E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Merrill Die süßeste aller Sünden
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7515-0461-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-0461-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wenn er der Versuchung nachgibt, wird er die Frau, die er liebt für immer ruinieren! Sam darf Lady Evelyn aufgrund seiner Herkunft niemals den Hof machen. Denkt er zumindest ... Am Tage ihrer Verlobung mit einem anderen erfährt Sam jedoch, dass er jahrelang an eine Lüge geglaubt hat. Ist es nun zu spät für ein Happy End?
Christine Merril lebt zusammen mit ihrer High School-Liebe, zwei Söhnen, einem großen Golden Retriever und zwei Katzen im ländlichen Wisconsin. Häufig spricht sie davon, sich ein paar Schafe oder auch ein Lama anzuschaffen. Jeder seufzt vor Erleichterung, wenn sie aufhört davon zu reden. Seit sie sich erinnern kann, wollte sie schon immer Schriftstellerin werden, und während einer Phase, in der sie als Mutter zu Hause war, kam sie zu dem Entschluss: Es ist Zeit, ein Buch zu schreiben'. Dann könnte sie ihre Zeit selbst einteilen und müsste nicht mehr ins Büro fahren. Doch sie ahnte nicht, wie mühselig dieser Weg sein würde. Jahre später türmten sich Manuskripte und Ablehnungen auf ihrem Schreibtisch. Aber sie gab nicht auf, und schließlich entdeckte sie begeistert ihren ersten Roman in einer Buchhandlung. Wenn sie nicht schreibt, kann man Christine mit einer großen Tüte Popcorn im Kino finden. Aber nur, wenn der Film ein Happy End hat.
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2. KAPITEL
Er hätte es besser wissen müssen. Ehe er hierher kam, hatte er sich gegen die Versuchung gewappnet. Er hatte vorgehabt, jeden Kontakt mit ihr zu vermeiden. Noch vor wenigen Augenblicken hatte er ihrem Vater versichert, dass er jetzt gehen würde. Und doch hatte er bei der ersten Berührung ihrer Hand alles vergessen und war ihr durch das Haus gefolgt wie ein Hund an der Leine.
Jetzt saß er neben ihr auf der kleinen steinernen Bank unter der Ulme, während sie mit ihrem neuen Spielzeug experimentierte. Es war genau wie an den Hunderten anderer glücklicher Nachmittage, die sie hier verbracht hatten, und es erinnerte ihn daran, wie sehr er sein Zuhause vermisst hatte und dass sie ein großer Teil davon war.
Evie hielt das Fernrohr auf den nächsten Baum gerichtet. „Da ist ein Nest. Und es sind drei junge Vögel darin, mit offenen Schnäbeln. Sie warten darauf, gefüttert zu werden. Oh Sam, das ist herrlich!“
Das war es wirklich. Er sah, wie ihre Wangen vor Freude gerötet waren, sah die vertrauten Grübchen, die immer dann entstanden, wenn sie lächelte. So aufgeregt war sie, und über etwas so Kleines wie ein Vogelnest. Aber war sie nicht immer genau so gewesen? Die personifizierte Lebensfreude und Balsam für eine müde Seele.
„Wenn du hier drehst, kannst du es einstellen.“ Er streckte den Arm aus, und einen Moment lang lag seine Hand auf ihrer. Der Schreck über diese Berührung war so heftig wie immer. Er fragte sich – empfand sie es genauso? Wenn ja, dann war sie genauso geschickt darin, das zu verbergen, wie er, denn sie zeigte keine Reaktion.
„So ist es sogar noch besser. Ich kann jede einzelne Feder erkennen.“ Sie wandte den Blick von den Vögeln ab, sah ihn an und lächelte voller Übermut. „Ich habe heute das Beste aus Ihren leeren Taschen bekommen, Sir.“
„Wie bitte?“
„Wenn du in deine Tasche gefasst und eine Schnupftabakdose hervorgezogen hättest, dann hätte ich ein Problem damit gehabt. Aber ein Teleskop gefällt mir gut.“
„War es so offensichtlich, dass ich dir nichts mitgebracht hatte?“, fragte er und seufzte.
„Der erschrockene Ausdruck auf deinem Gesicht war unübersehbar“, gab sie zu und schob das kleine Fernrohr zusammen, um es in sein Etui zurückzulegen. „Aber glaube nicht, dass du mir das hier wieder wegnehmen und mich stattdessen mit einer Halskette trösten könntest. Es gehört jetzt mir, und ich werde es nicht zurückgeben.“
„Das erwarte ich auch nicht von dir.“ Er erwiderte ihr Lächeln, und er spürte, wie die angenehme Vertrautheit ihn wieder überkam, als behagliches Schweigen sich ausbreitete. Nach sechs Jahren, nachdem er Tausende von Meilen zurücklegt hatte und sie beide erwachsen geworden waren, hatten sich die wichtigen Dinge zwischen ihnen nicht verändert. Sie war noch immer seine Seelenverwandte. Zumindest konnte er sagen, dass es nicht nur Lust war, die er für sie empfand.
Sie durchbrach die Stille. „Erzähl mir von deinen Reisen.“
„Es würde zu lange dauern, dir all das zu erzählen, was ich gesehen habe“, sagte er. Aber nun, da sie gefragt hatte, war die Versuchung groß, es zu probieren, und die Worte sprudelten nur so aus ihm heraus. „Vögel und Pflanzen, wie es sie so in ganz England nicht gibt. Und wie der Ozean aussieht – wild oder ruhig, oder der Himmel vor einem Sturm, wenn kein Land in Sicht ist? Das beste Wort, das mir dazu einfällt, ist majestätisch. Himmel und Meer erstrecken sich, so weit das Auge reicht, in alle Richtungen, und wir sind nur ein winziger Fleck in der Mitte.“
„Das würde ich auch gern sehen“, sagte sie voller Sehnsucht.
Er stellte sich vor, wie sie neben ihm auf dem Deck lag und die Sterne betrachtete. Und dann verdrängte er schnell diesen Traum. „So wunderbar es manchmal war, so würde ich doch nicht wünschen, dass du dabei wärest, wenn das bedeutete, dass du auch alles andere siehst. Ein Kriegsschiff ist kein Ort für eine Frau.“
„War das Leben dort wirklich so hart?“
„Während der Schlachten gab es viel für mich zu tun“, gab er ausweichend zu. Das Schlimmste wollte er ihr lieber nicht erzählen.
„Aber du hast den Männern geholfen“, sagte sie, und dabei strahlte ihr Gesicht, als wäre es etwas Heldenhaftes, wenn er seine Arbeit erledigte. „Und das wolltest du doch immer tun. Ich bin sicher, dass sich das gelohnt hat.“
„Das stimmt“, sagte er. Er hatte sich nützlich gefühlt. Und es war eine Erleichterung für ihn, einen Ort zu finden, an den er zu passen schien, nach einer so langen Zeit des Zweifels.
„Wenn es dich glücklich machte, dann hätte ich auch das gern gesehen“, erklärte sie mit fester Stimme.
„Ganz gewiss nicht!“ Er wollte sie sich nicht vorstellen zusammen mit all dem Blut und dem Sterben. Und er wollte auch nicht, dass sie sah, wie hilflos er war, wenn er Dingen gegenüberstand, für die er kein Heilmittel wusste, denn dann würde er ihre Bewunderung verlieren.
Sie sah ihn an. „Hast du so vieles vergessen? War nicht ich es, die dich zum Studium der Medizin überredete? Ich habe zugesehen, wie du dich um jedes verletzte Tier gekümmert und die Gestorbenen seziert hast. Ich sage dir, in jenen Tagen hast du kaum etwas gegessen, sondern lieber die Anatomie eines Koteletts untersucht“, zog sie ihn auf.
„Ich hätte genauso gut Metzger werden können, nach dem, was ich dabei gelernt habe“, sagte er. „Aber an einem Menschen zu arbeiten ist etwas ganz anderes.“ Und manchmal war seine Arbeit der eines Metzgers nicht unähnlich.
„In Edinburgh hast du menschliche Anatomie studiert“, sagte sie. „Beim Sezieren.“
Er unterdrückte ein Lächeln und nickte. Evie war genauso furchtlos wie immer, und trotz ihrer eleganten Erscheinung nicht empfindlich.
„Ich bin sicher, dass du auch noch vieles andere getan hast.“
„Ich habe zugesehen“, korrigierte er sie. „Erst als ich die Universität verließ, konnte ich meine Fähigkeiten einsetzen. Jetzt überlege ich, ob ich nicht nach Schottland zurückkehren sollte“, sagte er, um sie beide daran zu erinnern, dass er nicht bleiben konnte. „Ich habe noch viele Freunde an der Universität. Vielleicht könnte ich Vorlesungen halten.“
Sie schüttelte den Kopf. „Das ist zu weit weg.“
Genau deswegen hatte er es vorgeschlagen. Sie griff nach seinem Ärmel. Als könnte sie es nicht ertragen, dass ich fern von ihr bin, dachte Sam. Er überlegte, ob er ihre Hand wegschieben sollte, aber dann würden sich ihre Hände berühren, also ließ er es dabei. „Du wirst viel zu sehr mit deinem neuen Leben beschäftigt sein, um deine Zeit mit mir zu vergeuden. Ich glaube nicht, dass du mich überhaupt vermissen wirst.“
„Du weißt, dass das nicht stimmt. Habe ich dir in den vergangenen Jahren nicht oft genug geschrieben? Beinahe jede Woche, aber du hast nicht geantwortet.“ Ihre Stimme klang ganz ruhig, und er hörte den Schmerz heraus, den er ihr zugefügt hatte.
„Vermutlich, weil ich deine Briefe nicht bekommen habe“, sagte er, als wäre das nicht wichtig. „Die Postzustellung auf See ist eine schwierige Sache.“ Er hatte die Briefe oft genug bekommen. Und er hatte sie gehütet. In den Jahren, in denen sie getrennt waren, waren ihre Briefe von einem kleinen Bündel, das ordentlich von einem Band zusammengehalten wurde, so angewachsen, dass sie eine kleine Kiste füllten. Der Inhalt ihrer Briefe war ihm so vertraut, dass er ihn auswendig hersagen konnte.
„An der Universität hattest du keine Entschuldigung“, erinnerte sie ihn. „Auch damals habe ich dir geschrieben. Aber du hast auch diese Briefe nicht beantwortet. Mir erschien es, als hättest du mich vergessen.“
„Niemals“, erklärte er energisch. Das zumindest stimmte.
„Nun, ich werde nicht zulassen, dass das noch einmal geschieht. Edinburgh ist zu weit weg. Du musst in der Nähe bleiben. Und wenn du unterrichten willst, dann unterrichte mich.“
Er lachte, um seinen Schrecken zu verbergen. Das war unmöglich, aus den verschiedensten Gründen. Zwar war er nicht unwillig, sein Wissen zu teilen, doch er wagte es nicht. Sie war eine erwachsene Frau und kein neugieriges Mädchen. Mit einer Frau über die intimen Einzelheiten des menschlichen Körpers zu sprechen, wäre schwierig. Und mit Evie wäre es einfach unmöglich.
Zudem würden sie sich nach ihrer Heirat in so verschiedenen Kreisen bewegen, dass selbst ein beiläufiges Gespräch nur selten stattfinden würde. Neben einem Duke wäre er kaum etwas Besseres als ein Krämer.
„Du weißt, dass sich das nicht gehört“, sagte er schließlich. „Dein Vater würde das niemals zulassen. Und dein Ehemann ebenso wenig.“ Sie durften beide nicht vergessen, dass ein anderer Mann zwischen ihnen stehen würde.
Und mehr als das.
Er tätschelte ihre Hand auf eine Weise, die schickliche brüderliche Zuneigung zeigte. „Nein, Evie. Ich kann nicht zulassen, dass du wilde Pläne schmiedest, so, wie du es getan hast, als wir noch Kinder waren. Ich muss in mein Leben zurückkehren und du in deins.“
„Aber du bleibst doch eine Weile in London, oder?“ Sie sah zu ihm auf und blickte ihn aus ihren blauen Augen an, voller Hoffnung, ein Blick, der sein Herz fast zum Schmelzen brachte.
„Das hatte ich nicht vor.“ Warum konnte er das nicht mit festerer Stimme sagen? Das klang so, als wäre er bereit, sich überreden zu lassen.
„Du musst zum Verlobungsball bleiben. Und zur Trauung.“
Wusste sie nicht, welche Folterqual das für ihn wäre? „Ich weiß nicht, ob...




