eingeweiden der Stadt und besichtigten die Pariser Katakomben.

Ich zwang mich zu einem Lächeln, das hoffentlich über meine Unsicherheit hinwegtäuschte. »Verdammt, dann sollten wir uns den anderen wieder anschließen. Ich habe im letzten Semester meine gesamte Freizeit geopfert, um mich für diesen Kurs zu qualifizieren.«

»Nur im letzten Semester?« Der Vorwurf in Juliens Frage war nicht zu überhören.

Seit wir im Wintersemester vor zwei Jahren unser Studium an der Paris-Sorbonne begonnen hatten, pflegten wir eine lose Freundschaft. Oder um es fair auszudrücken: Er pflegte unsere Freundschaft. Es war nicht so, dass ich ihn nicht mochte. Er war ein großartiger Kerl, aufmerksam und humorvoll, der mir das nötige Verständnis für meine exzessiven Forschungen entgegenbrachte. Meistens. Wenn ich den Unterricht nicht so dermaßen ernst genommen hätte, hätte ich ihm womöglich mehr Zeit eingeräumt. Aber ich nahm den Unterricht ernst. Mein Studium und das Ziel, das ich damit verfolgte, hatten für mich oberste Priorität.

Trotzdem wirst du es nie schaffen.

Zweifel übertönten den Optimismus, der mir an anderen Tagen Mut zusprach. Es fühlte sich an, als würde sich eine kalte Hand um mein Herz legen und zudrücken, meinen Puls zum Aufgeben zwingen. Scheitern war keine Option, denn das bedeutete für mich ein Ende, wie ich es nicht akzeptieren konnte.

Wir folgten dem Gang, durch den die anderen Kursteilnehmer verschwunden waren. Die messerscharfe Stimme unseres Professors bewahrte mich davor, Julien mit einer Ausrede zu vertrösten, als wir in eine Kammer traten, an deren Wänden sich unzählige Knochen stapelten. Kerzenlicht tanzte auf den Totenschädeln, die mich aus leeren Höhlen anstarrten. Nie zuvor war ich dem Tod näher gewesen als in diesem Moment. Ich spürte seine Gegenwart. Sie sickerte aus den Wänden, hing schwer in der Luft, dazwischen das Flüstern. Es wurde lauter und fast war ich sicher, dass es Worte waren, die zwischen den Totenschädeln verklangen wie ein Lied, dem niemand außer mir lauschte.

»Mademoiselle Fournier, Monsieur Deschamps! Ich fürchtete schon, Sie in den Tunneln verloren zu haben.«

Das Rauschen des Blutes in meinen Ohren und das Flüstern übertönten Juliens Erwiderung, aber das Kichern meiner Mitstudierenden lenkte meine Aufmerksamkeit zurück auf die Veranstaltung.

Professor D’Amboise blickte mit uns in diesem Semester auf das Leben unseres größten Volkshelden, César E. A. Mézangeau, der bei dem Versuch, die Magie in unserer Welt zu bewahren, gestorben war. D’Amboise war ein stattlicher Mann, der in jungen Jahren sicher attraktiv gewesen war. Er hatte sich das schlohweiße, jedoch noch immer volle Haar als Knoten im Nacken zusammengebunden. Auf seinem Kopf saß eine Hornbrille wie ein Haarreif und hielt ihm die losen Strähnen aus dem Gesicht. Seine Augen waren klein wie die eines Mannes, der sich ein Leben lang im spärlichen Licht einer Bibliothek auf die winzigen Buchstaben alter Bücher konzentriert hatte, passend dazu furchten tiefe Denkfalten seine Stirn. Er kleidete sich stets in karierte Hemden und ungebügelte Bundfaltenhosen, das Markenzeichen für den beliebtesten Dozenten der Magiewissenschaftlichen Fakultät, denn obgleich seinem Fachbereich Theoretische Magiekonzepte der Ruf von Langeweile anhaftete, gestaltete er seine Vorlesungen außergewöhnlich.

»Der Tod war ein unliebsamer Nachbar«, setzte Professor D’Amboise die Führung fort. »Glaubt man den Quellen, starben im Jahr 1779 mehrere Personen im ersten Arrondissements an dem Gestank, der vom nächstgelegenen Friedhof ausging. Daraufhin verfügten die Behörden, den Friedhof zu schließen und die exhumierten Gebeine in die städtische Unterwelt zu überführen. Vom Steinbruch zum Totenbett: die Pariser Katakomben.«

Obwohl seine...



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