E-Book, Deutsch, 551 Seiten
Merle Malevil
2. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8412-0186-7
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 551 Seiten
ISBN: 978-3-8412-0186-7
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine utopische Robinsonade.
Im Schutze einer hohen Felswand gelegen, hat die mittelalterliche Burg Malevil die atomare Verwüstung der Erde überdauert. Ihre Bewohner haben für begrenzte Zeit noch Lebensmittel, etwas Vieh, Saatgut. Sie müssen sich der Bedrohung durch Plünderer und Söldnerbanden erwehren, und der Rückfall in eine durch Mangel bedingte Barbarei stellt ihr Überleben täglich aufs neue in Frage. Doch mit der dem Menschengeschlecht eigenen Unverdrossenheit und Energie wagen sie das Abenteuer eines neuen Anfangs.
Robert Merle (1908-2004) wurde in Tébessa (Algerien) geboren. Schulbesuch und Studium in Frankreich. 1940 bis 1943 in deutscher Kriegsgefangenschaft. 1949 Prix Goncourt für seinen ersten Roman 'Wochenende in Zuydcoote'. Merles umfangreiches literarisches Werk spannt sich in einem großen Bogen von seinem Welterfolg 'Der Tod ist mein Beruf' über die ironische Zukunftsvision von 'Die geschützten Männer' bis zur historischen Romanfolge 'Fortune de France', die im Aufbau Verlag vollständig in deutscher Übersetzung erschienen sind.
Weitere Infos & Material
1;1;6
2;2;33
3;3;62
4;4;83
5;5;111
6;Anmerkung von Thomas;140
7;6;142
8;7;164
9;8;198
10;Anmerkung von Thomas;225
11;9;231
12;10;253
13;Anmerkung von Thomas;286
14;11;288
15;12;310
16;13;336
17;14;367
18;Anmerkung von Thomas;398
19;15;403
20;16;435
21;17;470
22;18;501
23;Anmerkung von Thomas;539
(S. 197-198)
Diese Heimkehr nach Malevil bei Einbruch der Nacht! Ich ritt auf der ungesattelten Amarante an der Spitze der Kolonne, hatte den Karabiner am Riemen und den Lauf quer über der Brust, während mich Miette von hinten um die Taille faßte, denn sie hatte im letzten Moment durch eine ihrer Gesten zu verstehen gegeben, daß sie gern aufsitzen würde.
Ich ritt im Schritt, weil Malabar, der meiner Stute bis ans Ende der Welt gefolgt wäre, in Trab zu fallen begann, sobald sie zu weit voraus war, und damit das Fuhrwerk allzu stürmisch in Bewegung brachte. Es war, außer mit Falvine, Jacquet und Thomas, noch mit einer unglaublichen Anhäufung von Matratzen und leicht verderblichen Gütern beladen. Und vor allem: Hinter dem Fuhrwerk trottete an einem Strick eine Kuh einher, deren ungeheuer dicker Bauch hin und her schwappte.
Die Falvine hatte sie auch nicht für eine einzige Nacht im Etang lassen wollen, weil das Tier kurz vor dem Kalben stand. Wir nahmen den Weg über das Plateau und über den in Asche liegenden ehemaligen Bauernhof von Cussac, denn es kam mit dem Wagen nicht in Frage, für die Abfahrt zu den Rhunes die Mauern aus Feldsteinen zu passieren, die den kleinen Wiesengrund abriegelten. Jacquet hatte mir übrigens versichert, daß der Fahrweg zwar länger, aber nicht durch verkohlte Baumstämme verlegt sei; er habe ihn schon mehrmals benutzt, wenn er auf Befehl des Vaters, um uns auszuspionieren, bis in nächste Nähe von Malevil vorgedrungen war.
Sobald das Fuhrwerk nicht ohne Schwierigkeit den bis Cussac ansteigenden Hang überwunden hatte, befanden wir uns auf dem geteerten Fahrweg, und da die Nacht bereits hereinbrach, fühlte ich mich versucht vorauszureiten, um meine Gefährten in Malevil zu beruhigen. Doch als ich sah oder vielmehr hörte, daß sich Malabar hinter Amarante auf der geschotterten Straße in Galopp setzte und die Kuh hinter dem Anhänger brüllte, weil das gespannte Halfter sie würgte, hielt ich mein Tier zurück und ließ es wieder im Schritt gehen. Obwohl sich die Falvine gefährlich weit aus dem Wagen beugte und die Kuh mit tröstenden Worten überschüttete, brauchte sie lange, um sich von ihrer Aufregung zu erholen. Bemerkt sei, daß sie Marquise hieß, was sie in der adeligen Rangliste recht weit unter unsere Princesse stellte.
Der Onkel hatte behauptet, zur Zeit der Revolution, als man anfing, die ehemaligen Herren zu vertreiben, hätten die kleinen Leute unserer Gegend ihr Vieh zum Spott mit solchen Titeln ausgestattet. Nach all dem Bösen, das sie uns angetan, war das wohl auch das mindeste, schloß die Menou. Du wirst es nicht glauben, Emmanuel – noch unter Napoleon III. gab es in La Roque einen Grafen, der seinen Kutscher, weil er ungehorsam war, gehenkt hat, und er bekam dafür nicht einen einzigen Tag Gefängnis.




