E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
McCabe Miss Mannings sinnliche Erweckung
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-1298-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-1298-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nie konnte Mary Lord Barretts Kuss vergessen - und niemals die Demütigung, als sie erfuhr, dass es ihm nur um eine Wette ging. Umso entsetzter ist sie, den ruchlosen Lord im fernen Brasilien wiederzutreffen. Denn in tropischen Nächten erwacht ihre Leidenschaft erneut ...
Amanda McCabe schrieb ihren ersten romantischen Roman - ein gewaltiges Epos, in den Hauptrollen ihre Freunde - im Alter von sechzehn Jahren heimlich in den Mathematikstunden. Seitdem hatte sie mit Algebra nicht mehr viel am Hut, aber ihre Werke waren nominiert für zahlreiche Auszeichnungen unter anderem den RITA Award. Mit einer Menagerie von zwei Katzen, einem Mops und einem dickköpfigen Zwergpudel, lebt sie in Oklahoma. Sie nimmt Tanzunterricht, sammelt kitschige Reiseandenken und schaut sich gerne Kochsendungen an, obwohl sie gar nicht selber kocht.
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1. KAPITEL
London 1805
Er soll der schönste Mann sein, der je gesehen wurde!“
Mary Manning bemühte sich, nicht über die überschwänglichen Worte ihrer Freundin Lady Louisa Smythe zu lachen. Stattdessen lächelte sie nachsichtig, spazierte weiter an der Seite der Freundin durch den Park und nickte den Leuten zu, die sie kannte. Um sich vor der Nachmittagssonne zu schützen, hielt sie den Sonnenschirm aus Spitze gegen das grelle Licht. Lady Louisa hatte die Angewohnheit, sich sehr für Klatsch und Tratsch zu interessieren – insbesondere, wenn es sich dabei um attraktive Männer drehte.
Und da es in diesem Fall noch dazu um einen schönen jungen Mann ging, der sich als neuester Held im Kampf gegen Napoleon Ruhm erworben hatte, wunderte sich Mary, dass ihre Freundin noch nicht vor Begeisterung in Ohnmacht gefallen war.
Allerdings musste sogar sie selbst zugeben, dass sie von den heroischen Geschichten, die über Lord Sebastian Barrett, den dritten Sohn des Marquess of Howard und Captain des 3. Husarenregiments, erzählt wurden, fasziniert war. Zumindest ein ganz klein wenig.
Louisa hakte sich bei ihr unter, als sie den schmalen gewundenen Weg betraten, der am See entlangführte. Aufmerksam beobachtete Mary die Menschen, die das Ufer bevölkerten – schlendernde Paare und lachende Vierergruppen, die sich am Wasser unterhielten, dessen Oberfläche im Sonnenlicht glitzerte.
Mary ließ ihre Gedanken in die Vergangenheit schweifen. Ihr Vater hatte stets in diplomatischen Diensten gestanden, und sie hatte ihn begleitet und nach besten Kräften unterstützt, nachdem ihre wundervolle portugiesische Mutter viel zu früh gestorben war. Seit ihrem sechzehnten Lebensjahr führte sie für ihn ganz eigenständig den Haushalt, egal, wohin er geschickt wurde.
Anfangs war sie im Grunde zu jung gewesen, um Empfänge und festliche Abendgesellschaften zu geben, bei denen ausländische Gesandte, begleitet von ihren eleganten Gattinnen, Bündnisse mit Vertretern der englischen Krone schmieden sollten. Doch es war niemand sonst da gewesen, um die Rolle der Gastgeberin auszufüllen. Mary hatte schon sehr früh eine Menge über Diplomatie gelernt, indem sie ihrer liebenswürdigen und kultivierten Mutter zugesehen, den Gesprächen ihrer Eltern gelauscht und Fragen dazu gestellt hatte. Sie schätzte es, im Gegensatz zu anderen jungen Damen, eine echte Aufgabe zu haben. Es reizte sie, immer wieder Neues kennenzulernen. Sie war mit ihrem Vater in Italien und Österreich gewesen, hatte lange in Russland gelebt und war erst vor wenigen Monaten nach England zurückgekehrt.
Manchmal wünschte sie sich allerdings, sie könnte auch so unbedarft kichern und flüstern wie die anderen und sich ebenso von wilden Schwärmereien und Vernarrtheiten mitreißen lassen. Wenigstens für einen Moment. Das war auch der Grund, weshalb sie es aufrichtig genoss, mit Lady Louisa befreundet zu sein.
„Der schönste Mann, der je gesehen wurde?“, fragte Mary lächelnd nach. Sie blieb mit Louisa im Schatten einiger Bäume stehen. Von dort aus hatten sie einen guten Blick auf die Spaziergänger, Reiter und die Kinder, die ihre Spielzeugschiffe auf dem Wasser treiben ließen. „Noch attraktiver als dieser italienische Graf? Letzte Woche hast du noch geschworen, du habest dein Herz für immer an ihn verloren.“
Louisa lachte fröhlich. „Ach, er! Er heiratet demnächst eine dickliche kleine Erbin. Zweifellos ist er ein begnadeter Tänzer, aber er ist kein Held wie Lord Sebastian. Ein Mann in Uniform hat schon etwas, meinst du nicht, Mary? Davon geht einfach eine wundervolle männliche Ausstrahlung aus.“
Ein Marineoffizier in blauer Uniform ging gerade an ihnen vorbei und verbeugte sich lächelnd. Louisa kicherte und winkte ihm mit dem Taschentuch zu.
Mary biss sich auf die Unterlippe, um ihre Belustigung zu verbergen. Offenbar war Louisa von jeder Uniform fasziniert.
Sie dachte an eine der vielen Geschichten, die sie über Lord Sebastian gehört hatte – dass er allein gegen zehn Franzosen gekämpft und sie in die Flucht geschlagen habe, obgleich man sein Pferd unter ihm weggeschossen habe. Sie war sich sicher, dass nicht alles wahr sein konnte, fand aber dennoch Gefallen an diesen Erzählungen. Märchen hatten sie schon in ihrer Kindheit fasziniert, als ihre Mutter ihr vor dem Einschlafen portugiesische Sagen von ruhmreichen Schlachten, tapferen Rittern und holden Maiden erzählt hatte.
Louisa beugte sich vor, um Mary etwas ins Ohr zu flüstern: „Selbstverständlich kann ich mir nicht vorstellen, dass Lord Sebastian noch attraktiver als sein Bruder Lord Henry ist. Was das betrifft, musst du dir bestimmt keine Sorgen machen.“
Mary sah die Freundin überrascht an. Woher wusste Louisa davon, dass Lord Henry ihr in wenig überzeugender Form den Hof machte? „Lord Henry Barrett?“
Louisa lächelte verschwörerisch. „Aber ja. Ist er etwa nicht dein größter Bewunderer?“
Mary spürte, dass sich ihre Wangen röteten. Sie sah zur Seite und konzentrierte sich auf einen Knaben, der wild einen Reifen schwingend, gefolgt von seinem Kindermädchen, vorbeihüpfte. „Das kann ich nicht bestätigen. Wir sind uns nicht oft begegnet und haben kaum miteinander gesprochen.“
„Wirklich nicht?“ Louisas Aufmerksamkeit schien bereits durch einen Gentleman zu Pferde abgelenkt, der in einiger Entfernung vorbeiritt. „Bist du dir sicher? Ihr würdet ganz gewiss hervorragend zueinanderpassen. Mein Onkel meint, Lord Henrys große Karriere als Diplomat sei vorgezeichnet. Er hält es sogar für möglich, dass er bald nach Russland geschickt wird wie zuvor dein Vater.“
Hervorragend zueinanderpassen … Das würden sie wohl. Lord Henry Barrett war in letzter Zeit zu einer Art Günstling ihres Vaters geworden. Sir William Manning hatte sich nie beschwert nur eine Tochter zu haben. Doch sie wusste, wie sehr er sich immer einen Sohn gewünscht hatte, der in seine Fußstapfen trat und dem er im Pulverfass der Politik, des Krieges und der höfischen Intrigen Anleitung und Rat hätte erteilen können.
In den vergangenen Wochen hatte ihr Vater sie häufig aufgefordert, Lord Henry zum Dinner einzuladen, und meistens hatten die beiden Männer im Anschluss an das Essen noch stundenlang in der Bibliothek miteinander geredet. Die wenigen Worte, die Lord Henry mit ihr gewechselt hatte, fand Mary dagegen nicht weiter erwähnenswert.
Er ist in der Tat ein vielversprechender junger Mann, meine liebe Mary. Das hatte ihr Vater noch an diesem Morgen gesagt, kurz bevor sie mit Louisa zum Spaziergang aufgebrochen war. Er ist zuverlässig und besonnen, genau solche Männer braucht dieses Land in den heutigen Krisenzeiten …
Mary seufzte, als sie sich an die Worte erinnerte. Sie drehte den Sonnenschirm zwischen den Fingern und dachte über Lord Henry Barrett nach. Zweifellos sah er gut aus mit seinem blonden Haar und dem höflichen Lächeln. Er schien der vollkommene Diplomat zu sein – selbstsicher, nichts von sich preisgebend und so zurückhaltend, dass er selbst beim Tanzen kaum ihre Hände berührte.
Wahrscheinlich war ihr Vater ebenso gewesen, bevor er ihrer bezaubernden Mutter in Lissabon begegnet war. Gewiss würde er es schätzen, wenn sie einen solchen Mann heiratete und sich weiter als Gastgeberin betätigte. Sie selbst war inzwischen eine Diplomatin durch und durch, wenngleich ohne den Titel einer Botschafterin.
Mary wusste, dass dieser Weg im Leben für sie der beste wäre – wenn nicht gar der einzige. Jedenfalls konnte sie sich im Augenblick kaum etwas anderes vorstellen.
Ja, Lord Henry Barrett würde einen passenden Ehemann abgeben. Die fantastischen Berichte über seinen verwegenen und heldenhaften Bruder aus der Armee waren eben nichts weiter als aufregende Märchen.
„Lord Henry ist ein ehrenwerter Mann“, erwiderte Mary zögerlich. „Aber ich kenne ihn nicht gut genug, um zu sagen, ob er mich bewundert oder nicht.“
„Wirklich nicht? Ich bin mir sicher, dass er das tut. Ein Diplomat könnte sich keine bessere Gattin wünschen.“ Louisa klopfte anmutig mit dem zusammengefalteten Fächer gegen ihre rosa und weiß gestreiften Röcke und beobachtete die Passanten, als ob sie nach einem neuen attraktiven Gesicht Ausschau hielte. „Außerdem ist er immerhin der zweitgeborene Sohn, wohingegen Lord Sebastian erst an dritter Stelle kommt. Lord Henry könnte sogar eines Tages Marquess werden.“
„Louisa“, sagte Mary lachend. „Bei allen Vorzügen, die Lord Henry haben mag, das dürfte wohl höchst unwahrscheinlich sein. Ich habe gehört, dass die Gattin des ältesten Bruders guter Hoffnung ist.“
„Oh!“ Louisa zog einen Schmollmund. „Wie enttäuschend. Ich wäre sehr gern die Busenfreundin einer Marchioness geworden. Dann nehme ich mal an, dass du dich damit abfinden musst, Lady Henry zu sein. Und vielleicht werde ich dann Lady Sebastian! Dann wären wir Schwägerinnen!“
Mary lachte noch herzlicher. Genau deshalb genoss sie es, mit Louisa befreundet zu sein. Alle Menschen, die das Haus ihres Vaters betraten, benahmen sich so fürchterlich ernst. Louisa hingegen brachte sie zum Lachen. „Du bist Lord Sebastian doch noch nie begegnet, Louisa. Wie kannst du da wissen, ob du ihn magst, geschweige denn, dass du ihn heiraten würdest?“
„Manchmal weiß eine Frau solche Dinge eben!“ Louisa lächelte verträumt. „Er soll attraktiv, tapfer und schneidig sein. Genau das, wonach ich suchen sollte, oder nicht?“
Mary nickte. Waren dies nicht die Eigenschaften, die sich jede junge Frau von einem Mann ersehnte? Jede,...




