E-Book, Deutsch, Band 1803, 144 Seiten
Reihe: Baccara
Maynard Zu stürmisch für die Liebe?
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7337-2019-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1803, 144 Seiten
Reihe: Baccara
ISBN: 978-3-7337-2019-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Zu unbedacht, zu stürmisch, zu aufdringlich. Sieben lange Jahre konnte Anna die harten Worte nicht vergessen, mit denen Sam ihr Liebesgeständnis abgewiesen hat. Jetzt führt ein Job sie wieder zu ihm - und zwar unausweichlich: Eingeschneit in einer Berghütte, ohne Strom, allein mit ihm muss sich Anna fragen, wie sie dem Mann widerstehen kann, den sie seit so vielen Jahren begehrt. Und der ihr jetzt so nahe ist. Im Dunkeln ertastet sie seine Hand, seinen warmen Körper. Die Entscheidung liegt bei ihr: Kann sie es zulassen, dass er sie wieder verletzt?
Janice Maynard wuchs in Chattanooga, Tennessee auf. Sie heiratete ihre High-School-Liebe während beide das College gemeinsam in Virginia abschlossen. Später machte sie ihren Master in Literaturwissenschaften an der East Tennessee State University. 15 Jahre lang lehrte sie in einem Kindergarten und einer zweiten Klasse in Knoxville an den Ausläufern der schönen Great Smoky Mountains. Im Herbst 2002 verließ sie die Schule um in Vollzeit zu schreiben.
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1. KAPITEL
Für Annalise Wolff, von allen nur Anna genannt, war Sam Ely ein bisschen wie das Finanzamt: Man hatte gelegentlich gezwungenermaßen mit ihm zu tun, aber das reine Vergnügen war es nicht gerade. Umso erstaunlicher, dass sie sich heute freiwillig in seinem Büro befand. Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück, schlug ein Bein übers andere und betrachtete ihre schwarzen Lederstiefel. Sie waren von Prada, genau wie ihre Handtasche.
Wenn sie sich schon mit dem gut aussehenden Architekten traf, musste sie auch etwas hermachen. Deshalb trug sie einen roten Kaschmir-Sweater und einen knapp sitzenden schwarzen Wollrock. Schließlich sollte er sehen, dass sie kein kleines Mädchen mehr war, sondern eine erwachsene Frau!
Doch leider wirkte Sam nicht sehr beeindruckt.
Er stand am Fenster und blickte gedankenverloren in die Winterlandschaft hinaus. „Ja oder nein, Anna“, sagte er freundlich, aber bestimmt. „Ich mache dir das Angebot zuerst, und natürlich kannst du ablehnen, doch du kannst dir vorstellen, dass Dutzende von Innenarchitekten nach so einer Chance lechzen.“
Damit hatte er natürlich recht. Das Haus und der traditionsreiche Milchviehbetrieb im Shenandoah Valley, beides im Besitz seiner Großeltern, ließen sich bis in die Zeiten von Präsident Thomas Jefferson zurückverfolgen. Sycamore Farm war sogar ins nationale Verzeichnis historischer Stätten aufgenommen worden. Jetzt sollte alles behutsam renoviert werden, die von Sam entwickelten Pläne lagen auf dem Tisch. Das Projekt war der Traum eines jeden Innenarchitekten.
Trotzdem muss ich den Auftrag ja nicht annehmen, dachte Anna zögernd. „Und es steht wirklich fest, dass anschließend eine große Bildreportage über die Arbeiten erscheinen wird?“
„Die Mutter meines alten College-Freundes ist Redaktionsleiterin der Zeitschrift ‚Architectural Design‘. Sie ist ganz wild darauf, die Reportage über Sycamore Farm ins Blatt zu bekommen. Im Moment hängt alles nur an deiner Entscheidung.“
Er kam zu ihr, setzte sich auf die Kante seines Schreibtischs. So war er ihr gefährlich nahe. Außerdem blickte er aus dieser Position von oben auf sie herab, und sie wusste, das machte er extra. Sie kannte diesen Mann schon fast ihr ganzes Leben lang. Sein Vater war seinerzeit mit der architektonischen Gestaltung von Wolff Castle beauftragt gewesen, und Sam und sein Dad waren im Lauf der Jahre oft im Hause der Wolffs zu Gast gewesen.
Für die heranwachsende Anna, die sich dort eingesperrt gefühlt hatte wie Rapunzel in ihrem Turm, war der wesentlich ältere Sam der erste und einzige Jugendschwarm gewesen.
„Wann würde ich denn anfangen?“, fragte sie vorsichtig. „Ich meine, falls ich annehme.“
Sam blickte auf seinen Schreibtischkalender. „Ich nehme mal an, du musst vorher noch ein paar andere Projekte abschließen. Wie wäre es übernächste Woche? Gram und Pops möchten, dass du für diese Zeit auf der Farm wohnst, weil sie so weit ab vom Schuss liegt. Sonst würde jeden Tag zu viel wertvolle Zeit für die Fahrerei draufgehen.“
Ihr wurde ganz heiß. „Und … und wo wirst du sein?“
„Da mach dir mal keine Sorgen“, murmelte er gereizt. „Gram legt Wert darauf, dass ich dich in den ersten Tagen in das Projekt einweise. Anschließend heißt es für mich hierher zurück ins Büro – also weit, weit weg. Ich hoffe, das beruhigt dich ein bisschen.“
Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar. „Um Himmels willen, ich habe nicht vor, dich dort einzusperren. Du kannst nach Hause fahren, wann immer du willst, aber ich erwarte von dir, dass du in diesem Job hundertzehn Prozent gibst. Oder du lässt es gleich ganz bleiben.“
Mit vor der Brust verschränkten Armen blickte er sie herausfordernd an. „Mache ich dich nervös, Anna?“
„Natürlich nicht.“ Ihre Antwort kam wie aus der Pistole geschossen, entsprach allerdings nicht ganz der Wahrheit. „Ich weiß nur nicht, ob ich diesen Job in meinen Terminplan quetschen kann.“ Auf das Honorar war Anna nicht angewiesen, doch dieser Auftrag würde dem Renommee ihres Geschäfts einen gewaltigen Kick geben. Und sie war nun mal verflixt ehrgeizig. Eigentlich wäre es mehr als dumm, den Job abzulehnen!
Mit beinahe hypnotischem Blick sah er sie an. „Für den Job musst du dir einfach Zeit nehmen, Anna. Gib’s zu, du willst ihn.“
Sam hatte Annalisa gefragt, ob er sie nervös machte – dabei wurde umgekehrt ein Schuh draus. Vor sieben Jahren, als sie sich in ihn verliebt hatte, hatte er ihr sehr wehgetan. Natürlich hoffte er, das alles wäre längst vergessen. Dagegen sprach die Skepsis in ihrem Blick. Die Bewunderung, die sie vor so langer Zeit für ihn empfunden hatte, war sofort in Wut umgeschlagen, als er sie zurückgewiesen hatte. Offenbar hatte sie ihm diese Demütigung nie verziehen.
Dabei hatte er sie damals durchaus anziehend gefunden und tat es heute noch. Er hatte nie vergessen können, was geschehen war, und hatte während der vergangenen Jahre mehrere Anläufe unternommen, sich bei ihr zu entschuldigen. Annalisa hatte nie darauf reagiert, sodass er schließlich aufgab und ihr möglichst aus dem Weg ging. Sie hielt es genauso.
Trotzdem – so ganz hatte er sie nie aus seinen Gedanken streichen können. Und als nun seine Großeltern darauf bestanden hatten, dass er Anna diesen Job anbot, nahm er das als willkommene Gelegenheit, sie in sein Büro einzuladen und mit ihr von Angesicht zu Angesicht zu sprechen.
Sie war eine beeindruckende Erscheinung, dunkelhaarig, schlank, hochgewachsen – und offenbar auch unendlich selbstbewusst. Mit ihrem Aussehen hätte sie problemlos auch als Topmodel oder Schauspielerin arbeiten können. Und so energisch sie auch wirkte, sie strahlte eine überaus verlockende Weiblichkeit aus.
Eine reizvolle Mischung, und unwillkürlich stellte Sam sich Annalisa in seinem Bett vor. Schlagartig war er erregt. Auch ein Grund, weshalb er den Kontakt zu ihr gescheut hatte. Er wollte nicht in dieser Art an sie denken.
Sicherheitshalber setzte er sich hinter seinen Schreibtisch. „Allzu viel Bedenkzeit kann ich dir leider nicht geben. Gram wollte dich, weil sie und Großvater gesehen haben, was du aus den Büro- und Wohnräumen des Universitätspräsidenten gemacht hast. Sie waren beide sehr beeindruckt von deiner Arbeit. Aber wenn du meinst, du kannst die Zeit nicht erübrigen – dann sag’s einfach.“
Anna sah ihn aus blitzenden Augen an. „Dass ich ablehne, das hättest du wohl gerne, was? Tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen, Sam Ely. Ich schätze, jetzt hast du mich am Hals. Denn wenn deine Großmutter will, dass ich das Projekt übernehme – dann mache ich es auch.“
Zu seiner eigenen Überraschung durchströmte ihn ein warmes Glücksgefühl. Suchte er denn wirklich nach einem Vorwand, Zeit mit der eigensinnigen und kratzbürstigen Anna Wolff zu verbringen? Nach seiner Erektion zu urteilen … ja.
Sam räusperte sich, blätterte demonstrativ in seinem Terminkalender und kritzelte etwas hinein. „Ich sage meinem Anwalt, er soll den Vertrag aufzusetzen. Noch irgendwelche Fragen?“
Zehn Tage später fuhr Anna die schmale Straße entlang, die zur Sycamore Farm führte. Im tiefsten Winter wirkte das Anwesen gar nicht so eindrucksvoll. Links und rechts der Straße lag freies schneebedecktes Farmland. Das Wechselspiel von Tauwetter und starkem Frost hatte große Schlaglöcher im Asphalt hinterlassen.
Sams Großeltern waren in wärmere Gefilde verreist. Man hatte Anna versichert, dass Speisekammer, Kühltruhe und Kühlschrank gut gefüllt waren und auch ein Gästezimmer für sie vorbereitet war.
Sie musste an ihr letztes Zusammentreffen mit Sam zurückdenken und stieß einen Fluch aus. Weil sie in einem Männerhaushalt aufgewachsen war, kamen ihr Schimpfwörter beunruhigend leicht über die Lippen. Wie jedes Jahr Silvester hatte sie den guten Vorsatz gefasst, das Fluchen aufzugeben, bisher mit wenig Erfolg.
Noch immer klangen ihr Sams Worte in den Ohren. Noch irgendwelche Fragen?
Oh ja, eine Frage brannte ihr schon lange auf der Seele: nämlich ob er sie vor sieben Jahren so widerwärtig und abstoßend gefunden hatte, dass er es nicht über sich bringen konnte, mit ihr zu schlafen, obwohl sie dummes Ding sich ihm förmlich an den Hals geworfen hatte?
Die Zurückweisung, die Demütigung, so lange sie auch zurücklag, verursachte ihr immer noch Magenschmerzen. Während sie mit einer Hand den Wagen steuerte, kramte sie mit der anderen in ihrer Handtasche nach einer Magentablette. Die Ereignisse von damals hatten sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis eingebrannt; wie ein Film liefen sie noch einmal vor ihrem inneren Auge ab …
„Hallo, Sam.“ Sie klang atemlos, weil sie so schnell die Treppe heruntergelaufen war, um ihn noch abzufangen, bevor er in sein Auto stieg. Über eine halbe Stunde hatte sie von oben, von ihrem Schlafzimmer aus, durchs Fenster geschaut und gewartet. Sam und sein Vater waren jeder mit seinem eigenen Auto gekommen, weil der ältere Herr noch Poker mit ihrem Vater und Onkel Victor spielen wollte.
Sam stand da, die Autoschlüssel in der Hand. „Hallo, was gibt’s? Ich dachte, du fühlst dich nicht gut.“ Sein Anblick und seine Stimme genügten schon, um ihre Knie zum Zittern zu bringen.
Sie biss sich auf die Lippen. Ach, richtig, sie hatte ja Kopfschmerzen vorgetäuscht, um sich nach dem Essen zurückziehen zu können – und um dem forschenden Blick ihres Vaters zu entkommen. Er durfte auf keinen Fall merken, wie sehr sie in Sam verliebt war. Vincent Wolff hatte immer ein Auge auf seine Tochter und...




