E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Metcalfe Die Stimme der Liebe
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0798-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-0798-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Halte durch, Liebling!' Verzweifelt umklammert Sanitäterin Maggie das Funkgerät, ihre einzige Verbindung zur Außenwelt, seit sie in der Mine verschüttet wurde. Stark, zuversichtlich und zärtlich erklingt daraus die Stimme des Mannes, den sie mehr liebt als ihr Leben ...
Als älteste Tochter einer großen Familie war Josie nie einsam, doch da ihr Vater bei der Armee war und häufig versetzt wurde, hatte sie selten Gelegenheiten, Freundschaften zu schließen. So wurden Bücher ihre Freunde und Fluchtmöglichkeit vor ihren lebhaften Geschwistern zugleich. Nach dem Schulabschluss wurde sie zur Lehrerin ausgebildet, mit dem Spezialgebiet Textilwaren und Modedesign. Ihre selbst gemachten Quilts waren schon bald sehr begehrt. Josie liest, seitdem ihre Mutter, eine Lehrerin, ihr das Lesen beibrachte. Damals war sie erst vier Jahre alt. Der Übergang von einer unersättlichen Leserin zur Romanautorin war rückblickend eigentlich eine logische Folge. Und sie liebt das Schreiben, auch wenn ihre Romanhelden nicht immer nach ihrer Pfeife tanzen wollen und ein Eigenleben entwickeln. Vor einigen Jahren erlitt Josie einen allergischen Schock bei einer Notoperation und verlor als Folge davon einen Teil ihrer Erinnerungen und ihre Fähigkeit zu lesen. Für einen Bücherwurm war dies natürlich eine schreckliche Entdeckung. Sie musste das Lesen wieder ganz neu lernen. Dabei halfen ihr die Bücher von Mills & Boon, die ihr Mann für sie besorgt hatte. Dass sie fast einen Monat brauchte, um das erste Buch zu Ende zu lesen, ließ sie beinahe verzweifeln. Doch es war so fesselnd geschrieben, dass sie nicht aufgeben konnte. Mittlerweile hat sie wieder unzählige Liebesromane gelesen und ist ihnen zum zweiten Mal verfallen. Ihr Ehemann ermutigte sie, selbst Romances zu schreiben, was sie dann auch voller Enthusiasmus tat.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
„Halt an, Mike … schnell! Ich verliere ihn!“ Ihre Stimme übertönte den schrillen Alarm des Überwachungsgeräts.
Maggie Pascoe wappnete sich gegen den Ruck, als der Krankenwagen von der Straße auf den holperigen Standstreifen schwenkte und abrupt zum Stehen kam. Dabei ließ sie Walter Dinnis nicht aus den Augen. Ihr Patient hatte keinen Puls mehr.
Routiniert versetzte sie ihm einen präkordialen Faustschlag direkt auf die Brust und begann mit der Herzdruckmassage. Sein Gehirn und die lebenswichtigen Organe brauchten dringend sauerstoffhaltiges Blut.
Die hinteren Wagentüren wurden aufgerissen, und ihr Kollege Mike sprang in den Wagen. Ohne dass sie ihn erst darum bitten musste, übernahm er die Herzmassage. Mit geübten Handgriffen bereitete Maggie den Defibrillator vor.
„Fertig zur Schockabgabe“, plärrte die Automatenstimme, und Mike nahm die Hände vom Patienten, bevor die Maschine einen Stromstoß in das nutzlos flatternde Herz jagte.
„Verdammt! Wieder Kammerflimmern“, fluchte Maggie leise vor sich hin. „Komm schon, Walter. Du schaffst es.“
Mit einem jaulenden Pfeifton lud sich der Defibrillator erneut, während Mike laut und rhythmisch zählend die lebensrettende Massage fortsetzte.
„Zweihundert, Mike. Hände weg!“
Nichts. Die gezackte Linie auf dem Monitor verriet, dass kein Blut durch die Organe gepumpt wurde.
„Untersteh dich, Walter!“ Vor ihrem inneren Auge sah sie das bleiche, entsetzte Gesicht seiner Frau. Betty folgte ihnen im Wagen ihrer Tochter. Das Letzte, was sie gebrauchen konnte, war der Anblick des Krankenwagens, der nicht mehr Richtung Klinik raste, sondern still am Straßenrand stand. „Du wirst mir jetzt nicht sterben!“, murmelte sie eindringlich. „Wir erhöhen auf 360 … und weg!“
Der drahtige Körper des alten Fischers bäumte sich auf. Ein paar Sekunden tickten dahin. Dann endlich erschien der ersehnte Sinusrhythmus auf dem Monitor.
„Sieh zu, dass es so bleibt, Walter. Alles andere würde Betty mir nie verzeihen“, sagte Maggie streng zu ihrem Patienten, während Mike die Türen schloss und sich hinter das Steuer setzte. Sie faltete das Protokoll der erfolgreichen Wiederbelebung zusammen und legte es zu Walters Karte. „Auf ins St. Piran, aber fix!“, rief sie ihrem Kollegen zu.
Der Wagen setzte sich in Bewegung. Aus dem Augenwinkel sah sie etwas Buntes zwischen den Ginsterbüschen aufleuchten. Neugierig blickte sie genauer hin, begriff aber erst, als Mike schon wieder auf der Straße war.
„Ein Kinderfahrrad … genau, das war’s“, sagte sie leise und wandte sich ab, um Walters Sauerstoffsättigung zu überprüfen. Zufrieden lächelnd las sie, dass der Wert auf über neunzig gestiegen war. Der Fischer hatte inzwischen das Bewusstsein wiedererlangt.
Maggie beugte sich über ihn, um ihn zu beruhigen. Das Bild des farbenfrohen Fahrrads, das sich deutlich von dem vertrockneten Wintergras abhob, vergaß sie jedoch nicht. Jetzt fiel ihr auch auf, dass es nicht nur eins gewesen war. Was machten die Kinder auf diesem Feld, weit außerhalb von Penhally Bay? Auf der steilen, kurvenreichen Straße hatten sie ihre Räder meistens schieben müssen, in dem Alter eine beachtliche Leistung.
Vielleicht erkundeten sie nur die Gegend oder bauten sich im Schatten der Bäume ein Versteck. Hier an Cornwalls Küste, wo im Winter Sturmwinde tobten, hatte kaum ein junger Baum die Chance, einen aufrechten Wuchs zu entwickeln. Er duckte sich unter den unaufhörlichen Böen, und so entstanden bizarre Formen, die auf den ersten Blick zeigten, woher der Wind wehte.
Walters Herz schlug brav weiter, und kurze Zeit später übergaben Maggie und Mike ihren Patienten in die Obhut der Schwestern und Ärzte in der Notaufnahme.
Auf dem Rückweg nahmen sie eine Kollegin mit. Maureen, Rettungssanitäterin wie sie, war nach einer ambulanten Leistenbruchoperation entlassen worden.
Es dämmerte bereits, aber die bunten Fahrräder lagen immer noch an derselben Stelle. Ein paar Kids werden heute Abend mächtig Ärger mit ihrer Mum bekommen, dachte Maggie. Mitte Februar waren die Tage viel zu kurz, und sie konnte verstehen, dass Kinder im Spiel die Zeit vergaßen. Aber ihre Mütter würden sich zu Recht große Sorgen machen. Schon tagsüber waren die schmalen Straßen für kleine Radfahrer gefährlich, doch nachts konnten sie tödlich sein. Außerhalb von Penhally Bay fehlte jede Straßenbeleuchtung.
„Da wären wir, meine Damen.“ Mike hielt direkt vor der Praxis und sprang aus dem Wagen, um die Doppeltüren zu entriegeln. Mit einer übertriebenen Verbeugung klappte er die Stufen aus. „Heraus, meine Schöne“, sagte er zu Maureen. „Es wird Zeit, dass du nach Hause kommst und die Beine hochlegst. Lass dir von deinem Alten einen schönen Tee kochen.“ Er beugte sich vor und fügte augenzwinkernd hinzu: „Mehr nicht. Falls er dir an die Wäsche will, der Chirurg hat’s verboten. Jedenfalls bis zur ersten Nachuntersuchung.“
„Benimm dich, Mike Barber, oder ich erzähle Brian, was du gesagt hast“, warnte Maureen lachend. „Leg dich lieber nicht mit ihm an.“
„Du hättest keine Chance“, meinte Maggie, während sie Maureen nachsah, die langsam über den Parkplatz ging. Brian stieg aus einem Wagen voller Kinder und kam seiner Frau entgegen. „Nicht bei jemanden von seinem Kaliber. Hast du mal seine Muskeln gesehen?“
„Meine sind auch nicht ohne.“ Offensichtlich in seinem männlichen Stolz gekränkt winkelte er den Arm an und ließ seinen Bizeps spielen.
„Sage ich ja gar nicht.“ Sie unterdrückte ein Lächeln. „Aber deine sind aus der Muckibude. Er hat die echten Dinger, gestählt durch harte Arbeit im Hafen.“
Maggie räumte auf, und sie verriegelten die Hecktüren, um ins Depot zu fahren. Mit ein bisschen Glück mussten sie nicht noch einmal ausrücken, bevor sie den Rettungswagen an die Kollegen von der Nachtschicht übergaben.
„He, Maggie! Mike!“, rief eine Stimme, als sie gerade zur Fahrerkabine gingen.
„Hallo, Mrs. Furse.“ Maggie machte kehrt, als die mütterliche Gestalt sie zu sich winkte. Die leitende Sprechstundenhilfe der Gemeinschaftspraxis Penhally Bay war eine der liebsten Freundinnen ihrer Mutter gewesen.
„Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du Hazel zu mir sagen sollst! Du bist doch längst erwachsen.“ Sie drückte Maggie an ihren wogenden Busen. „Euch zwei habe ich ja mindestens vierzehn Tage nicht gesehen. Habt ihr Zeit, mit uns etwas zu trinken? Ihr müsst unbedingt endlich unseren neuen Vertretungsarzt kennenlernen. Er …“
„Trinken, Hazel?“, unterbrach Mike sie neckend. „Na, du bist mir eine. Was hast du denn anzubieten?“
„Tee, Kaffee oder Wasser. Das weißt du genau, Mike Barber“, antwortete sie gespielt streng. „Benimm dich, oder ich muss mit deiner Mutter reden.“
Er verzog das Gesicht zu einer Grimasse. „Das ist die Strafe, wenn man sein Leben lang in einem Ort wohnt.“
„Na, so schlimm kann es nicht sein, wenn so viele hierher zurückkommen. Dr. Nick, zum Beispiel“, meinte Maggie, während sie Hazel die Stufen zum Personalraum hinauf folgten. Krampfhaft versuchte sie, nicht daran zu denken, was sie gleich erwartete. Es war kein Zufall gewesen, dass sie die Praxis gemieden hatte.
„Genau. Nick ist nicht der Einzige, der in sein Heimatstädtchen zurückgekehrt ist. Und hier ist unser neuer Kollege, auch ein Junge aus Penhally Bay.“ Hazel drehte sich um und lächelte breit jemandem zu, der direkt nach ihnen das Zimmer betreten hatte. „Maggie, ich weiß nicht, ob du dich noch an ihn erinnerst. Ihr seid zusammen zur Schule gegangen, aber er muss einige Klassen über dir gewesen sein. Es ist …“
„Adam Donnelly“, flüsterte sie. Ihr schlug das Herz in der Kehle, als sie zum ersten Mal seit einem Jahr in seine ernsten Augen blickte.
Er trug einen gut sitzenden dunkelgrauen Anzug, wie man es von einem angesehenen Allgemeinarzt erwartete. Nur war das Hemd dazu nicht weiß, sondern blau, und es betonte seine ausdrucksvollen Augen.
Zum Glück hatte Maggie ihm nie gesagt, wie sehr diese tiefblauen Augen sie schon immer fasziniert hatten. Es war eines ihrer Geheimnisse gewesen, genau wie die Tatsache, dass sie sich rettungslos in ihn verliebt hatte, lange bevor er zum Medizinstudium nach London aufgebrochen war.
Bedauerlicherweise hatten sie immer noch dieselbe Wirkung wie damals, sosehr sie sich auch dagegen wehrte.
„Maggie.“ Er nickte ihr zu.
Ein Wort nur, aber es genügte, um sämtliche Wunden wieder aufzureißen. Das letzte Mal, als sie diese raue Stimme hörte, hatte Maggie in seinen Armen gelegen und geglaubt …
„Du meine Güte, was hast du für ein Gedächtnis! Ihr müsst euch zuletzt gesehen haben, bevor er zur Uni gegangen ist. Seine Mutter ist doch weggezogen, nachdem …“ Hazel unterbrach sich kurz. „Also, zehn Jahre ist das bestimmt her.“ Anscheinend war es ihr peinlich, alle an den katastrophalen Sturm zu erinnern, bei dem auch Adams Vater unter den Toten gewesen war.
„Wir sind uns erst vor Kurzem begegnet.“ Maggie sah ihn an. „Zufällig, als ich vor einem Jahr zur Fortbildung in London war.“ Sie versuchte, unbefangen zu klingen. Wenn sie damals gewusst hätte, dass er …
„Und dann gab es einen Unfall in der U-Bahn-Station“, fügte Adam hinzu. „Wir waren vor Ort und haben geholfen, bis das Rettungsteam da war.“
Unfassbar, wie locker er über den Zwischenfall reden konnte. Noch Monate...




