E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Miller Anders als artig
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7528-9003-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Sexperimente
E-Book, Deutsch, 192 Seiten
ISBN: 978-3-7528-9003-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Okay ich fang da an, wo es interessant wurde, Anfang der 80er Jahre. Süße 16. Es war erstmal ein Kuhhandel, ich wurde einfach ausgetauscht. Meinem damaligen Freund war ich zu anstrengend. Allerdings erwies sich diese Tatsache für mich als Glücksfall. Denn Jörg, mein Ehemann seit mittlerweile 12775 Tagen, stand bereits in den Startlöchern. Danach ging alles Schlag auf Schlag: Abitur, Studium, Hochzeit, Weltreise, eigene kleine Firma, Katze und drei Kinder. Mich selbst zu beschreiben fällt mir schwer. Ich starte mal einen Versuch: ich bin eitel, zu eitel, ungeduldig, hasse Dummheit, bin stressig, es kann mir nichts schnell genug gehen, bin oft direkt, offen, laut. Oft auch everybodys darling oder Depp, möchte den Leuten gefallen, das Bild von mir sollte positiv sein. Sage ja, meine nein, bin nachgiebig, gutmütig, harmoniebedürftig. Mutter der Nation. Multitasking. Ich hasse Langsamkeit, bin offen, kenne beim Reden keine Tabus, rede schnell, laut und viel. Bin oft inkonsequent. Talentfrei beim Singen und Tanzen, schade eigentlich. Meine gute Seiten: ich kann gut zuhören, lache gerne und oft, habe Humor, handle, denke und entscheide schnell, manchmal auch zu schnell. Und vor allem mag ich Menschen, deren Geschichten, Schicksale. Selbst würde ich mich als Empath bezeichnen. Mitfühlen, hineinfühlen, bin sehr emotional, kann überzeugen, überreden, verkaufen, bin diplomatisch. Das Leben ist ein spannender Krimi. Oder wie bei Forrest Gump: Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man kriegt. Das Leben ist schön, bunt und ich freue mich über meine Gesundheit, über viele kleine Glücksmomente. Bin gierig auf Neues, begierig. Inzwischen bin ich 50 Jahre alt. Für die einen bin ich Hausfrau und Mutter, für die anderen Geschäftsfrau und Chefin. Aber immer zentrale Anlaufstelle für alle Belange. Mein Faible sind Menschen.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 4 – Best friends
Tim ist Trainer in meinem Studio. Die Frauen mögen ihn – klar er ist ein Mann – einer der wenigen männlichen Trainer dort. Sozusagen der Wolf unter den Schafen. Irgendwie sind wir ins Gespräch gekommen, haben uns gleich blendend verstanden. Er ist ein ganz Lieber, wir sind uns nah, seelenverwandt? Rein optisch total verschieden, ich laut und hektisch, er ruhig und gelassen. Er immer konsequent, geradlinig, ich dagegen die Meisterin der Inkonsequenz und der Ausreden. Kurz: er wurde nach kurzer Zeit mein bester Freund, ich vertraute ihm mein Innerstes an. Und er hörte mir zu, verurteilte mich nicht, verpasste mir auch mal einen Einlauf. Es zählen für mich die inneren Werte. Für die Damenwelt zählen die äußeren Werte: schlank, sportlich, kurze Haare. Er hat schöne Hände und kann einen direkt anschauen. Das mag ich. Selbstredend ist er ein klasse Trainer, seine Stunden sind ein Highlight. Schnell wurde er auch mein „personal trainer“, ein Luxus den ich mir erlaubte. Mit Tim kam auch Facebook in mein Leben. Und sehr viel Streit und Eifersucht von meinem Mann. Tim und ich teilen denselben Humor, mein geliebter Mann leider nicht….ich kann mich über schmutzige Witze und Sex-Post im Facebook kringelig lachen, Jörg findet es doof und anzüglich. Und bei unseren Chats las er immer mit – ein no go!!! Okay, ich gebe ja zu vielleicht ist es nicht gerade ratsam, Tim den Titel „Feel“ von Robbie Williams zu posten. Aber da ging es ihm schlecht und ich wollte ihm sagen – Gefühle zulassen. Pech nur – mein Ehemann hat dies ganz anders verstanden. Solche Missverständnisse entstehen dann, wenn man bei anderen Personen mitliest. Übrigens: ich liebe Facebook. Facebook – für mich alte Frau eine neue Welt – eine Form der Kommunikation die E-Mails und SMS bei weitem toppten. Herrlich –Bilder, Sprüche, Lieder posten, mit Leuten aus der ganzen Welt im Sekundentakt Verbindung aufnehmen. Eine neue virtuelle Welt erschloss sich mir. Das ist Tim und mein Ding. Er kann verdammt gut schreiben – und er trifft erstaunlich oft ins Schwarze oder berührt mich. Komisch – oft kommt es mir vor, dass wir zwei uns bereits eine Ewigkeit kennen. Bei ihm habe ich ein Wohlfühlgefühl, er bringt mich zum Lachen wenn wir nach weinen zu Mute ist. Wir verstehen uns gut, sehr gut. Vertrauen uns- blind. Die Chemie stimmt. Tim ist treu – seit 20 Jahren verheiratet, noch nie hat er seine Frau betrogen. Er hat eine tolle Frau und eine klasse Tochter. Beide sind mir ans Herz gewachsen. Mit seiner Frau unternehme ich ab und zu etwas – wir gehen essen, tanzen….Er bleibt lieber zu hause. Und er ist sehr korrekt. Man könnte ihm eine nackte Frau auf den Rücken binden, nur mit Turnschuhen bekleidet – und er würde sich für die Turnschuhe interessieren. Das ist Tim. So kenn ich niemanden. Er hat mir sehr geholfen beim Abnehmen. Und auch beim Ballast-Abwerfen stand er mir mit Rat und Tat zur Seite. Schon irgendwie komisch – sicher kennen wir alle dieses Gefühl, jemanden schon sehr lange zu kennen, vertraut, sehr nah zu sein. Ich frage mich dann: warum führt uns das Leben zusammen? Aber da ich eher nicht sehr esoterisch angehaucht bin und tagsüber gut beschäftigt bin, gehe ich dieser Frage auch nicht nach. Ach ja- und er hat diesen Traum von Asien – das gelobte Land, dorthin reist er immer – auswandern - und alles ist besser, easy going. Da bin ich ganz anders – bodenständig. Ich reise übrigens sehr gerne und nicht nur um ins Warme zu kommen, einen tollen Strand zu sehen oder im Meer zu baden. Nein, ich liebe die Welt – die unterschiedlichsten Menschen, vielfältige Landschaften, exotisches Essen, Kulturen, Lebensweisen, Einstellungen. Oft gibt es Plätze, da fühle ich mich wie zu Hause, wie angekommen. Die Seychellen sind so ein Ort – unglaublich schön, Menschen die einen berühren, einem ihr Lächeln schenken, zufrieden sind. Das satte Grün des Urwalds, die Farbe des Meers – Sex für die Augen, Gefühls-Orgasmus. Neben - und schon lange vor Tim - gibt es Karl, mein längster, ehemals bester und ältester Freund. Bis Tim in mein Leben kam. Wir sind immer noch ziemlich beste Freunde, aber irgendwie anders. Tim vertraue ich Intimes von mir an, er kennt die Geschichte – nein die Geschichten mit Marc – weiß wie ticke, fühle. Und er würde mich für mein Tun niemals verurteilen. Tim hat einmal zu mir gesagt: Du lebst dich wenigstens aus, anderen würden es gerne, trauen sich aber nicht! Stimmt, da hat er wohl Recht. Zurück zu Karl. Wir kennen uns eine gefühlte Ewigkeit, so in Zahlen etwa 35!!! Jahre. Oh mein Gott wie die Zeit vergeht. Wir können uns gut unterhalten, oft tratschen wir wie zwei alte Waschweiber. Und haben denselben Humor. Leider sehen wir uns nicht mehr so oft, haben aber ständig telefonischen Kontakt, mal mehr, mal weniger. Manchmal sind wir abscheuliche Lästermäuler, da wir dieselben Leute kennen. Teilen oft dieselben Ansichten. Nur hält er an „Altem“ fest, ich habe das Gefühl ich entwickle mich schneller weiter. Karl ist alles andere als sensibel, eckt damit unbewusst auch an. Das bekomme ich dann mitgeteilt, denn die Leute sind ja zu feige es ihm direkt zu sagen. Meistens muss ich mir dann sein Benehmen und die Klagen unserer Freunde darüber am Telefon anhören. Leider bin ich da der falsche Adressat – aber ich bin ja sehr gutmütig, höre es mir an, versuche zu verstehen, vermittle. Die diplomatische Waage hat ihre Arbeit wieder mal aufgenommen. In meinem nächsten Leben verlange ich 100 Euro pro Stunde und mache mir ein Schild an die Tür, nenn mich „Lebenshilfe/Lebensberatung“. Und spiele Architekt bei den Baustellen von anderen Leuten. Nur kenne ich leider niemanden der für so eine Leistung bereit wäre zu bezahlen. Ich halte Karl für ziemlich ehrlich, ich mag seine Direktheit. Gerade damit können viele nicht umgehen. Manchmal spürt er die Signale seiner Mitmenschen nicht, wirkt dann grob. Auch mich verletzt seine Art ab und an. Karl ist beliebt. Er kennt 1000 Leute, für jedes Problem, für jede Frage, für jedes Schnäppchen im Leben hat er einen Typen parat. Spezialgebiete: Autos, Traktoren, Schrauber, Bastler, Sammler, Handwerker. Schräge Typen mit seltsamen Ansichten oder komischen Problemen zieht er zudem förmlich an. Oder Weltverbesserer – die gehen ihm zwar sowas von gegen den Strich, denn die versteht er nicht. Aber über die regt er sich dann stundenlang auf. Das braucht er. So der Kontrast zu seiner normalen geregelten Welt. Dann kann er sich gut und sicher fühlen, klopft sich imaginär innerlich auf die Schulter und denkt insgeheim: Alles gutgemacht. Würde er natürlich niemals zugeben. Er will immer viel machen, setzt aber wenig davon um. Bequemlichkeit und Sicherheit siegen. So ist der All Inklusive Urlaub doch schon mit einem gemieteten Auto und der Inselrundfahrt das Highlight. Mehr Abenteuer braucht es nicht im wirklichen Leben. Und die nicht gelebten Abenteuer lassen wir schön drin im Herzen. Finde ich sehr schade. Wann fängt er zu leben an? In der Rente? Er gibt den Typ – Jäger und Sammler, er erlegt die Beute, sorgt für das sichere Dach über dem Kopf und seine Frau versorgt das Heim. Typ: Heimchen am Herd? Eigentlich nicht – sie sagt ihm ganz deutlich wo es langgeht. Und er gehorcht. Nach außen hin: Klassische Rollenverteilung. Viele von unseren gemeinsamen Freunden wünschten sich, dass er mal auf den Tisch haut, sich durchsetzt. Das Schlimme daran: er – als Super-Macho – merkt noch nicht einmal wie ihn seine Frau im Griff hat. Sie zieht die Fäden im Hintergrund. Die Macht der Frau.
Optisch ist Karl eher unauffällig, sieht noch ganz jugendlich aus für sein Alter. Er ist er normal groß, hat noch viele Haare, meist so strubblig wie meine (Frisur – wird total überbewertet – Haare sind okay) kaum graue Haare für sein Alter, Bart, trägt Jeans, Stiefel, immer lässig. Typ Cowboy, mit kleinem Waschbär-Bauch. Bier schmeckt halt. Und das Rauchen kann er auch nicht sein lassen. Männliche Attribute. Sein Pferd ist sein Oldtimer und sein größter und treuester Freund ist sein Hund.
Wir führen viele gute Gespräche – nicht mehr so wie früher und auch nicht mehr so häufig – und eigentlich auch nur noch am Telefon. Neulich war ich sehr hart zu ihm: ich konfrontierte ihn knallhart und lückenlos mit der Wahrheit. Frei, frisch, unverblümt. Heftig. Aber ehrlich. Über unsre Freunde. Ich konnte ihn förmlich durchs Telefon schlucken hören. Damit hatte er nicht gerechnet. Das saß. Dann rief ich ihn nochmals an. Wir scherzten und sagten: Lass und Freunde bleiben. Zehn Minuten vergingen, dann rief er an: Bist du zu Hause? Zeit für Kaffee? Wir haben uns wieder ein stückweit angenähert, das Eis ist gebrochen. Ein wenig von der alten Vertrautheit zwischen uns ist wieder zurück. Komisch: seid ich Tim kenne, haben Karl und ich uns entfernt. Eigentlich hatte ich schon immer einen besten Freund, so wie andere eine beste Freundin hatten. Mein Mann versteht auch nicht, wie ich so lange mit Karl telefonieren kann. Männer und lange telefonieren – pahh! Schürt...




