E-Book, Deutsch, 260 Seiten
Messner Zufällig ich
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-5182-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 260 Seiten
ISBN: 978-3-7562-5182-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ist alles Zufall oder gibt es einen höheren Plan im Leben? Eine ungeborene Seele hat sich auf der Erde verirrt und sucht ihre Familie. Wird sie bei Henrietta fündig? Doch plötzlich verschwindet diese nach einem Streit mit ihrem Freund Joe. Und sie bleibt nicht die Einzige. Wie soll die Seele es jemals schaffen, geboren zu werden? Eine Begegnung im Theater scheint alles zu verändern ... In dieser fantastisch-realistischen Geschichte verflechten sich Schicksale und Realität(en) verschiedener Menschen überraschend und turbulent.
Bettina Messner Schriftstellerin. Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin. Lebt in Graz, Österreich.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Es gibt keinen Zufall. PROLOG
ES will unbedingt geboren werden. ES will nicht mehr länger universelle Energie sein. ES will in dieser kleinen irdischen Welt sein, die ES immer so gerne beobachtet. Das ist zwar eine banale, ja beinahe einfältige Welt, aber ES findet es interessant, dort und da mitspielen zu können. ES möchte endlich wieder so tun dürfen, als wäre jede kleinste Nebensächlichkeit ein großes Drama. Und Spaß haben. Mit echten Augen sehen und mit echter Haut spüren. Und überhaupt. Viele Geschichten erleben. Auf der Energieebene ist ja alles ohne Spannungen, immer harmonisch, easy, gleich, konfliktund hindernisfrei. Das ist wunderbar. Aber auch öde. Die Beschränkung des irdischen Lebens stellt sich ES interessant vor. Man könnte sich in dieser Begrenztheit, innerhalb dieser Enge des menschlichen Horizonts treiben lassen und ein wenig Verantwortung abgeben. Oder das Gegenteil tun: Selbst die Führung übernehmen und eventuell auch Lehrer sein. Alles wäre möglich. Zumindest stellt ES es sich so vor. Nur wüsste man leider als Mensch gar nicht, was alles möglich wäre. Aber man hätte andererseits auch Zeit, es herauszufinden. Mehrere Leben Zeit dazu auch noch, sollte ein Leben nicht reichen. Und ein Leben reicht ja selten. ES will wieder zurück in diesen Kreislauf. ES will endlich nicht mehr alles wissen, alles können und vor allem alles sein. Ein neues, banales Menschleben in einem überschaubaren Radius zu leben, das wäre doch mal wieder etwas ganz Anderes. Es ist so ähnlich wie Theater spielen oder eine Romanfigur sein. Agieren in einem vordefinierten, festgesetzten Rahmen. ES will wieder ein Teilchen im Raum sein, ein Splitter, ein Mosaikstückchen. Und andere entdecken. Mit ihnen interagieren. Sich an ihnen reiben, sogar streiten, anderer Meinung sein. Kontraste und Unterschiedlichkeiten erfahren. Und all die mit dem Menschsein verbundenen Illusionen haben! Das wäre doch mal wieder fein. Aber wie könnte ES geboren werden? Könnte ES das irgendwie selbst initiieren? ES ist klar, dass ES sich dafür eine Zeit und einen Ort aussuchen muss. Die Erde als Planet wäre spannend, das steht schon mal fest. Dort ist noch eine turbulente Entwicklung im Gange, die ES gut beobachten kann. Ein interessanter Flecken, dieser blaue Ball. Fast ein wenig abenteuerlich. Die Zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts wären eine mögliche Wahl, denn ES gefällt diese Zeit sehr. Vielleicht in Berlin oder Paris in den Tag hineinleben. Schließlich wird diese Phase von den Menschen als eine „goldene“ bezeichnet. ES hat ein wenig in den Geschichtsenergien des Planeten herumgestöbert und diese in sein Feld aufgenommen. ES ist überzeugt, auf einer guten Fährte zu sein. „Ach geh, Fährte“, mischt sich eine Stimme ein. „HS“, wie ES diese Stimme nennt, die von innen zu kommen scheint, mischt sich selten ein, aber es scheint jetzt notwendig zu werden. „Wir wissen genau, dass wir uns damit viel zu sehr fokussieren. Das ist nicht unsere Sache.“ „Aber ich will ein Mensch sein und das gehört dazu.“ ES besteht immer stärker auf seine baldige Verdichtung. Meine Güte, jetzt sagt ES schon ICH, reflektiert HS, meldet aber gleichzeitig: „Also gut“, und versucht eine andere Taktik. „Wir wissen aber auch, was nach den Zwanziger Jahren in Europa passiert ist, nicht? Wollen wir das wirklich?“ „Oh je.“ ES flackert ein wenig unsicher. „Das kann unschön werden. Ich will ja ein schönes Leben.“ HS hätte jetzt gerne signalisiert, dass es schließlich in jeder Phase um Entwicklung gehe und gerade die schwierigen Zeiten dabei sehr hilfreich seien, aber hält sich zurück, um ES nicht noch mehr zu verwirren. Vor allem um ES in keiner Weise zu bestärken, Mensch werden zu wollen. Was für eine Idee! So gestrig! Wo man doch geglaubt hat, Zeiten, das enge chronologische Konzept überhaupt, längst hinter sich gelassen zu haben, nein, darüber hinaus zu sein. Ach, jetzt ist auch HS schon von dem Zeitkonstrukt infiziert. „Dann nehme ich die Sechziger!“, glüht ES jetzt begeistert und pulsiert auch ein wenig dabei. Das Jahrzehnt gefällt ES besonders. Bunt und lässig soll es sein. Ein bisschen Bewusstseinserweiterung in menschlichem Rahmen kann nicht schaden. ES lässt all seine Energiefarben gleichzeitig strahlen. „Anfang der Sechziger oder Ende? Wie soll ich mich entscheiden?“ „Fragen wir das wirklich?“, brummt HS. „Wir wissen es und wissen es nicht. Eine Entscheidung muss getroffen werden, sonst geht gar nichts.“ „Ja, ok, Ende der Sechziger. Und wie mach ich das?“ ES funkelt mittlerweile wie eine Diskokugel. HS verdunkelt ES ein wenig und dimmt die Stimmung runter: „Wir müssen das Potenzial doch längst erkennen können. Das Potenzialfunkeln. Wir müssen auf das Potenzialfunkeln achten. Dann in die Spirale. Und wenn wir weiter so zögern, dann verpassen wir den nächsten Rundlauf.“ „Diese Zeit scheint ein wenig vernebelt.“ ES übergeht die Irritation darüber und weitet seine Energiebahnen aus, um sich ein bisschen besser im Raum-Zeit-Kontinuum einzufühlen. Dabei fokussiert ES sich ein wenig zu sehr. Fast schwebt ES dabei auf einzelnen Wolken, anstatt das große Ganze im Feld zu behalten. „Hallo, träumen wir?“, blitzt HS nach einer Weile. „Verlieren wir uns? Da ist gar kein Nebel. Alles Fassade.“ „Jetzt habe ich etwas gespürt!“ ES ist jetzt hellwach und offen. „Da ist etwas und ich tauche mal kurz hinein.“ HS gefällt das nicht so sehr, aber das liegt eben daran, dass Zeitlinien HS im Grunde immer schon suspekt waren. Zu menschlich. Zu irreal. Das Universum aber surrt und schnurrt und mäandert und wandert, und kümmert sich nicht um menschliche Konstruktionen. Aber auch nicht um seine einzelnen Teile. Auch nicht um HS. Schon gar nicht um ES. Genau in dem Moment nämlich, wo ES sich einer bestimmten Raum-Zeit nähern will, macht das Universum jetzt eine Schleife oder eine Falte oder beides, jedenfalls bewegt es sich weiter. „Das gibt es doch nicht“, flackert ES und schrillt dabei gleichzeitig in den höchsten Tönen. „Da war doch grad noch so ein Funkeln, ein Potenzialfunkeln, und wo ist es jetzt? Und warum ist jetzt plötzlich das Jahr 2000 da? Das ist doch ... Wo sind die Sechziger hin?“ „Wir sind zu tief in den irdischen Konzepten verstrickt. Entspannen wir uns. Lassen wir uns fließen“, sagt HS betont ruhig, ohne auf die Fragen einzugehen. Für Fragen hat HS keinen Sinn. Schließlich müsste ES im Grunde alles selbst wissen. So ist das in der freien Energie und nicht anders. Es macht HS im Grunde aber schon unruhig, dass ES das alles nicht mehr zu wissen scheint. Ein Zeichen, dass ES schon zu nah im Irdischen Feld ist? Färbt das Unwissen schon ab? Das kann ja wohl nicht sein, ohne das richtige Potenzial … „Ja, ja.“ ES bewölkt sich ein wenig, findet aber nicht so richtig ins Fließen. Irgendwie geht jetzt gar nichts mehr. Da blockiert etwas! Das ist ES nicht gewöhnt. „Was ist da los, HS? Ich kenne mich nicht aus. Muss das nicht anders laufen?“ HS aber antwortet nicht. ES wird noch ungeduldiger und sogar launisch. Schon wieder ein neues Verhalten bei ES. Verhalten? Hat ES ein Verhalten? Vermutlich tatsächlich aufgrund der starken Nähe zu den irdischen Energien. „Übrigens vielleicht ist mir Europa doch zu belastet, wie wäre es mit Hawaii? Endlich wieder nach Hause zurück? Am blauen Pazifik sitzen und auf den Horizont schauen? Wäre doch nett.“ „Oh je, wir verstreuen in dieser Sprunghaftigkeit gerade unsere Energiepotenziale in alle Richtungen und Zeiten. Haben wir vergessen, dass alles Konsequenzen hat? Wohin wir denken, hinterlassen wir Gefühlspartikelchen! Passen wir besser auf!“ HS ist jetzt alarmiert. ES aber hört gar nicht zu. „Sollte da jetzt nicht irgendwo irgendwann ein helles Licht sein? Ein Sog? Warum ist da nichts? Ich muss mir das genauer ansehen und noch weiter hinein. Ich muss da hin. Ganz nah. Direkt.“ „Wir sollten das nicht tun!“ warnt HS. „Die Energie ist dort und dann zu niedrig. Wir sollten auf das richtige Potenzial warten. In uns hinein fühlen. Ach! Wissen wir nicht mehr, was passiert ist, als wir das letzte Mal zu früh eintauchten? Haben wir das auch schon vergessen? Wir sollen fließen und nicht forcieren. Auf die Energiespirale warten, die uns aufnimmt. Auf die richtige! Wir werden es genau fühlen, wenn es soweit ist. Wir müssen uns darauf einlassen und warten! Erinnern wir uns! Erinnern wir uns!“ ES aber hört immer noch nicht zu, jubiliert nun fast, sprüht noch ein wenig mehr und schaltet den Turbo mit Richtungsstrahlern ein. „Ich fühl mich schon viel menschlicher. Und irgendwie ist es plötzlich aufregend und prickelnd! Wow! Was für ein Gefühl! Das ist doch ein Zeichen! Das muss ein Zeichen sein! Muss! Ich werde einmal ein bisschen Gas geben und losstarten!“ HS versucht zu bremsen. „Das haben wir auch damals in Atlantis gedacht und uns zu...




