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E-Book

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Reihe: Kramer & Zondi ermitteln

McClure Snake

Südafrika-Thriller. Kramer & Zondi ermitteln (5)
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-293-30964-7
Verlag: Unionsverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Südafrika-Thriller. Kramer & Zondi ermitteln (5)

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Reihe: Kramer & Zondi ermitteln

ISBN: 978-3-293-30964-7
Verlag: Unionsverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eves sinnlichste Darbietung ist der Tanz mit ihrem Partner Clint, einem Python. Eines Morgens wird sie tot im Nachtclub aufgefunden - stranguliert von Clint. Der Kopf der Schlange ist eingeschlagen. Hat etwa jemand noch versucht, Eve vor der Erwürgung durch die Python zu retten? Als hätten Lieutenant Tromp Kramer und Sergeant Michael Zondi damit noch nicht genug zu tun, häufen sich derweil Raubüberfälle auf kleine Läden in und rund um Peacevale. Die Räuber bedienen sich kaum an der Kasse, aber immer am Leben der Besitzer: Sie werden regelrecht hingerichtet. Sind da Gangster am Werk, die sich auf etwas Größeres vorbereiten? Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, und Kramer begibt sich in höchste Gefahr. Gut, dass da noch Zondi ist, der seinem weißen Kollegen das Leben rettet ...

James McClure, geboren 1936 in Johannesburg, arbeitete als Fotograf und Lehrer, bevor er sich dem Schreiben widmete. Weil er offen über Polizeigewalt gegen schwarze Südafrikaner berichtete, wurde er von den Behörden überwacht und drangsaliert. 1965 emigrierte er mit seiner Familie nach England, wo er als Journalist tätig war. Bekannt wurde er mit seiner achtteiligen Krimiserie um das Ermittlerduo Kramer und Zondi. Für Steam Pig wurde er 1971 mit dem CWA Gold Dagger ausgezeichnet. Er starb 2006 in Oxford.
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1


Eve forderte zweimal jeden Abend den Tod heraus, außer an Sonntagen.

Der Sonntag war gerade angebrochen, als an der Tür des Umkleideraums ein leises Klopfen ertönte.

»Hau ab«, zischte sie ungehalten.

Von montags bis freitags machte sie jeweils eine Show um elf und eine um eins: die erste, um den Leuten, die aus dem Kino kamen, noch etwas zu bieten, und die zweite als Betthupferl, sodass sie angenehm erregt und begierig auf mehr zu Bett gingen. Samstags mussten beide Shows vorüber sein, ehe die gesetzlichen Regelungen in Bezug auf Alkoholkonsum und Unterhaltung in der Öffentlichkeit in Kraft traten, die für den südafrikanischen Sabbat galten. Das ergab alles in allem zwölf Stunden, aber es war ein ermüdender, anstrengender Job.

So verwandelte sie sich, wenn ihre Arbeitswoche Samstag Punkt Mitternacht zu Ende gegangen war, mit Freude in einen Kürbis. Ihre straffe goldbraune Haut und das runde Gesicht waren genau richtig für einen untätigen, denkfaulen, dahinvegetierenden Kürbis, der – sobald sie die Brücke oben herausgenommen hatte – beim Lächeln die Zahnlücken im Spiegel zeigte wie eine Kürbislaterne zu Halloween. Niemand bezahlte sie dafür, auch privat hübsch auszusehen.

Es klopfte wieder.

Ihr Lächeln verschwand. Sie setzte die Brücke wieder ein und drehte sich auf dem Hocker herum.

»Hau ab, du voetsak!«, rief sie mit kalter Unmissverständlichkeit. »Ein Mädchen braucht seine Ruhe!«

Füße scharrten näher zur Tür.

»Eve?«

»Bist dus, Baby?«

»Kann ich dich eine Minute sprechen, ja?«

Den Spruch hatte sie schon mal gehört, aber sie nahm trotzdem ihren Morgenrock und legte ihn sich um die Schultern.

»Jetzt kannst du mit mir reden«, sagte sie und öffnete die Tür einen Spalt.

Er war tatsächlich noch ein Baby, ein großes, dickes Baby, das bemuttert werden wollte – und wie ein Baby wahrscheinlich einen großen Spektakel veranstalten würde, wenn es seinen Willen nicht bekam.

»Ich wollte – findest du es sehr frech?«

»Na los, ich höre.«

Sie versuchte, sich vorzustellen, was er diesmal wollte.

»Na ja«, sagte er schüchtern und zog die Hand mit einer Flasche Champagner, die er am Hals gepackt hatte, hinter dem Rücken hervor.

»Oho.«

Er hielt ihr die Flasche hin.

»Es geht auch so«, sagte er, »ich brauche nicht hereinzukommen.«

Wie es aussah, sollte sie die Flasche tatsächlich einfach nehmen. Aber da sie sich den Morgenrock über dem Busen zusammenhielt, hatte sie keine Hand mehr frei. Außerdem wäre das gemein gewesen.

»Für mich?«

»Bitte.«

»Wo hast du denn die Idee her? Aus einem alten Film?«

»Ist mir einfach so eingefallen.«

»Und?«

»Die Woche war wundervoll.«

»Du bist also ganz spontan darauf gekommen, was?«

Er lächelte breit, ein wenig geschmeichelt.

»So bin ich eben, Eve. Ich wollte dir nur – na ja – danken und so. Okay?«

Ihre Sinne hatten schon so oft Alarm geschlagen, dass sie jetzt kaum noch fair sein konnte – weder ihm noch sich selbst gegenüber.

»Bist du allein?«

»Verzeihung?«

»Die Flasche ist so groß.«

»Wir müssen sie ja nicht –«

»Gut«, sagte sie, »du wartest eine Minute, und dann sehen wir weiter.«

Sie warf einen Blick auf seine Lackschuhe, die nicht versuchten, die Tür offen zu halten. Also schloss sie diese sanft und schaute in den großen Spiegel an der gegenüberliegenden Wand. Ihr Spiegelbild war nicht besonders unterhaltsam, hinzu kam, dass es ihr letzter Abend in Trekkersburg war und sie sich, wenn sie ehrlich war, ein wenig deprimiert und einsam fühlte. Vor allem aber rührte sie seine spontane Geste. Niemand hatte ihr je zuvor Champagner gebracht, und fast sagte ihr Gefühl ihr, dass es auch nie wieder jemand tun würde.

»Also gut?«, wiederholte sie lautlos.

Ihr Spiegelbild zog eine Augenbraue hoch, die mit ihrem Auf-und-nieder-Zucken ihr Urteil infrage stellte, das auf Erfahrung beruhte – dass nämlich große Babys immer leicht hinauszuwerfen waren, wenn sie genug von ihnen hatte. Dann fiel es langsam wieder in seine nachgezeichnete Symmetrie zurück. Sie zuckte die Achseln. Es zuckte die Achseln.

»Schon gut«, sagte sie und verknotete den Gürtel ihres Morgenrocks ordentlich.

Dann hob sie einen großen Weidenkorb auf den Diwan und löste die Lederriemen. Heraus nahm sie eine Pythonschlange von etwa 5 Fuß Länge, die in der Mitte gut 5 Zentimeter dick und wunderschön mit hellbraunen, runden, blattähnlichen Formen gemustert war, und legte sie sich um die Schultern. Das Gewicht entsprach dem zweier zusätzlicher schützender Arme.

Wie er die Augen aufriss! Das war normalerweise das Letzte, was sie von denen sah, die es nicht ehrlich meinten.

»Es macht dir doch nichts aus?«, sagte sie. »Clint wird so unruhig nach einer Show, wenn ich ihn gleich wieder in seinen Korb lege. Er tut dir nichts.«

Seine Augen blitzten. Sie dachte zuerst, es machte ihm Spaß, dann war sie sich nicht mehr sicher, aber er war bereits höflich an ihr vorbeigetreten und hatte sich dorthin gestellt, wo ihre Straßenkleider an einem Haken hingen.

Sie schloss die Tür fest hinter ihm, um andere Besucher auf jeden Fall fernzuhalten, und wies auf den Hocker.

»Willst du nicht Platz nehmen?«

»Nein, es geht schon, danke – vielen Dank.«

»Na ja, ich bin für heute lange genug auf den Beinen gewesen«, sagte sie und setzte sich. »Bezaubernd hier, nicht wahr?«

Das sollte ein kleiner Seitenhieb über die Art und Weise sein, in der sie zu leben gezwungen war. Die Garderobe hatte drei Wände, durch deren dünne weiße Tünche das Mauerwerk hindurchschimmerte, eine vierte Wand, die aus einer verbogenen Spanplatte bestand, einen unebenen Zementfußboden und eine Decke, die fleckig war und durchhing wie alte Unterwäsche. Was die Einrichtung betraf, so gab es den Spiegel mit blinden Stellen, der gegenüber der Tür schief an der Wand hing, eine Reihe von Kleiderbügeln an Haken als Schrank, einen Toilettentisch vom Trödler, eine Strohmatte, ein Sofa und ein Waschbecken, aus dem es übel roch – und natürlich den Schemel, auf dem sie hockte und von dem sich Holzsplitter lösten, wenn man nicht achtgab. Nicht ein einziges Fenster.

»Du bist ein bisschen unordentlich, Eve.«

Das stimmte, aber trotzdem war es eine unnötige Bemerkung.

»Ich wette, da, wo du wohnst, lohnt es sich, Ordnung zu halten!«, sagte sie.

»Also bitte! Du erwartest doch nicht wirklich, wie ein Filmstar zu leben, oder? Womit ich nicht gesagt haben will, dass du es nicht wert wärst!«

»Kommt jetzt der Zucker?«

»Wieso?«, fragte er in seiner überraschend unschuldigen Art.

»Ach, vergiss es. Dort neben dem Waschbecken sind ein Glas und ein Henkelbecher.«

»Ich hätte Gläser mitbringen sollen!«

»Du musst sie bloß abwaschen. Ich nehme immer Papiertücher zum Abtrocknen. Hier – fang!«

Er griff daneben, sodass die Schachtel herunterfiel. Dann reinigte er mit lautem Geschepper Glas und Becher im Waschbecken. Sie sah ihm mit einer gewissen Schadenfreude bei dieser Arbeit zu. Gut so, er hatte schließlich ein angenehmes Leben.

Der Korken flog mit einem scharfen Knall aus der Flasche.

Schlangen können keine Schallwellen aus der Luft auffangen, aber da sie jäh zusammenfuhr, rollte sich Clint enger zusammen, sodass sie ihn vorsichtig ein wenig auseinanderziehen musste, damit er erträglich war. Sobald sie sicher sein konnte, dass alles wieder war wie sonst, konnte Clint in seinen Korb zurück.

Sie bekam das damenhaftere Glas, das fast überschwappte, so voll war es.

»Auf dein Wohl, Eve!«

»Danke. Und auf deins!«

Sie tranken.

»Ist das dein richtiger Name? Eve?«

»Fällt dir ein besserer ein?«

Seine Lippen kräuselten sich, und er schüttelte den Kopf.

»Sagen wir mal so«, fuhr sie fort und merkte, dass sie ihr Glas fast auf einen Zug leer getrunken hatte. »Es ist nicht der, der einst auf meinem Grabstein stehen wird.«

Warum sie ein Schauer überlief, als sie das sagte, blieb ihr schleierhaft. Sie war jung, topfit und gesund und tat eigentlich nie etwas wirklich Gefährliches.

»Gänsehaut?«, fragte er grinsend.

»Bitte?«

»Zu spät! Nicht schlecht, das Zeug – wusste gar nicht, dass man hier so anständigen Schampus kriegen kann. Du und ich hätten viel früher damit anfangen sollen.«

Er ging allmählich aus sich heraus. Fühlte sich vielleicht hier mehr zu Hause als bei sich, nach allem, was sie davon gehört hatte. Die Frau klang wie ein alter Besen. Der arme Kerl.

»Die Tünche färbt ab auf dein Jackett.«

»Oh, keine Sorge, ich hab noch mehr davon – das ist nicht mein...


McClure, James
James McClure, geboren 1936 in Johannesburg, arbeitete als Fotograf und Lehrer, bevor er sich dem Schreiben widmete. Weil er offen über Polizeigewalt gegen schwarze Südafrikaner berichtete, wurde er von den Behörden überwacht und drangsaliert. 1965 emigrierte er mit seiner Familie nach England, wo er als Journalist tätig war. Bekannt wurde er mit seiner achtteiligen Krimiserie um das Ermittlerduo Kramer und Zondi. Für Steam Pig wurde er 1971 mit dem CWA Gold Dagger ausgezeichnet. Er starb 2006 in Oxford.



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