Menschig / Waschkau | Dunkle Wurzeln | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 261 Seiten

Menschig / Waschkau Dunkle Wurzeln

Mysterythriller
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95824-520-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Mysterythriller

E-Book, Deutsch, 261 Seiten

ISBN: 978-3-95824-520-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Eine uralte Sage wird zur blutigen Realität: Der Mysterythriller 'Dunkle Wurzeln' von Diana Menschig & Alexa Waschkau jetzt als eBook bei dotbooks. Wenn die Vergangenheit zur Bedrohung wird ... Vor 20 Jahren wurden in einem kleinen Dorf im Schwarzwald Kinder entführt und brutal ermordet. Allein Lena und Nick konnten den Fängen des Täters entkommen. Nun glaubt Lena, von einem unheimlichen Schattenwesen verfolgt zu werden und flieht in den Wald. Verzweifelt versucht sie, ihre Freunde per Handy zu erreichen - aber kann sie ihnen wirklich vertrauen? Jetzt als eBook kaufen und genießen: 'Dunkle Wurzeln' von Diana Menschig & Alexa Waschkau. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Diana Menschig, geboren 1973, eröffnete einen eigenen Spieleladen, nachdem sie lange Zeit im Personalmanagement und der Marktforschung arbeitete. Heute ist sie als selbständige Dozentin sowie Autorin tätig. Da sie sich vor allem im Fantasy- und Mysterygenre bewegt, gründete sie im Januar 2016 das 'Phantastik-Autoren-Netzwerk' (PAN), in welchem sie zudem Vorstandsmitglied ist. Die Website von Diana Menschig: www.seitenrauschen.de
Menschig / Waschkau Dunkle Wurzeln jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Ein Tag zuvor


28. September 2015


Lena

»Das sollte dann alles gewesen sein, Frau Unger. Haben Sie noch irgendwelche Fragen?« Der ältere Herr im tadellos sitzenden Anzug, dessen graue Schläfen ihm ein seriöses und vertrauenswürdiges Aussehen verliehen, lächelte Lena freundlich an.

»Nein ... Ich bin froh, dass es vorbei ist, ehrlich gesagt.« Lena lächelte entschuldigend und schob den bequemen schwarzen Ledersessel zurück. Als sie aufstand, sah sie sich noch einmal in dem modern eingerichteten Büro um, in dem sie in den letzten Tagen etliche Stunden gemeinsam mit dem Notar über Unterlagen und Verträgen gebrütet hatte.

Eigentlich wäre für einen Juristen in einem kleinen Schwarzwaldstädtchen wie Strassberg eine Einrichtung aus altmodischem Eichenholz passender gewesen, fand sie. Passender, aber nicht unbedingt angenehmer. Sie war überrascht gewesen, als sie den hellen Raum zum ersten Mal betreten und die Designermöbel und teuren Kunstdrucke gesehen hatte. Zusammen mit dem zuvorkommenden und sympathischen Auftreten des Notars hatte die Atmosphäre dafür gesorgt, dass ihr das Abwickeln der Bürokratie nicht ganz so schwergefallen war wie erwartet.

Strassberg wiederzusehen, ein Jahr nach dem Tod ihrer Eltern, die bei einem Autounfall in England umgekommen waren, noch einmal durch ihr Elternhaus zu gehen, um die neuen Besitzer bei ihrer letzten Besichtigung vor dem Abschluss des Kaufvertrags zu begleiten, von jedem Raum und jeder damit verbundenen Erinnerung Abschied zu nehmen, all das war um einiges aufwühlender gewesen, als sie ohnehin schon befürchtet hatte.

Obwohl sie schon vor Jahren zu Hause ausgezogen war und sich mittlerweile in Berlin ein eigenes Leben aufgebaut hatte, war sie von dem Gefühl überwältigt worden, ihre Kindheit noch einmal im Schnelldurchlauf zu erleben, nur um danach für immer damit abzuschließen.

Bevor ihre Gedanken wieder in Sentimentalitäten abdriften konnten, straffte sie entschlossen die Schultern. »Herr Doktor Brandt, ich möchte mich herzlich für die Unterstützung und Hilfe bedanken.« Lena hielt dem Anwalt ihre Hand hin.

»Gern, Frau Unger. Es hat mich gefreut, Sie kennenzulernen.« Mit festem Händedruck verabschiedete er sie und wies dann mit einer einladenden Geste zur Tür. »Bitte, nach Ihnen. Ich begleite Sie noch hinaus.«

Vor dem Haus, einer alten Villa vermutlich aus den dreißiger Jahren, blieb Lena kurz stehen. Sie schloss die Augen und atmete aus. Das war es also. Damit war das Kapitel Strassberg endgültig abgeschlossen. Formal zumindest. Tatsächlich hatte sie noch ein paar Tage Zeit, bevor sie nach Berlin zurückfahren musste und das neue Semester begann.

Gedankenverloren ging sie durch die altbekannten Straßen. Erst als sie am Ende der Straße, die zum Wald führte, das Haus ihrer Eltern sah, fiel ihr auf, dass sie ganz automatisch diesen Weg eingeschlagen hatte statt den zu der kleinen Pension Erika, in der sie untergekommen war. Traurig lächelnd betrachtete sie das zweistöckige Gebäude, das ihr Vater selbst mit Holz verkleidet und renoviert hatte. Der große Garten mit den Apfelbäumen war ohne seine sorgsame Pflege inzwischen verwildert. Dort, mitten auf der Wiese, stand der Baum, auf dem sie Klettern geübt und sich dabei den Arm gebrochen hatte. Wenn sie sich richtig erinnerte, hatte ihre Mutter die schreiende und heulende vierjährige Tochter unter Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln ins nächste Krankenhaus gefahren und ihr zum Trost für die Woche Klinikaufenthalt, die ihr wie ein Alptraum erschienen war, einen großen knopfäugigen Teddy geschenkt.

Danach hatten die Eltern im Garten eine Schaukel und einen kleinen Kletterturm aufgestellt, um den Apfelbaum als Unfallquelle künftig auszuschließen. Lena hatte beides geliebt, zumindest bis ganz in der Nähe der neue Waldkindergarten samt riesigem angrenzenden Spielplatz gebaut worden war. Dort hatten die Kinder von Strassberg nach Herzenslust klettern, wippen, schaukeln und im nahe gelegenen Flüsschen Dämme bauen und Boote schwimmen lassen können.

Ob es den Spielplatz wohl noch gab? Wenn sie sich nicht irrte, war er nicht allzu tief im Wald gewesen, nur einen kurzen Spaziergang vom Elternhaus entfernt. Ohne nachzudenken, folgte sie der Straße vorbei am Haus ihrer Eltern bis zum Waldrand. Dort begann ein asphaltierter Forstwirtschaftsweg, von dem ein Waldweg abzweigte und den Berg hinaufführte. Am Straßenrand wies eine Karte auf die vielen malerischen Wanderwege der Umgebung hin.

Während Lena versuchte, sich auf dem Plan zu orientieren, fiel ihr eine Abkürzung ein, die querfeldein zum Waldspielplatz führte. Sie musste nur dem Waldweg ein Stückchen den Berg hinauf folgen, bis sie zu dem kleinen Flüsschen Engernach kam, das dort mit erstaunlicher Geschwindigkeit vorbeifloss. Einige Minuten Fußweg stromaufwärts, und sie käme direkt beim Spielplatz an. Natürlich gab es noch den offiziellen Anfahrtsweg. Aber um den zu erreichen, hätte sie einmal quer durch den Ort und dann noch um die Weiden eines Gestüts herumlaufen müssen, viel zu weit für eine kleine Tour.

Der Tag war angenehm warm und sonnig und die Aussicht auf einen Spaziergang verlockend. Wirklich gut ausgerüstet war sie für eine Kletterpartie abseits der Wege nicht, aber das hatte sie als Kind auch nie gestört.

Sie zog ihre Strickjacke aus, band sie um die Hüften und machte sich auf den Weg. Schon nach ein paar Metern auf dem Waldweg verwandelten die hohen Nadelbäume den Sonnenschein in ein grünes Zwielicht. Der Boden federte und knackte gedämpft unter ihren Füßen, und sie atmete tief den Duft der Tannen ein. Sie konnte förmlich spüren, wie mit jedem Schritt die Anspannung der letzten Tage von ihr abfiel.

Bald hörte sie das Gurgeln der Engernach. Der Lauf war zu tief und zu breit, um darüberzuspringen, und so blieb sie am diesseitigen Ufer und arbeitete sich bergauf voran. Es fiel ihr leicht, die Gedanken, die ihr seit der Ankunft hier durch den Kopf gerast waren, loszulassen und sich ganz darauf zu konzentrieren, nicht auf den bemoosten Steinen auszurutschen, die das Ufer säumten. Ab und zu unterbrach eine kleine Stufe den Lauf; weiße Gischt schäumte auf und ließ die Felsbrocken tückisch glatt werden.

Die Bäume bildeten ein dichtes Dach, durch das nur an wenigen Stellen Sonnenlicht bis zum Boden drang. Sobald sich eine Wolke vor die Sonne schob, wurde es sogar richtig düster, und Lena konnte kaum noch erkennen, wo sie hintrat. Gerade, als sie sich eingestehen musste, dass es eine Schnapsidee gewesen war, den Berg neben dem Flussbett hinaufzuklettern, statt den Wanderweg zu benutzen, sah sie in ein paar Metern Entfernung die Forststraße. Sie beschloss, das Klettern lieber Wanderern mit entsprechendem Schuhwerk zu überlassen und den Rest der Strecke auf dem breiten, sandigen Weg zurückzulegen.

Tatsächlich war es nur noch ein kurzer Marsch, bis sie das Gebäude des alten Waldkindergartens sah. Vor den offen stehenden Flügeln des hölzernen Tors, das auf das Gelände führte, blieb sie stehen. Der Eingang war von einem brüchigen Spalier überkront, um das sich Efeu rankte. Das Schild mit der Aufschrift Waldkindergarten in der Mitte hing schief und war kaum noch zu entziffern.

Zögernd trat Lena näher und versuchte einen der Torflügel weiter aufzudrücken, bis sie feststellte, dass er von einem hochstehenden Grasbüschel blockiert wurde. Sie trat ein paarmal dagegen, bis es sich lockerte und den Torflügel freigab.

Sie schlüpfte hindurch und sah sich um. Hier war schon lange niemand mehr gewesen, vor allem keine Kinder oder Erzieher. Der Holzzaun, der das langgezogene, einstöckige Gebäude mit dem Flachdach aus Schiefer umgab, war zum Teil umgestürzt und verfallen. Gras wuchs auf dem Dach des Hauses, und von den meisten Fensterscheiben waren nur noch Splitter im Rahmen zurückgeblieben.

Nicht sehr einladend, dachte Lena und widerstand dem Impuls, auf dem Absatz kehrtzumachen und sich zurück in die Beschaulichkeit des Städtchens zu flüchten. Das gesamte Gelände wirkte so deprimierend und verlassen, dass sie plötzlich tiefe Trauer überkam, als hätte sie einen großen Verlust erlitten. Und irgendwie war ihr nicht mehr wohl zumute bei dem Gedanken, hier mutterseelenallein im Wald in einer alten Ruine herumzukriechen. Beinahe kam sie sich vor, als ob sie eine Totenruhe störte.

Sie atmete tief ein, dann rief sie sich energisch zur Ordnung.

Du bist so ein Weichei, das ist nur ein leeres Haus und viel Natur drum herum und nichts, wovor man sich gruseln muss! Sie ärgerte sich, dass ein wenig Stille und Abgeschiedenheit sie in Angst und Schrecken versetzen konnte. Scheinbar war sie wirklich ein Kind der Großstadt geworden. Aber jetzt war sie hier und würde sich den Kindergarten aus der Nähe ansehen, wie es schließlich ihr Plan gewesen war.

Vorsichtig, um nicht über Wurzeln oder Kaninchenlöcher zu stolpern, betrat sie das Gelände und suchte den Eingang auf der anderen Seite des Hauses. An der Außenwand, die von der Straße abgewandt lag, verzierten zahlreiche Abdrücke von Kinderhänden das Mauerwerk, noch immer erkennbar, auch wenn die Farben inzwischen ziemlich verblasst waren. Was wohl aus den ganzen Kindern geworden war? Lena lächelte wehmütig. Sie hatte das Gleiche mal an ihren Zimmerwänden versucht, als sie zum Geburtstag neue Fingerfarben geschenkt bekommen hatte. Die Tage darauf hatten sie und ihr Vater dann mit dem Streichen des Zimmers verbracht.

Der Haupteingang des Kindergartens bestand aus einem Türsturz ohne Tür, da selbige zerborsten im Inneren des Hauses in einer Ecke lag. Ein Blick in die Räume...


Menschig, Diana
Diana Menschig, geboren 1973, eröffnete einen eigenen Spieleladen, nachdem sie lange Zeit im Personalmanagement und der Marktforschung arbeitete. Heute ist sie als selbständige Dozentin sowie Autorin tätig. Da sie sich vor allem im Fantasy- und Mysterygenre bewegt, gründete sie im Januar 2016 das „Phantastik-Autoren-Netzwerk“ (PAN), in welchem sie zudem Vorstandsmitglied ist.

Die Website von Diana Menschig: www.seitenrauschen.de
Diana Menschig im Internet: https://www.facebook.com/diana.menschig



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.