E-Book, Deutsch, 376 Seiten
Reihe: Die Gotteskinder
Meier Die Gotteskinder
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7543-6605-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Leben
E-Book, Deutsch, 376 Seiten
Reihe: Die Gotteskinder
ISBN: 978-3-7543-6605-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
"Zwischen Himmel und Hölle herrscht Krieg und die Erde ist das Schlachtfeld" Die Gotteskinder erzählt die Geschichte zweier Liebenden - eine Geschichte, die das Schicksal der Menschheit bestimmen wird. Im alten Rom wird ein Junge geboren, der von Gott geschickt wurde, aber die Hölle ist auch nicht untätig und schickt ein Mädchen auf die Erde.
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Der Sklave
Diese Geschichte beginnt mit der Geburt eines Jungen namens Ashron. Doch es ist kein gewöhnlicher Junge, der im reichen und herrlichen Rom geboren wird, und zwar 340 nach Christus. Seine Eltern sind Christen und Sklaven zugleich, aber sie haben Glück, denn ihr Herr ist ein reicher Geschäftsmann in Rom und selbst auch Christ. Im Palast, in dem er wohnt, arbeiten fast nur Sklaven. Tänzer, Köche, Hausmädchen, er hat einfach alles. Den Sklaven fehlt es an nichts. Sie haben bequeme Betten, anständige Kleidung und genug gutes Essen. Dort leben ungefähr zehn Kinder, die alle von den Sklaven gezeugt wurden und auch als Sklaven leben. Unter ihnen ist auch Ashron, von dem diese Geschichte handelt.
Die Herrin, die man Octavia ruft, hat selbst keine Kinder, aber sie kümmert sich wie eine zweite Mutter um den Nachwuchs der Sklaven. Sie füttert die Babys und unterrichtet die älteren Kinder. Sie bringt ihnen Lesen und Schreiben bei, auch Mathematik ist eines der unterrichteten Fächer. Octavia übernimmt diese Arbeit aus einfachen Gründen: Sie will, dass die Sklaven selbstständig sind, damit sie selber einkaufen gehen können und weil Octavia sonst kaum etwas zu tun hat, es macht ihr außerdem Freude, anderen was beizubringen, da sie auch zu den Gelehrten gehört. Die Sklaven machen ihre Arbeit im Haushalt und im Garten gerne, weil sie keine Peitschenschläge fürchten, und weil sie in diesem Haus anständig behandelt werden. Sie arbeiten ungefähr zwölf Stunden am Tag, was auch hart ist. Auch die Kinder helfen mit, denn es gibt viel zu tun. Sie servieren den Hausherren das Essen, wie auch den Gästen, und beziehen die Betten neu.«
So wächst der Bursche, von dem diese Geschichte handelt, auf. Als er sechs Jahre alt ist, kommt er in den schönen Unterricht von Octavia. »Und wer kann mir sagen, wie man schreibt?«, fragt sie liebevoll. Ein paar Kinder strecken den Arm in die Höhe, weil sie die Antwort zu wissen glauben. Nur drei von ihnen halten den Arm unten. Er ist einer davon. Mütterlich schaut sie ihn an und fragt ihn: »Hast du wirklich keine Ahnung? Wir sind hier, um Fehler zu machen.«
Beschämt schaut er zu Boden, denn er gehört zu den schüchternen Kindern. Er traut sich kaum, etwas zu den Herren zu sagen. Es gibt Tage, an denen er überhaupt nichts sagt. Seine leibliche Mutter macht sich Sorgen um ihn, weil er so scheu ist, aber die Hausherrin macht ihr immer wieder Hoffnung: »Ach, das ist nur eine Phase. Man muss ihm Zeit lassen. Ich habe das Gefühl, dass er nicht ganz so zufrieden ist wie die anderen. Die Frage ist nur, warum?«, sagt sie zu seiner Mutter. Diese heißt Magna. Immer noch besorgt, sagt sie: »Aber das ist doch nicht normal, dass ein Junge so scheu ist. Das ist auch keine Unzufriedenheit. Ich glaube, dass er vor irgendetwas Angst hat.«
Mit vor Schreck weit geöffneten Augen schaut Octavia Magna an und fragt sie: »Meinst du, er hat Angst vor mir? Wenn das der Fall sein sollte, dann sollten wir uns schnell etwas einfallen lassen.«
Magna sieht Octavia aus den Augenwinkeln an und sagt: »Ich glaube nicht, aber lass uns zu ihm gehen und mit ihm reden.«
Die beiden gehen durch das sehr große Haus, das aus Marmor, Stein und Holz besteht, und rufen seinen Namen. Nach 15 Minuten finden sie ihn schließlich. Er sitzt auf einem Stuhl, sodass die Füße nicht bis zum Boden reichen, in einem leeren, kleinen Raum und schaut die Wand an. Magna geht auf ihn zu und sagt verärgert: »Wieso hast du nicht geantwortet? Ich habe mir Sorgen um dich gemacht.« Sie legt zärtlich ihre Hand auf seine Schulter. Er aber antwortet nicht.
Jetzt betritt die Herrin den Raum und fragt ihn mit liebevoller Stimme: »Wovor hast du Angst? Du kannst uns alles sagen, aber das weißt du ja.« Wieder antwortet er nicht. Langsam, sodass es die Mutter und die Herrin sehen können, nimmt er ein Jesuskreuz unter seinem Mantel hervor. Er hält es mit beiden Händen fest, schaut zur Decke hoch und sagt: »Er ist meine Mutter und mein Vater. Er hat mir das Leben geschenkt. Er sorgt dafür, dass alle ihre gerechte Strafe bekommen. Er ist zeitlos und überall, denn er ist allmächtig und bestimmt über unser aller Schicksal.«
Magna und Octavia wissen nicht so recht, was sie mit diesen Worten anfangen sollen. Sie ziehen sich zurück und lassen ihn wieder alleine im Raum. Immer noch hält er das Kreuz in den Händen und schaut zur Decke.
»Was sollen wir tun? Ich mache mir immer mehr Sorgen um ihn«, sagt Magna verzweifelt. Es scheint, als breche sie gleich in Tränen aus.
»Keine Sorge, wir finden schon eine Lösung, aber lass ihn mal fertig beten. Ich rede heute Nacht mit meinem Mann über das Problem, und wir werden schauen, was wir dagegen unternehmen können.« Die Herrin nimmt die Mutter zärtlich in den Arm und sagt noch leise: »Wir finden schon eine Lösung. Nur keine Angst.«
Der Knabe sitzt den ganzen Nachmittag dort und betet. Als er fertig ist, verlässt er den Raum. Mit langsamen Schritten bewegt er sich barfuß fort. Weil eines der Kinder den Auftrag erhalten hat, ihn zu beobachten, steht es an der Türe. Ganz erstaunt schaut es ihn an, weil seine schwarzen Haare nass sind, und auch über das Gesicht tropft der Schweiß. Er schaut das Kind an der Tür nur kalt aus den Augenwinkeln an, geht in sein Bett und schläft sofort ein. Das Kind folgt ihm und geht nachher zu Magna, um ihr zu erzählen, was es gesehen hat.
»O mein Gott, was ist bloß mit meinem Ashron los?«, fragt sie sich laut und schlägt verzweifelt die Hände vor ihr Gesicht, als sie den Bericht gehört hat.
Langsam wird es Abend, draußen fängt es an, einzudunkeln. Der Junge schläft immer noch, obwohl Octavia und Magna mehrmals versucht haben, ihn zu wecken. Als es dann Nacht wird, kommt, mit zwei Stunden Verspätung, der Hausherr nach Hause. Ihn ruft man Plancus. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht kommt er zur Türe herein und ruft laut: »Hallo, da bin ich wieder einmal!«
Seine Frau Octavia, kommt sofort und umarmt ihn. Sie küsst ihn mehrmals auf die Wangen. Er weiß nicht so richtig, wieso sie das macht. Mit viel Kraft stößt er sie weg, weil er wissen will, was los ist, denn sonst wird er nur selten so begrüßt.
»Gar nichts, du bist nur zwei Stunden zu spät, und ich habe mir einfach Sorgen um dich gemacht. Zu dieser Zeit sind viele Diebe und Räuber in der Stadt unterwegs«, sagt sie hastig.
Plancus glaubt ihr nicht so ganz: »Ich bin doch schon mehrmals so spät nach Hause gekommen, aber da lagst du schon im Bett und hast fest geschlafen. Was ist hier los? Was ist passiert, als ich weg war?«
Octavia schaut jetzt beschämt zu Boden. Die Hände hat sie gefaltet und traut sich gar nichts mehr zu sagen.
Plancus packt sie an den Schultern und fragt sie noch einmal, diesmal ein wenig aggressiver: »Was ist passiert? Was ist hier los? Sag es mir!«
Sie hebt den Blick wieder und antwortet leise: »Es ist etwas mit dem Sklavenjungen Ashron. Irgendetwas ist nicht in Ordnung mit ihm. Wir wissen aber nicht, was es ist. Ich habe mir gedacht, vielleicht kannst du ja mit ihm reden.«
Fröhlich lacht er sie an. »Sag das doch gleich. Ich habe gedacht, jemand sei ermordet worden. Ich gehe und rede mit ihm.« Er lässt sie los und geht weiter in die Villa.
Sie heftet sich wieder an seinen Arm und will ihn damit bremsen, was ihr auch schnell gelingt: »Nein, du kannst jetzt nicht zu ihm. Er schläft, und er lässt nicht mehr mit sich reden.«
Gelassen dreht Plancus sich wieder zu Octavia und fragt seelenruhig: »Und wie hast du dir das vorgestellt? Ich meine, wie soll ich mit ihm reden, wenn er nicht mehr mit sich reden lässt?«
Sie schaut an ihm vorbei und sagt: »Ich weiß es nicht. Aber ich habe mir gedacht, vielleicht hört er aus irgendeinem Grund auf dich.«
Er denkt kurz über ihren letzten Satz nach. Anschließend fragt er sie: »Was hat er denn überhaupt? Ist er krank, hat er Fieber? Oder was ist mit ihm los?«
Jetzt schaut sie ihm wieder in die grünen Augen und sagt mit fester Stimme: »Das wird dir seine Mutter selber sagen. Sie wird dir auch sagen, was sie von dir erhofft. Ich bitte dich, höre sie an. Es wird ihr guttun.«
Er hat wieder ein Lächeln im Gesicht und sagt: »Du solltest dich reden hören. Du bist selber ein nervliches Wrack. Ich glaube, du leidest mehr als die Mutter. Wie alt ist der Junge überhaupt?«
Sie sagt im gleichen Ton wie zuvor: »Er ist sechs Jahre alt.«
Plancus runzelt die Stirn: »Ja, dann kann es nicht so schlimm sein. Ich meine, was für schlimme Probleme haben schon Sechsjährige?«
»Das ist es ja gerade. Er ist sich seines Problems gar nicht bewusst. Wir müssen ihm helfen, und zwar schon morgen«, fleht sie ihn an.
Er sagt weiter: »Ich verstehe aber euer Problem nicht. Ich meine, da ist ein Sechsjähriger, der irgendeine Macke hat, so wie jeder in seinem Alter. Und ihr flippt deswegen gleich...




