Meyer | Die Blutbestie | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 384 Seiten

Reihe: Tom-Bachmann-Serie

Meyer Die Blutbestie

Thriller | Der perfekte Killer! Still und gnadenlos brutal
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8437-3547-6
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller | Der perfekte Killer! Still und gnadenlos brutal

E-Book, Deutsch, Band 5, 384 Seiten

Reihe: Tom-Bachmann-Serie

ISBN: 978-3-8437-3547-6
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Auf der Jagd nach einem Killer, der Herzen sammelt BKA-Spezialist Tom Bachmann ist auf einer internationalen Tagung in Belgien, als Wanderer im Hohen Venn einen Leichenfund melden. Ihr Hund hat sie zu der Fledermaushöhle geführt, wo der grausige Anblick der verstümmelten Leichen sie zutiefst schockiert. Bachmann und sein BKA-Team werden von den örtlichen Behörden um Amtshilfe gebeten. Den Toten wurde das Herz herausgerissen. Und während Bachmann das Profil des Killers erstellt, spricht der sein nächstes Opfer an. Chris Meyers Serie um BKA-Ermittler Tom Bachmann: Der Blutkünstler - Band 1 Der Zoom-Killer - Band 2 Der Follower - Band 3 Der Schlachter - Band 4 Die Blutbestie - Band 5

Chris Meyer fasziniert die Frage, warum ein Mensch zum Serienmörder wird. Die Thriller mit Tom Bachmann sind eine Annäherung an die Psyche der Killer und der Opfer. Die geschilderten Taten sind erschreckend oft dichter an der Realität, als man hofft. Mit Familie und Hund lebt Chris Meyer in Köln, ein beruhigend schöner Ort, um Abstand zu finden.
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-2-


Jean-Marie Luc mochte das Gefühl, morgens der Erste im Hohen Venn zu sein. Natürlich wusste er, dass es dafür niemals eine Garantie gab, dafür war die Hochmoorlandschaft zwischen Deutschland und Belgien bei Wanderern zu beliebt. Aber so kurz nach Sonnenaufgang konnte er sich wenigstens einbilden, der Einzige zu sein, der über die Holzstege wanderte, die durch das Moorgebiet führten. Abgesehen von Cesar, der wie immer neugierig an seiner Seite lief, die Schnauze stets am Boden. Der dreijährige Mischlingshund hatte seinen ausgeprägten Jagdsinn vermutlich seinen Eltern zu verdanken, Vater Deutsch Drahthaar, Mutter Labrador, die auch für sein treues Wesen verantwortlich war. Jean-Marie leinte Cesar eigentlich nur an, wenn er eine stark befahrene Straße überqueren musste, was hier im ländlichen Teil Ostbelgiens aber nur selten der Fall war. Ansonsten blieb Cesar auch so immer nah bei ihm, er konnte sich keinen treueren Begleiter vorstellen.

Jeden Morgen drehten sie eine Runde durchs Venn. Solange die Sonne noch nicht richtig am Himmel stand, war das Moor von Nebelschwaden umgeben, die langsam aus dem Boden emporzusteigen schienen. Der tiefgründige Morast, der ziemlich trügerisch wie ein ebener Teppich aus Moosen, Sträuchern und Heidekraut aussah, verbarg tiefe schlammige Gräben und Löcher, in denen man schnell hüfttief versinken konnte. Oder noch tiefer. Aber auf den Stegen konnte man entspannt wandern und den schier unendlichen Ausblick genießen. In der flachen Landschaft hatten sich vereinzelt Birken und knorrige Weiden durchgesetzt, alle von Moosen und Flechten bewachsen.

Wer die sicheren Stege verließ und querfeldein laufen wollte, riskierte sein Leben. Die Moorlandschaft wurde immer wieder von kleinen, aber tückisch tiefen Tümpeln und fast seeähnlichen Wasseransammlungen durchzogen. Aber nur wer sich wirklich gut auskannte, wusste, wo diese lagen.

Jean-Marie kannte sich gut aus. Er lebte seit vierzig Jahren in der Gegend und hatte immer Hunde besessen, mit denen er hier wandern ging. Seitdem er in Rente war, hielt er sich öfter im Hohen Venn auf denn je. Er kannte jeden Stein und jeden Baum und verließ trotzdem die Stege nie, schon aus Respekt gegenüber der einzigartigen Natur.

Manchmal wurden auch Moorleichen im Hohen Venn gefunden. Auch wenn es Hunderte von Jahren zurücklag, dass diese Menschen Opfer ritueller Tötungen oder einer Unachtsamkeit wurden, lief Jean-Marie ein Schauer den Rücken herunter, wenn er durch das Venn spazierte und an sie dachte. Die Vorstellung, dass irgendwann einmal ein Mensch denselben Weg zurückgelegt hatte wie er, nicht um zu wandern, sondern um bei lebendigem Leib im Moor zu versinken, war einfach zu schaurig.

Plötzlich blieb Cesar wie angewurzelt stehen. Die Ohren gespitzt, die Rute gerade, die Schnauze in den Wind.

»Was ist los, Dicker? Karnickel? Du weißt, dass du noch nie eins gefangen hast.« Jean-Marie betrachtete schmunzelnd seinen Hund. Der Labrador-Anteil in ihm hatte ihn nicht nur treu, sondern auch verfressen gemacht, weshalb Cesar ein paar Pfund zu viel auf den Rippen hatte.

Ohne einen Laut von sich zu geben oder sein Herrchen durch irgendetwas vorzuwarnen, stürmte Cesar schlagartig los, sprang vom Steg und rannte über die Graslandschaft davon.

»Das ist jetzt nicht dein Ernst«, stöhnte Jean-Marie. »Cesar! Komm sofort zurück! Cesar!! Meine Güte, so was machst du doch nie!«

Doch der ansonsten artige Hund hörte nicht und entfernte sich immer weiter vom Steg.

»Das gibt Ärger, Freundchen«, schimpfte Jean-Marie. »Deinen Knochen kannst du vergessen.«

Sauer sprang er vom Steg. Er wusste, dass das Moor an dieser Stelle so gut wie ausgetrocknet war. Im Umkreis von ein paar Hundert Metern würde ihm nichts passieren. Zwar kamen auch hier kleinere Feuchtgebiete vor, aber diese konnte Jean-Marie einfach umgehen, und er hoffte, dass sein Hund dasselbe tat. Denn auch wenn er im Moment ganz schön wütend auf ihn war, an das Moor verlieren wollte er ihn auf keinen
Fall.

»Cesar! Hier! Bist du taub, du verdammter Köter? Hier!«

Er hatte Mühe, den Hund nicht aus den Augen zu verlieren. Zielstrebig und mit der Schnauze am Boden eilte Cesar weiter, immer tiefer in die Moorlandschaft hinein. Es wurde hügeliger, Felsen und Gesteinsbrocken tauchten auf, und Jean-Marie ahnte, wohin es seinen Hund zog.

»Die kriegst du doch erst recht nicht!«, rief er ihm hinterher. »Die können fliegen, verstehst du? Cesar!«

Kopfschüttelnd eilte Jean-Marie weiter. Im Hohen Venn gab es zahlreiche Fledermaushöhlen, und falls sich eines der Tiere bei Tageslicht nach draußen verirren sollte, war es nicht unwahrscheinlich, dass es von einem Hund gewittert wurde. So ein Wesen bekamen schließlich die wenigsten Vierbeiner je zu sehen, allein der unbekannte Geruch versetzte sie in Aufregung.

Plötzlich hörte er lautes Bellen. Cesar hatte die Fledermaushöhle also entdeckt und saß vermutlich kläffend davor. Vor ein paar Jahren waren alle Höhlen im Venn mit Gittern versperrt worden, durch die nur die Fledermäuse hinein- und herausfliegen konnten. So wollte man verhindern, dass die unter Naturschutz stehenden Tiere gefährdet wurden – von Menschen oder Zeitgenossen wie Cesar.

»Hast du was an den Ohren?«, schimpfte Jean-Marie seinen Hund aus, als er ihn einige Meter entfernt bellend vor dem Gitter der Fledermaushöhle fand. »Sofort kommst du hierher!« Er zeigte streng auf seinen Fuß und sah den Hund mit zusammengekniffenen Augen an.

Aber Cesar ignorierte sein Herrchen und hörte nicht auf zu kläffen. Jetzt war Jean-Marie wirklich sauer. Energisch ging er die letzten Schritte auf seinen Hund zu. Doch Cesar hatte angefangen, gegen das Gitter zu springen, immer wieder. Als Jean-Marie den Hund gerade an seinem Halsband packen wollte, fiel das Gitter zur Seite, und Cesar stürmte in die Höhle.

Für ein paar Sekunden war Jean-Marie zu überrascht, um zu reagieren. Überrascht von der Hartnäckigkeit seines Hundes und von der Tatsache, dass die Höhle nicht verschlossen war.

Hatte Cesar das Gitter tatsächlich mit den Pfoten aufdrücken können? Oder war es schon lose gewesen und hatte nur locker am Höhleneingang gelehnt?

Wie auch immer, dachte Jean-Marie, zurückholen musste er Cesar so oder so.

Er zog sein Handy aus der Tasche und schaltete das Licht an. Seufzend betrat er den Höhleneingang, atmete noch mal tief durch und ging hinein.

Obwohl es auch draußen nicht sonderlich warm war, konnte er den Temperaturunterschied sofort spüren. Es war deutlich kühler, roch anders, irgendwie nach Keller, und auch etwas süßlich. Jean-Marie konnte nur im Eingangsbereich der Höhle aufrecht stehen, schon nach wenigen Metern musste er sich bücken.

»Du kriegst den Ärger deines Lebens, Cesar«, rief er verärgert, als er sich den Kopf an der Felswand stieß.

Der Gang, der vor ihm lag, war zwar recht breit, aber er wurde immer niedriger. Nach ein paar Metern war Jean-Marie kurz davor, auf allen vieren weiter zu kriechen, als Cesars Bellen plötzlich sehr laut wurde. Es hallte von den Felswänden wider, der Lärm war ohrenbetäubend. Erschrocken schrie Jean-Marie auf, als ihm ein paar Fledermäuse entgegenflatterten, offenbar durch Cesars Gekläffe aufgeschreckt. Ihm rutschte das Handy aus der Hand, und für einen Moment konnte er nichts mehr sehen. Vorsichtig tastete er sich weiter, bis er es wiedergefunden hatte. Der Lichtkegel fiel nun direkt auf Cesar, der hechelnd neben ihm auf dem Höhlenboden saß und ihn aufgeregt anschaute. Erst da bemerkte Jean-Marie, dass er wieder aufrecht stehen konnte. Der Gang hatte ihn zu einer größeren Höhle geführt, die vermutlich das Zuhause von zahlreichen Fledermäusen war.

»Du hast die Viecher alle vertrieben!«, schimpfte Jean-Marie. »Von deinem Gekläffe kriegen die noch einen Herzinfarkt!«

Er leinte den Hund an und hielt kurz inne. Dieser Geruch. Schon am Eingang war er ihm aufgefallen. Jetzt war es noch deutlich intensiver zu riechen. Faulig. Süßlich. Die Fledermäuse? Nein, strenger.

Ein ungutes Gefühl stieg in ihm auf. Ihm wurde klar, in was für einer Situation er steckte. Allein, in einer Höhle, mitten im Venn. Wenn er hier nach Hilfe rufen würde, hörte ihn kein Mensch. Und Handyempfang hatte er auch keinen, wie er den fehlenden Balken auf seinem Display entnehmen konnte.

Cesar ist an deiner Seite, versuchte er sich zu beruhigen. Wenn hier irgendwo Gefahr lauerte, würde sich der Hund anders benehmen. Das hoffte Jean-Marie jedenfalls.

Er hielt das Handy hoch, um die Höhle abzuleuchten. Nackte Felswände, Fledermauskot – er schnappte nach Luft und ließ reflexhaft seine Hand sinken.

Hatte er das richtig gesehen?

Trotz der Kälte brach ihm der Schweiß aus. Cesar fiepte und drückte sich an seine Beine. Jean-Marie schlug das Herz bis zum Hals. Er wollte den Hund beruhigen, der von seiner Angst angesteckt wurde, aber er brachte kein Wort über die Lippen.

Mit zitternden Händen hielt er erneut sein Handy hoch und leuchtete auf das, was keine fünf Meter von ihm entfernt auf einem Felsvorsprung lag. Dann schrie er so laut auf, dass Cesar mit eingezogener Rute aus der Höhle...



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