Merz Alpengold - Folge 162
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8387-5607-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
Casanova im grünen Loden
E-Book, Deutsch, Band 162, 64 Seiten
Reihe: Alpengold
ISBN: 978-3-8387-5607-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen (»Systemvoraussetzungen)
Wie ein skrupelloser Schürzenjäger Mariannes Herz brach Ein Förster, so fesch wie es so schnell keinen Zweiten gibt, das ist der junge Hartmann-Andreas, und die Madeln im schönen Taufenstein erliegen reihenweise seinem Charme. Doch lange kann er keiner treu sein, und so wird der Club der Verlassenen von Woche zu Woche größer. Als die hübsche angehende Forstwirtin Marianne Seebach ausgerechnet Andreas' Obhut anvertraut wird, um ihr Praktikum zu machen, merkt sie gleich, dass sie ihr Herz ganz fest in beide Hände nehmen muss, wenn sie Andreas' Charme-Offensive widerstehen will! Aber es kommt, wie's kommen muss: Allein mit ihm im malerischen Forsthaus, verliebt auch Marianne sich Hals über Kopf in den lebenslustigen Burschen, und wie viele andere vor ihr ist sie sicher, dass er sie von Herzen wiederliebt.Ein fataler Irrtum, wie sich zeigen soll! Doch gerade, als Marianne den Burschen verlassen will, überschlagen sich im Forst auf tragische Weise die Ereignisse...
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»Mei, Marianne, wie machst du das nur? Ich müh mich ab mit dem Stoff und hab den Eindruck, dass dir das alles nur so zufällt.« Sabine Gruber warf einen etwas neidischen Blick auf die Zensur der Freundin und seufzte. »Verrätst du mir dein Geheimnis?« Marianne Seebach lachte unbekümmert auf. Sie strich sich eine vorwitzige Locke ihres blonden Haares aus der Stirn und meinte: »Da gibt es kein Geheimnis. Ich muss auch lernen. Aber es fällt mir net schwer, weil mir die Ausbildung zur Forstwirtin eben einen so großen Spaß macht.« »Aber doch net die Theorie! Und diese ganzen langweiligen Mathe- und Statistikaufgaben.« Wieder seufzte Sabine, und diesmal klang es wirklich gequält. »Immer, wenn ich mich über meine Bücher setze, verspüre ich den unwiderstehlichen Drang, auf der Stelle einzuschlafen.« Sie nahm ihre Tasche und folgte der Freundin aus dem Seminarraum der Fachhochschule. An diesem Tag hatten die angehenden Forstwirte eine wichtige Arbeit zurückerhalten, und es hatte einige lange Gesichter gegeben. Professor Eder zensierte streng, aber gerecht. Und er hatte für Marianne wie meist auch ein Lob übrig gehabt. Nun wartete der Professor vor dem Seminarraum und sprach Marianne noch einmal freundlich an. Er war auch ihr Tutor, so eine Art Vertrauenslehrer, an den sie sich wenden konnte, wenn sie Fragen oder Schwierigkeiten hatte. Dies war bislang nicht der Fall gewesen. Mariannes Berufswunsch hatte bereits in der Schule festgestanden. Ihr Vater war ebenfalls Förster gewesen. Die Erinnerung an ihre Kindheit im Forsthaus hatte sie geprägt und dazu geführt, dass sie sich gar nichts anderes vorstellen konnte, als selbst Försterin zu werden. Leider hatten ihre Eltern sich scheiden lassen, als Marianne zwölf Jahre alt gewesen war. Die Mutter war nach Berchtesgaden in eine Wohnung gezogen und hatte die Tochter mitgenommen. Und Mariannes Vater war ausgewandert. Er hatte seinen Traum verwirklicht, in Kanada als Ranger in einem Nationalpark zu arbeiten. Oft hatte er ihr geschrieben und sie eingeladen, ihn zu besuchen. Aber die Mutter hatte sie nicht allein auf eine so weite Reise gehen lassen. Und vor ein paar Jahren war Mariannes Vater dann bei einem Lawinenunglück ums Leben gekommen. Sie bereute es, ihn nicht wiedergesehen zu haben. Und sie hatte das ihrer Mutter auch vorgehalten. Doch diese hatte sich in der Zwischenzeit wieder verheiratet. Und seit Marianne ausgezogen war, um ihre Ausbildung zu machen, war ihr Kontakt nur noch sehr sporadisch. Das Madel verdiente sich seine Ausbildung durch Jobben und war stolz darauf, unabhängig zu sein. Die Erbschaft, die ihr Vater Marianne hinterlassen hatte, war fest angelegt für schlechte Zeiten. Man wusste ja schließlich nie, ob man gleich einen passenden Arbeitsplatz fand. Professor Eder sagte nun zu Marianne: »Ich habe gute Neuigkeiten für Sie. Sie können ab nächster Woche Ihr Praktikum in Taufenstein antreten. Das wird dann der Abschluss ihrer Anwärterzeit, Marianne. Danach können Sie die Laufbahnprüfung ablegen und sind fertig.« Er reichte ihr einige Unterlagen. Das Madel strahlte. »Ich danke Ihnen herzlich, Herr Professor! Damit habe ich gar net so schnell gerechnet. Vielen Dank!« Der Professor schmunzelte. »In Taufenstein wartet Arbeit auf Sie, Marianne. Die Praktikanten müssen schon zeigen, was sie können. Und die Bewertung fließt in Ihre Abschlussprüfung ein. Das wird also kein Urlaub werden.« »Ich werde mich bemühen, allen Anforderungen gerecht zu werden«, versicherte das Madel ernsthaft. »Es ist ja net das erste Praktikum, das ich mache. Mir ist schon klar, dass es da einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen Theorie und Praxis.« »Sie machen das schon«, war Professor Eder überzeugt. »Alles Gute. Wir sehen uns dann im Herbst wieder.« Marianne bedankte sich noch einmal und schloss sich dann wieder Sabine an, die ein Stück entfernt bei einigen Kollegen stand und sich unterhielt. Die Freundin wollte gleich wissen, was es Neues gab. »Mein Praktikum. Ich werde nach Taufenstein fahren. Das ist gar net mal so weit weg von hier.« Sie lächelte. »Darüber bin ich echt froh und erleichtert. Ich hatte nämlich die ganze Zeit ein bisserl Angst davor, in irgendeinen entlegenen Winkel geschickt zu werden, wo das Heimweh mich plagt.« Sabine schaute sich die Unterlagen an und nickte dabei anerkennend. »Schön ist es da. Schau nur, wie idyllisch der Ort liegt. Und das Forsthaus ist richtig schmuck!« Sie deutete auf ein Foto, das ein traditionelles Holzbohlenhaus zeigte, umgeben von himmelhohen Föhren. »Wenn du Glück hast, ist der Kollege dort jung und einschichtig …« »Du und deine Ideen!« Marianne packte die Unterlagen in ihre Tasche. »Ich muss da arbeiten, das wird kein Urlaub mit Flirt. Ich hoffe, der Förster nimmt mich für voll und lässt mich net nur den Papierkorb leeren und Kaffee kochen. Man hört ja immer wieder, dass die älteren Kollegen was gegen Madeln in diesem Beruf haben.« Sie machte ein entschlossenes Gesicht. »Wenn der in Taufenstein so ein alter Knochen ist, werde ich mich schon durchzusetzen wissen!« »Na klar, du erreichst doch immer, was du dir vornimmst. Gehen wir in die Mensa? Ich hab einen Mordshunger.« Sabine war ein wenig rundlich, sie aß für ihr Leben gern. Nudeln und andere Mehlspeisen hatten es ihr besonders angetan. Von körperlicher Bewegung hielt sie wenig. Marianne wusste, dass die Freundin weitaus lieber einen Förster heiraten würde, als selbst diesen Beruf zu ergreifen. Und sie vermutete, dass Sabine eben mit diesem Hintergedanken überhaupt an die FH gekommen war. Besonderen Ehrgeiz, was das Berufliche anbelangte, legte sie jedenfalls nicht an den Tag. »Willst du dein Praktikum net auch bald in Angriff nehmen?«, fragte das blonde Madel die Freundin, als sie wenig später bei Nudeln mit Fleischklößchen in der Mensa saßen. Der verglaste Anbau neben dem Fachbereich Volkswirtschaft war wie stets gut besucht, denn das Essen war preiswert und genießbar. Auf dem Campus blühten unter alten Buchen die ersten Schneeglöckchen, Winterlinge und eine Zaubernuss hatte ihre goldgelben Blüten geöffnet, die im schon nicht mehr ganz so kalten Spätwinterwind flatterten. Die Sonne schien von einem klaren, blauen Himmel. Marianne dachte an Taufenstein und lächelte. Bei diesem Wetter den ersten Rundgang durch den Forst zu unternehmen, würde Spaß machen … Sabine kümmerte der Ausblick nicht, sie beschäftigte sich mit ihrem Teller und schielte dabei bereits begehrlich auf den Nachtisch, Grießpudding mit Erdbeersoße. Kauend antwortete sie auf Marianne Frage: »Das hat noch Zeit. Ehrlich gesagt bin ich darauf gar net so scharf. Die Theorie fällt mir zwar schwer, aber wenn ich für irgendeinen Kollegen die ganze Arbeit im Forst erledigen soll, werde ich mich gewiss bald hierher zurückwünschen.« Marianne konnte über diese Einstellung nur den Kopf schütteln. »Sag mal, Bine, gibt es eigentlich irgendeinen Aspekt bei unserer Ausbildung, der dir so richtig gut gefällt? Ich meine, du musst doch auch einen Grund gehabt haben, warum du damit angefangen hast. Ich kann mir net denken, dass du einfach blind mit dem Finger im Vorlesungsverzeichnis etwas herausgepickt hast, oder?« Sabine lachte. »Nein, das net gerade! Also, meinen Eltern hab ich erzählt, dass ich mal eine Stelle in der Forstverwaltung anstrebe. Und das stimmt ja auch. Ein Revier zu übernehmen, wie du das gerne machen willst, wäre nix für mich. Das ist mir nämlich viel zu anstrengend.« »Und was hast du nun wirklich im Sinn? Ich meine jetzt net die Version für die Eltern, sondern deine eigenen Wünsche.« »Du hast mich durchschaut. Der Beruf ist mir wirklich net so wichtig, jedenfalls steht er net an erster Stelle.« Sie lächelte verschmitzt, beugte sich ein wenig vor und bekannte: »Dir ist doch gewiss schon mal aufgefallen, dass wir Madeln hier in der Unterzahl sind, gelt? Das ist einer der Gründe, warum ich mich für die Forstwirtschaft entschieden habe.« »Wegen der Forstwirte«, schloss Marianne. Sabine schob mit einem zufriedenen Lächeln ihren leeren Teller von sich und widmete sich dann mit Hingabe dem Nachtisch. »Du hast es erfasst. Ich bringe einfach net deinen Ehrgeiz auf, wenn es ums Berufliche geht. Außerdem wünsche ich mir eine Familie, ganz traditionell. Kinder aufziehen und meiner Kochleidenschaft frönen.« Ihr Lächeln vertiefte sich. »Und ebenfalls meiner Essleidenschaft.« »Ich verstehe. Dann wünsche ich dir, dass du bald den Förster fürs Herz findest«, meinte Marianne aufrichtig. »Und bei deinem Talent fürs Kochen sollte dir das net schwerfallen.« »Eile mit Weile«, murmelte Sabine gemütlich. »Das dauert alles seine Zeit. Ich will nix überstürzen, es soll ja der Rechte sein. Und während du in Taufenstein das Forstrevier auf Vordermann bringst, werde ich hier ein paar infrage kommende Kandidaten ausgiebig bekochen. Dazu sind die Semesterferien schließlich da.« Marianne hätte einwenden können, dass man die freie Zeit auch dazu nutzen konnte, seine schulischen Leistungen zu verbessern, doch sie sparte ihren Atem, denn der wäre verschwendet gewesen. Die Freundin hatte ihre Prioritäten nun mal anders gesetzt. »Aber weißt du das?«, sinnierte Sabine, als sie noch Kaffee zusammen tranken. »Vielleicht werde ich ja gar net fündig, und du verliebst dich dafür in Taufenstein …« Marianne lachte. »Keine Sorge, das wird ganz gewiss net geschehen. Ich fahre...




