E-Book, Deutsch, 196 Seiten
Meyer Du gehörst zu mir!
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7504-6258-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 196 Seiten
ISBN: 978-3-7504-6258-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sebastian Meyer, Jahrgang 1980, veröffentlicht neben Romanen auch Fachbeiträge in verschiedenen Zeitschriften. Der gelernte Handwerksmeister lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in der Nähe von Regensburg.
Autoren/Hrsg.
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„Ja, sie arbeitet jetzt bei der Polizei in der Verwaltung.“
„Muss man da kein Beamter sein?“
„Nein, sie ist nur eine kleine Schreibkraft. Aber gut bezahlt ist die Stelle trotzdem.“
Michael nickte und aß weiter.
Das Essen wurde restlos aufgegessen und für die exotische Nachspeise fand sich dennoch noch ein Platz im Magen.
„Du hast gekocht und serviert, dann werde ich jetzt dafür abräumen“, sagte Hannah und schnappte sich die leeren Teller.
„Wenn du meinst.“
Während Hannah das schmutzige Geschirr in die Geschirrspülmaschine räumte fiel ihr Blick auf den Hausmüll. Das was sie sehen konnte, sah verdächtig nach den typischen Verpackungsschalen von Mitnahmespeisen aus. Sie öffnete den Müllbeutel und fand die Bestätigung. Verpackung der Pizzeria , oben auf lag sogar noch die Rechnung.
„Ach, Michael“, seufzte sie.
„Hast du was gesagt?“, rief Michael hinüber, der in diese Ecke der Küche nicht einsehen konnte.
„Nein, nichts. Du wirst den Abwasch aber alleine erledigen müssen.“
Hannah entschuldigte sich mit dem Vorwand auf die Toilette zu müssen. Als sie die Tür hinter sich versperrt hatte, holte sie ihr Handy nochmal aus der Gesäßtasche hervor. Die Nachricht vorhin kam nicht von Manu. Sie war von Niklas.
schrieb er.
, schrieb sie zurück, ohne sich dabei Gedanken zu machen. Die Antwort folgte gleich.
Hannah musste lächeln und fühlte sich geschmeichelt. Ein junger gutaussehender Typ, zehn Jahre jünger, schrieb ihr solche Nachrichten. Sie war sicher dass er es nicht ernst meinte und sie für ihn einfach nur ein Flirt am Arbeitsplatz war.
*
„Hast du dich mit Michael wieder vertragen?“, fragte Manu am Telefon ohne sich mit Begrüßungsfloskeln aufzuhalten.
„Ja, es passt schon wieder. Ein fader Beigeschmack wird trotzdem noch bleiben. Zumal er das Essen gar nicht selbst gekocht, sondern vom Italiener bestellt hat.“
„Haha, du kennst ihn doch. Es ist der Gedanke der zählt.“
„Das habe ich mir auch gedacht. Zumal er ja nie behauptet hat, dass das Essen von ihm gekocht sei.“
„Was macht die Arbeit?“
„Da ist nichts besonders. Pongratz ist ein alter Leuteschinder wie eh und je und von der schlechten Auftragslage kriegen wir momentan gar nicht so viel mit. Entweder kommt der große Knall noch oder es ist alles halb so schlimm.“
„Was macht der Niklas?“
„Niklas? Na ja, der arbeitet halt auch.“
„Du weißt schon was ich meine.“
„Er ist gestern ein paar Mal an meinem Arbeitsplatz vorbei gekommen, hat nett gegrüßt und mir auch mal zugezwinkert, aber das war`s auch schon. Warum willst du das wissen?“
„Nur so. Ich habe eben nur so ein Gefühl.“
„Was meinst du damit?“
„Mensch, Hannah! Ich hab doch gemerkt dass du dich in ihn verknallt hast.“
„Blödsinn“, wiegelte Hannah halbherzig ab. Sie wusste dass jeglicher Versuch zwecklos war. Wenn Manu der Meinung war, konnte man sie nur schwerlich vom Gegenteil überzeugen.
„Hannah, ich kenn dich doch.“
„Manu, ich bin glücklich mit Michael verheiratet. Ich verschwende an Niklas überhaupt keinen Gedanken. Zumal ich für ihn doch ein altes Huhn sein muss.“
„Wenn du das sagst.“
Hannah wollte nun lieber das Thema wechseln. „Erzähl mal lieber von dir. Wie waren die ersten Tage bei der Polizei?“
„Langweilig“, lachte Manu. „Es ist halt ein öder Schreibtischjob. „Hin und wieder muss ich was abtippen, darf Akten holen, sortieren und den Kommissaren an dem Schreibtisch legen. Und der Kaffee schmeckt schrecklich.“
Jetzt musste Hannah lachen. „Sei doch froh dass du den Pongratz los bist. Der Rest lässt sich doch wohl aushalten.“
„Da hast du Recht. Ich muss jetzt aufhören, Süße. Der Herr Hauptkommissar schielt schon die ganze Zeit so merkwürdig zu mir rüber. Treffen wir uns am Freitag wieder im Club?“
„Klar, vorausgesetzt Michael fährt nicht wieder zum Eishockey.“
„Okay, wir telefonieren noch! Ciao!“
„Tschüss.“
Hannah schob ihr Handy in die Tasche und rief nach Philipp. Es war später Nachmittag und sie wollte noch etwas fürs Abendessen einkaufen. Michael würde heute erst wieder spät von der nach Hause kommen und sie wollte ihm ein warmes Essen zubereiten.
Philipp kam missmutig aus seinem Zimmer getrottet. „Aber Mama, ich will noch mit meinen Autos spielen.“
„Das kannst du auch noch wenn wir wieder Zuhause sind. Wir gehen nur kurz rüber in den Supermarkt. Die frische Luft schadet dir bestimmt nicht.“
„Brauche keine frische Luft.“
Hannah stellte ihm seine Schuhe vor die Füße und schlüpfte in ihre Jeansjacke.
Im Supermarkt war es ziemlich voll. Es war Feierabendzeit und die meisten Menschen nutzten die Heimfahrt von der Arbeit zu einem Abstecher in den Supermarkt. Das Regal mit den wöchentlich wechselnden Sonderangeboten war am stärksten frequentiert. Hannah musste mit ihrem Budget gut haushalten, deshalb konzentrierte auch sie sich in erster Linie auf die reduzierten Artikel. Die Jagd nach preisreduzierten Artikeln bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht war, gehörte zu ihrer täglichen Routine.
„Hey Hannah“, hörte sie plötzlich jemanden hinter sich rufen. Verlegen drehte sie sich um. Es war ihr peinlich bei den Sonderangeboten ertappt geworden zu sein. Jetzt war es ihr aber gleich noch viel peinlicher.
Es war Niklas.
„Hallo Niklas. Was machst u denn hier?“, fragte sie verdattert.
„Ich denke mal das gleiche wie du“, antwortete er mit einem Schmunzeln. Die Grübchen, die sich dabei an seinen Backen bildeten, ließen Hannah dahinschmelzen.
„Ja, ich weiß, blöde Frage.“
Hannah ließ den Blick über seinen Einkaufswagen schweifen.
Niklas schien sich in erster Linie von Fertigpizza und Dosenfutter zu ernähren. Das lässt darauf schließen, dass er ganz bestimmt noch Single ist. Aber das wusste sie ja schon.
„Hast du deinen Geburtstag gut überstanden?“
„Ja, ich hab ja nicht groß gefeiert. Es waren nachmittags nur ein paar Freundinnen da. In meinem Alter habe ich keinen Grund mehr zu feiern.“ Hannah lachte über ihren eigenen Scherz.
„Ich hoffe mit deinem Mann ist soweit wieder alles in Ordnung.“
„Du weißt davon?“, fragte Hannah überrascht und auch das war ihr peinlich.
„Wir arbeiten in der gleichen Firma. Schon vergessen?“
„War ja klar. Klatsch und Tratsch am Arbeitsplatz.“
„Mach dir nichts draus. Welche Beziehung läuft schon perfekt?“
„Da hast du wohl Recht.“
Plötzlich zupfte Philipp an Hannahs Ärmel. „Mama, können wir endlich weiter gehen?“
„Wir gehen gleich, sei nicht so ungeduldig.“
„Schon gut“, sagte Niklas. „Wir sehen uns sowieso morgen früh wieder. Ich muss auch noch los, hab heute noch Training.“
Zum Abschied zwinkerte er Hannah noch zu.
*
Der war auch an diesem Freitagabend recht gut besucht. Hannah und Manu erkämpften sich mühsam einen Platz an der Bar. Sie schnappten sich die beiden letzten freien Barhocker, die ein Pärchen soeben verlassen hatte. Heute spielte zwar keine Live Band, aber auch die Musik aus der Konserve war nur unwesentlich leiser. Manu war richtig herausgeputzt und mit ihrem kurzen Kleid und den hohen Stiefeln war sie aufreizend gekleidet. Offensichtlich war sie heute auf Männerjagd. Hannah hatte sich zwar geschminkt, trug aber nur gewöhnliche Jeans und ein kurzes Top. Ohne der Verpflichtung Manu gegenüber wäre sie heute lieber Zuhause geblieben. Das Geld war knapp und daher beschloss sie so lange es geht an ihrem Bacardi-Kirsch zu nuckeln.
„Hallo, ihr zwei Hübschen!“
Manu und Hannah sahen erst den Typen und dann sich gegenseitig belustigt an. Vor ihnen stand ein schon stark ergrauter Mitvierziger mit Vokuhilafrisur. Ein Typ Wolfgang Petry. Sein Holzfällerhemd war zwar frisch gewaschen, aber machte den Eindruck, als ob er es schon zwanzig Jahre alt wäre, so abgetragen wie es wirkte. Er roch stark nach Tabak, war also soeben erst vom Rauchen zurückgekommen und auch seine Fahne sorgte nicht gerade für Begeisterungsstürme bei der Damenwelt.
„Hallo“, antwortete Hannah freundlich und wandte sich verlegen ihrem Getränk zu.
Ermutigt dadurch legte der Petry-Verschnitt gleich nach. „Darf ich euch ein wenig Gesellschaft leisten?“
„Klar!“, antwortete Manu spöttisch und fügte hinzu „Zumindest bis unsere Männer wieder...




