E-Book, Deutsch, Band 1, 560 Seiten
Reihe: CIA-Agentin Artemis Procter
McCloskey Damaskus Station (CIA-Agentin Artemis Procter, Bd. 1)
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98941-089-3
Verlag: Gutkind Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Spionage-Thriller | Einer der besten Spionageromane der letzten Jahre - The Times / Der Bestseller von Ex-CIA-Agent David McCloskey
E-Book, Deutsch, Band 1, 560 Seiten
Reihe: CIA-Agentin Artemis Procter
ISBN: 978-3-98941-089-3
Verlag: Gutkind Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
David McCloskey ist ehemaliger CIA-Analyst und Berater für McKinsey. In seiner Zeit bei der CIA schrieb er regelmäßig an den Briefings für den US-Präsidenten mit, sagte als Zeuge in Kontrollgremien im Kongress aus und briefte Angestellte im Weißen Haus, Botschafter, Generäle und Mitglieder arabischer Königsfamilien. Er hatte mehrere Posten im Mittleren Osten an diversen Botschaften inne. Bei McKinsey beriet er Kunden aus der Luftfahrt und dem Transportwesen zur nationalen Sicherheit. David McCloskey erhielt einen MA der Johns Hopkins School for Advanced International Studies, mit Fokus auf Energiepolitik und den Mittleren Osten. Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Texas. Damaskus Station und Moskau X sind bereits internationale Bestseller.
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1
Nach acht Stunden auf seiner Überwachungserkennungsroute (SDR) umfasste Sam das Lenkrad nicht mehr ganz so fest, und sein Puls beruhigte sich langsam. Er hatte in und um Damaskus drei Stopps eingelegt und die geplanten Wendemanöver absolviert, wobei er jedes Mal mit wechselnden Blicken in Rück- und Außenspiegel nach Spähern Ausschau gehalten hatte. Bei jedem Stopp war er langsamer gefahren, um so die gegnerische Überwachung aus der Reserve zu locken. Die Sonne knallte auf die Frontscheibe, und die Klimaanlage hatte Mühe, das Wageninnere zu kühlen. Sein Rücken schmerzte, seine Schultern fühlten sich an, als würde er sie nie mehr hochziehen können. An einer Kreuzung, die zum Glück im Schatten von Palmen und Kiefern lag, musste er anhalten. Während die Ampel weiter auf Rot stand, trommelte Sam mit den Fingern aufs Lenkrad. Dabei blickte er immer wieder in die Spiegel und glich jedes Fahrzeug mit der mentalen Liste jener Autos ab, die er an diesem Tag bereits gesehen hatte. Die Ampel sprang auf Grün. Ein mit einer Lederjacke bekleideter Offizier des trat mit erhobener Hand auf die Straße und bedeutete dem ersten Fahrzeug in der Reihe, stehen zu bleiben. Ein Wagen hinter dem Polizisten hupte. Jetzt zog ein anderer -Offizier einen Sägebock voller Aufkleber, die Präsident Baschar al-Assad zeigten, auf die Straße, und winkte das vorderste Auto zu sich heran. Irgendjemand rief: Das hier ist ein Checkpoint.
Es war zwar schon der sechste an diesem Tag, trotzdem schlug Sams Herz jetzt wieder schneller. Er operierte undercover, ohne offizielle Verbindung zur CIA, was bedeutete, dass alles auf dem Spiel stand. Sollte er auffliegen, würde er keine diplomatische Immunität genießen. Es würde auch keinen Gefangenenaustausch geben. Vielmehr würde er in einem Kellergefängnis verschwinden. Wer nicht nervös war, wenn er auf sich allein gestellt in einem feindlichen Land herumfuhr, war vermutlich ein Soziopath.
Er zog seinen Pass aus der Brusttasche und legte ihn aufs Armaturenbrett. Ein kanadisches Dokument, dunkelblau (Touristenausgabe), darin das Foto eines gewissen James Hansen. Dieses zeigte Sam, auch das Geburtsdatum entsprach seinem. Er hatte den Pass beim Kanadischen Sicherheitsnachrichtendienst abgeholt, an einem nasskalten Frühlingstag in Ottawa, nachdem er die Büroräume der kurz zuvor gegründeten, jedoch nicht bestehenden Orion Real Estate Investments, LLC, aufgesucht hatte. Die Tarnung war vollständig abgesichert – reale Personen gingen ans Telefon und beantworteten E-Mails; außerdem kooperierten die Kanadier liebend gern, wenn sie im Gegenzug dafür einen Platz am Nachbesprechungstisch bekamen, sobald KOMODO in Langley in Sicherheit war. Denn selbst befreundete Nachrichtendienste offerieren Hilfestellungen nicht gratis, sondern handeln damit.
KOMODO war einer der produktivsten Spione im Stall der Damaskus Station. Er war mittleren Alters, einsam, den Depeschen zufolge ein wenig gruselig, und arbeitete als Wissenschaftler beim syrischen Zentrum für Wissenschaftliche Studien und Forschung, (SSCR), der Einrichtung, die für Assads Chemiewaffen verantwortlich war. Weil die NSA glaubte, dass die Syrer KOMODOS verdecktes Kommunikationssystem geknackt hatten, hatte die CIA in Langley im Laufe eines hektischen Tages einen Plan zur Exfiltration ausgeheckt, zu dem unter anderem gehörte, dass Sam, als Geschäftsmann getarnt, nach Syrien fahren und den syrischen Agenten ausschleusen sollte. Darüber hinaus hatte Langley entschieden, auch Case Officer Val Owens, die als Handler KOMODO betreute, nach Hause zu holen. Sam und Val hatten gemeinsam im Irak gedient, ihr erster Auslandseinsatz, sein dritter. Dabei waren sie sich nähergekommen, wie Geschwister. Val war eine gute Freundin, und das Leben eines Agenten stand auf dem Spiel. Sobald Sam an diese beiden Dinge dachte, schlug sein Herz wieder schneller. Derweil winkte ihm ein Soldat, er solle ein Stück weiter vorfahren.
Ein junger Soldat mit entschlossenem Blick und fusseligem Oberlippenbart näherte sich dem Fahrerfenster und bat um die Ausweispapiere. Sam hielt eine respektvolle Sekunde lang Blickkontakt, dann reichte er ihm seinen Reisepass – bereits aufgeschlagen auf der Seite mit dem 90-Tage-Visum für Syrien – und starrte durch die Windschutzscheibe in Richtung Schnellstraße. Der Soldat blätterte in dem Pass, blickte um sich, als überlegte er, seinen Vorgesetzten hinzuziehen, dann sah er Sam prüfend an.
»Warum sind Sie in Syrien?«, fragte er auf Englisch, mit starkem Akzent.
»Geschäfte«, antwortete Sam auf Arabisch.
Der Soldat nickte einem seiner herankommenden Kameraden zu, die die geparkten Autos und umliegenden Gebäude nicht aus den Augen ließen. Das Regime kontrollierte zwar diesen Teil der Stadt, aber manchmal verübten Rebellen und Dschihadisten Anschläge auf Checkpoints. Selbstmordattentate, Granatwerfer, diese Im-Lauf-schießen-Taktiken hatte Sam bereits während seines Einsatzes in Bagdad erlebt – und immer häufiger gab es sie auch in Damaskus. Der Soldat presste die Zähne aufeinander und schlug den Reisepass mit Wucht auf seine Handfläche.
»Machen Sie den Kofferraum auf«, befahl er.
Sam drückte die entsprechende Taste, um die Hecktür zu entriegeln. Ein weiterer Soldat zog die Tür auf, schnappte sich Sams Koffer und stellte ihn reichlich unsanft auf die Straße.
»Ist der Koffer verschlossen?«, fragte der Soldat.
»Nein«, antwortete Sam. Er hörte, wie Reißverschlüsse aufgezogen wurden, und das dumpfe Geräusch, als Kleidungsstücke ins Auto zurückgeworfen wurden.
»Warum sind die Sachen nicht gefaltet?«, fragte der andere Soldat.
»Weil ich heute bereits an mehreren Checkpoints gestoppt worden bin«, erwiderte Sam.
»Mietwagen?«, fragte der erste Soldat und schlug mit dem Kolben seiner AK-47 gegen die Fahrertür.
Sam nickte.
»Papiere.«
Sam öffnete das Handschuhfach und reichte dem Soldaten eine Reihe von Dokumenten, die den Wagen als Eigentum von Rainbow Rentals in Amman, Jordanien, auswiesen. Während der Soldat die Versicherungsunterlagen prüfte, unterdrückte Sam die Erinnerung daran, wie ihm ein technischer Mitarbeiter in der Station von Amman an einer Gliederpuppe mit der gleichen Körpergröße und dem gleichen Gewicht (165 cm, 66 kg) wie KOMODO demonstriert hatte, wie man einen Menschen in den speziell präparierten Kofferraum hinein »faltete«.
Der Soldat reichte die Papiere zurück. »Was für Geschäfte, Mr. Hansen?«
»Immobilieninvestitionen. Villen hier draußen, vielleicht ein paar Häuser in der Altstadt.«
»Die Einfamilienhäuser sind zurzeit billig.«
»Ja.« Sam lächelte. »Ja, das sind sie.«
»Der Koffer ist in Ordnung«, sagte der Mann hinter dem Wagen.
Der Soldat reichte den Reisepass zurück und sagte unwirsch: »Weiterfahren.«
In sicherer Entfernung vom Kontrollpunkt lenkte Sam den Wagen langsam auf die Schnellstraße M1 und in Richtung historische Altstadt. Die Muezzins in den Moscheen riefen derweil zum , dem Abendgebet. Es herrschte leichter abendlicher Berufsverkehr. Jetzt, in der Abenddämmerung, eilten die Syrer nach Hause, um nicht in den gegenseitigen Steilfeuerbeschuss der Vertreter des Regimes und der Rebellen zu geraten.
Die Sonne versank hinter dem Horizont. Inzwischen fühlte auch Sams Körper, was sein Geist bereits entschieden hatte: Er war »black«, also: frei von Überwachung. Einen Moment lang war er erleichtert. Dann aber startete er die nachträgliche Selbstbefragung, die routinemäßige SDR-Nachbereitung, so wie es jeder Case Officer der CIA seit den ersten Trainingseinheiten auf der Farm gelernt hatte. Das war das Schwierige an seinem Auftrag: Die nackte Tatsache, dass man sich nie sicher sein konnte, es stets leichter war, die Operation abzubrechen, wenn man undercover war, als sie zu Ende zu führen, wohlwissend, dass man sich geirrt haben könnte.
Also stellte er sich den Fragen.
War ihm in der Region Yafour der schwarze Lexus mit der verschrammten Beifahrertür hinterhergefahren? Hatte er das staubige gelbe Taxi, das ihm jetzt folgte, schon einmal gesehen, unmittelbar nach seinem zweiten Stopp, unweit der protzigen Villa mit dem Pool in Form einer Sanduhr? Hatte es beim letzten Checkpoint am Fenster eines Miethauses gefunkelt, weil dort ein fester Überwachungsposten installiert war? Sam schob sich einen Streifen Pfefferminzkaugummi in den Mund. Langsam kauend blickte er durch die schlierige Frontscheibe. Damaskus kam näher. Bei SDRs mit dem Auto war es wahnsinnig schwierig, Wiederholungssituationen zu erkennen. Am liebsten wäre Sam ausgestiegen, aber dafür gab es keinen Grund. Mittlerweile galten die Außenbezirke von Damaskus als Kriegsgebiet, und er war James Hansen, Immobilieninvestor. Und ein James Hansen würde in einer Kriegszone nicht einfach so anhalten und aus dem Auto ausstiegen. James Hansen würde sich beeilen, in seine Wohnung in der Altstadt zu kommen, sich schlafen legen und am Morgen nach Amman zurückkehren.
Zwei Häuserblocks entfernt vom Safe House parkte er den SUV. Legte einen vergilbten Straßenatlas aufs Dach und tat so, als suchte er die Fahrtroute in den gewundenen Gassen bis zum Ziel. Jetzt war die letzte Gelegenheit, die Operation abzubrechen. Sam holte tief Luft, spürte die kühle Abendluft auf der Haut. Er hatte nicht das Gefühl, beschattet zu werden. Er sah sich um und nahm den Straßenatlas zur Hand wie ein dummer Tourist: ein letzter Versuch, nach Spähern Ausschau zu halten. Nach einem Blick in die richtige Richtung legte er den Atlas auf den...




