McCollum | Sternenfeuer | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

McCollum Sternenfeuer

Roman
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-08142-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

ISBN: 978-3-641-08142-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das 24. Jahrhundert: Die Menschheit hat die ersten Schritte in die Tiefen der Galaxis unternommen – da stoßen ihre Erkundungsraumer auf zwei Alien-Raumschiffe. Es kommt zu einem Gefecht. Nur einer der Außerirdischen überlebt – und erzählt eine sagenhafte Geschichte: Nicht weit entfernt vom Ort der Konfrontation befindet sich ein gigantisches Sternenreich. Und es ist nicht friedlich …

Michael McCollum wurde 1946 in Phoenix, Arizona, geboren und studierte an der University of Arizona Luft- und Raumfahrttechnik. Seit seinem Abschluss ist er als Raumfahrtingenieur tätig und hat an beinahe allen militärischen und zivilen Raumfahrzeugtypen gearbeitet, die heute gebaut werden. Daneben hat er sich einen Namen als Autor zahlreicher Science-Fiction-Romane gemacht, darunter die preisgekrönte "Antares-Trilogie". Michael McCollum ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Arizona.
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1


Captain Dan Landon vom Forschungsschiff Magellan saß angeschnallt auf seinem Sitz und schaute auf den großen Holobildschirm, der das gegenüberliegende Kabinenschott beherrschte. Er wurde von einem blauweißen Planeten ausgefüllt, der seinerseits von einem tiefschwarzen Himmel bekränzt war. Vor ihm erstreckte sich bis zu den Rundungen des Planeten ein Panorama aus weißen Schäfchenwolken und tiefblauen Meeren. Zur Rechten waren grüne Archipele eingestreut, gesäumt von Untiefen in Aquamarin. Vom oberen Bildschirmrand wanderte gerade die gezackte Küstenlinie eines der Hauptkontinente ins Bild. Gleich würde der Blick über gelbe Ebenen schweifen, die schwarz waren von Herden sechsbeiniger Tiere, über von Schneefeldern bedeckte Bergketten, tiefgrüne Wälder und ein Flussdelta, das so aussah, als seien die Mündungen von Nil, Amazonas und Mississippi wie Folien übereinandergelegt worden.

In den zwei Generationen, seit die Menschheit sich zu den Sternen aufgeschwungen hatte, war sie gerade einmal auf zwölf Welten gestoßen, die auch nur ansatzweise eine solche Ähnlichkeit mit »Mutter Erde« aufwiesen, um für eine Besiedelung infrage zu kommen. Diese Welt war nun Nummer dreizehn – und bislang die Beste von allen. Die vorläufigen Ergebnisse ergaben den doppelten Wert des bisher registrierten höchsten Habitabilitäts-Indexes. Ein ganzer Monat mit Orbitalvermessung, Laborversuchen und Bodenerkundung hatte ein Paradies offenbart. Deshalb schaute Landon finster, während er die Landschaft unter sich vorbeiziehen sah. Ein Leben im Dienst der Sternenforschung hatte ihn gemäß einer Philosophie geprägt, welche die inoffizielle Devise der Organisation wiedergab: »Wenn es gut läuft, hat man offensichtlich irgendetwas übersehen!«

Während er den Blick über Neu-Eden schweifen ließ – der inoffizielle Name der Besatzung für den »Findling« –, fragte er sich, was sie hier überhaupt sahen. Auch nach einer einmonatigen Untersuchung durch tausend hochkarätige Wissenschaftler hatten sie nur an der Oberfläche des Wissensfundus gekratzt, der dort unten verborgen war. Eine Welt war einfach ein zu großer und vielgestaltiger Ort, als dass eine einzelne Besatzung von Wissenschaftlern sie zu überblicken vermocht hätte. Neu-Eden zu verstehen wäre eine Aufgabe für Generationen: Wo die Mikroorganismen lauerten, die den Menschen den Garaus machen würden; welche Umwelteinflüsse die Kolonisten sterilisieren würden oder die Millionen anderer Todesfallen, die diese schöne neue Welt letztendlich in ein verseuchtes Höllenloch verwandeln würden?

Landon wusste, dass seine momentane schlechte Laune ein Abwehrmechanismus gegen die hochfliegenden Hoffnungen war, die Neu-Eden in ihm geweckt hatte. Es war leicht, emotional auf Distanz zu bleiben, wenn das zu erforschende System bloß aus sterilen Felsen und Gasriesen bestand, was auch für die meisten von ihnen galt. Sie bedeuteten ihm nichts, die üblichen Staubkugeln, Vulkanfelder und Meere aus Salzsäure. Diese schöne Welt erst zu finden, nur um sie wegen eines scheinbar harmlosen Umwelteinflusses dann wieder zu verlieren, wäre jedoch eine herbe Enttäuschung. Da schraubte man die Erwartungen lieber nicht allzu hoch, bis man mehr über sie wusste. Seufzend regte er sich und nahm eine Tasse dampfend heißen Tees aus dem Mikrograv-Halter.

Es schepperte leise, als die Erschütterung die Kabine durchlief. Landon erstarrte für eine lange Sekunde, während das Gehirn analysierte, was er hauptsächlich auf der unterbewussten Ebene gespürt hatte. Eine eisige Kälte war ihm ins Gebein gekrochen, wie es manchmal geschah, wenn er ein Gefühl der Anspannung oder des Schreckens verspürte. Und er war auch nicht der Einzige, der dieses »Erlebnis« gehabt hatte. Er hatte nämlich ein leises Klappern aus den Schränken gehört, die jeden freien Zoll in seiner Kabine ausfüllten. Und der Holobildschirm hatte doch auch statisch geflackert, oder?

Die Überlegungen waren abgeschlossen, bevor er einen Schluck Tee genommen hatte. Im nächsten Moment schlug die Hand ohne sein bewusstes Zutun auf die InterKom-Taste, die im Schreibtisch integriert war.

»Machen Sie Meldung!«, blaffte er den Offizier vom Dienst, einen pickligen Fähnrich an, als dessen Gesicht auf dem Bildschirm erschien.

»Ich weiß nicht, was los ist, Captain«, sagte der Junge mit penetranter Fistelstimme. »Wir bekommen Meldungen aus dem ganzen Schiff. Warten Sie eine Sekunde. Scout-3 meldet, dass sie es auch gespürt haben!«

Scout-3 war das Schiff von Jani Rykand und befand sich gerade auf dem Rückweg von Erkundung des größeren der zwei Monde des Planeten. Durch den Umstand, dass sie zehntausend Kilometer von der Magellan entfernt waren, wurde die Überlegung hinfällig, dass das Vorkommnis nur sein Schiff allein betraf.

»Geben Sie Gefechtsalarm, Mr Pendergast.«

»Aye, aye, Captain.«

Landon hatte seinen Platz bereits verlassen und hangelte sich gerade zum Kontrollraum, als die Sirenen losheulten. Er ließ tausend Alarmübungen Revue passieren und sah vor dem geistigen Auge das organisierte Chaos, das nun überall im Schiff ausbrach. Bevor der Alarm verstummte, hatte er sich vor der Steuerkonsole im Herzen des großen Forschungsschiffs angeschnallt – umgeben von Dutzenden von Bildschirmen, von denen keiner ihm sagte, was er wirklich wissen wollte.

» Was war das, Doc?«, fragte er einen weißhaarigen Mann auf seinem persönlichen Monitor, nachdem er eine Verbindung zum Chefwissenschaftler des Schiffs hergestellt hatte.

»Was auch immer es war«, erwiderte Raoul Bendagar, »es hat unsere Instrumente total durcheinandergebracht. Bei der Hälfte hat es genau in dem Moment, als wir die Erschütterung verspürten, die Kalibrierung zerschossen.«

»Sie müssen doch zumindest eine Idee haben«, bohrte Landon weiter.

»Warten Sie eine Sekunde, ich muss etwas überprüfen«, erwiderte Bendagar. Er bückte sich und schaltete einen Bildschirm ein, auf dem sogleich eine Reihe rot glühender Linien ein Polarkoordinaten-Gitter überlagerten. »Ich will verdammt sein.«

»Spannen Sie mich nicht auf die Folter.«

Bendagar schaute mit einem Ausdruck des Entsetzens zum Captain auf. »Wir haben soeben die Ausgeburt der Hölle aller Gravitationswellen erlebt, Captain. Kein Wunder, dass sämtliche Systeme zerschossen wurden.«

Landon runzelte die Stirn. Er wusste selbstverständlich über die Existenz von Grav-Wellen Bescheid. Seit über einem Jahrhundert hatte ein »Dreigestirn« aus Satelliten in einer Umlaufbahn zwischen Erde und Mars gestanden, und zwar in einem Abstand von genau tausend Kilometern zueinander. Mit Laserstrahlen hatten sie ihren exakten Abstand bis auf zwölf Stellen hinter dem Komma fixiert und ein riesiges Dreieck gebildet, das die durch den Kollaps entfernter Sterne und noch größere kosmische Katastrophen verursachten mikroskopischen Verzerrungen entdeckte. Die größte jemals entdeckte Gravitationswelle hatte den Raum auf einer Distanz verzerrt, die kürzer war als der Durchmesser eines Protons. Und diese hier war so stark gewesen, dass Landon in seiner Kabine durchgeschüttelt wurde.

»Ach was, Doc. Das gibt’s doch gar nicht.«

»Die Instrumente haben eine Verzerrungswelle registriert, die von der Ausrüstungsschleuse zwei mit Lichtgeschwindigkeit zum Bootsdeck lief. Nennen Sie es, wie auch immer Sie wollen, aber ich sage Ihnen, es war eine Gravitationswelle.«

»Captain«, meldete der diensthabende Funkoffizier, »Scout-3 meldet eine Sichtung.«

»Stellen Sie sie durch.«

Wie immer wurde Jani Rykands Gesicht von einem kupferroten Haarschopf eingerahmt. Anders als die meisten Frauen, die in der Mikrogravitation lebten und arbeiteten, weigerte sie sich, ihre Mähne hochzustecken oder mit einem Haarnetz zu bändigen. Ihr stand das gut.

»Meldung!«

»Hier draußen geht etwas Unheimliches vor, Captain. Ich empfange Energiesignale von einem Punkt dreißig Grad hinter meinem Orbitalpfad.« Landon warf einen Blick auf Bendagar.

»Wir empfangen sie ebenfalls«, meldete der Chefwissenschaftler.

»Was halten Sie davon, Scout-3

»Hirayama hat das Teleskop darauf ausrichten lassen, Captain. Es scheint sich um zwei Schiffe zu handeln.«

»Stellen Sie Ihre Ansicht zu uns durch«, sagte Landon schroff.

Im nächsten Moment verschwand Jani Rykands Gesicht und wich der Dunkelheit des Raums. Im Vordergrund standen die üblichen Sternbilder, die sich – nach den hundert Millionen Lichtjahren, die die Magellan zurückgelegt hatte, um diese Welt zu erreichen – von den vertrauten heimatlichen Konstellationen mehr oder weniger stark unterschieden. Zunächst war nichts zu sehen. Das änderte sich jedoch, als ein violetter Blitz durch die Finsternis zuckte. Er erinnerte Landon an das Wetterleuchten zu Hause in British Columbia. Nur dass dieser Blitz zwei Schemen in der Dunkelheit erhellte, von denen einer noch für lange Sekunden nachglühte.

»Geben Sie uns eine Vergrößerung, Hirayama«, befahl der Captain. An Bord des Scout-Schiffs tat der Geologe, der das Teleskop bediente, wie geheißen. Die fernen Sterne explodierten und schrumpften ein paarmal, während das Fernrohr sich auf maximale Vergrößerung einstellte. Als das Bild sich dann stabilisierte, kristallisierten sich zweifelsfrei zwei Schiffe heraus – von denen eins erpicht darauf schien, das andere zu zerstören.

Die Beute war das größere der beiden Schiffe, ein gedrungener Zylinder; das Schiff war offensichtlich so konzipiert, dass es durch Rotation eine künstliche Schwerkraft erzeugte. Sein Gegner war ein schlanker Zylinder mit einer Vielzahl von Mechanismen, die aus einem...


McCollum, Michael
Michael McCollum wurde 1946 in Phoenix, Arizona, geboren und studierte an der University of Arizona Luft- und Raumfahrttechnik. Seit seinem Abschluss ist er als Raumfahrtingenieur tätig und hat an beinahe allen militärischen und zivilen Raumfahrzeugtypen gearbeitet, die heute gebaut werden. Daneben hat er sich einen Namen als Autor zahlreicher Science-Fiction-Romane gemacht, darunter die preisgekrönte "Antares-Trilogie". Michael McCollum ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Arizona.



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