E-Book, Deutsch, 196 Seiten
Messner Zwei.Zwischen.Welten
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-7537-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 196 Seiten
ISBN: 978-3-7693-7537-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gibt es parallele Welten? Eigentlich hätte es für Elli nur ein Nebenjob sein sollen. Aber dann kommt sie hinter ein unglaubliches Geheimnis. Eigentlich wollte Amri nur das Dach reparieren. Aber dann wird er in ein mysteriöses Abenteuer verstrickt. Mit Elli und Amri wird man nicht nur in andere Welten, sondern auch in den atemberaubenden Sog dieser fantastisch-realistischen Geschichte mit überraschenden Wendungen gezogen.
Bettina Messner Schriftstellerin. Lebt in Graz, Österreich. https://bettinamessner.at/
Autoren/Hrsg.
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EINS
1.1
(Elli)
Hilde. Stahlblaue Augen. Lustige Stupsnase. Energischer Mund mit Grübchen. Lockiges Haar. Schlohweiß. Richard. Dominante Nase. Buschige Augenbrauen. Drei-Tage-Bart. Volles Haupthaar. Grau. Beide über Siebzig. Ich, Elli. Braune Haare. Grüne Augen. Dreiunddreißig. Immer noch Studentin. Und Hilde und Richard waren mein neuer Nebenjob für die nächsten Monate. Hilde und Richard sahen sich ständig an und kicherten. Sie waren ein eingeschworenes Team. Aber da war mehr zu spüren. Es war, als ob sie etwas vor mir verbergen würden. Was gar nicht notwendig gewesen wäre. Ich sah im Grunde nur regelmäßig nach ihnen. Machte Besorgungen und dergleichen. Es war mein erster Job in diesem Feld. Sie sahen harmlos aus, wie sie so nebeneinander auf dem Sofa saßen. Was hatten sie schon alles erlebt? Es gab seltsamerweise kaum Fotos in der Wohnung. Nur zwei Bilder im Schlafzimmer, eins davon war vermutlich nur wenige Jahre alt: sie sitzen auf einer Bank, blicken den Betrachter direkt an, lächeln leicht. Das andere war älter. Sie haben glatte Gesichter, dunkle Haare, sind so ungefähr um die vierzig. Sie stehen Rücken an Rücken, wie für die Kamera inszeniert, in einem Garten, unter einem lila blühenden Baum. Sie tragen weite, fremd wirkende Kleidung. Hinter ihnen ist ein seltsames Haus zu sehen: fast alle Linien an dem Haus sind gerundet, auch die Fenster sind rund. Vielleicht waren sie in einem Filmstudio? Das Bild sieht jedenfalls aus, als wäre es aus einer anderen Welt. Die Natur scheint zu leuchten. Viel zu intensiv. Ich fragte sie danach. „Das war letzte Woche“, sagte Richard. Hilde stieß ihm den Ellbogen in die Seite. Dement seien sie nicht, hatte Maja gesagt, nur etwas außergewöhnlich. Ich dachte von Anfang an, es würde mit den beiden anstrengend werden. Aber so war es dann doch nicht. Hilde und Richard waren nur etwas schrullig. Das andere Wort für außergewöhnlich. Auf eine liebenswerte Art. Ich kam viermal die Woche vorbei und durch die Routine stellte sich allmählich Vertrautheit ein. Es war nur eine scheinbare Vertrautheit, das war mir klar. Ich war eine Angestellte. Maja, eine entfernte Verwandte von den beiden, hatte mich eingestellt. Sie wohnte weiter weg und hatte nicht die Zeit, sich zu kümmern. Das sagte sie auch genauso am Telefon. Ich traf sie nicht persönlich, der Weg war ihr zu weit, aber wir besprachen alles detailliert. Und es gab keine Probleme. Vorerst. Richard sagte selten viel. Manchmal murmelte er etwas in seinen Bart, das ich kaum verstand. Hilde übersetzte hin und wieder seine Wortkargheit. Sie wusste anscheinend immer, was er meinte oder wollte. Manchmal ließ sie es auch. Sie lächelte dann nur. Hilde lächelte viel. Ich würde gerne wissen, woran sie dann dachte. Aber ich fragte nicht. Die beiden entsprachen gar nicht dem Bild, das ich von alten Menschen hatte. Aber was rede ich. Ich kannte ja gar keine alten Menschen. Meine Eltern waren früh gestorben. Meine Großeltern hatte ich nie kennengelernt. Dann rief Maja eines Tages an und bat mich äußerst umständlich und mit vielen sprachlichen Schnörkel um einen besonderen Gefallen. Es wäre eine einmalige Ausnahme. Es handle sich um einen absoluten Sonderfall. Und sie hätte keine andere Möglichkeit. Ich hörte ihr Stammeln und wünschte, sie würde endlich auf den Punkt kommen. Der Punkt war: Ich sollte eine Nacht bei Hilde und Richard bleiben. Richard sei kränklich und Hilde stünde neben sich. Sonst sei es nie notwendig gewesen, dass jemand über Nacht anwesend bleiben musste. Und wahrscheinlich sei es auch jetzt nicht wirklich notwendig. Aber sicherheitshalber. Ob ich nicht könnte. Nur eine Nacht. Übernachten im Gästezimmer. Es wäre vermutlich nichts zu tun. Nur anwesend sein, wäre nett. Ich ließ mich überreden. Auch wegen dem Extrageld, das Maja versprach. Es stand mir aber auch zu. Erst nach meiner Zustimmung rückte Maja mit dem Pferdefuß heraus. Hilde und Richard wollten keine nächtliche Aufsicht haben. Natürlich nicht. Sie waren ihr Leben lang selbstständig gewesen und fühlten sich bei dem Gedanken, dass jemand auf sie aufpassen sollte, unwohl. Verständlich. „Das ist nicht notwendig, Schätzchen“, sagte Hilde dann auch schärfer als gewöhnlich. Sie nannte mich immer Schätzchen. Ich vermutete, sie konnte sich meinen Namen nicht immer merken. Sie war oft zerstreut. Ich legte ihr dar, dass Maja die Auftraggeberin war und ich schon zugestimmt hätte. Außerdem würde ich im Gästezimmer bleiben und niemanden stören. Was Richard mit einem lauten Seufzer beantwortete. Hilde überlegte scheinbar fieberhaft und wog den Kopf hin und her. „Wir brauchen keine Hilfe. Dass du tagsüber vorbeikommst, ist in Ordnung. Aber nachts“, sie stockte, „das ist etwas Anderes. Wir wollen“, sie machte eine Pause, „nicht, dass du allzu sehr belastet wirst.“ „Wir schlafen nicht viel“, ergänzte Richard. Irgendetwas an seiner Stimme war irritierend. Ich fühlte mich nicht wohl bei der Sache. Wir schwiegen uns daraufhin eine Zeit lang an. Ich überlegte, wie ich mich auf freundliche Art durchsetzen konnte. „Wir wollen aber keine Schwierigkeiten machen“, sagte Hilde dann unerwartet nachgiebig und blickte zu Richard mit einem festen Blick, der ihn zum Schweigen bringen sollte. Er wirkte. Richard schwieg. Was aber, wie gesagt, nicht ungewöhnlich war. Dass ich an jenem Abend dann so unbegreiflich schnell und umfassend müde war, irritierte mich und war schon eher ungewöhnlich. An den Tee, den Hilde mir kredenzte, dachte ich dabei nicht. Wie sollte ich auch. Ich war vollkommen arglos. Ich suchte wie gewöhnlich die Schuld bei mir selbst. Ich hatte mich sicher wieder überfordert mit all meinen Jobs, mit denen ich mich finanziell über Wasser zu halten pflegte. Nur dass Richard mich auffällig intensiv anstarrte, war seltsam. Sie lauerten auf etwas. Etwas, was mich betraf. Dass ich endlich in mein Zimmer gehen würde? Es war noch nicht einmal neun Uhr abends. Wie ich es in mein Zimmer geschafft hatte, wusste ich nicht mehr. Ich schlief wie ein Stein. Um acht Uhr morgens erwachte ich mit einem schweren Kopf und trockenen Hals. Hilde und Richard waren betont fröhlich. Hilde hatte schon Kaffee gemacht und summte vor sich hin. Sie wirkte jünger als sonst. Auf ihren Wangen war mehr Farbe. Auch Richard war anders. Beweglicher und vergnügter. Er beobachtete mich, wenn ich ihn nicht direkt ansah. Ich konnte es aus den Augenwinkeln sehen. Oder hatte ich schon Halluzinationen? „Du hast gut geschlafen, scheint mir“, sagte Hilde, „auch ein Brot mit Marmelade?“ Sie klang einfach nur freundlich. Warum aber war ich misstrauisch, sogar alarmiert? Maja war zufrieden mit mir. Aber sie bräuchte mich noch eine weitere Nacht. Nur eine. Ehrlich. Und wieder nur sicherheitshalber. Es wäre doch auch letzte Nacht gut gegangen. Hören Sie mal, ich bin kein Kindermädchen, und die beiden brauchen auch keines. Richard wirkt gar nicht kränklich. Außerdem habe ich ein Privatleben, wollte ich sagen, aber ich schwieg und stimmte zu. Und ich war auch neugierig, ob Hilde und Richard tatsächlich ein Geheimnis hatten oder ob ich mir alles nur einbildete. Vielleicht würde ich es irgendwie erfahren. Es war meine Intuition, die das vermutete. Maja versprach erneut einen Extrabonus. Das war mir nur recht. Aber meine innere Stimme riet mir, diesmal keinen Tee zu trinken. Überhaupt nichts zu konsumieren, was man mir anbieten würde. Ich würde alles selbst zubereiten. War ich verrückt? Was sollte schon sein? Warum sollten die beiden nicht einfach in Ruhe gelassen werden wollen? Sie hatten ein Recht auf ihre Privatsphäre. Ja, das sah ich ein. Aber irgendetwas in mir war überzeugt, dass da noch etwas Anderes war, etwas Seltsames. Und mein Spürsinn war geweckt. Es lag an den Blicken und Gesten, an den nicht greifbaren, nicht gesagten Zwischentönen, den Pausen, Leerstellen. Als seien diese wichtig. Wichtiger als das Gesagte. Irgendetwas irritierte mich dermaßen, dass es mich nicht in Ruhe ließ. Nachdem ich gesagt hatte, dass ich noch eine Nacht bei ihnen bleiben würde, sprach Hilde die Sache an. „Schätzchen, das geht...




