Milan | Geheimnis Nr. 32 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 168 Seiten

Milan Geheimnis Nr. 32


Originalausgabe 2016
ISBN: 978-3-407-74662-7
Verlag: Julius Beltz
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 168 Seiten

ISBN: 978-3-407-74662-7
Verlag: Julius Beltz
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Psst! David und Daniel haben allerlei Geheimnisse in Davids Schrebergarten vergraben. Wenn die jemand aus der Schule lesen würde! Als Geld aus dem Lehrerzimmer geklaut wird, wissen die beiden bereits mehr als die anderen und beschließen, den Dieb zu stellen. Doch dann finden sie etwas ganz anderes heraus ... Sollen sie dichthalten und die Sache selbst in die Hand nehmen?

Timm Milan, geboren in Wuppertal, hat die Stadt nie verlassen; lieber reist er in seiner Fantasie in die Ferne. Sein Germanistikstudium brach er ab, weil es zu unliterarisch war, dafür schreibt er jetzt selbst Geschichten. Sein Debütroman 'Geheimnis Nr. 32' ist inspiriert von seiner Arbeit in einer Grundschule.
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Sonntag: Alte Geheimnisse


»Das muss unter uns bleiben – bitte!«

Damit hat es angefangen, diese ganze verrückte Woche. Dabei war Sonntag! In die Schule mussten wir trotzdem, wegen dieser dösigen Jubiläumsfeier. Jetzt gab es unsere Schule schon fünfundzwanzig Jahre, juhu. David und ich, wir waren echt spät dran und erwarteten eigentlich, dass der ganze Schulhof voller Leute wäre. Kreischende Leute, Musik, Gläsergeklirre. War aber nicht. Zumindest auf dem oberen Hof schien nichts los zu sein.

»Bestimmt alle in der Mensa«, murmelte David.

Aber plötzlich war da eben dieses Krachen. Na ja, eigentlich war es mehr ein Klirren, so, wie wenn Glas zerbricht. Musste aber etwas ganz schön Großes sein. Es schien aus Richtung des Lehrerzimmers zu kommen. Und als wir dort ankamen, standen Lina und Marie da. Lina ist Davids große Schwester und Marie ihre beste Freundin, und irgendwie sah das lustig aus, wie sie da standen, weil Marie so pummelig und rund ist und Lina so schmal.

Sie betrachteten beide das Lehrerzimmerfenster.

Marie hat ganz runde Augen und sieht eigentlich immer erstaunt aus, aber diesmal ganz besonders. »Wir wollten es nicht einbolzen!«

Tja, hatten sie aber – im Lehrerzimmerfenster war ein riesiges gezacktes Loch. Man konnte sogar reingucken. Man sah die Tische und die Kaffeemaschine, und über einem Stuhl hingen die Sportklamotten vom Jakobs.

Trotzdem machten beide Gesichter, als würden sie nicht begreifen, was die Scheibe da gerade gemacht hatte, wie zum Teufel sie auf die Idee kam, einfach so zu Bruch zu gehen.

Sie drehten die Köpfe zu uns.

»Bitte«, flüsterte Lina, als wären sie die Siebtklässler und wir die Großen. »Kann das unter uns bleiben?«

Alles nur ein Unfall, meinten sie. Den Ball hätten sie gefunden, im Gebüsch, und damit hätten sie nur ein bisschen rumgespielt und dann …

Aus der Ferne hörte man dumpfe Musik. Anscheinend fand die Feier tatsächlich ausschließlich in der Mensa statt.

»Ja und wo ist der jetzt, der Ball?«, fragte David.

Marie nickte in Richtung Lehrerzimmer. Es stimmte: Da war er drin, der Ball. Er war fast bis an die Tür gerollt.

Irgendwas fand Marie daran unheimlich lustig. Sie fing so sehr an zu lachen, dass sie sich den Bauch halten musste. Sie kommt schnell aus der Puste.

Lina knuffte sie in die Seite. »Das kommt nur davon, dass sich das Marsupilami mal wieder nicht kontrollieren kann.«

Marsupilami – so nennt Lina Marie manchmal, weil Marie ihre Haare immer in einem festen geflochtenen Zopf trägt. Sie witzeln immer, dass sie ihn bewegen könnte, wie dieses gelbe Comic-Vieh seinen Schwanz bewegen kann. Und als Lina das Marsupilami so lachen sah, musste sie auch lachen. Als ich dabei ihren Atem roch, wusste ich auch, wieso die beiden so albern waren.

Lina versuchte, sich wieder einzukriegen.

»Also, was ist jetzt? Ihr verpetzt uns doch nicht, oder?« Sie sahen uns flehend an.

»Daniel?«

Das war ich.

»David?«

Das war David, mein bester Freund, schon seit der ersten Klasse. Und David und ich, wir nickten.

Lina atmete erleichtert aus und wollte gerade noch etwas sagen, aber plötzlich veränderte sich ihr Gesicht. Das lag daran, dass die alte Wolle kam. Das heißt, erst kam nur ihre Stimme, der Rest von ihr war noch ziemlich weit weg. Aber die Mädchen rannten daraufhin so schnell los, wie ich sie noch nie hatte rennen sehen. Mordsbeschleunigung! Dass Marie überhaupt so schnell unterwegs sein konnte! Sie sprangen bei der Hausmeisterwohnung über den Zaun, und als die Wolle endlich angeschnauft kam, waren sie längst über alle Berge. Nur wir standen noch wie die Idioten vor dem Lehrerzimmerfenster mit dem Riesenloch!

In solchen Situationen passiert mir immer was Dummes: Ich hab im Bauch, ganz unten, so ein Gefühl, als würde da eine Sprudelflasche aufgehen, und dann, wenn ich was sagen will, bringe ich die Wörter durcheinander.

David meinte sofort zur Wolle: »Das waren wir nicht!«

Und ich wollte das dann ergänzen und rief: »Ja, wir sind nur hier, weil wir einen Hörer geräuchert haben!« Natürlich verbesserte ich mich gleich und rief: »Nicht geräuchert, gehört! Ich meine, weil wir ein Geräusch gehört haben!«

Die Wolle sah kurz zwischen uns hin und her, dann machte sie eine winkende Bewegung.

Dass wir das nicht gewesen waren, das sei ihr klar. Sie sei ja vielleicht alt, aber deshalb noch lange nicht blind.

Sie schnaufte und ihre Locken glänzten silbrig. Ich weiß nie, ob das ihre eigenen Haare sind oder eine Perücke.

Sie meinte dann, dass sie definitiv zwei Mädchen gesehen habe, und zwar aus der Oberstufe, der Größe nach zu urteilen. Nur so aus der Entfernung habe sie nicht erkennen können, wer. Sie deutete auf ihre Brille. Sie trägt so eine Halbierte, die sie immer ganz vorne auf der Nasenspitze balanciert. Und über die Ränder sah sie uns jetzt ganz erwartungsvoll an.

Ich sah zu David und der zuckte mit den Schultern.

»Keine Ahnung, aus welcher Klasse die waren. Wir kannten die nicht.«

»Ihr habt doch gerade mit denen gesprochen – das sah für mich aber schon so aus, als würdet ihr die kennen!«

In meinem Bauch sprudelte es mittlerweile wie verrückt, und wenn die Wolle mich jetzt angesprochen hätte – ich hätte ihr alles erzählt. Aber David ist da ganz anders, er würde seine Schwester nie verraten.

»Ach so«, meinte er, als würde ihm jetzt aufgehen, wo das Missverständnis lag. »Nein, die haben uns nur gefragt, was hier los ist, ob hier gefeiert wird oder was. An einem Sonntag ist hier ja normalerweise nichts los.« David sah der Wolle direkt in die Brille. »Und von der Feier konnten sie ja nichts wissen, weil sie ja nicht von dieser Schule sind.«

David und ich, wir sind zwar beste Freunde, seit ich denken kann, aber manchmal frage ich mich, wieso eigentlich. Er ist so viel klüger als ich. Denn natürlich waren die Mädchen auf unserer Schule. Auf so eine Taktik wäre ich nie gekommen, echt nicht!

Die Wolle nahm die Brille ab und musterte uns, als würde sie gleich mit unseren Eltern telefonieren wollen, aber dann setzte sie die Brille wieder auf und grunzte, wie immer, wenn sie jemandem was durchgehen lassen musste.

»Na, dann macht mal, dass ihr hier wegkommt«, murmelte sie und guckte sich das Loch an. Sie musterte jeden Zacken einzeln, als könnten die ihr sagen, wer die zwei Mädchen waren, und schüttelte immer wieder den Kopf.

»Die glaubt uns nicht«, meinte ich, als wir etwas weiter weg waren.

David verzog das Gesicht.

»Wenn das rauskommt, kriegen die echt Ärger.« Er zählte an den Fingern ab: »Mutwillige Zerstörung von Schuleigentum, illegaler Alkoholkonsum und dann noch Tatortflucht.«

David redet oft so, weil sein Vater früher bei der Kripo war.

»Vielleicht können sie dann nicht mehr nach Belgien …«

Ich wusste, was er meinte. In dem Zimmer seiner Schwester stand eine Spardose, da waren Bilder draufgeklebt von diesem Triumphdings mit den Pferden, und da kam alles Geld rein, das sie irgendwo abzwacken konnten. Sobald sie mit den Prüfungen durch waren, wollten sie da nämlich hin, und zwar für so lange, wie das Geld in der Dose eben reichen würde. Jeder zweite Satz, den sie sagten, fing an mit »Wenn wir in Belgien sind« oder mit »Bevor wir nach Belgien fahren«.

So geht das schon seit fast zwei Jahren und sie büffeln für das Abi wie die Irren. Besonders Marie muss sich anstrengen, ihre Noten sind nicht so gut wie Linas.

Ich schüttelte den Kopf. »Aber außer uns hat sie niemand gesehen. Niemand wird es rauskriegen. Solange wir die Klappe halten«, fügte ich hinzu.

Und als ich das sagte, drehte David den Kopf zu mir und hatte so einen ganz bestimmten Ausdruck drauf, wie immer, wenn wir beide gleichzeitig dasselbe dachten.

Ich glaube, das muss ich erklären. David und ich, wir haben eine besondere Art, mit Geheimnissen umzugehen. Davids Mutter hat einen Schrebergarten, direkt hinter dem Sportplatz, auf dem wir im Sommer immer Sport haben. Es gibt eine besondere Stelle, zwischen Gemüsebeet und Hecke, da ist eine Pringles-Dose vergraben. Ursprünglich war sie mal grün, aber jedes Mal, wenn wir sie ausgraben, ist sie ein wenig blasser. Mittlerweile hat sie so eine Farbe wie das Weiße in einer Mandarine. Die Unterseite wird immer rostiger, aber das Schnauzbartgesicht mit der Krawatte bleibt erstaunlich gut erhalten.

Dieses Gesicht, das ist »der Hüter der Geheimnisse«. Na ja, so nennen wir es immer.

Wenn wir ein...



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