E-Book, Deutsch, Band 422, 256 Seiten
Reihe: Historical
Merrill Ein Kuss, ein Ball - ein Skandal!
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7515-3158-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 422, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-7515-3158-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Amouröse Paare und Glücksspieler: In was für einen Sündenpfuhl bin ich hier nur geraten?, fragt sich die junge Annie Fitzroy bestürzt. Zum Glück erkennt sie in diesem anrüchigen Ambiente niemand. Und doch findet sie sich am selben Abend in den Armen eines Fremden wieder, der ihr einen heißen Kuss raubt! Wie gut, dass er nicht weiß, dass sie eine adlige Debütantin ist. Sie wird ihn nie wiedersehen - Irrtum! Auf dem Ball am nächsten Abend steht sie ihm unmittelbar gegenüber. Sie sieht das Erstaunen in Captain Will Grosvenors Blick, spürt die sinnliche Sehnsucht zwischen ihnen - und plötzlich ist ein Skandal nur einen zweiten Kuss entfernt ...
Christine Merril lebt zusammen mit ihrer High School-Liebe, zwei Söhnen, einem großen Golden Retriever und zwei Katzen im ländlichen Wisconsin. Häufig spricht sie davon, sich ein paar Schafe oder auch ein Lama anzuschaffen. Jeder seufzt vor Erleichterung, wenn sie aufhört davon zu reden. Seit sie sich erinnern kann, wollte sie schon immer Schriftstellerin werden, und während einer Phase, in der sie als Mutter zu Hause war, kam sie zu dem Entschluss: Es ist Zeit, ein Buch zu schreiben'. Dann könnte sie ihre Zeit selbst einteilen und müsste nicht mehr ins Büro fahren. Doch sie ahnte nicht, wie mühselig dieser Weg sein würde. Jahre später türmten sich Manuskripte und Ablehnungen auf ihrem Schreibtisch. Aber sie gab nicht auf, und schließlich entdeckte sie begeistert ihren ersten Roman in einer Buchhandlung. Wenn sie nicht schreibt, kann man Christine mit einer großen Tüte Popcorn im Kino finden. Aber nur, wenn der Film ein Happy End hat.
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1. KAPITEL
Auf einer Straße am Rande der Stadt standen zwei kleinere Kutschen nebeneinander, und die temperamentvollen Pferde, die davor gespannt waren, tänzelten nervös. Ein paar Meter weiter stand ein Mann mit einem weißen Taschentuch in der Hand, mit dem er gleich den Start des Rennens signalisieren würde.
Er rief zur Ruhe, zählte bis drei und ließ das Tuch zu Boden flattern.
Annie Fitzroy ließ die Leinen knallen und musste das Gleichgewicht halten, als die Pferde sich ruckartig in Bewegung setzen. Sie ließ die Peitsche in ihrer linken Hand zucken, gerade genug, um die Ohren der Pferde zu kitzeln und sie vorwärtszutreiben.
Es funktionierte. Die Tiere waren bereits im Galopp, und sie ließen den Fahrer der anderen Kutsche hinter sich. Der Mann schien zu glauben, dass man Pferde nur mit roher Gewalt und Flüchen in den Griff bekommen konnte. Er zerrte so grob an den Leinen, dass die Pferde nicht wussten, was sie machen sollten.
Annie lachte, zog in halsbrecherischer Geschwindigkeit mit ihrem Gespann davon, sodass ein weniger erfahrener Fahrer vom Kutschenbock gestürzt wäre. Der Wind riss ihr den Hut vom Kopf und ließ ihr braunes Haar im Wind wehen.
Claudine, ihre Zofe, hätte einen Anfall bekommen, wenn sie sie in diesem Zustand gesehen hätte, da war sie sich sicher. Aber eine zerzauste Frisur war ein geringer Preis dafür, wenn es ihr gelänge, Clive Whittacre in seine Schranken zu weisen. Nichts anderes hatte er verdient, hatte er sich doch überaus respektlos ihr gegenüber über die angebliche Unfähigkeit von Frauen als Fahrerinnen geäußert. Sie warf einen Blick über die Schulter und sah ihn genau dort, wo sie ihn vermutet hatte: direkt hinter ihr, aber ohne Hoffnung, sie einzuholen, als sie die Kilometermarke passierte, die ihnen als Ziellinie diente.
Dann verlangsamte sie ihre Fahrt und fuhr an den Straßenrand, um ihrem Konkurrenten mehr als genug Platz für sein eigenes unbeholfenes Finish zu lassen, hob die Hände und strich sich die Haare zurecht, während er von seiner Kutsche sprang, um Annie hinunterzuhelfen.
„Verdammt … ich meine, verflixt und zugenäht, Lady Anne, aber das war ein gutes Stück Fahrkunst.“
„Dann, Sir, nehme ich an, Sie ziehen Ihre frühere Behauptung zurück, dass alle Frauen eine Katastrophe im Straßenverkehr wären und dass man ihnen verbieten sollte, die Leinen anzufassen.“
Clive Whittacre lachte. „Ich ändere zumindest meine Aussage. Man sollte Ihnen das Rennen verbieten, damit wir anderen eine reelle Chance auf den Sieg haben.“
Sie nickte ihm zu und schenkte ihm eines ihrer besten Gesellschaftslächeln, das ihn vermutlich dazu veranlassen würde, ihr auf dem nächsten Ball hinterherzulaufen, begierig darauf, sie in noch ganz anderer Hinsicht herauszufordern.
Dabei war es bedauerlich, dass sie nicht an ihm interessiert war. Es war ja nicht so, dass sie jeden Mann ablehnen würde, der sie in einem Wettrennen nicht schlagen konnte. Aber sie konnte sich nicht vorstellen, jemanden zu heiraten, der seine Pferde misshandelte, und Mr. Whittacre hatte eine harte Hand mit der Peitsche.
Ihr Bruder Freddie löste sich aus der kleinen Schar von Schaulustigen, die sich am Straßenrand versammelt hatten, und kam auf sie zu, um seine Kutsche wieder zu übernehmen. „Du musst damit aufhören“, sagte er und reichte ihr ihren Hut, wobei sein Lächeln einen Hauch von Verärgerung enthielt.
„Womit soll ich aufhören, mein Lieber?“, fragte sie betont unschuldig.
„Meine Freunde übertrumpfen zu wollen“, sagte er kopfschüttelnd. „Das ist nicht besonders ladylike.“
„Ich werde damit aufhören, wenn die Herren mir keinen Grund mehr dazu geben“, sagte sie schulterzuckend und drückte ihm seine Peitsche in die Hand. Dann setzte sie sich den Hut auf das zerzauste Haar und band sich eine elegante Schleife unter dem Kinn. „Es ist nicht meine Schuld, wenn sie immer so tun müssen, als wären sie mir überlegen, um mich zu beeindrucken. Ich kann nicht widerstehen, ihnen das Gegenteil zu beweisen.“
„Das Mindeste, was man tun kann, ist, ab und zu zu verlieren“, entgegnete er und kramte in seinen Taschen nach Zuckerstückchen, um die siegreichen Pferde zu belohnen. „Vielleicht war es ein Fehler von mir, dich heute zu Tattersall’s mitzunehmen. Es ist kein Wunder, dass du in dieser Umgebung auf dumme Ideen kommst.“
„Ideen! Gott bewahre, dass Frauen Ideen haben!“, sagte sie mit einem Schaudern, zwinkerte ihm mit ihren großen blauen Augen zu und tat ihr Bestes, um weiblich und damit harmlos zu wirken. „Und was Tattersall’s betrifft, woher soll ich sonst eine gute Stute bekommen? Du kannst dir nicht vorstellen, was für eine lahme Mähre ich bekäme, wenn Vater die Wahl für mich treffen würde. Ich bin zwanzig, aber er behandelt mich immer noch wie ein Kleinkind.“
„Er würde dir ein Pferd aussuchen, das brav und verlässlich wäre“, sagte ihr Bruder vernünftig.
„Und wo bliebe da der Spaß?“, erwiderte sie grinsend. „Ich kann mit allem, was auf vier Beinen steht, genauso gut oder sogar besser umgehen als du.“
„Hast du vergessen, dass das Ziel einer Saison in London darin besteht, dir jemanden auf zwei Beinen anzulachen, nicht auf vier? Wenn du zu wild wirkst, wird es uns nicht gelingen, die Männer davon zu überzeugen, dass du eine annehmbare Ehefrau abgeben würdest.“
„Meine Manieren sind gut genug, wenn es darauf ankommt“, versicherte sie ihm. „Und im Ballsaal bin ich mehr als beliebt. Vielleicht warst du zu sehr damit beschäftigt, Dorothea den Hof zu machen, um es zu bemerken, aber ich habe bereits mehrere Angebote von Männern erhalten, die meinen Geist bewundern.“
„Warum hast du sie dann nicht angenommen, um uns allen weitere Sorgen zu ersparen? Jetzt, da Hattie und Kitty aus dem Haus sind, bin ich mir sicher, dass Mutter und Vater sich den Kopf darüber zerbrechen, dass du am Ende der Saison enttäuscht und allein dastehen könntest.“
„Ich wäre noch viel enttäuschter, wenn ich mich falsch entscheiden und mich mit einem Mann zufriedengeben würde, der mich nicht so liebt, wie Hattie und Kitty von ihren Ehemännern geliebt werden“, sagte sie so gelassen wie möglich. Auf keinen Fall sollte Freddie merken, dass sie das Thema durchaus beunruhigte.
Es wäre vielleicht einfacher gewesen, eine Entscheidung zu treffen, wenn alle um sie herum nicht so spektakulär glücklich mit ihren Partnern gewesen wären. Zu diesem Zeitpunkt war sie von jedem infrage kommenden Mann in London umschmeichelt, umworben und auf dem Tanzboden herumgewirbelt worden, und keiner von ihnen hatte ihr Herz berührt, geschweige denn, dass es so schnell geschlagen hätte, wie Hattie und Kitty es ihr beschrieben hatten. War es zu viel verlangt, sich eine Ehe zu wünschen, wie die verschiedenen Mitglieder ihrer Familie es ihr vorlebten, mit echter Liebe und Zuneigung auf beiden Seiten?
„Mutter und Vater wollen sicher nicht, dass ich mich in eine unglückliche Ehe stürze“, sagte sie, war sich dessen aber überhaupt nicht sicher. Die beiden hatten ihr immer wieder zu verstehen gegeben, dass es an der Zeit sei, sich für einen Mann zu entscheiden. Aber wie sollte sie das tun, wenn niemand aus der Menge herausstach?
„Du musst dich ja nicht heute entscheiden“, sagte Freddie, dem ihr besorgter Gesichtsausdruck offenbar nicht entgangen war. „Aber das Mindeste, was du jetzt tun kannst, ist, die Glückwünsche deiner vielen Bewunderer anzunehmen. Wenn es im Umkreis von drei Meilen noch einen Mann gibt, der nach diesem spektakulären Rennen nicht hinter dir her ist, fresse ich meinen Hut.“
„Nun gut“, sagte sie und lächelte vergnügt. „Ich denke, das dürfte mir nicht allzu schwerfallen, da ich selbst der Ansicht bin, dass ich das ganz fabelhaft gemacht habe.“ Schwungvoll ging sie zu der Gruppe von Freunden hinüber, die dem Rennen beigewohnt hatten, und war mehr verärgert als geschmeichelt, als der erste Mann, der sich ihr zuwandte, der letzte war, dessen Aufmerksamkeit sie auf sich ziehen wollte.
Montgomery James war ein Wüstling. Manche hätten vielleicht behauptet, dass er durch die Liebe einer guten Frau bekehrt werden könnte, aber Annie war nicht so naiv. Wenn sie keinen ehrbaren jungen Mann zum Heiraten finden konnte, hatte sie nicht die Absicht, sich an einen unehrenhaften Mann zu vergeuden.
Aber das hielt sie nicht davon ab, zu flirten, wenn sich die Gelegenheit bot, und das tat sie oft.
„Lady Anne“, sagte er mit einem süffisanten Lächeln. „Das war eine beeindruckende Darbietung Ihres Talents als Fahrer.“
„Sie meinen wohl, meines Talents als Fahrerin?“, entgegnete sie und lächelte ihn betont sanft an.
„Wie auch immer. Niemand könnte Sie übertreffen, so viel steht fest, ob Fahrer oder Fahrerin.“
„Dann nehme ich das Kompliment an“, sagte sie, „obwohl es mir schon wichtig ist, nicht wie ein fehlbarer Mann angesprochen zu werden.“
Daraufhin lachte er. „Wir sind schrecklich, nicht wahr? Aber was würden Sie ohne uns tun?“
Annie war versucht, ihm zu antworten, dass sie das wahrscheinlich demnächst herausfinden würde, wenn sie nicht bald einen geeigneten Ehemann fände. Stattdessen lachte sie ebenfalls, um ihrer Bemerkung den Stachel zu nehmen.
„Aber Sie verdienen doch sicher eine Art Trophäe zur Feier Ihres Sieges. Und Ihr Gegner hat Ihnen nichts dergleichen...




