Meister / Frey | Das verschollene Schiff | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 168 Seiten

Meister / Frey Das verschollene Schiff

Eine Seegeschichte von Friedrich Meister
3. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7412-4465-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Seegeschichte von Friedrich Meister

E-Book, Deutsch, 168 Seiten

ISBN: 978-3-7412-4465-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Heinrich Rohrpenn heuert als dritter Steuermann auf einem Hamburger Handelsschiff an. Ziel ist das australische Melbourne. Doch die Reise verzögert sich auf ungeahnte Weise. Piraten kapern das Schiff und Heinrich hat gemeinsam mit seinen Kameraden spannende Abenteuer zu bestehen, bis er wohlbehalten in seine Heimat zurückkehren kann. Die Neufassung nimmt leichte Veränderungen am Originaltext vor, die der Lesbarkeit und der Übertragung in die heutige Zeit geschuldet sind. Ziel ist es, den Charakter des Originals so weit wie möglich zu erhalten. Im alphabetisch geordneten Glossar finden sich Erläuterungen zu den Fachbegriffen aus der Seefahrt.

Friedrich Meister wurde 1848 in Baruth in Brandenburg geboren und starb 1918 in Berlin. Er war ursprünglich ein Seefahrer der alten Schule. Zu seiner Zeit wurde der überseeische Handelsverkehr zum größten Teil noch durch Segelschiffe besorgt. Auf solchen Segelschiffen fuhr Friedrich Meister zehn Jahre lang durch alle Meere - die Polarmeere ausgenommen - und bei Sonnenschein und Sturm erlebte er manches Abenteuer. Dabei lernte er fremde Länder und Völker kennen. Er bereiste China, Siam, Japan und den Südsee-Archipel bis zur Küste von Neu-Guinea und nördlich davon, die Philippinen. Er war in Westindien, Nord- und Südamerika, England, Italien und Griechenland. Er sah die »Sultanstadt am Goldenen Horn«, das heutige Istanbul, und die Westküsten des Schwarzen Meeres. In Japan erkrankte er an einem Augenleiden, das ihn schließlich dazu zwang, den Seemannsberuf aufzugeben. An Land wusste er zunächst nicht, wovon er leben sollte. Er versuchte dies und das und gelangte schließlich zur Schriftstellerei. Friedrich Meister ist Autor zahlreicher Jugendbücher. (Aus dem Vorwort von 'Burenblut'
Meister / Frey Das verschollene Schiff jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Erstes Kapitel



Wer einmal in Hamburg war, den zieht es immer wieder in die alte, schöne Hafenstadt. Die neue Zeit hat ihr zwar manche ihrer ehrwürdigen und romantischen Eigenheiten genommen, aber den Hauch jener kernigen Zeit, in der die stahlgepanzerten Hanseaten auf ihren kriegstüchtigen Koggen den Vitalienbrüdern Gödeke, Störtebeker und anderen Feinden, siegreiche Schlachten lieferten und ruhm- und beutereich wieder auf der Elbe vor Anker gingen, diesen Hauch spürt heute noch jeder, der den mächtigen Strom überschaut und die alten Stadtteile längs des Hafens durchwandert.

Nicht wenig trägt auch dazu das hamburgische Plattdeutsch bei, das einem auf Schritt und Tritt in den Ohren klingt. Dasselbe Plattdeutsch, das hier schon vor Jahrhunderten gesprochen wurde.

Prächtig ist die Elbstadt in ihren modernen Teilen. Anmutig spiegeln sich die stattlichen Patrizierhäuser und die von Gärten und Parks umgebenen freundlichen Villen in den stillen Fluten der Binnen- und Außenalster. Vielgestaltig und eigenartig ist das wimmelnde Volk auf den Plätzen und Straßen. Interessant ist der Blick auf die schmalen Fleete, an denen die altersgrauen, hohen Speicher stehen.

Die eigentliche Besonderheit der Stadt aber ist das Hamburg an der Elbe, der Stadtteil am Hafen, wo vor den Häusern der Schiffsmakler und Schiffshändler, vor den zahlreichen kleinen Wirtschaften und Tavernen, sich die verschiedenartigen Völkertypen, repräsentiert durch Kapitäne, Steuerleute und Matrosen, hin und her bewegen.

An der unmittelbar am Hafen gelegenen Straße reiht sich Flaggenstock an Flaggenstock. Niedrige, eiserne Kräne dienen dem kleinen Schiffsverkehr. Auf dem Strom selbst liegen unabsehbare Reihen von Seeschiffen, deren Masten wie ein Wald zum Himmel ragen und mit ihrem Takelwerk ein schier unentwirrbares Gewebe zu bilden scheinen.

Vom großen Frachtdampfer bis zum kleinen Fischer-Ewer sind hier alle Schiffsgattungen vertreten. Schuten und hier und da ein Elbkahn liegen den Schiffen zur Seite, die entweder Ladung aus ihnen empfangen oder an sie abgeben.

Kleine, schnelle Schlepp- und Fährdampfer schießen ab und zu durch die Schiffsreihen. Ihr schrilles Pfeifen mischt sich mit dem dumpfen Geheul der gewaltigen Seedampfer, die brausend flussabwärts fahren oder von der Außenelbe heraufkommen.

Es ist ein so reiches und wechselvolles Bild, dass man sich daran kaum sattsehen kann, vor allem wenn man seinen Standpunkt auf einem der Pontons bei St. Pauli hat, von wo aus man einerseits den ganzen Hafen und die zahlreichen großen Schiffswerften, Docks und Maschinenfabriken von Steinwerder und Reiherstieg sieht und hinter sich die Deutsche Seewarte und das Seemannshaus auf der Elbhöhe hat. Auf der anderen Seite schaut man nach Altona hinaus auf den sich breit ausdehnenden Spiegel des herrlichen Stromes, auf dem - je nach dem Stand der Gezeiten - ganze Flotten von Segelschiffen vor Anker liegen oder in Bewegung sind.

Hell leuchten die weißen Segel der Vollschiffe, der Barken, Briggs und Schoner in die blaue Luft hinaus, im Gegensatz zu der lohfarbenen, braunen und roten Leinwand der Ewer, Galioten und Tjalken und den dunklen Rauchmassen aus den Schloten der Dampfer, die zeitweise die Aussicht mit einem Schleier verdecken.

* * *

In der Morgenfrühe des Tages, an dem diese Geschichte beginnt, stand ein junger Mann auf dem Speicherkai am oberen Ende des Hafens in die Betrachtung eines prachtvollen und ganz neuen eisernen Vollschiffs vertieft, das dicht an den Kai herangeholt hatte und mit diesem durch eine breite Planke verbunden war.

Die drei Luken des Schiffes an dessen Heck und Bug der Name in goldenen, hell in der Morgensonne funkelnden Lettern zu lesen war, standen offen, um die Stückgüter aufzunehmen, die eine Anzahl Schauerleute aus dem Speicher heraus und an Deck hinüberschafften, wo sie mit Hilfe der Winsch in den Raum hinunterbefördert wurden.

Der Name des jungen Mannes war Heinrich Rohrpenn. Er hatte sein neunzehntes Lebensjahr noch nicht erreicht, war trotzdem bereits ungewöhnlich groß und kräftig und konnte als ein prächtiges Muster eines jungen deutschen Seemannes gelten.

Seine Ausbildung hatte er an Bord der einem der Schulschiffe des Norddeutschen Lloyd erhalten, um sich später der Offizierslaufbahn auf den großen Bremer Schnelldampfern widmen zu können.

Er war im ersten Jahr als Schiffsjunge, im zweiten als Leichtmatrose und im dritten Jahr als Vollmatrose gefahren und hatte auf seinen Reisen während dieser drei Jahre Japan, Australien und die Westküste Südamerikas kennengelernt.

Diesen Fahrten folgte eine Reise auf einem der Lloyd-Dampfer und hierauf hatte er die Seefahrtschule zu Bremen besucht. Gern hätte er nun eine Stellung als vierter Offizier auf einem der Bremer Schnelldampfer angenommen. Allein auf den dringenden Wunsch seines Vaters, des alten Hamburger Kapitäns Adam Rohrpenn, entschloss er sich, als dritter Steuermann auf dem anzumustern, dessen Führer, Kapitän Lüdemann, seit langen Jahren mit Adam Rohrpenn eng befreundet war.

Rohrpenn besaß in dem unterhalb Altonas gelegenen Dörfchen Neumühlen ein kleines Haus, in dem er sein Leben zu beschließen gedachte. Er war bei einem Schiffbruch schwer verletzt worden und musste seine Tage in einem Rollstuhl zubringen, sonst hätte er es sich nicht nehmen lassen, seinen Heinrich persönlich an Bord des schönen neuen zu geleiten, welcher der nämlichen Reederei gehörte, für die er selbst dreißig Jahre lang gefahren war.

Als der Bau des geplant wurde, da hatte man beschlossen, ihm, Adam Rohrpenn, die Führung dieses Schiffes zu übertragen. Allein das grausame Schicksal fügte es anders. Dreißig Jahre lang hatte der brave Kapitän in dem Ruf gestanden, immer nur vom Glück ganz besonders begünstigte Fahrten zu machen. Bei der letzten Fahrt brach das Unglück über ihn herein: Ein furchtbarer Orkan warf seine auf die Klippen der Scilly-Inseln am Eingang des Englischen Kanals. Das Schiff ging in Stücke, nur wenige von der Besatzung wurden gerettet, unter ihnen auch Kapitän Rohrpenn, der jedoch infolge der bei der Katastrophe erlittenen Verletzungen zum Invaliden wurde.

Wenn nun aber auch ein Rohrpenn den nicht mehr kommandieren konnte, so sollte doch ein Rohrpenn auf ihm Dienst nehmen. Also hatte sich an jenem Morgen Heinrich Rohrpenn in Neumühlen von seinem Vater verabschiedet und nach Hamburg aufgemacht, wo er nun auf dem Speicherkai den betrachtete. Er trug seinen Feiertagsanzug aus blauem Düffel und auf seinem blonden Krauskopf eine Schirmmütze von gleichem Stoff mit von goldenen Knöpfen gehaltenen Sturmriemen und einem schwarzen Wachstuchüberzug. Aus seinem frischen, sonnenverbrannten Gesicht schauten ein Paar ehrliche, graue Augen scharf und energisch in die Welt hinaus und man erkannte auf den ersten Blick, dass man es in Heinrich Rohrpenn mit einem treuen, zuverlässigen, ehrenhaften und mutigen jungen Mann zu tun hatte.

Mitschiffs unweit des Fallreeps, wo durch die Entfernung eines Stückes der Schanzkleidung eine Ladepforte geschaffen worden war, lehnte ein Mann an der Reling des der ein Taschenbuch und einen Bleistift in den Händen, die an Bord kommenden Stückgüter kontrollierte. Das war der Obersteuermann Rupp, der in Abwesenheit des Kapitäns das Kommando führte.

Aus irgendeiner Veranlassung wandte er sich jetzt dem Kai zu und bemerkte dabei den dritten Steuermann, den er bereits auf dem Musterbüro kennengelernt hatte.

»Da sind Sie ja, Rohrpenn!«, rief er herüber. »Kommen Sie mal an Bord, Sie können mir hier helfen!«

Heinrich sprang in drei Sätzen über die Planke an Deck, bot dem Obersteuermann einen fröhlichen guten Morgen und lief in seine Kammer, wo bereits am Abend zuvor seine Seekiste untergebracht worden war. Er wechselte rasch den Anzug und erhielt dann vom Obersteuermann Buch und Bleistift und die Weisung, sich zur Achterluke zu verfügen und zu notieren, was dort in den Raum hinabgegeben wurde.

Zu der Ladung die mitschiffs verstaut wurde, gehörten auch zwölf Kruppsche stählerne Feldgeschütze samt Lafetten und allem Zubehör. Außerdem mehrere hundert Gewehre und Munition. Diese Waffen waren für eine Abteilung der australischen Miliz bestimmt. Sie erregten naturgemäß die Neugierde der auf dem Kai lungernden Leute, unter denen besonders ein Mann die Verladung mit größter Aufmerksamkeit beobachtete.

In seinem Eifer half er den Schauerleuten, die Geschützrohre in die Kranketten zu schlingen und erwies sich dabei so geschickt und flink, dass Heinrich Rohrpenn in ihm auf den ersten Blick einen erfahrenen Seemann erkannte. Das Gesicht des Mannes war von Sonne und Wetter dunkel gebräunt. Er trug goldene Ohrringe und gute Kleider aus dunkelblauem Stoff, wie Janmaat sie...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.