Mehnert | Tibor 3: Die Urungi | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 3, 240 Seiten

Reihe: Tibor

Mehnert Tibor 3: Die Urungi


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86305-192-1
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 3, 240 Seiten

Reihe: Tibor

ISBN: 978-3-86305-192-1
Verlag: Verlag Peter Hopf
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Diese werkgetreue Umsetzung als Roman umfasst den Inhalt des dritten Abenteuers aus den Piccolo-Comicheften 14-25 von Hansrudi Wäscher. - Aus einem Dorf verschwinden junge Krieger, weil ein Zauberer doppeltes Spiel treibt. Selbstlos macht Tibor sich auf die Suche nach den Unglücklichen. Die Spur führt in ein verborgenes Tal, in dem der Sohn des Dschungels zu einem Gefangenen der Urungi wird. Nun muß Tibor nicht nur um seine Freiheit kämpfen, sondern auch um das Leben seines Freundes Kerak.

Achim Mehnert wurde 1961 in Köln geboren. Seiner Heimatstadt ist der bekennende Lokalpatriot bis heute treu geblieben. Nach Kindergarten, Schule und Abitur folgte eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Zum Schreiben kam Achim Mehnert durch das Science-Fiction-Fandom. Zunächst verfasste er Kurzgeschichten für Fanzines, später für Zeitungen und Anthologien. Noch während seiner beruflichen Laufbahn veröffentlichte er erste Romane. Die Piccolos von Hansrudi Wäscher begeisterten ihn schon als Jungen. Er empfindet es als Auszeichnung, Tibor, dem Comichelden unzähliger Kinder und Jugendlicher, ein literarisches Gesicht verleihen zu dürfen.
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EINS


Tiergeräusche, die nicht in den Dschungel passten, drangen an Tibors Ohren. Er hielt inne und spähte nach der Herkunft der Laute. Sein Freund Kerak verharrte neben ihm. Der Gorilla kratzte sich am Schädel.

»Was ist das, Tibor?«

»Es kommt aus dieser Richtung.«

Sie liefen durch das Unterholz, vorbei an mächtigen Urwaldriesen, bis sie Bewegungen ausmachten. Auf einer kleinen, mit Gras bewachsenen Lichtung ästen zwei Vierbeiner. Die Freunde duckten sich hinter ein paar Büsche.

»Sieh dir das an, Kerak! Sind das nicht zahme Rinder?«

»Ja, diese Tiere leben bei den Zweibeinern«, bestätigte der Affe. »Wie sind sie hierhergekommen?«

»Wahrscheinlich sind sie ihren Herren davongelaufen. Es muss ein Dorf in der Nähe sein.«

»Was hast du vor?«

Der Sohn des Dschungels sah sich nach Lianen um. Sie wuchsen überall. »Wir fangen die Rinder ein. Ich will sie ihren Eigentümern zurückbringen, bevor sie von Raubtieren gerissen werden. Warte hier! Wenn sie dich sehen, nehmen sie sonst Reißaus.«

In aller Eile schnitt Tibor einige starke Lianen ab, wobei ihm das Messer, das er von Major Deakins erhalten hatte, wertvolle Dienste leistete. Die Rinder ästen ruhig weiter, als er sich ihnen näherte. Das bewies, dass sie die Gesellschaft von Zweibeinern gewohnt waren. Er legte den Tieren die Lianen um und band sie fest. Sie ließen es gleichmütig über sich ergehen.

»Du kannst herauskommen, Kerak!«, rief Tibor seinem Freund zu.

Der Gorilla verließ sein Versteck und gesellte sich zu ihm. Die Rinder scheuten ein wenig, doch sie beruhigten sich schnell wieder, als sie merkten, dass ihnen von dem großen Affen keine Gefahr drohte. Tibor reichte Kerak die losen Enden der Lianen.

»Gib acht, dass sie nicht wieder davonlaufen. Ich klettere auf einen Baum. Vielleicht kann ich das Dorf von oben sehen.«

Er stieg auf den nächsten Urwaldriesen und hockte sich in eine Astgabel. Von seiner Position aus hatte er einen guten Überblick über das Land. Zwischen sanft geschwungenen Hügeln erstreckte sich eine Talsenke, in der tatsächlich ein Dorf lag. Es war zu weit entfernt, um Einzelheiten erkennen zu lassen. Tibor kletterte vom Baum herunter und teilte Kerak seine Entdeckung mit.

»Wir brauchen keinen Umweg zu machen«, sagte er. »Das Dorf liegt genau in unserer Richtung.«

»Dann lass uns aufbrechen. Bestimmt werden die Zweibeiner uns freundlich empfangen, weil wir ihnen ihre Tiere zurückbringen.«

Tibor nickte und ergriff die als Zügel dienenden Lianen. »Das denke ich auch.«

Die beiden Freunde setzten ihren Weg durch den lichter werdenden Dschungel fort. Die Rinder trotteten gehorsam hinter ihnen her. Auf ihrem Weg zum Dorf begegnete den Freunden niemand.

»Eigenartig«, wunderte sich Tibor.

»Was denn?«

»Anscheinend sind keine Eingeborenen auf der Suche nach den Rindern.«

»Ob ihr Verschwinden unbemerkt geblieben ist?«

»Das kann ich mir nicht vorstellen. Die Tiere sind sehr wertvoll für die Dorfbewohner.«

Die Bäume blieben hinter ihnen zurück. Schließlich stießen die Gefährten auf einen Trampelpfad. Die Ansammlung von Hütten war von einem Palisadenzaun umgeben, der davor liegende Landstreifen gerodet.

»Fällt dir etwas auf, Kerak?«

»Nein, Tibor.«

»Das ist es eben. Aus dem Dorf ist kein Laut zu hören. So still sind die Eingeborenen doch sonst nicht.«

Der Eindruck bestätigte sich, als die Freunde das Hüttendorf betraten. Die einfachen Katen lagen scheinbar verlassen vor ihnen. Kein Mensch war zu sehen. Vielleicht hatten die Bewohner sich an anderer Stelle versammelt, auf dem meist zentral gelegenen Dorfplatz möglicherweise. Tibor lauschte angestrengt nach Stimmen. Es war vergeblich. Er deutete auf einen in den Boden gerammten Pfahl.

»Binde die Rinder dort drüben an, Kerak! Ich sehe mich im Dorf um.«

Tibor machte sich auf den Weg. Er fragte sich, wo die Bewohner stecken mochten. Sein Blick ins Innere einiger Hütten blieb erfolglos. Niemand hielt sich darin auf, deshalb ging er weiter. Als er den Rand des Dorfplatzes erreichte, blieb er wie vom Donner gerührt stehen.

In der Mitte des Platzes standen zwei mächtige, mit Schnitzereien verzierte Stelen, zwischen deren oberen Enden eine Querstange befestigt war. Ein Schwarzer war an den Handgelenken an dem Gerüst aufgehängt. Seine Füße schwebten einen halben Meter über dem Boden.

Heiß brannte die Sonne auf ihn herab, und er rührte sich nicht. Wenige Schritte entfernt standen zwei weitere Dorfbewohner im Schatten eines Sonnendachs. Sie trugen Speere und Schilde.

Es sind Wachen, überlegte Tibor. Was mochte das alles zu bedeuten haben?

Vielleicht handelte es sich bei dem Aufgehängten um einen Verbrecher, und die Dorfgemeinschaft bestrafte ihn auf diese grausame Weise. Die Eingeborenen unterstanden zwar dem Distriktsbeamten, doch was auf Papier geschrieben stand, ließ sich noch lange nicht überall durchsetzen. In dem entlegenen Gebiet, in das es Tibor verschlagen hatte, handelten die Einheimischen womöglich nach alten Stammesgesetzen, obwohl das streng verboten war. Noch hatten die Wachen ihn nicht bemerkt.

Er brauchte nicht lange zu überlegen. Er konnte es nicht zulassen, dass ein Mensch unter der glühenden Sonne einen qualvollen Tod starb, ganz gleich was er getan hatte. Entschlossen trat er auf den Platz hinaus und hob einen Arm als Geste der Freundschaft.

»Tibor, der Sohn des Dschungels, grüßt euch.«

Die beiden Wachen fuhren herum. Für einen Moment starrten sie ihn ungläubig an.

»Ein Fremder«, brachte einer von ihnen überrascht hervor.

»Tod dem Fremden!«, stieß der andere aus.

Ehe Tibor sich versah, schleuderten sie ihre Speere. Geistesgegenwärtig duckte er sich und entging den tödlichen Waffen.

»Auf ihn! Der Fremde darf das Dorf nicht verlassen.«

Schon griffen sie an. Von zwei Seiten gingen die Eingeborenen auf Tibor los. Nur seiner Schnelligkeit hatte er es zu verdanken, dass er keinen Hieb einsteckte. Es entwickelte sich ein heftiger Kampf, und Tibor verteidigte sich nach Leibeskräften. Er gewann zwar die Oberhand, doch es gelang ihm nicht, einen entscheidenden Treffer anzubringen. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er tiefes Grollen vernahm.

Kerak griff in den Kampf ein. Der Schreck fuhr den beiden Angreifern in die Glieder, und Tibor brachte einen von ihnen mit einem harten Schlag unters Kinn zu Fall. Den anderen schickte Kerak ins Reich der Träume. Es dauerte nur Sekunden, bis der Kampf entschieden war und die Wachen regungslos am Boden lagen. Tibor sah sich um. Es ließen sich keine weiteren Schwarzen sehen. Der Lärm des Kampfgetümmels war ungehört verklungen.

»Fessele die beiden, Kerak, und bringe sie in eine Hütte!«, rief der Sohn des Dschungels seinem Freund zu. »Ich befreie den Unglücklichen von seinen Fesseln.«

Während der Gorilla tat wie ihm geheißen, durchschnitt Tibor die Stricke, mit denen der Gefangene festgebunden war. Vorsichtig ließ er den Bewusstlosen zu Boden gleiten. Rasch untersuchte Tibor ihn. Er hatte keine erkennbaren Verletzungen davongetragen.

»Ist er am Leben?«, fragte Kerak, der wenig später zurückkam.

»Ja, aber lange hätte er in der brennenden Sonne nicht mehr durchgehalten.«

Tibor hatte die Worte kaum ausgesprochen, als sich der Eingeborene zu rühren begann. Seine Lider flackerten, dann öffnete er die Augen zu zwei schmalen Schlitzen. Er riss sie weit auf, als er den großen Affen entdeckte. Er schrie entsetzt auf.

»Ein böser Geist! Bonto ist bereits im Land der Toten.«

»Ruhig, Bonto! Du bist nicht im Land der Toten. Du lebst«, redete Tibor auf ihn ein. »Und das ist kein böser Geist, sondern ein Gorilla. Kerak ist mein Freund. Du brauchst keine Angst vor ihm zu haben.«

»Wirklich nicht?« Bonto beäugte den Affen misstrauisch. »Und ich lebe noch?«

»So ist es. Warum wollten dich deine Stammesgenossen an dem Gerüst sterben lassen?«

»Wir müssen schnell fort, bevor die anderen zurückkommen«, überging der Befreite die Frage. Er versuchte sich aufzurichten und sackte stöhnend wieder in sich zusammen.

Bontos Furcht ließ es Tibor ratsam erscheinen, vorerst das Weite zu suchen. Für Fragen war später noch Zeit. Zunächst mussten sie den Geretteten in Sicherheit bringen. Anschließend konnte er herausfinden, ob er es tatsächlich mit einem Schurken zu tun hatte.

»Trage ihn, Kerak! Er ist noch schwach.«

»Was machen wir mit ihm?«

»Wir gehen hinaus in den Dschungel. Dort kann er uns berichten, was geschehen ist.«

Nachdem Kerak Bonto aufgenommen hatte, verließen sie das Dorf, ohne auf jemanden zu treffen.

*

Tibor hatte den verängstigten Schwarzen in eine Baumkrone gebracht. In einer Astgabel liegend, kam er allmählich wieder zu Kräften. Angst hatte sich in seine Gesichtszüge gegraben. Er fürchtete sich vor mehr als nur den anderen Kriegern.

»Jetzt erzähle!«, forderte Tibor ihn auf. »Was ist in deinem Dorf geschehen?«

»Der tödliche Schatten ist schuld an unserem Unglück«, krächzte Bonto, wobei er sich voller Verzweiflung an den Kopf fasste.

Der Sohn des Dschungels horchte auf. »Der tödliche Schatten? Was ist das?«

»Ein riesiger Büffel, der jeden Menschen ohne Grund angreift. Er kommt immer aus dem Hinterhalt und in der Dämmerung. Deshalb nennen wir ihn den...



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