Merz | Alpengold - Folge 230 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 230, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

Merz Alpengold - Folge 230

Viel zu schön, um Magd zu sein
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7325-3761-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Viel zu schön, um Magd zu sein

E-Book, Deutsch, Band 230, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

ISBN: 978-3-7325-3761-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als sich Mia Moser um eine Anstellung als Magd auf dem Königshof bewirbt, denkt Korbinian nicht lange nach und stellt das bildhübsche Madel ein. Die drei Brandstetter-Brüder Andreas, Korbinian und Lukas, die den größten und schönsten Hof in Schondorf gemeinsam führen, sind gleichermaßen fasziniert von dieser Schönheit.

Bei Andreas' besserer Hälfte Johanna und Korbinians Verlobter Marion schrillen hingegen sämtliche Alarmglocken. Sie behalten die neue Magd genau im Auge, denn offenbar schäkert sie gerne ein wenig - allerdings nicht mit Lukas, dem jüngsten, noch ungebundenen Brandstetter. Dabei ist der unverbesserliche Schürzenjäger vollkommen hingerissen von dem Madel, doch egal, was er auch anstellt, die neue Magd zeigt ihm die kalte Schulter.

Was alle nicht wissen: Mia ist nicht zufällig auf den Königshof gekommen, sondern sie hat hier eine Mission zu erfüllen, und so, wie es aussieht, läuft für sie alles nach Plan ...

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Lukas Brandstetter legte an und zielte genau. Völlig ruhig hielt er das Gewehr, kein Muskel regte sich, er blinzelte nicht einmal.

Der Bursche atmete tief und gleichmäßig. Die innere Anspannung, unter der er stand, war ihm nicht anzusehen. Er wirkte ganz locker. Dann krümmte er den rechten Zeigefinger. Der Schuss peitschte auf und traf sein Ziel. Es krachte, als der Kopf des Adlers aus bemaltem Sperrholz vom Hals gerissen wurde, der bereits durch einige Schüsse brüchig geworden war. Der Kopf segelte zu Boden und gleich darauf auch der Rest des Adlers.

Einen Atemzug lang herrschte noch Totenstille, dann aber brach ein infernalischer Beifallssturm aus. Die Zuschauer klatschten und schrien, und auch einzelne begeisterte Jodler waren aus der Menge zu vernehmen.

Der hochgewachsene, fesche Bursche drehte sich um und grinste breit. Er zeigte zwei Reihen gesunder Zähne in einem markant männlichen Gesicht, das auf das weibliche Geschlecht ebenso unwiderstehlich wirkte wie der Rest des jüngsten Brandstetter. Er war eben ein Pfundskerl, ein echter Gebirgler, kernig und voller Tatkraft. Das hatte er nun erneut beim Königsschießen unter Beweis gestellt.

Seit Jahren war es Tradition, dass einer der drei Brandstetter-Brüder sich die Krone des Schützenkönigs holte. Lukas hatte dies nun zum dritten Mal geschafft. Und entsprechend ließ er sich feiern und bewundern.

Sepp Grasser, der erste Vorsitzende des Schützenvereins 1860 Schondorf e.V., trat vor und schüttelte dem Burschen, der ihn um gut einen Kopf überragte, herzlich die Hand. Während er ihm den Siegerpokal überreichte, dröhnte seine tiefe Bassstimme gegen den noch immer andauernden Jubel der Schondorfer an.

»Meine herzliche Gratulation, Lukas! Wie es ausschaut, sind die Burschen vom Königshof bei uns am Ammersee die besten Schützen. Sie lassen sich die Siegerkrone net streitig machen. Auch in diesem Jahr kommt unser Schützenkönig also vom Königshof!« Er klopfte Lukas jovial die Schulter, und dieser bedankte sich.

»Heut geht alles auf meine Rechnung!«, rief er dann fröhlich. »Also, worauf wartet ihr noch? Jetzt wird gefeiert!«

Der Jubel steigerte sich noch einmal, dann wurde das Starkbier angestochen, und bald kochte die Stimmung im Vereinsheim von Schondorf hoch. Bier und Enzian flossen in Strömen, denn alle wussten, was es hieß, wenn ein Brandstetter zum Feiern einlud.

Lukas genoss den Abend in vollen Zügen. Auch seine beiden älteren Brüder Andreas und Korbinian waren mit von der Partie.

Die zwei hatten die Trophäe auch schon einige Male abgeräumt. Auf dem Königshof, dem schönsten und größten Anwesen in Schondorf, gab es eine ganze Vitrine voller Pokale. Die Brandstetter-Brüder waren aber nicht nur gute Schützen, wie der Grasser-Sepp betont hatte, sie waren auch die größten Schürzenjäger am Ammersee.

Andreas, der Älteste und Erbhofbauer, ließ es in letzter Zeit etwas ruhiger angehen, denn er hatte im vergangenen Jahr geheiratet. Mit dreißig war er ein wenig vernünftiger geworden.

Die resolute Johanna Gruber hatte sein Herz gestohlen. Die schöne, willensstarke junge Frau ließ sich nichts gefallen. Andreas wusste, dass sie fuchsteufelswild werden konnte, wenn sie auch nur die Spur von einem Verdacht gegen ihn hegte. Er liebte ihr Temperament und ahnte, dass ihre heiße Eifersucht einer tiefen, wahren Liebe zu ihm entsprang. Deshalb dachte der Erbhofbauer nicht einmal mehr im Traum daran, auswärts zu »wildern«.

Doch wenn seine beiden jüngeren Brüder es krachen ließen, wollte er mit von der Partie sein. Er hatte Johanna plausibel machen können, dass er auf die zwei aufpassen und »das Schlimmste verhindern« wolle. Was er darunter verstand oder wie er dies bewerkstelligen wollte, hatte er allerdings nicht ganz deutlich machen können.

Andreas war klar, dass seine bessere Hälfte ihn ab Mitternacht mit Strafmaßnahmen erwarten würde. Deshalb hatte er sich vorgenommen, nicht zu spät heimzukommen, um seinen Schatz mit Busserln und treuen Blicken zu besänftigen. Schließlich war der Haussegen ihm wichtig.

Als es auf Mitternacht zuging, hatte die Stimmung im Vereinsheim ihren Höhepunkt erreicht. Lukas tanzte abwechselnd mit allen hübschen, verfügbaren Madeln, und Korbinian hatte es sich einfallen lassen, sein Starkbier aus einem schmalen Damenschuh zu schlürfen. Das dazugehörende Madel saß dabei natürlich auf seinem Schoß.

Bedachte man, dass Korbinian sich vor einem halben Jahr mit einem hübschen, anständigen Madel verlobt hatte, war dieses Verhalten nicht einfach hinzunehmen. Der Meinung war Andreas jedenfalls.

Er kämpfte sich durch die Menge der tanzenden und grölenden Feierwütigen. Es war schwer, sich gegen die Musik aus den Lautsprechern durchzusetzen.

»Wir sollten jetzt Schluss machen und heimgehen«, brüllte er in Korbinians Ohr. »Du willst doch morgen mit der Marion am Hohenberg kraxeln, net wahr?«

Sein Bruder starrte ihn mit glasigem Blick an und lachte dümmlich.

»Bis dahin ist noch viel Zeit«, lallte er. »Jetzt heb ich erst einmal ein bisserl mit der Lissi ab, gelt?«

Das Madel kicherte albern, als Korbinian ihr ein Busserl aufs üppige Dekolleté drückte.

Andreas verzog den Mund. Er warf einen Blick zu Lukas, der wieder einmal den Partylöwen spielte und der Mittelpunkt des feucht fröhlichen Geschehens war. Lukas würde sich kaum dazu bewegen lassen heimzugehen. Vermutlich feierte er wieder einmal bis zum Abwinken und landete dann mit einem beliebigen Madel im Bett.

Der Erbhofbauer ließ ihn gewähren, denn schließlich war der jüngste Brandstetter noch ungebunden und konnte tun und lassen, was er wollte.

Bei Korbinian sah das etwas anders aus. Auch wenn er noch so seine Probleme mit der Treue hatte, musste er sich doch allmählich daran gewöhnen, auf Marion Rücksicht zu nehmen. Und wenn er dies nicht von sich aus tat, würde Andreas eben ein wenig nachhelfen.

Entschlossen zog er Korbinian den Schuh aus der Hand, dann packte er den Rauschigen und warf ihn sich kurzerhand über die Schulter. Lissi sackte zur Seite und schlief ein. Sie schien ebenfalls deutlich einen über den Durst getrunken zu haben. Andreas kümmerte sich nicht weiter um das Madel.

Er schleppte seinen Bruder aus dem Saal und verfrachtete ihn in seinen Geländewagen. Als er selbst einstieg, schnarchte Korbinian bereits anhaltend und durchdringend.

Der Erbhofbauer hatte es bei einer Maß belassen, sodass er den Weg ins Dorf guten Gewissens mit dem Auto zurücklegen konnte.

Das Vereinsheim lag etwas außerhalb von Schondorf, die schmale Landstraße, die weiter nach Rieden und Weilheim führte, verlief direkt am Ammersee. Es war eine frische, sternklare Nacht im Oktober. Der Mond stand voll und rund über dem See und streute Silbertaler auf das schwarz wirkende Wasser.

Die Lichter von Schondorf glänzten direkt vor Andreas. Zu seiner Rechten erhob sich still und dunkel ein dichter Tann, dahinter ragte der karstige Gipfel des Hohenbergs in den klaren Nachthimmel.

Andreas war die Umgebung so vertraut, dass er auch mit verbundenen Augen seinen Weg gefunden hätte. Er war in Schondorf geboren und aufgewachsen und konnte sich nicht vorstellen, sein Leben woanders zu verbringen als in seinem Heimattal auf dem Königshof und mit seinen beiden Brüdern.

Die drei waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Sie hatten die Eltern früh verloren. Der Vater war am Schlag gestorben noch vor seinem fünfzigsten Geburtstag, die Mutter hatte von jeher gekränkelt, hatte ein schwaches Herz gehabt.

Erinnerungen an die Kindheit verbanden sich für Andreas mit seinen Brüdern und der Hauserin Rosa, die besonders bei Lukas einst Mutterstelle vertreten hatte. Die gutmütige Seele hatte den mutterlosen Buben allerdings gnadenlos verwöhnt. Sie konnte ihm nie etwas abschlagen, und die Strenge, die Lukas gefehlt hatte, hatten seine älteren Brüder dann zu spüren bekommen.

Jetzt ging Rosa auf die siebzig zu, hatte den Haushalt auf dem Königshof aber nach wie vor im Griff. Andreas mahnte sie öfter kürzerzutreten, vom Ruhestand mochte sie allerdings nichts wissen.

»Wer rastet, der rostet«, war ihr Lieblingsspruch.

Und der Erbhofbauer ließ sie gewähren, denn in gewisser Weise gehörte Rosa längst zur Familie. Glücklicherweise verstand sie sich gut mit Johanna, und das machte es für sie einfach, manche Arbeit, die ihr zu schwer wurde, der Bäuerin zu überlassen.

Andreas setzte den Blinker und bog von der Landstraße auf die private Allee ab, die zum Königshof führte. Sie wurde von schlank gewachsenen Linden gesäumt und endete auf dem kunstvoll gepflasterten Wirtschaftshof.

Der Königshof stand hier bereits seit mehr als zweihundert Jahren. Das große Haupthaus mit dem imposanten, tief gezogenen Dach, die Nebengebäude und Stallungen sprachen von Reichtum und der Kontinuität vieler Generationen. Alles war gepflegt und durch ständige, fachkundige Renovierungsarbeiten in einem nahezu perfekten Zustand erhalten. Allein die reich beschnitzten Balken des Dachüberstandes aus antiker Eiche waren sehenswert.

Der Erbhofbauer stellte seinen Wagen in der Remise ab und stieg aus. Korbinian schlief noch immer. Mit einem Seufzer hievte sein Bruder ihn aus dem Auto und schleppte ihn ins nahe gelegene Gesindehaus, wo er in der ersten freien Kammer landete.

Jetzt, Mitte Oktober, waren die Saisonkräfte ausgestanden, es gab wieder etwas mehr Platz, bis die Holzknechte ihre Arbeit antraten, was nicht mehr lange dauern würde.

Andreas warf noch einen Blick...



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