Merz | Alpengold - Folge 173 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 173, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

Merz Alpengold - Folge 173

Der Kräuterdoktor von St. Annen
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8387-5958-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Kräuterdoktor von St. Annen

E-Book, Deutsch, Band 173, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

ISBN: 978-3-8387-5958-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Sonne versinkt schon hinter dem Gipfel, als Dr. Benjamin Hoffmann schnellen Schrittes den Weg bergan schreitet. Eine dunkle Ahnung, die er sich selbst nicht so recht erklären kann, lässt ihn an diesem Abend seiner Freundin Melanie folgen. Seitdem sie beide in St. Annen wohnen, um Benjamins Onkel in seiner Landarzt-Praxis zu vertreten, ist mit der schönen Ärztin Melanie eine seltsame Veränderung vorgegangen. Still, fast verstockt ist sie geworden, und immer wieder verschwindet sie für Stunden in den Bergen. Als Benjamin nun um die Wegbiegung kommt, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen: Da sitzt Melanie auf der Bank am Marterl - und sie ist nicht allein! Bei ihr ist ihr Ex-Freund, den sie lange nicht vergessen konnte ...

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»Aufwachen, Schatzerl!« Dr. Benjamin Hoffmann musste schmunzeln, als der goldblonde Haarschopf seiner Liebsten nach dieser Aufforderung nur etwas tiefer unter der Bettdecke verschwand. »Frau Kollegin, die Pflicht ruft.«

»Mei, Ben, lass mich schlafen! Es kann unmöglich schon sieben Uhr sein«, kam ein gequältes Seufzen unter der Decke hervor.

»Leider ist es bereits halb acht«, erwiderte der junge Doktor unbarmherzig. »Und da du dich weigerst, wach zu werden, muss ich wohl als Erster unter die Dusche gehen!«

Diese Drohung wirkte. Melanie schob die Bettdecke zurück, gähnte herzhaft und mahnte: »Wag es net! Du weißt genau, dass ich erst nach einer wechselwarmen Dusche halbwegs wach bin und Frühstück machen kann.«

Der junge Mann seufzte. »Na schön, dann lasse ich dir den Vortritt. Aber nur, wenn du dich ein bisserl sputest. Oder sollen unsere Patienten heut vielleicht vor verschlossener Tür stehen, wenn sie in die Sprechstunde kommen?«

»Das wäre allerdings unverzeihlich«, spöttelte Melanie und schwang die langen, schlanken Beine aus dem Bett. »In zehn Minuten bin ich fertig, Ehrenwort!«

Es dauerte dann doch ein wenig länger, bis das junge Paar zusammen beim Frühstück saß.

Melanie Berg und Benjamin Hoffmann waren seit drei Jahren zusammen. Sie hatten sich an der Uni kennengelernt und ineinander verliebt. Damals war Melanie noch mit einem anderen Medizinstudenten verbandelt gewesen, einem gewissen Karsten Eder.

Benjamin war sehr eifersüchtig auf den Sohn aus gutem Hause gewesen, auf den nach dem Examen bereits eine eingerichtete Praxis wartete. Daneben hatte der Bauernsohn aus dem Berchtesgadener Land sich ein wenig minderwertig gefühlt. Schließlich konnte er Melanie nichts bieten, was für Karsten Eder ganz selbstverständlich war: teure Theaterkarten, exklusive Restaurants, Wochenenden auf Skihütten oder am Meer zur Entspannung.

Benjamin hatte seine Freizeit zwischen Lernen und Jobben aufteilen müssen. Seine Eltern hatten ihn nach Kräften unterstützt, aber er wollte ihnen nicht zu sehr auf der Tasche liegen.

Ihr Hof war klein und warf nicht mehr viel ab. In der Zwischenzeit hatten sie alles verkauft und verbrachten ihren Lebensabend auf Mallorca, wo sie eine geräumige Wohnung besaßen. Benjamin hatte die Eltern dort noch nicht häufig besucht, denn er war sehr heimatverbunden und konnte einfach nicht verstehen, wieso sie den Hof verkauft hatten.

Er selbst hätte in seinem Heimatdorf gern eine Landarztpraxis eröffnet, wofür er den elterlichen Hof durchaus hätte nutzen können. Aber diese Chance war dahin.

Nun war der junge Mediziner auch nicht gerade unzufrieden. Er hatte sich zusammen mit Melanie eine Praxis in Berchtesgaden aufgebaut, die gut lief.

Oft plagte ihn aber das Heimweh. Und der heimliche Wunsch, auf dem Land zu leben, erfüllte sein Herz. Heimlich musste dieser Wunsch auch bleiben, denn seine Liebste hatte dafür so gar keinen Sinn. Manchmal fragte Benjamin sich ernsthaft, warum Melanie sich für ihn entschieden hatte. Alles, was Karsten Eder ihr hatte bieten können, entsprach doch viel mehr ihren Wünschen und Vorstellungen …

»Du bist so still heut Morgen«, sagte Melanie nun in seine Gedanken hinein. »Kater oder einfach nur Müdigkeit?«

»Weder noch. Mir geht so einiges im Kopf herum«, gab der junge Arzt zu und musterte seine Freundin nachdenklich.

Melanie war eine sehr schöne junge Frau mit dem goldblonden Haar, den klaren, grauen Augen und dem ebenmäßigen Gesicht. Er hatte sie lieb und wünschte sich mehr als diesen Zustand, in dem sie lebten. Aber davon wollte sie nichts wissen.

»So nachdenklich? Willst du mir auch verraten, worüber du nachdenkst?«, forschte sie nun. »Vielleicht über Sinn und Unsinn deiner Kräutermedizin?«

»Meli, ich bitte dich!« Er verdrehte leicht genervt die Augen. »Darüber sollten wir nimmer diskutieren, das hat eh keinen Sinn. Du magst dich net auf meinen Standpunkt einlassen. Und ich habe keine Lust, eine hartgesottene Schulmedizinerin zu überzeugen. Das würde doch net klappen.«

»Kann schon sein.« Sie hob die Schultern und trank einen Schluck Kaffee. »Also, was geht dir dann im Schädel herum? Sagst du es mir freiwillig, oder muss ich weiter raten?«

»Weißt du, Schatzerl, die Hochzeit von Flori und Kerstin, die war wirklich schön, findest du net auch?«

»Ein nettes Wochenende auf dem Land«, pflichtete sie ihm bei. »Es ist allerweil herzig, wenn gute Freunde heiraten. Da muss man schließlich dabei sein, das ist man sich schuldig.« Ihre Stimme klang leicht ironisch, was ihm nicht entging. So war es immer, wenn sie auf das Thema Heirat zu sprechen kamen.

»Der Flori ist zwei Jahre jünger als ich. Da macht man sich schon so seine Gedanken.«

»Und welcher Art sind diese Gedanken?« Melanie tat unwissend.

»Na, zum Beispiel, wann wir zwei uns endlich trauen. Ich weiß net recht, worauf wir noch warten. Wir haben uns lieb, wir leben zusammen und haben es beruflich zu etwas gebracht. Ich denke, es wird Zeit, den nächsten Schritt zu tun.«

»Und der wäre?«

»Meli, ich bitte dich! Wir waren uns doch einig, dass wir eine Familie gründen wollen, sobald die Praxis läuft. Das tut sie.«

»Aber noch lange net so, wie sie sollte«, wandte sie schnell ein. »Oder hast du vielleicht vergessen, wie hoch unsere Schulden noch sind? Denkst du, es ist eine gute Idee, wenn ich jetzt daheimbleibe, Kinder kriege und es dir überlasse, die ganze Arbeit zu tun? Ich möchte dich auch irgendwann mal sehen. Ganz davon abgesehen, dass ich meinen Beruf ebenfalls liebe und gern ausübe.«

»Aha, da wären wir also wieder am Ausgangspunkt.« Benjamin starrte grimmig zu Boden. »Du willst net heiraten. Und Kinder willst du auch keine. Warum gibst du es net einfach zu? Manchmal wirkt es befreiend, die Wahrheit auszusprechen.«

»Leg mir bitt schön keine Worte in den Mund!« Sie seufzte leise. »Lass uns doch vernünftig darüber reden, Ben! In ein paar Jahren …«

»Ach was! Du glaubst doch selbst net, dass sich daran etwas ändern wird. Wenn deine Gefühle für mich nimmer stark genug sind, um an eine gemeinsame Zukunft und Kinder zu denken, dann …«

»Ben, hör auf! Ich hab dich lieb und bin glücklich mit dir. So wie es jetzt ist, ist es für mich gut. Zählt denn das gar net?«

Er schaute sie nachdenklich an. Manchmal hatte der junge Mann das deutliche Gefühl, dass Melanie ihm etwas verheimlichte. Früher hatte er in ihren Augen lesen können, da war ihm keine Regung ihres Herzens verborgen geblieben.

Nun war das anders. Auch jetzt schaute sie ihn an, doch er hatte das vage Empfinden, als wäre ein kleiner Teil ihrer Gedanken und Gefühle woanders, nicht hier, nicht bei ihm. Es war, als fehlte etwas Entscheidendes, auch wenn er den Finger nicht darauflegen konnte.

»Du weißt genau, wie wichtig es für mich ist, dich glücklich zu sehen, Schatzerl«, sagte er nun ernst. »Aber ich hab den Eindruck, dass wir beide mittlerweile einen ganz unterschiedlichen Begriff vom Glück haben. Und das macht mir ein bisserl Angst.«

»Wie meinst du das? Ich versteh dich net.«

Er dachte an heimliche Telefonate, Gesprächsfetzen, die er zufällig mitbekommen hatte, zwischen Tür und Angel, in der Praxis und auch daheim. Verstohlene Blicke. Und ein gewisses Maß an Unehrlichkeit, das er aber von sich geschoben hatte wie etwas Unangenehmes, etwas, das ihn kalt berührte.

»Hast du Karsten Eder in letzter Zeit mal wieder getroffen?«, fragte er ins Blaue hinein.

Vor einigen Wochen hatte er geglaubt, bei einer Fahrt durch die Stadt Melanie in Begleitung eines anderen gesehen zu haben. Sie war an dem Tag angeblich bei einer Freundin gewesen. Der Verkehr war zu dicht gewesen, um anzuhalten. Und so hatte er sie rasch wieder aus den Augen verloren. Aber seitdem ging Benjamin diese zufällige Beobachtung nicht mehr aus dem Kopf.

Melanie blieb ruhig, seine Frage schien sie nicht zu berühren. Doch er bemerkte, dass ihre Hand leicht zitterte, als sie nach der Kaffeetasse griff. Ein verräterisches Zeichen?

»Karsten? Nein, wieso sollte ich?« Sie schaute auf ihre Uhr. »Komm, wir müssen los, sonst fängt die Sprechstunde heut wirklich später an.« Rasch erhob sie sich, als hätte sie Angst, er könne ihr noch weitere Fragen stellen. Benjamin machte sich seinen eigenen Reim darauf. Ein ungutes Gefühl blieb.

Auf der Fahrt von ihrer Wohnung zur Praxis redeten sie nur über Belangloses. Als sie ihr Ziel erreicht hatten, meinte die junge Ärztin: »Ich find es nett, dass du immer noch auf Karsten eifersüchtig bist, Ben. Aber dazu besteht wirklich kein Anlass. Ich habe ihn seit der Uni nimmer gesehen.«

»Bist du sicher? Auch net zufällig? Ich hab gehört, dass er hier in Berchtesgaden an einer Klinik arbeiten soll.«

»Da weißt du mehr als ich.« Sie tat harmlos. »Sein Vater hatte ihm doch seinerzeit eine Praxis eingerichtet, oder?«

»Flori hat mir erzählt, dass er Karsten vor einer Weile in der Stadt getroffen hat. Er ist wohl in der Zwischenzeit schon Oberarzt in einer Privatklinik.«

Melanie tat gleichgültig. »Das ist mir ziemlich einerlei.«

»Tatsächlich?« Benjamin nahm ihr das nicht ab, doch sie hob nur die Schultern und schwieg sich aus. Das verunsicherte ihn. War sein Misstrauen vielleicht doch unbegründet? Tat er ihr unrecht mit seiner Eifersucht?

***

An diesem Morgen kam Benjamin nicht mehr dazu, sich...



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