Melko Der Ring
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-641-06480-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 416 Seiten
ISBN: 978-3-641-06480-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nachdem sich neunzig Prozent der Menschheit aus dem Staub gemacht haben, um in eine andere Realität überzuwechseln, wurde ein gigantischer künstlicher Ring um die Erde errichtet. Die übrig gebliebenen Erdenbewohner wurden genetisch zu neuen Einheiten zusammengefasst. So auch Apollo Papadopulos, der insgesamt aus fünf verschiedenen Teenagern besteht, die darauf programmiert wurden, wie ein Mensch zu denken, zu fühlen und zu handeln. Bei einem Einsatz stößt Apollo auf einen Saboteur, und schnell wird klar: Die Gefahr ist größer, als bisher angenommen ...
Paul Melko, geboren 1968, gehört zu den renommiertesten Science-Fiction-Autoren der USA und wurde für seine Kurzgeschichten sowie für "Der Ring" bereits mehrfach ausgezeichnet. Der Autor lebt mit seiner Familie in Ohio.
Weitere Infos & Material
(S. 212-213)
Zum ersten Mal, seit wir zu unserem Abschlusspraktikum auf Columbus Station aufgebrochen sind, kehren wir zurück zur Farm. Eigentlich ist es gar nicht so lange her, aber uns kommt es vor wie eine Ewigkeit. Obwohl es hier unten noch deutlich wärmer ist als in den Bergen, wird das Sojafalfa bereits geerntet. Mac, das Ochsalopentrio, windet sich bei unserem Anblick aus dem Geschirr des Mähdreschers, kommt herübergelaufen und leckt uns die Hände.
»Hallo, Mac«, sagen wir. Er schnüffelt. Riecht nach Bär. Selbst die Gedanken des Ochsalopentrios liegen offen vor uns. Mac verabschiedet sich mit einem Schnauben und macht sich wieder an die Arbeit. »Nun kommt schon rein!« Mother Redd steht in der Tür. »Euer Zimmer ist noch genau wie früher!«
»Du hättest es doch nicht etwa vermietet?« »Doch, wenn die Miete gestimmt hätte.« Für einen Moment wirbelt der Luftzug des Scryfejet, der in unserem Rücken dröhnend abhebt, unsere Gedanken und Gefühle durcheinander. Mother Redd hat nicht zu viel versprochen, unser Zimmer im ersten Stock ist tatsächlich noch genau wie früher. Als Erstes duschen wir, zunächst Moira und Meda, dann Quant und Manuel und ganz am Schluss Strom, der doppelt so lange braucht wie alle anderen. Ich bin ja auch größer, meint er. Mehr Oberfläche. Rasch berechnet Quant unsere jeweilige Hautoberfläche.
Wie erwartet, ist sie bei Strom am größten, aber längst nicht um das Doppelte größer als bei uns anderen. Als sich Manuel ins Netz einloggt, stoßen wir einen kollektiven Seufzer der Erleichterung aus. Wir wissen nicht, was uns mehr gefehlt hat, eine richtige Dusche oder der Zugang zum Netz. Auf der Startseite unseres Accounts wird unser Kontostand angezeigt – die Arbeitseinheiten, mit denen wir zum Wohl der Podgesellschaft beigetragen haben.
Da wir uns seit Monaten mit Singleton-Scrip behelfen, wissen wir überhaupt nicht, was uns erwartet. Da stimmt was nicht, sendet Quant. Das Einkommen eines Studenten ist so gestaffelt, dass es stets knapp über dem Existenzminimum liegt; ein magerer Betrag, den wir durch die Sommerarbeit auf Mother Redds Farm um ein paar Prozentpunkte aufbessern konnten. Jetzt hat sich unser Guthaben vervielfacht, auf eine Unsumme an Arbeitseinheiten, für die wir normalerweise zehn Jahre hätten schuften müssen. Meda reißt die Tür auf und ruft herunter zu Mother Redd. »Wir sind reich! Wie das?«
»Eure Kündigung wurde abgelehnt!«, kommt die Antwort aus der Küche, gefolgt vom Duft köchelnder Tomatensoße. Oh. Sofort rechnet Quant nach: Unsere tägliche Rate an Arbeitseinheiten ist unfassbar hoch. Ich glaube, die wollen uns bestechen, meint Manuel. Da hat sich das Rumgerenne im Dschungel ja richtig gelohnt. Wir sollten es spenden, schlägt Moira vor, aber das kann nicht mal sie ernst meinen. Nein, wir sollten es in Scrip umtauschen, sagt Strom, wie immer sachlich und vernünftig. Oder in Gold. Man kann nie wissen. Unterdessen ist Manuel schon wieder im Netz unterwegs, auf der Suche nach den neuesten Nachrichten. Mal schauen, wie es der Consensus geht. Nein, sendet Quant schnell. Ich will es gar nicht wissen.




