E-Book, Deutsch, Band 4, 166 Seiten
Reihe: Tibor
Mehnert Tibor 4: Eine harte Schule
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86305-195-2
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 4, 166 Seiten
Reihe: Tibor
ISBN: 978-3-86305-195-2
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Achim Mehnert wurde 1961 in Köln geboren. Seiner Heimatstadt ist der bekennende Lokalpatriot bis heute treu geblieben. Nach Kindergarten, Schule und Abitur folgte eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Zum Schreiben kam Achim Mehnert durch das Science-Fiction-Fandom. Zunächst verfasste er Kurzgeschichten für Fanzines, später für Zeitungen und Anthologien. Noch während seiner beruflichen Laufbahn veröffentlichte er erste Romane. Die Piccolos von Hansrudi Wäscher begeisterten ihn schon als Jungen. Er empfindet es als Auszeichnung, Tibor, dem Comichelden unzähliger Kinder und Jugendlicher, ein literarisches Gesicht verleihen zu dürfen.
Autoren/Hrsg.
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ZWEI
Tornton rannte aufgeregt durchs Lager. Er konnte seinen Star nirgendwo finden. Nach und nach kamen sämtliche Mitglieder des Filmteams aus ihren Zelten und beteiligten sich an der Suche. Teddy war unauffindbar.
»Mein Gott, er ist verschwunden«, klagte Jane Night. »Ob er sich wieder davongestohlen hat, um auf die Jagd zu gehen?«
Der Regisseur schüttelte den Kopf. »Das kann ich mir nicht vorstellen.«
»Tibor wird uns zur Rechenschaft ziehen, wenn Teddy wieder mit seinem Gewehr auf die Tiere des Dschungels schießt.«
»Dieser Tibor kann uns gar nichts anhaben«, widersprach MacDaffy. »Er mag sich hier auskennen, und eine ordentliche Handschrift hat er ebenfalls, wie ich am eigenen Leib erfahren habe. Aber gegen uns alle kann er nichts ausrichten.«
»Teddy! Teddy!«, brüllte der Chef der Filmgesellschaft sich heiser.
Der Junge antwortete nicht. Verzweifelt zerbrach Tornton sich den Kopf. Er begriff nicht, was vorgefallen war, und machte sich große Sorgen um seinen Hauptdarsteller. Wenn Teddy sich wieder einen seiner eigenmächtigen Ausflüge erlaubte, ging er dieses Mal wirklich zu weit. Er stürzte die ganze Crew in Panik.
Spencer, der kurz in sein Zelt geschaut hatte, kam gleich wieder zum Vorschein. Er winkte aufgeregt. »Das müsst ihr euch ansehen. Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu.«
»Was ist denn los?«, verlangte Tornton zu wissen.
»In meinem Zelt sieht es aus, als ob ein Wirbelsturm gewütet hätte. Alles ist durcheinander. So etwas geschieht doch nicht von allein.«
Wieder begann Tornton damit, lautstark nach Teddy zu rufen. Es war erfolglos.
*
Tibor hörte den Radau schon von Weitem. Als Kerak und er das Camp erreichten, fiel ihm gleich das Durcheinander auf. Die Filmleute waren in heller Aufregung. Irgendetwas war vorgefallen, mit dem sie nicht gerechnet hatten.
»Hier stimmt etwas nicht, Kerak. Ich muss meinen Plan ändern. Warte hier auf mich!«
»In Ordnung, Tibor.« Der Gorilla ließ sich auf einer Astwurzel nieder.
Tibor trat zwischen den Bäumen hervor und zeigte sich den Filmleuten. »Guten Morgen. Was hat die Aufregung zu bedeuten?«
Tornton fuhr herum und sah ihn an. Er verdrehte die Augen und wedelte hilflos mit den Armen.
MacDaffy kam auf Tibor zu. »Jetzt durchschaue ich, was hier gespielt wird«, brummte er. »Sie haben Teddy entführt, um uns zu zwingen, den Dschungel zu verlassen. Wie kann man so schäbig sein, sich an einem wehrlosen Kind zu vergreifen? Das wird Sie teuer zu stehen kommen.«
»Ja, MacDaffy hat recht«, blaffte Tornton. »Geben Sie sofort den Jungen heraus!«
Tibor wusste nicht, wie ihm geschah. »Teddy ist entführt worden? Davon habe ich keine Ahnung.«
»Spielen Sie nicht den Unwissenden! Ich traue Ihnen alles zu«, versetzte MacDaffy.
»Nehmen Sie Vernunft an!«, appellierte Tibor an die Umstehenden. »Ich habe nichts mit Teddys Verschwinden zu tun. Wahrscheinlich ist der kleine Teufel wieder auf eigene Faust auf die Jagd gegangen. Es wäre ja nicht das erste Mal.«
»Nein, das ist unmöglich. Alle Waffen sind im Lager«, warf Jane Night ein. »Ohne Gewehr wäre Teddy nicht allein in den Dschungel gegangen.«
Das glaubte Tibor auch nicht. Der Junge war vorlaut, frech und ungezogen, aber nicht dumm. In eine solche Gefahr würde er sich nicht begeben. Also steckte etwas anderes hinter dieser Sache.
MacDaffy hob eine Hand und deutete mit dem Finger auf Tibor. »Ich gebe Ihnen bis heute Mittag Zeit, den Jungen zurückzubringen. Wenn Teddy bis dahin nicht im Lager ist, schieße ich auf jedes Tier, das mir vor die Büchse kommt. Haben Sie verstanden?«
»Machen Sie keinen Unsinn!«, warnte Tibor den Maulhelden. »Ich lasse es Ihnen nicht durchgehen, wild in der Gegend herumzuballern. Ich versichere Ihnen, ich habe den Jungen nicht entführt. Trotzdem werde ich versuchen, ihn wiederzufinden. Das verspreche ich.«
Er wandte sich ab und verließ das Camp. Schnell unterrichtete er Kerak, was geschehen war. Gemeinsam machten sich die Freunde auf die Suche nach einer Spur.
»Ich gehe hier entlang. Such du dort drüben!«
Tibor fragte sich, wer ein Interesse daran haben konnte, den Jungen zu entführen. Er fand kein Motiv dafür. War der Bursche womöglich doch ausgerissen und befand sich, da er keine Waffe hatte, in Lebensgefahr?
Er untersuchte den Boden peinlich genau und achtete auf abgebrochene Zweige. Das Camp der Filmgesellschaft blieb hinter ihm zurück. Der Aufenthalt im Dschungel hatte seine Sinne geschärft. Tibor war sicher, auf dem richtigen Weg zu sein, obwohl er bisher nichts entdeckt hatte.
Tatsächlich fand er wenig später eine Spur, die seine Aufmerksamkeit erregte. Nachdenklich untersuchte Tibor die Fußabdrücke. Derjenige, der sie hinterlassen hatte, trug mindestens Stiefelgröße vierundvierzig. Die Filmleute hatten ausnahmslos kleinere Füße. Von ihnen konnte es keiner gewesen sein. Wer also trieb sich noch in dieser Gegend herum, und welches Interesse hatte er an Teddy?
Tibor folgte der Spur und gelangte nach einiger Zeit an den Fuß eines Felsenhügels. Unterhalb der Felsen waren die Abdrücke deutlich zu sehen, und sie waren frisch.
*
Auch Kerak hielt nach Spuren Ausschau. Er war ganz in Tibors Nähe, als der am Fuß des Felsenhügels niederkniete und den Boden untersuchte. Anscheinend hatte er etwas gefunden. Der Gorilla wollte zu seinem Freund gehen, als ein Aufblitzen in der Sonne seine Aufmerksamkeit erregte.
Das Sonnenlicht hatte sich für einen Moment in irgendetwas gespiegelt und war zurückgeworfen worden. Blinzelnd schaute der Gorilla nach oben.
Er erschrak, als er zwischen den Felsen einen Zweibeiner entdeckte. Er kauerte hinter einem Felsvorsprung und hielt einen Donnerstock in der Hand. Damit zielte er auf Tibor, der keine Ahnung von der drohenden Gefahr hatte.
Kerak mochte die Feuerrohre der Zweibeiner nicht. Sie richteten nur Schaden an. Jetzt bedrohte ein Donnerstock sogar seinen Freund. Kerak begriff, dass er augenblicklich etwas unternehmen musste, um Tibor zu retten.
Er stieß ein kehliges Grollen aus und griff nach einem Stein. Mit aller Kraft schleuderte er den Brocken auf den Fremden, der auf seinen Freund zielte.
Und er traf. Der heimtückische Angreifer stieß einen schmerzerfüllten Schrei aus. Er schoss dennoch.
*
Den Aufschrei und das Knallen eines Schusses vernahm Tibor gleichzeitig. Er fuhr in die Richtung, aus der beides gekommen war. Im Bruchteil einer Sekunde überblickte er die Situation. Im Hinterhalt zwischen den Felsen hatte ein heimtückischer Schütze auf ihn gelauert und auf ihn angelegt. Kerak hatte gerade noch rechtzeitig eingegriffen, um seinen Freund vor Schlimmerem zu bewahren. Der Schuss hatte Tibor verfehlt und war ins Leere gegangen.
Und noch etwas war geschehen. Das Gewehr war dem feigen Attentäter aus der Hand geglitten. Es lag etwas unterhalb seiner Position auf einem Vorsprung.
Tibor hetzte los. Er musste versuchen, die Waffe vor dem Unbekannten zu erreichen. Auch Kerak eilte herbei und kletterte über das Gestein. Doch nicht nur sie beide versuchten, sich in den Besitz der Waffe zu bringen. Der Schütze, dessen Fußspuren sie gefolgt waren, sprang mit dem gleichen Ziel aus seinem Versteck. Ein regelrechter Wettlauf entbrannte.
Dabei bekam Tibor den Mann zu sehen. Das Gesicht war ihm unbekannt. Er hatte den Kerl nie zuvor gesehen. Zu den Leuten der Filmcrew gehörte er nicht. Der Bursche ging aufs Ganze. Er sprang von einem Felsvorsprung und gewann damit den entscheidenden Vorteil, um an die Waffe zu kommen.
»Zu spät«, entfuhr es Tibor, der erkannte, dass der Gorilla und er zu langsam waren. »Zurück, Kerak!«
Schon griff der Unbekannte nach dem Gewehr. Sofort sprang er wieder hinter einen Felsen und suchte eine gute Schussposition.
»In Deckung, Kerak!«, gellte Tibors Stimme weithin.
Er sprang über das Gestein und brachte sich mit großen Sätzen in Sicherheit. Kerak fing ihn mit ausgestreckten Armen auf und verhinderte so, dass sein Freund stürzte. Sie schwangen sich hinter einen mächtigen Felsbrocken. Keinen Moment zu früh. Eine Kugel zischte durch die Luft und prallte vom Gestein ab. Tibor zog den Kopf ein.
»Das war knapp. Eine Sekunde schneller, und der feige Kerl hätte mich erwischt.«
Die Deckung, in die sie sich geflüchtet hatten, raubte dem Schützen die freie Sicht. Er konnte die Freunde ebenso wenig sehen wie sie ihn. Tibor lauschte. Von oben drang kein Geräusch herab. Der Angreifer verhielt sich völlig still. Es ließ sich nicht bestimmen, was er tat. Vielleicht heckte er eine neue Schurkerei aus.
»Was hat das alles zu bedeuten?«, fragte Kerak.
Tibor wünschte, er hätte dem Gorilla eine Antwort geben können. »Der Mann hat den Jungen entführt, so viel steht fest. Sonst hätte er keinen Grund, auf uns zu schießen. Wir sind ihm zu nahe gekommen.«
»Was machen wir jetzt?«
»Wir müssen leise sein, um zu hören, ob er uns hier aufstöbern will. Wenn er unvorsichtig ist, wissen wir, was er vorhat.«
Die Gefährten verhielten sich mucksmäuschenstill. Leider wandte der Unbekannte dieselbe Taktik an. Auch er vermied es, sich durch eine unbedachte Bewegung zu verraten. Geduldig harrten sie aus, ohne dass etwas geschah. Schließlich wagten sie sich vorsichtig aus ihrer Deckung.
»Es ist alles still«, flüsterte Tibor. »Sicher lauert er...




