McCall | Das Experiment | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

McCall Das Experiment


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95576-232-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-95576-232-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sechs junge Frauen: hochbegabt, schön - und tot. Nur die Journalistin Virginia Shapiro lebt noch, und deshalb muss FBI-Agent Sullivan Dean sie unbedingt finden. Denn er glaubt nicht, dass die sechs Frauen freiwillig aus dem Leben gegangen sind. Sullivans Instinkt sagt ihm, dass ein besonders raffinierter Mörder am Werk ist, dass sie sterben mussten, weil vor Jahren in ihrer Begabtenklasse etwas passierte, das niemand jemals erfahren darf. Doch als er Virginia endlich in ihrem Versteck entdeckt, in das sie sich in ihrer Todesangst geflüchtet hat, kann sie sich an nichts erinnern, was damals geschehen ist ...

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1. KAPITEL


„Mama, Mama, Hunger. Will einen Keks!“

Die siebenundzwanzig Jahre alte Emily Jackson sah von ihrem Computer auf und blickte zur Uhr. Sie verdrehte erschrocken die Augen, dann stand sie auf, um sich um ihren zweijährigen Sohn zu kümmern. Kein Wunder, dass er Hunger hatte. Es war bereits halb eins. Sich um ein Kind zu kümmern und gleichzeitig von zu Hause aus weiter als Buchhalterin zu arbeiten, war nicht so einfach, wie sie es sich anfangs vorgestellt hatte, auch wenn der Computer für den Kontakt zu ihren Kunden ein Geschenk des Himmels gewesen war.

„Eine Minute, mein Schatz“, rief sie, gab ihm einen Keks, küsste ihn flüchtig auf die Stirn und eilte zum Kühlschrank. Es war noch genug Essen von der letzten Mahlzeit übrig, und er befand sich in einer Phase, in der er praktisch alles aß. Sie würde nur ein paar Minuten benötigen, um etwas in der Mikrowelle aufzuwärmen.

Drei zugedeckte Schüsseln und sein Fläschchen standen bereits auf der Arbeitsplatte, und gerade wollte sie nach der vierten Schüssel greifen, als das Telefon klingelte.

„Das fehlt gerade noch“, murmelte sie und nahm den Hörer ab. „Jackson … ja, hier spricht Emily. Wer ist da?“

Nach einer kurzen Pause am anderen Ende der Leitung hörte sie auf einmal fernen Donner, gefolgt von einem Glockenspiel wie an der Eingangstür zu einem Geschäft. Als sie das Geräusch wahrnahm, schaltete sich ihr Verstand ab. Sie wandte ihr Gesicht der Wand zu, den Hörer immer noch ans Ohr gepresst. Die kalte Luft aus dem Kühlschrank strich über ihre Beine, aber sie spürte es nicht. Ihr Geist war schon längst woanders.

Im nächsten Moment legte sie den Hörer auf die Arbeitsplatte, nahm eine Packung Kekse und eine Flasche Milch für ihr Kind, hob den Jungen auf den Arm und brachte ihn wortlos zu Bett. Sie gab ihm die Kekse und die Milch, dann drehte sie sich um und ging weg.

Der Junge war mit dem zufrieden, was seine Mutter ihm gegeben hatte. Und während er sich über die Kekse hermachte, stieg Emily in ihren Wagen und rangierte ihn aus der Einfahrt zum Haus. Eine Nachbarin winkte ihr von der anderen Straßenseite zu, doch Emily schien sie nicht zu sehen. Die Nachbarin dachte sich nichts dabei, bis ihr auffiel, dass Emily die Haustür hatte offen stehen lassen.

„Oh je“, rief sie und ging zum Haus, um ihrer nachbarschaftlichen Pflicht nachzukommen. Als sie die Veranda erreicht hatte, übermannte sie ein plötzliches Gefühl der Neugierde. Anstatt die Tür zuzuziehen, dachte sie daran, einen Blick ins Haus zu werfen. Was würde ein harmloser kurzer Blick schon ausmachen?

Ein wenig schuldbewusst schaute sie über die Schulter, dann trat sie ein und schloss die Tür hinter sich. Einen Moment lang stand sie einfach nur da, bewunderte die Farbgebung und die ausladenden Polstermöbel im Wohnzimmer rechts von ihr. Sie machte ein paar Schritte, als sie ein Geräusch aus der Richtung des Schlafzimmers hörte. Wie dumm von ihr! Nur weil Emily weggefahren war, musste das Haus nicht zwangsläufig verlassen sein. Ihr Mann Joe war Fluglotse, und vermutlich hatte er seinen freien Tag.

„Joe? Joe! Ich bin’s, Helen. Emily hat die Tür offen stehen lassen, und ich bin nur schnell rübergekommen, um sie zuzumachen.“

Niemand antwortete, aber sie konnte hören, dass jemand im Haus war.

„Joe? Ich bin’s, Helen. Bist du angezogen?“

Ein grelles Kreischen ließ sie zusammenzucken. In dem Moment fiel ihr der Junge ein. Sie war davon ausgegangen, dass Emily ihn im Wagen mitgenommen hatte, weil sie ohne ihn so gut wie nie das Haus verließ. Sie ging weiter durch den Flur, darauf gefasst, dass Joe jeden Augenblick auftauchen konnte, um sie zur Rede zu stellen, was sie in seinem Haus suchte. Doch je weiter sie ging, desto sicherer war sie, dass er nicht da war.

Als sie das Kinderzimmer betrat, stockte ihr einen Moment lang der Atem. Der Junge saß auf seinem Bett, in einer Hand die Keksschachtel, in der anderen seine Flasche Milch.

„Keks?“ fragte er, als er Helen sah.

„Oh, mein Gott“, murmelte sie und hob ihn hoch. Sie war sicher, dass es nicht so sein konnte, wie es auf den ersten Blick aussah. Emily Jackson war nicht die Frau, die aus dem Haus ging und ihr Kind unbeaufsichtigt zurückließ.

Mit dem Jungen auf dem Arm eilte sie von Zimmer zu Zimmer, bis sie die Küche erreichte und erkannte, dass etwas nicht stimmen konnte. Essen stand herum, der Hörer lag neben dem Telefon, die Kühlschranktür war weit offen. Sie wollte ein wenig Ordnung schaffen, als eine innere Stimme ihr riet, nichts zu verändern. Stattdessen packte sie ein paar Windeln und nahm den Jungen mit.

Als Helen in ihr Haus zurückgekehrt war und Joe an seinem Arbeitsplatz anrufen wollte, befand sich Emily Jackson bereits auf einem Kollisionskurs mit ihrem Schicksal.

Emily fuhr quer durch Seattle, ohne sich um den Verkehr zu kümmern. Sie fuhr bei Rot über Kreuzungen und interessierte sich weder für andere Autofahrer noch für Fußgänger. Als sie die Narrows Bridge erreicht hatte, wurde sie von einer Kolonne aus Streifenwagen verfolgt, die es mit der von O. J. Simpsons Flucht hätte aufnehmen können. Die Polizei wusste es noch nicht, aber Emily hatte ihr Ziel erreicht. Am anderen Ende der Brücke erwartete sie ein Kordon aus Polizeiwagen, außerdem waren Straßensperren aufgebaut worden.

Doch die andere Seite der Brücke war für Emily ohne Bedeutung. Auf halber Strecke hielt sie plötzlich ihren Wagen an, stellte den Motor ab und stieg aus. Bevor der erste Streifenwagen hinter ihr zum Stehen gekommen war, hatte sie bereits das Geländer der Brücke erreicht. Als die Polizisten losrannten und hinter ihr herriefen, kletterte sie über das Geländer.

Die Beamten schrien ihr zu, sie solle nicht springen, sie machten ihr Versprechungen, die sie niemals hätten halten können, doch Emily hörte nur ein lautes Tosen. Sie breitete die Arme aus, als wäre sie ein Vogel, der sich zum Abflug bereitmachte, hob den Kopf zum Himmel und sprang.

Sie wirbelte um ihre eigene Achse, nur der Wind rauschte in ihren Ohren, als sie ausführte, was man ihr aufgetragen hatte.

Drei Tage lang war Seattle von diesem Zwischenfall erschüttert, bis diese Nachricht von einer anderen, gleichermaßen tragischen Geschichte abgelöst wurde. Emily hinterließ ihren Mann, der um sie trauerte und sich den Kopf über die Gründe für ihren Selbstmord zerbrach, und einen kleinen Jungen, der nach seiner Mutter rief, die niemals zurückkommen würde.

Josephine Henley, von den Gästen in Haley’s Bar nur kurz Jo-Jo genannt, servierte gerade einige Drinks, als Barkeeper Raleigh ihr quer durch das Lokal zurief: „Hey, Jo-Jo, ein Anruf für dich.“

Sie winkte ihm zu, um anzudeuten, dass sie ihn gehört hatte, dann kassierte sie das Trinkgeld ein, das ein paar betrunkene Trucker ihr gegeben hatten, die sie um einen Kuss anbettelten.

„Komm schon, Jo-Jo, nur einen für unterwegs“, sagte Henry.

„Kommt gar nicht in Frage“, erwiderte sie. „Du bist verheiratet.“

„Ja, aber ich bin auch einsam.“

„Du bist nicht einsam, du bist nur scharf, und ich werde dir den Gefallen nicht tun.“

„Dann gib mir meine fünf Dollar zurück“, sagte er im Scherz.

„Oh nein, die habe ich mir verdient. Außerdem musstest du schon einiges mehr als nur fünf Dollar hinblättern, um mich rumzukriegen.“

„Wie viel denn?“ fragte er. Sein Interesse war sofort wieder geweckt.

„So viel Geld kannst du niemals zusammenbekommen, Mister. Und jetzt gib auf. Da wartet ein Anruf auf mich.“

Sie befreite sich aus seinem Griff und ging zum Telefon.

„Einen Bourbon mit Soda“, gab sie eine neue Bestellung weiter, bevor sie den Hörer nahm.

„Hallo! Hallo?“

Es war zu laut, als dass sie etwas hätte hören können. Sie legte die Hand über die Sprechmuschel und wandte sich den Gästen zu.

„Geht das ein bisschen leiser?“ brüllte sie. „Ich kann ja kein Wort verstehen.“

Sie versuchte es erneut. „Hallo? Ja, ich bin Josephine Henley.“

Während sie wartete, dass weitergesprochen wurde, hörte sie auf einmal ein fernes Donnern. Sie drehte sich um und überlegte, ob sie die Fenster ihres Wagens geschlossen hatte. Dann folgte ein weiteres Geräusch, und im gleichen Augenblick wurde ihr Gesicht völlig ausdruckslos. Sie stand da, sprach kein Wort, hatte die Augen geschlossen und ließ die Schultern hängen.

Raleigh bemerkte das und sah sie erstaunt an. Das war nicht Jo-Jos Art. Er berührte sie an der Schulter.

„Hey, Kleine, stimmt was nicht?“

Sie reagierte nicht auf seine Frage, sondern ließ nur den Hörer los und versuchte, an ihm vorbeizukommen.

„Hier ist der Bourbon mit Soda“, sagte er und reichte ihr ein Tablett mit einem Glas, doch sie schob ihn so heftig aus dem Weg, dass das Tablett auf den Boden fiel.

„Hey, war das mein Drink?“ rief jemand.

„Halt die Klappe“, gab Raleigh zurück und fasste Jo-Jo am Arm. „Was ist los mit dir? Hast du mich nicht gehört?“

Dann sah er ihr ins Gesicht, und der Blick in ihren Augen ließ fast sein Herz stillstehen.

Wie in Trance bewegte Jo-Jo sich auf den Ausgang zu, als Raleigh in Panik geriet und einem der Männer zurief, sie aufzuhalten. Seine Worte gingen im allgemeinen Trubel unter.

„Hey, Jo-Jo, was ist denn los? Komm zurück!“ rief er und lief um die Theke herum. Noch bevor die Gäste verstanden hatten, dass etwas nicht stimmte,...



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