E-Book, Deutsch, 149 Seiten
Meyer (Un)Glückstadt - Hölle Heim
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-943606-13-3
Verlag: underDog Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Schicksal von Gerd Meyer
E-Book, Deutsch, 149 Seiten
ISBN: 978-3-943606-13-3
Verlag: underDog Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gerd Meyer wurde am 19.12.1951 in Neumünster geboren. Seine Mutter verstarb, als er 7 Jahre alt war, der Vater, als er 11 Jahre alt war. Von nun an erwartete ihn eine zehnjährige 'Höllenfahrt' in diversen Kinderheimen. Die schlimmste aller Höllen aber erlebte er im Landesfürsorgeheim Glückstadt. Mit 21 begann er eine Lehre als Rohrschlosser, die er aber abbrach. Danach irrte er 15 Jahre ziellos durchs Leben, dessen weiterer Verlauf sich ebenfalls alles andere als erfreulich herausstellt: Die erste Ehe geht kaputt, die zweite Ehe scheidet der Tod. Mit seinem Sohn und seiner Tochter aber steht er in Kontakt und ist sehr stolz auf sie. Bis heute bleibt Gerd Meyer durch sein Schicksal geprägt. Als bekannt wurde, dass er beabsichtigte, die unerhörten Missstände in der 'Hölle Heim' von Glückstadt anzuprangern, erhielt er einige Drohanrufe. Doch die anonymen Dunkelmänner vergaßen, dass sie ihm sein Leben bereits genommen hatten.
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Von zwei Polizisten begleitet wurden wir in Herrn Weingarts Auto sofort ins Heim gefahren.
Kaum waren wir in der Schleuse angekommen, rannte Herr Seitz wutschnaubend aus dem Büro und gab jedem von uns eine schallende Ohrfeige. Später erfuhren wir von einem anderen Erzieher, dass er im Heim wegen seines Zahnarzttermins nicht Bescheid gesagt hatte, sondern auf eigene Faust zum Arzt gegangen war.
(...)
Ich glaube, er wusste, dass wir nur seinetwegen die Chance zur Flucht gehabt hatten.
Herr Sturm ... verdonnerte uns zu drei Wochen Bunker.
Am meisten hat ihn wohl geärgert, dass die Presse von unserer Flucht Wind bekommen hatte und mit Sicherheit auch darüber berichten würde. Deshalb rief er zum Schluss wie in Stein gemeißelt pathetisch aus, dass wir dem Heim in der Öffentlichkeit großen Schaden zugefügt hätten.
Anschließend brachte man uns sofort in den Bunker, wo jeder von uns in eine Einzelzelle gesteckt wurde.
Dabei wurde mir klar, dass mich im Bunker eine schwere Zeit erwartete, denn da war ja immer noch die Sache mit Rüdiger Zobel.
Leider sollte ich recht behalten.
Zu dem Zeitpunkt, als wir in den Bunker kamen, hatte Herr Gottlob Dienst im Bunker. Als er mich in die Zelle steckte, war zwar das Bett hochgeklappt, aber immerhin hatte ich einen Tisch und einen Stuhl in meiner Zelle.
Dies änderte sich allerdings, als am nächsten Morgen Rüdiger Zobel seinen Dienst im Bunker antrat.
Noch vor dem Frühstück ... kam er zu mir in die Zelle und befahl mir ..., den Tisch und den Stuhl auf den Flur zu stellen.
"Du musst nicht glauben, dass ich dich vergessen habe!", kommentierte er hämisch grinsend.
(...)
Es fing damit an, dass ich jedes Mal, wenn er Dienst hatte, beim Mittagessen vergessen wurde und auch beim Rundgang meine Zelle verschlossen blieb.
Außerdem machte er sich einen Spaß daraus, fast jeden Tag meine Zelle zu filzen. Dabei kam es zweimal vor, dass er wie aus Versehen meinen Notdurftkübel umkippte, um mir anschließend zu befehlen, meine Zelle auf Hochglanz zu putzen.
Um der Sache noch einen draufzusetzen, drückte er mir eine Schuhbürste in die Hand, und befahl mir, den Boden einzuwachsen.
Als ich einmal die Bemerkung fallen ließ, dass ich mich bei Herrn Sturm beschweren würde, grinste er nur und verschloss meine Zellentür. Die nächsten drei Tage bestrafte er mich damit, dass ich meinen Kübel nicht ausleeren durfte.
Gott sei Dank verlor er aber irgendwann die Lust, mich zu schikanieren.
Nachdem wir die drei Wochen abgesessen hatten, steckte man uns wieder in die Gruppe eins. Dort bekamen wir noch eine zusätzliche Einkaufssperre aufgebrummt; außerdem durften wir an keinerlei Aktivitäten teilnehmen, sondern mussten zwei Wochen lang den Hausdienst unterstützen und andere Arbeiten erledigen.
So kam es, dass wir einen Tag in der Kleiderkammer arbeiten mussten, wo wir Schränke und Regale aufbauen sollten.
Die Halter für die Regale waren in einem separaten Raum auf dem Boden untergebracht.
Der Erzieher beauftragte mich, aus diesem Raum einige Halter und Bretter zu holen.
Als ich zum zweiten Mal den Raum betrat und mir heimlich eine Zigarette anzündete, ging ich in eine Ecke, in der eine Menge verschlissener Matratzen aufgestapelt waren, etwa 15 Stück, alle mit dem Hakenkreuz und dem Reichsadler versehen. Neugierig geworden, stöberte ich auch noch in einigen abgestellten Kartons herum.
Zwei der Kartons enthielten vorgedruckte rote Zettel, auf denen in altdeutscher Schrift Arbeitserziehungslager Glückstadt stand.




