May | Abiturwissen Deutsch | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 250 Seiten

Reihe: Kompaktwissen XL

May Abiturwissen Deutsch

[Kompaktwissen XL] - May, Yomb - sicher durch Abitur und Matura; Oberstufenwissen - 15237
3. Auflage 2018
ISBN: 978-3-15-961338-3
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

[Kompaktwissen XL] - May, Yomb - sicher durch Abitur und Matura; Oberstufenwissen - 15237

E-Book, Deutsch, 250 Seiten

Reihe: Kompaktwissen XL

ISBN: 978-3-15-961338-3
Verlag: Reclam Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Oberstufenwissen im Fach Deutsch, praxisnah und anschaulich präsentiert. Folgende Module werden behandelt: Sprache und Kommunikation / Literarische Texte und Sachtexte analysieren / Epochen und Strömungen der deutschen Literatur / Klausuren schreiben: Strategien der Aufgabenlösung / Sprachliche Darstellung: Grammatik - Rechtschreibung - Stil Ein Glossar wichtiger Fachbegriffe rundet das kompakte Nachschlagewerk ab.

Yomb May, geb. 1966, ist außerplanmäßiger Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Bayreuth und Lehrer für Deutsch und Geschichte an einem bayerischen Gymnasium. Er ist Autor der erfolgreichen Reclam-Bände Wissenschaftliches Arbeiten. Eine Anleitung zu Techniken und Schriftform sowie Literarische Grundbegriffe.
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3 Sprache im Wandel


Es liegt auf der Hand, dass wir heute anders sprechen als beispielweise die Menschen im Mittelalter. Grund dafür ist, dass die Sprache sich permanent, auch heutzutage, wandelt und verändert.

Grundsätzlich kann man zwei Weisen der Sprachbetrachtung unterscheiden:

  • diachron: Dieses Verfahren befasst sich mit der geschichtlichen Entwicklung und Veränderung der Sprache durch verschiedene Epochen.

  • synchron: Dieses Verfahren bezieht sich auf den Ist-Zustand eines funktionierenden Sprachsystems zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Die Untersuchung des Sprachwandels ist also diachrone Sprachbetrachtung.

3.1 Geschichte der deutschen Sprache


Wo kommt die deutsche Sprache her? Die Sprachwissenschaftler sind sich darin einig: Deutsch ist eine indoeuropäische Sprache. Damit wird eine Gruppe von Sprachen bezeichnet, die ursprünglich zwischen Indien und Europa gesprochen wurden. Dazu zählen beispielsweise italische, slawische, indische, keltische und germanische Sprachen. Man fasst diese Sprachen unter der Bezeichnung »Sprachfamilie« zusammen, da sie Gemeinsamkeiten aufweisen.

Deutsch

Englisch

Schwedisch

Russisch

Polnisch

Tschechisch

Mutter

mother

moder

mat’

matka

matka

Bruder

brother

broder

brat

brat

bratr

Schwester

sister

syster

sestra

siostra

sestra

Tag

day

dag

den’

dzien’

den

Wasser

water

vatten

voda

woda

voda

Aber auch hinsichtlich der Grammatik lassen sich Gemeinsamkeiten bei Verbformen der 3. Person feststellen:

Altindisch

Althochdeutsch

Latein

Griechisch

Englisch

ás-ti

is- t

es-t

es-ti

is

s-ánti

s-int

s-unt

ei-si

are

Etwa um 2000 v. Chr. vollzieht sich die Trennung des Germanischen vom Indoeuropäischen. Als Ursache vermutet man das Zusammentreffen indogermanischer Stämme mit der Bevölkerung des Ostseeraums. Dieses Zusammentreffen löst eine wichtige sprachliche Veränderung aus, die als germanische bzw. erste Lautverschiebung bezeichnet wird. Jacob Grimm (17851863) hat 1822 das Gesetz der ersten Lautverschiebung beschrieben (Grimmsches Gesetz). Demnach wechseln beim Übergang vom indogermanischen zum germanischen Konsonantensystem die indogermanischen stimmhaften Verschlusslaute b, d, g zu germanischen stimmlosen Verschlusslauten p, t, k. Beispiele:

Indoeuropäische Sprache (Lateinisch)

labium

ecem

ager

Germanische Sprachfamilie (Deutsch, Englisch)

lippe

en

Acker

Die aus dem Indoeuropäischen entstandenen germanischen Sprachen lassen sich in drei Gruppen unterteilen:

  • nordgermanische Sprachen (u. a. Dänisch, Norwegisch, Schwedisch)

  • westgermanische Sprachen (u. a. Deutsch, Englisch, Niederländisch)

  • ostgermanische Sprachen (u. a. das Gotische)

Das Ostgermanische ist heute ausgestorben.

Die deutsche Sprache, wie wir sie heute sprechen, hat sich im Laufe der Jahrhunderte allmählich entwickelt. Diese Entwicklung lässt sich in gegeneinander abgegrenzten Sprachstufen darstellen. Allerdings sind die zeitlichen Grenzen uneinheitlich und in der Wissenschaft umstritten. Um die Entwicklung der deutschen Sprache plausibel zu machen, orientieren sich die Wissenschaftler entweder an innersprachlichen Kriterien (z. B. lautlichen Veränderungen, Änderungen des Wortbestandes, des Satzbaus) oder an außersprachlichen Kriterien (z. B. literarischen, kulturellen Epochen oder wichtigen historischen Ereignissen). Die folgende grobe Gliederung orientiert sich an der Periodisierung von Jacob Grimm.

Sprachstufe

Zeitraum

Kriterium

Indogermanisch

(Idg.)

ca. 5000 – 1500 v. Chr.

Gemeingermanisch

ca. 1500 v. Chr. – 500 n. Chr.

erste Lautverschie- bung setzt ein

Althochdeutsch

(Ahd.)

ca. 750 – 1050

zweite Lautver- schiebung setzt ein

Mittelhochdeutsch (Mhd.)

ca. 1050 – 1350

Vokalentwicklung: Abschwächung der Nebensilben

Frühneuhochdeutsch (Frnhd.)

ca. 1350 – 1650

Vokalentwicklung: Abschluss der Diphthongierung; soziokulturelle Kriterien

Neuhochdeutsch

(Nhd.)

ca. 1650 – 1900

soziokulturelle Kriterien

gegenwärtiges Deutsch

seit ca. 1900

soziokulturelle Kriterien

Althochdeutsch (Ahd.) gilt als älteste Sprachstufe des Deutschen. Seine Entwicklung geht auf die Vereinigung ehemals einzeln lebender germanischer Stämme zu sogenannten Stammesverbänden nach dem Zerfall des Römischen Reiches (4. Jh. n. Chr.) und nach der Völkerwanderung (4.–6. Jh.) zurück. In der Periode des Althochdeutschen entsteht das Adjektiv (»deutsch«), d. h. ›zum Volk gehörig‹, ›in der Sprache des Volkes‹. Das Wort bezeichnet den Unterschied zur Sprache der Gelehrten, dem Lateinischen (und zunächst nicht den zu anderen Volkssprachen). Da im frühen Mittelalter Latein die Sprache der Kirche ist, spielt das Althochdeutsche zunächst nur eine unbedeutende Rolle. Zudem ist Althochdeutsch keine einheitliche Sprache. Es gliedert sich in verschiedene Dialekte (z. B. Alemannisch, Altfränkisch, Altbairisch, Sächsisch).

Bedeutendster innersprachlicher Anstoß für die Entstehung des Althochdeutschen ist eine lautliche Veränderung vom Germanischen zum Althochdeutschen im 6. Jahrhundert. Diese lautliche Veränderung wird als hochdeutsche oder zweite Lautverschiebung bezeichnet. Sie betrifft die germanischen Laute p, t, k. Diese verwandeln sich in die hochdeutschen Laute f, s, h (nach einem Vokal) bzw. pf, tz, ch (im Anlaut bzw. bei Verdoppelung).

Die stimmlosen Verschlusslaute p, t, k nach einem Vokal

Germanische Sprachen

p t k

opan

etan

makon

Althochdeutsch

ff/f ss (c)h

offen

essen

machen

Die stimmlosen Verschlusslaute p, t, k im Anlaut und in der Verdoppelung

Germanische Sprachen

p t k

perd

settian

wekkian

Althochdeutsch

pf, tz,...



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