E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Mierswa Samsons Reise
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-1111-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-7597-1111-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mats und sein Hund Samson sind beste Freunde. Als Samson krank wird, bricht für Mats eine Welt zusammen. Er läuft von zu Hause fort und nimmt Samson mit auf eine abenteuerliche Reise zu Opa Windschief. Denn der weiß bestimmt auch diesmal Rat! Eine berührende Geschichte über eine große Freundschaft zwischen einem mutigen Jungen und seinem Hund: Annette Mierswa erzählt einfühlsam, voller Poesie und Herzenswärme von einer abenteuerlichen Reise, von Abschied, Sehnsucht und Glück. Der Roman wurde gefördert durch ein Stipendium des Deutschen Literaturfonds und mit dem Prix Chronos 2012, dem Heidelberger Leander 2014 und dem internationalen lettischen Jugendliteraturpreis Janis Baltvilks 2017 ausgezeichnet und für die Kalbacher Klapperschlange sowie die französische Ausgabe für den Prix Enfantasie nominiert. Er wurde von der Leselotsen-Jury des "buchjournal" empfohlen und vom Magazin "Bücher" mit dem Prädikat "grandios" ausgezeichnet. Pressestimmen "Ein kühnes Abenteuer mit einem wirklichkeitsnahen Helden." (Neue Zürcher Zeitung) "Ein sehr liebevolles, lebenskluges Buch." (Focus Schule) "Annette Mierswa schreibt mit großem Einfühlungsvermögen." (Berliner Zeitung) "Klug, voll sprachlicher Anmut und mit einem wundbaren Einfühlungsvermögen geschrieben." Mannheimer Morgen "Eine spannende, poetisch erzählte Geschichte." rbb "Ein Buch zum Weinen und Glücklichsein." buchjournal "Annette Mierswa kombiniert liebevoll gezeichnete Charaktere mit einer rasanten Handlung." aus der Begründung der Jury des Prix Chronos "Annette Mierswa versteht es, ein ernstes Thema mit wunderbarer, feinfühliger Leichtigkeit und Wärme anzugehen." BÜCHER "Mit berührenden Metaphern und klugen Dialogen gelingt Annette Mierswa die Balance zwischen Trauerbewältigung und einem schönen, lebensbejahenden Kinderbuch, in dem das Glück am Ende überwiegt." kinderbuch-couch.de
Annette Mierswa war bereits für Film, Theater und Zeitung tätig und arbeitet heute als freie Autorin in Hamburg. Sie hat eine Ausbildung in Poesietherapie sowie zur psychologischen Beraterin. Ihre Kinder- und Jugendbücher wurden in viele Sprachen übersetzt, mit diversen Preisen ausgezeichnet und "Lola auf der Erbse" außerdem verfilmt. Annette Mierswa hat ein Stipendium des deutschen Literaturfonds und ein Hamburger Zukunftsstipendium erhalten und bietet Lesungen und Schreibworkshops an. Sie hat zwei Hamburger Jungs. Homepage: www.annettemierswa.de
Autoren/Hrsg.
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Samsons Reise
»Samson geht auf eine lange Reise.« Der Doktor nahm die Brille ab und sah Mats an. »Du wirst dich von ihm verabschieden mu¨ssen.« »Wenn er verreist, gehe ich mit ihm.« Mats blickte entschlossen zuru¨ck. »Nein, Mats, das ist eine Reise, die muss Samson ganz alleine machen.« Mats’ Mutter Eva legte ihre Ha¨nde auf die Schultern ihres Sohnes. »Samson ist sehr krank. Es ist Zeit fu¨r ihn zu gehen. Wir sollten ...« Mats schubste ihre Ha¨nde herunter und rannte aus der Praxis. Er ließ sich im Vorgarten auf den Rasen fallen und vergrub das Gesicht in seinen Armen. Nein, Samson alleinlassen, sich von ihm verabschieden? Das kam gar nicht infrage. Er riss ein Ga¨nseblu¨mchen ab und zupfte die Blu¨tenbla¨tter aus. Eine große feuchte Nase stupste ihn an. »Samson!« Mats dru¨ckte den Hund fest an sich. »Mein Sammy, ich lass dich nicht allein.« Er kraulte das Fell hinter Samsons Ohren und forschte in den gla¨nzenden Hundeaugen, in denen sich das glu¨hende Rot des nahenden Sonnenuntergangs spiegelte. Mats erinnerte sich an Lagerfeuer, an denen sie singend und jaulend gesessen hatten, wa¨hrend das Seewasser leise ans Ufer gepla¨tschert und die Dunkelheit sanft u¨ber ihre Schultern gekrochen war wie ein schwarzer Zaubermantel. Er dachte an heiße Sommerna¨chte, die er bei Samson auf dem Fußboden verbracht hatte und in denen er von seinem gleichma¨ßigen Atem in den Schlaf gewiegt worden war. Und da war noch etwas in Samsons Augen, ein Funkeln wie von einem Meer aus Wunderkerzen, die in weiter Ferne einen Tanz auffu¨hrten. Plo¨tzlich sprang Mats auf und schnalzte mit der Zunge: »Ich hab’s. Wir verreisen doch zusammen. Wie fru¨her.« Zufrieden kuschelte sich Mats wieder an seinen Hund und strich ihm za¨rtlich durch sein Fell. Eva verließ die Tierarztpraxis und kam auf die beiden zu. »Da seid ihr ja!« Sie ging vor Mats in die Hocke und machte eine besorgte Miene, versuchte aber zu la¨cheln. »Na, wie wa¨re es mit einem Eis?« Mats dachte eine Weile nach, bevor er antwortete, wa¨gte ab, wie viel Zeit ihm noch zum Packen bliebe. »Ko¨nnen wir machen.« Er musste ohnehin warten, bis seine Mutter im Bett war, denn sie wu¨rde ihm die Reise niemals erlauben. Sie schlenderten die Straße entlang, und Samson trottete mu¨hsam neben Mats her. Wie ein Pinguin bewegte er erst die rechte Ko¨rperha¨lfte ein Stu¨ck weiter, danach die linke, immer beide Beine einer Seite auf einmal. Es sah ein wenig so aus, als wa¨re er wie ein Spielzeug aufgezogen worden, so gleichfo¨rmig wackelte er voran. Dabei hing ihm die Zunge weit aus dem Maul. Ab und zu hielt er inne, hob den Kopf ein wenig, um zu sehen, ob Mats auf ihn wartete, und setzte sich dann langsam wieder in Bewegung. Mats hatte sich in den letzten Wochen schon an die neue Gemu¨tlichkeit seines Hundes gewo¨hnt und blieb automatisch stehen, wenn Samson es tat. Er sah sich nicht einmal nach ihm um. Er wusste blind, wann er anhalten musste. Fu¨r die zweihundert Meter bis zur Eisdiele brauchten sie fu¨nf Minuten. Eine Schildkro¨te wa¨re schneller gewesen. Mats holte einen Becher aus der Tasche und verschwand in der Eisdiele. Als er zuru¨ckkam, lag Samson auf dem Boden und schlief. Mats stellte den mit Wasser gefu¨llten Becher vor ihm ab und streichelte u¨ber sein Fell, dieses Fell, das ihm vertraut war wie eine zweite Haut. Jeden Morgen war es das Erste, das er beru¨hrte, und am Abend das Letzte, woran er sich kuschelte. Samson bewegte sich nicht. »Er trinkt fast nichts mehr«, sagte Eva. Mats nickte stumm. Er leckte an seinem Eis und starrte vor sich hin. In Gedanken packte er schon den Koffer. Was wu¨rde er alles brauchen? Auf jeden Fall Hundekuchen, denn er wusste ja noch nicht, wie lange sie unterwegs sein wu¨rden. Außerdem einen Pullover, Geld, geschmierte Brote und eine Taschenlampe gegen die Dunkelheit, vor der Mats sich fu¨rchtete. »Weißt du, Samson ha¨tte kein scho¨neres Leben haben ko¨nnen als bei dir.« Eva la¨chelte. »Ha¨tte?« Mats war empo¨rt. »Warum ha¨tte? Er hat ein scho¨nes Leben! Mensch, Mama, Samson ist doch nicht tot!« Bei dem Wort »tot« zuckte Mats zusammen, als wa¨re es schon gefa¨hrlich, es auszusprechen. Er biss in die Eistu¨te, dass es nur so knackte. Dann wandte er sich Samson zu und hielt ihm den letzten Zipfel der Waffel vor die Nase. »Hier, Samson.« Samson hob mu¨de den Kopf, schnu¨ffelte an der Eistu¨te, sah Mats gleichgu¨ltig an und schob die Schnauze wieder zwischen seine Pfoten. »Hey, Samson, deine Eistu¨te. Wie immer!« Aber Samson schlief schon wieder und atmete schwer. Mats wurde wu¨tend. »Samson, was soll das? Nun nimm endlich!« Samson ru¨hrte sich nicht. Mats sah seine Mama ratlos an. »Samson ist ein kranker, alter Opa. Er steht nicht mehr auf Eistu¨ten.« »Aber vor einer Woche hat er sie noch gefressen.« »Da war er eben noch ein Opa mit Appetit. Jetzt ist er ein Opa, der nur noch schlafen will.« »Und verreisen?«, fragte Mats und rollte mit den Augen. »Ja, denn wo Samson hinmo¨chte, kann er immerzu schlafen.« »Aber Mama, da kann er doch auch hierbleiben.« Eva ru¨ckte ihren Stuhl na¨her an Mats heran. »Du kannst ihn nicht aufhalten, Mats. Sieh ihn dir an!« Sie nickte mit dem Kopf in Samsons Richtung, der unbeweglich dalag. »Er ist schon so weit weg.« Mats schob energisch seinen Stuhl zuru¨ck und stand auf. »Ist er nicht!« Er drehte sich um, pfiff durch die Finger und lief los. Als Samson ihm nicht gleich folgte, blieb er stehen und rief nach ihm: »SAAAAMSOOON, KOMM!« Der Hund erhob sich mu¨hsam und trottete ihm hinterher. Eva beeilte sich zu bezahlen und folgte den beiden. »Mats, ich weiß, dass es schwer fu¨r dich ist. Aber Samson ist nun mal am Ende seines Weges, du bist noch am Anfang.« Mats blieb abrupt stehen und warf seiner Mutter einen du¨steren Blick zu. »Ich werde Samson nicht alleinlassen, niemals.« * Das Ha¨uschen, in dem Mats mit seiner Mutter und Samson wohnte, stand mitten in Hamburg. Es hatte einen kleinen Garten, in dem man den ganzen Tag das Rauschen des Autoverkehrs und das Rattern der S-Bahnen ho¨rte. Mats sto¨rte das nicht. Er hatte sich daran gewo¨hnt. Wenn er in der Schule war, konnte Samson im Garten auf ihn warten. Und nachmittags ging Mats mit ihm im nahen Park spazieren. Seit einer Woche schaffte Samson es nicht mehr bis zum Park. Mats fu¨hrte ihn vor dem Haus an ein paar Ba¨umen vorbei. Dann kehrten sie um, und Samson legte sich sofort auf seine Decke und schlief. Er schlief den lieben langen Tag. Mats dagegen schlief gar nicht gerne. Er las abends unter der Bettdecke fantastische Geschichten, schlich zum Wohnzimmer und ho¨rte Mama beim Telefonieren zu, oder er lag einfach mit offenen Augen im Bett und dachte sich großartige Erfindungen aus, die er Samson zuraunte, wenn sie ihm besonders genial erschienen. Sein sehnlichster Wunsch war eine eigene Werkstatt, in der er experimentieren konnte. »Sie muss ja nicht groß sein«, sagte er immer, damit Eva seinem Dra¨ngen nachgab. Aber das Haus war wirklich sehr klein, sogar so klein, dass seine Mutter auf einem ausklappbaren Sofa schlief, das im Wohnzimmer stand. Mats’ Zimmer reichte gerade fu¨r sein Bett, ein Regal mit Schreibtisch und den schmalen Kleiderschrank. An der Decke hingen zwei Poster, die er vor dem Einschlafen immer betrachtete: ein Foto von Carl Benz, auf dem ersten Auto sitzend, das er erfunden hatte, und ein Druck des Sternenhimmels mit den wichtigsten Sternbildern, auf dem der Große Hund rot markiert war. Es hatten aber auch noch einige Erfindungen Platz in seinem Zimmer, zum Beispiel eine fünfstöckige Murmelbahn aus Pappe sowie ein Seil, das am Fußende seines Federbetts befestigt war, u¨ber eine Rolle an der Decke lief und dessen Ende in Reichweite von Mats’ Kopfkissen hing. Wenn er morgens aufwachte, riss er an der Leine und zog sich selbst die Bettdecke weg. Das half ihm beim Aufstehen. Und es passte auch noch die Hundedecke in Mats’ Zimmer, auf der Samson nun fast ununterbrochen lag und schlief. Er war ein strohblonder Mischling mit langem Fell und reichte Mats bis zur Hu¨fte. Seine tapsigen Pfoten waren schneeweiß, und das eine seiner braunen Ohren war in der Mitte eingeknickt. Er hatte einen buschigen, langen Schwanz und haselnussbraune Augen, mit denen er so treuherzig schauen konnte, dass man ihm alles verzieh, selbst wenn er auf das helle Sofa sprang, eine Wurst vom Teller klaute oder im Park die Fa¨hrte einer la¨ufigen Hu¨ndin aufnahm und stundenlang fortblieb. Nun tat er gar nichts Verbotenes mehr, außer ab und zu auf den Teppich zu pinkeln. Er war sogar so still geworden, dass Mats sich wu¨nschte, er wu¨rde etwas anstellen. Mats war ein großer, blonder und...




