McCullough | Die Klinge von Namara | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 383 Seiten

Reihe: Königsmörder

McCullough Die Klinge von Namara

Fantasy trifft auf Action, Magie und Intrigen
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8387-4575-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Fantasy trifft auf Action, Magie und Intrigen

E-Book, Deutsch, Band 2, 383 Seiten

Reihe: Königsmörder

ISBN: 978-3-8387-4575-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der spannende zweite Band der High-Fantasy-Reihe »Der Königsmörder«.

Aral Königsmörder war früher ein Tempel-Assassine. Sein Orden wurde zerschlagen und nun ist auf ihn ein hohes Kopfgeld ausgesetzt. Doch alte Pflichten lassen sich nicht ewig verleugnen. Ein scheinbar einfacher Auftrag - die Eskorte zweier mysteriöser Fremder - gerät schnell außer Kontrolle, als Magie, Politik und tödliche Intrigen aufeinandertreffen. Die Fremden sind mehr, als sie vorgeben zu sein. Und sie tragen ein Geheimnis in sich, welches das Gleichgewicht der Reiche erschüttern könnte. Aral sieht sich plötzlich zwischen den Fronten rivalisierender Mächte, während alte Feinde zurückkehren und neue Allianzen geschmiedet werden. Zusammen mit seinem sarkastischen Schattengefährten Triss muss er sich nicht nur magischen Gefahren stellen, sondern auch der wachsenden Frage: Ist er bereit, wieder eine Klinge der Gerechtigkeit zu werden - oder wird ihn die Vergangenheit endgültig zerbrechen?

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1


Jede Geschichte muss irgendwo beginnen, auch wenn sie das selten am Anfang tut. In diese bin ich geraten, als sie in mein Büro spazierte. Ich hatte noch zwei Schlückchen guten Aveni-Whiskeys in meinem Glas, als die Frau in den Gastraum des Greifenkopfs marschierte. Eigentlich waren es zwei Frauen… oder, na ja, das ist kompliziert. Ich glaubte damals, es wären zwei, also bleiben wir vorerst dabei– zwei Frauen betraten die Taverne. Meine Taverne.

Die Örtlichkeit, in der ich arbeite, war nach dem Schädel benannt worden, den der Eigentümer hinter die Theke genagelt hatte. Jerik hatte früher Monster gejagt, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Gewildert, um genau zu sein, aber das ist nicht die Art Wilderei, die einen hinter Gitter bringen kann, denn die königlichen Wildhüter wollen die verdammten Viecher auch nicht haben. Als das Ding hinter seinem Tresen ihm beinahe den Kopf abgebissen hätte, setzte er sich zur Ruhe. Was den Greifen an Eleganz fehlt, machen sie mit ihrem Charakter mehr als wett. Jeder von ihnen ist gefährlich, und die meisten werden von der Krone gesucht. Ein Umfeld, in das mein stummer Partner, auch wenn den niemand zu sehen bekommt, und ich hervorragend hineinpassen.

Dieser Tage nennt man mich Aral oder Schattenlöhner. Das eine ist mein Name, wenn auch nicht so, wie er auf den Haftbefehlen und Steckbriefen zu lesen ist. Das andere ist mein neuer Broterwerb. Ich bin zu einem Löhner im Schattengewerbe geworden, einem Problemlöser, der sich um Dinge kümmert, auf die man nur ungern die Aufmerksamkeit des Gesetzes lenken möchte.

Jeder, der mich noch aus früherer Zeit kannte, hätte darin einen gewaltigen Schritt abwärts gesehen. Allerdings nur, wenn ihm der vorangegangene Schritt entgangen wäre, die Stufe, auf der meine Welt vernichtet worden war. Ich mag nicht mehr ansatzweise der Mann sein, der ich einmal war, aber ich bin definitiv besser als das Wrack, das ich noch vor einem Jahr gewesen bin. Manchmal scheint es sogar, als könnte ich die Kluft überbrücken und wieder in Berührung mit meinem alten Selbst kommen. Da gibt es ein paar Eigenschaften, die ich gern zur künftigen Nutzung wiedererlangen würde.

Inzwischen aber arbeitete ich vom Greifen aus, einfach aus dem Grund, weil dies die Art Taverne ist, die Leute mit schattengewerblichen Problemen anzieht. Na ja, deswegen, und weil mein Partner, Triss, die Atmosphäre mag– im Greifen ist es immer dunkel, und er lebt in den Schatten. Buchstäblich.

Er ist ein Finsterling, eine Kreatur aus lebendiger Dunkelheit und ein Legat jener Tage vor meinem Niedergang. Triss ist mein Partner, mein Freund, mein Vertrauter. Ja, ich war einmal ein Zauberer. Ein Zauberer und etwas, das manche als Assassinen bezeichnen würden, auch wenn ich den Begriff nicht schätze. Ich habe nie jemanden für Geld getötet.

Aber zurück zu den Frauen. Ich gab mir große Mühe, dafür zu sorgen, dass meinem zweiten Trunk kein dritter folgte– diesem Pfad war ich schon früher bis ganz nach unten gefolgt. Die Glocke zur achten Stunde hatte gerade geläutet, als die zwei den Greifen betraten und für einen Moment das rotgoldene Licht der westwärts wandernden Sonne ausblendeten. Alle Türen und Fenster standen offen, um die hochsommerliche Hitze zu lindern, was mich auf einen Stuhl neben der Feuerstelle vertrieben hatte. Es war ein ideales Plätzchen, von dem aus ich Vorder- und Hintertür im Auge behalten und mich so weit wie möglich im Schatten verbergen konnte.

Die erste Frau kam rasch herein und trat sogleich zur Seite, raus aus dem hellen Licht, und stellte sich mit dem Rücken zur Wand auf, während sie darauf wartete, dass sich ihre Augen an die Düsternis im Inneren der Taverne gewöhnten. In Verbindung mit der Art, wie die Frau sich bewegte– geschmeidig und lautlos–, wie sie mitten in dem schmutzigen Stroh, das den Boden bedeckte, auf den Fußballen balancierte, genügte mir das, um sie als geschulte Mörderin irgendeiner Art abzustempeln. Ob sie eine Jägerin war, eine Söldnerin, eine schwarze Löhnerin oder irgendetwas Exotischeres, konnte ich allerdings ohne die eingehende Betrachtung, der ich sie von da an unterzog, noch nicht erkennen.

Sie war groß und breitschultrig, gebaut wie ein Bauernmädchen oder eine Soldatin. Breite Hüften, große Brüste und dicke Muskeln, die sich zusammen mit einigen interessanten, wenn auch unbedeutenden Narben über ihre Arme zogen. Sie hatte schwarzes Haar und dunkle Augen, was in Tien recht alltäglich war, und eine goldbraune Hautfarbe, was nicht der Norm entsprach.

Ihre Kleidung war ebenfalls fremdartig. Eine enge, grüne Hose und darunter kniehohe, braune Wanderstiefel, dazu eine Art ärmelloser, kurzer Tunika von rostroter Farbe. Darüber trug sie eine schwere Lederweste, die ihr bis zur Mitte der Oberschenkel reichte– viel zu warm für dieses Wetter. Auch kam die Weste einer Körperpanzerung näher als einem normalen Kleidungsstück, wenn auch wohl nicht so nahe, wie sie es sich gewünscht hätte, so ich nicht sehr weit mit meiner Annahme danebenlag. Ihre Haltung verlangte nach einem Kettenhemd oder vielleicht nach einer Plattenpanzerung. Dort, wo andere vielleicht Dolche getragen hätten, hatte sie zwei kurze Ruten mit eisernen Spitzen. Eine interessante Wahl.

Die Frau, die ihr Augenblicke später folgte, war klein und schlank, hatte so ziemlich gar keine Brüste oder Hüften, die in irgendeiner Weise der Rede wert gewesen wären, und die strammen, sehnigen Muskeln einer Tänzerin oder Akrobatin. Vom Stil her glich ihre Kleidung der der größeren Frau, doch trug sie Blau und Grau anstelle von Grün und Braun. Sie ging auf direktem Wege durch den Gastraum zu dem kleinen Tisch in der Mitte, schnell und ohne das Zögern, das man von einer Person erwarten sollte, die gerade aus dem Hellen ins Dunkle getreten war. Und dabei stolperte sie nicht einmal über den herrenlosen Stuhl, den irgendjemand mitten im Weg zwischen den Tischen hatte stehen lassen. Sie umrundete ihn gewandt, obgleich es schien, als würde sie ihn überhaupt nicht sehen.

Als sie den Tisch erreicht hatte, setzte sie sich so, dass sie die Vordertür im Auge behalten konnte, und fing an, müßig mit dem Fuß auf den Boden zu klopfen. Mit ihrem Tänzerinnenkörper und dieser nervösen Energie erinnerte sie mich an meine Assassinenkollegin und einstige Geliebte Jax. Sehr. Das allein hätte vollkommen gereicht, meine Aufmerksamkeit zu fesseln, auch ohne den plötzlichen Druck, den Triss auf meinen Rücken ausübte, als er heraufglitt, um über meine rechte Schulter seinerseits einen Blick auf die beiden Frauen zu werfen. Überraschend– normalerweise ist er an Fremden nicht so interessiert. Kaum saß die Frau, da durchquerte auch die andere den Raum, um sich zu ihr zu gesellen.

Wie ihre Kameradin trug die kleine Tänzerin das schwarze Haar kurz– es reichte an den Seiten und hinten gerade bis zu ihrem Kragen– und mit Ponyfransen. Ihre Haut war dunkler als die der größeren Frau, für Tien aber immer noch auffallend hell, und ihre Augen waren von einem erschreckend fahlen Blau. Wirklich, sie hatte überhaupt keine Ähnlichkeit mit Jax, und doch war da irgendetwas an ihrer Haltung, das mich an die weichen Lippen erinnerte, die geflüsterten Worte… Ich schüttelte den Kopf. Diese Zeit war lange vorbei. Konzentrier dich auf das Jetzt und die Frau vor deiner Nase. So, wie die Frau immer wieder Schultern und Hals kreisen ließ, konnte ich mir nicht vorstellen, dass sie der schweren Weste mehr abgewinnen konnte als die größere Frau, auch wenn ich vermutete, dass ihre Gründe in scharfem Kontrast zu denen ihrer Freundin standen.

Oder sollte ich vielleicht Leibwächterin sagen? Denn so stufte ich sie zunächst ein. Eine fremde Adlige und ihre Aufpasserin. Was bedeutete, dass ich sie gefahrlos ignorieren konnte. Und das versuchte ich dann auch, wirklich. Aber Triss lugte mir immer noch über die Schulter, und ich stellte fest, dass auch ich den Blick nicht von den beiden lösen konnte. Oh, ich starrte sie nicht offensichtlich an– die Priester, die mich aufgezogen hatten, hatten mich Besseres gelehrt. Aber ich beobachtete sie so eingehend, wie ich in der alten Zeit jede mir von meiner Göttin zugewiesene Zielperson beobachtet hatte.

Das lag natürlich zum großen Teil an Triss. Was Triss interessierte, das interessierte auch mich. Er ist alles, was mir von meinem alten Selbst geblieben ist, und in jener Zeit musste er den größten Teil seiner Zeit in meinem Schatten verborgen zubringen und so tun, als gäbe es ihn gar nicht. Als der Herrscher des Himmels unsere Göttin ermordet und seinen Hohepriester angewiesen hatte, unseren Tempel bis auf die Grundmauern niederzubrennen, um anschließend unseren ganzen Orden mit einem Bann zu belegen, hatte das unser gesellschaftliches Leben ein bisschen eingeengt.

Und es war keine Hilfe, dass die Göttin Namara sich und ihre Anhänger bei den säkularen Herrschern der Welt zutiefst unbeliebt gemacht hatte. Dafür zu sorgen, dass Gerechtigkeit unter Königen ebenso galt wie unter den Gemeinen ist nicht das passende Rezept, um sich besagte Könige geneigt zu machen. Ganz im Gegenteil. Aber so war einst mein Leben gewesen: Ich war eine Klinge der Namara, die das starre Auge der Gerechtigkeit jenen überbrachte, die zu mächtig waren, um vor Gericht gestellt zu werden.

Unschuldige martern? Angriffskriege einfädeln? Sich den Weg zum Thron freimorden? Namara hätte mich oder einen meiner Kameraden geschickt, um ein paar Worte an den Verantwortlichen zu richten. Meist »Ruhe in Frieden«. Manchmal auch »Schmor in der...



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