Mattes | Rosalia - Medium wider Willen | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 120 Seiten

Mattes Rosalia - Medium wider Willen


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7407-2248-7
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 120 Seiten

ISBN: 978-3-7407-2248-7
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die 14-jährige Halbwaise Rosalia fällt mit ihrem ungewöhnlichen Namen und ihrem eigenwilligen Kleidungsstil ohnehin schon genug auf, doch sie hat auch eine seltene Gabe geerbt. Genau wie ihre geliebte Oma ist sie ein Medium und kann die Zukunft vorhersagen. Noch kann sie diese Gabe nicht kontrollieren, aber sie hat ab und zu Visionen von Dingen, die bald geschehen werden. Ihre Mitschülerinnen finden das seltsam und manche haben Angst vor ihr. Einige behaupten sogar, sie sei eine Hexe! Nach dem Tod der Großmutter ist sie gezwungen, ein Schuljahr in einem Nobelinternat verbringen, da ihr Vater beruflich ins Ausland gehen muss. Hier hebt sie sich noch stärker von den anderen Mädchen ab und diese zeigen ihr offen, dass sie sie nicht mögen. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, passieren schreckliche Dinge, die sie trotz ihrer Vorahnung nicht verhindern kann - denn niemand glaubt ihr, was sie gesehen hat! Kann sie am Ende die Dinge dennoch zum Guten wenden?

Daniela Mattes, geb. 1970, Diplom-Verwaltungswirtin (FH) hat ihre schriftstellerische Laufbahn 2005 begonnen. Seither ist sie praktisch in jedem Genre vertreten und hat neben Zeitungsartikeln auch in verschiedenen Verlagen Kinderbücher, Fantasybücher, historische Romane und esoterische Bücher veröffentlicht. Für den Ancient Mail Verlag hat sie bereits einige Bücher ins Deutsche übersetzt.

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1
Der Regen trommelte gegen die Fensterscheibe und Rosalia konnte die vorbeiziehende Landschaft kaum erkennen. Der Scheibenwischer quietschte und der Vater sah immer wieder besorgt in den Rückspiegel. Sie konnte trotz der Entfernung seine zusammengekniffenen Augen und die Sorgenfalte über der Nase erkennen. „Geht es Dir gut, Spatz?“, fragte er zum hundertsten Mal während er sie auf dem Rücksitz beobachtete. Rosalia seufzte und lächelte gleichzeitig. „Du sollst mich nicht mehr Spatz nennen!“, sagte sie. „Ich bin schon zu alt dafür!“ Jetzt lächelte der Vater und die Sorgenfalte zog sich glatt. „Egal wie alt du bist, du wirst immer mein Spatz sein. Außerdem bist du erst 14!“ Rosalia seufzte theatralisch und verdrehte die Augen. Beide mussten lachen. Dann konzentrierte sich der Vater wieder auf die vierspurige Autobahn und Rosalia starrte weiter durch die Seitenscheibe des schwarzen BMW. Sie war aufgeregt, weil sie nicht wusste, was auf sie zukommen würde. Obwohl, das war nicht ganz ehrlich. Eigentlich wusste sie schon, was auf sie zukommen würde. Ein Internat voller Regeln, strengem Unterricht, verkniffenen Lehrerinnen und dummen Puten, die sie ausgrenzen würden, wie in jeder Klasse bisher. Rosalia kaute nervös an ihrer Unterlippe. Man könnte ja behaupten, dass sie das erst einmal auf sich zukommen lassen müsste, bevor sie sagen könnte, ob es ihr nicht doch gefällt. Aber da begann ja das Problem. Oder zumindest das erste von zwei Problemen. Denn zum einen sah sie mit ihrer etwas dunkleren Haut und den lackschwarzen Haaren völlig anders aus als die anderen Mädchen. Dazu kam, dass sie eine starke Brille tragen musste, was nicht sehr vorteilhaft aussah. Und zu guter Letzt war sie auch noch etwas pummelig, was sie versuchte, unter weiten und nicht unbedingt modischen Klamotten zu verstecken. Denn sie liebte lange bunte Röcke oder Kleider im Gypsy-Style, der aber derzeit so überhaupt nicht „in“ war. Das hatte sie sich bei ihrer Großmutter abgeschaut. Und das zweite Problem hatte mit ihrer besonderen Gabe zu tun. „Besondere Gabe“, ja, so hatte die Oma es immer genannt. Beim Gedanken an die Großmutter traten Rosalia Tränen in die Augen. Sie vermisste ihre Großmutter so sehr. Sie war immerhin bei ihr aufgewachsen, da ihre Mutter bei der Geburt verstorben war. Die Oma war ihr Ein und Alles gewesen, während der Vater auf Geschäftsreise war und lang arbeiten musste. Ihre Oma war Freundin, Ratgeberin und Ersatzmutter in einem und damit so richtig cool gewesen. Oma Maria war eine waschechte Wahrsagerin und sie hatte trotz ihrer 78 Jahre noch hübsche bunte Kleider getragen und lange Ketten mit Edelsteinanhängern, von denen sie behauptete, dass sie Glück bringen. Und sie hatte immer ein Räucherstäbchen im Wohnzimmer angezündet, wenn sie entspannen wollte oder bevor Besuch kam. Oder nachdem der Besuch gegangen war. Trotz ihrer Trauer musste Rosalia beim Gedanken daran grinsen. Ihre Oma hatte eigentlich immer einen Grund dafür gefunden, ein Räucherstäbchen anzuzünden. Oma liebte Räucherstäbchen. Und Oma war Lebensberaterin und ein „Medium“. Das bedeutet, dass sie den Leuten alles aus den Karten lesen konnte, um ihnen zu helfen. Sie konnte sogar Botschaften von Geistern hören oder Verstorbene sehen. Das war ziemlich gruselig und fast wie in der Serie „Ghost Whisperer“. Aber für die Menschen, die Omas Hilfe brauchten, war das super. Denn sie freuten sich über den Kontakt mit ihren verstorbenen Verwandten und konnten ihnen nochmal versichern, wie sehr sie sie liebten oder wichtige Fragen stellen, die sie zu Lebzeiten versäumt hatten. Oma hatte so vielen Menschen geholfen! Ganz oft, wenn Rosalia nach Hause gekommen war, war jemand bei Oma gesessen und hatte sich aus der Hand lesen oder die Karten legen lassen. Und auch wenn sie noch so verzweifelt gewesen waren, als sie das Haus betreten hatten, sie waren stets ganz gelöst, wenn sie wieder gingen. Ihre Oma war einfach der Hammer gewesen! Und sie hatte ihr prophezeit, dass Rosalia selbst einmal ein gutes Medium werden würde. Es brauchte meist nur einen wichtigen Auslöser dafür. Ob sie sich darüber freuen sollte, wusste Rosalia noch nicht. Aber man konnte sehr viel Gutes tun mit so einer Gabe, das wäre schon schön, wenn sie das auch einmal könnte. Oma Maria hatte immer jedem geholfen, doch als sie selbst Hilfe gebraucht hätte, war niemand zu Hause gewesen. Sie hatte einen Herzinfarkt gehabt am einzigen Tag, für den sie keine Termine angenommen hatte. Manchmal dachte Rosalia daran, ob die Oma es wohl gewusst hatte. Vielleicht wollte sie einfach ganz alleine und in Ruhe sterben .... Rosalia liefen jetzt die Tränen über die Wangen und sie wischte die Gedanken mit aller Kraft beiseite. Sie wollte jetzt nicht auch noch daran denken, wie sie sie gefunden oder wie sie sie beerdigt hatten. Stattdessen sollte sie sich auf die baldige Ankunft im Internat Sonnenhof vorbereiten. Es würde nicht einfach werden. Sie wusste das, weil sie vieles bereits in ihren „Visionen“ gesehen hatte. Das bedeutet, dass sie manche Dinge ganz spontan vorhersehen konnte. Manchmal tauchten nur Bilder in ihrem Kopf auf und manchmal längere Szenen, wie in einem Film oder einem Traum. Und diese Dinge geschahen dann später tatsächlich! Viele Wahrsager konnten die Zukunft oder die Vergangenheit aus den Handlinien oder Tarotkarten ablesen, was Rosalia ebenfalls konnte, aber sie hatte eben einfach diese Visionen, die sie leider nicht kontrollieren konnte. Sie kamen bisher nur zufällig und dann auch nicht immer zum günstigsten Zeitpunkt. Rosalia hätte es besser gefunden, diese Visionen auf Kommando rufen zu können, aber das war leider nicht möglich. Trotzdem war die Oma ganz stolz auf sie gewesen, als sie ihr davon erzählt hatte. „Das ist deine ganz besondere Gabe, meine Rose!“, hatte sie immer gesagt. „Aber du musst noch daran arbeiten, richtig mit ihr umzugehen. Du darfst keine Angst haben!“ Und dann war ihr Gesicht ganz traurig geworden. „Aber, meine Rose, es wird erst etwas ganz Schlimmes passieren, bevor deine Gabe richtig herauskommt. Sei stark, versprich es mir!“ Und natürlich hatte sie es der Oma versprochen. Sie hatte es kommen sehen, dass es einen Schulwechsel geben würde. In ihren Visionen hatte sie bereits Gesichter gesehen von Schülerinnen, die über sie lachten. Aber die Visionen waren noch unzusammenhängend und zufällig. Wahrscheinlich war es auch nicht wichtig. Man würde sie im Internat genauso verspotten, wie in der vorigen Schule. Weil sie nicht so stylisch war wie die anderen Mädchen, weil sie zu zurückgezogen war und lieber ein Buch las, als shoppen zu gehen. Weil sie gute Noten hatte und eine Streberin war – aber sie wollte später unbedingt Ärztin werden oder Psychologin und dazu brauchte sie gute Noten. Warum die anderen das schlimm fanden, war ihr nicht klar. „Die sind nur neidisch, meine Rose!“, hatte Oma sie immer getröstet. „Lass dich nicht von deinem Traum abbringen. Du wirst eine tolle Psychologin werden. Du wirst die Kinder verstehen, wenn sie zu dir kommen, weil du schon so vieles erlebt hast!“ Ob das so sein würde? „Wir sind jetzt gleich im Internat, Spatz!“, unterbrach der Vater ihre trüben Gedanken. „Da vorne ist die Abfahrt nach Wächterstett und dann sind wir auch gleich da.“ Rosalia setzte sich aufrecht hin und kontrollierte ihre Kleidung. Sie schaffte es immer wieder, dass ihr irgendetwas Seltsames passierte, weil sie einfach zu ungeschickt war. Aber heute wollte sie einen guten ersten Eindruck machen. Saß der lange Rock richtig, oder hatte er sich etwas beim Herumrutschen auf dem Rücksitz irgendwie nach oben geschoben? Das wäre dann ein echt peinlicher Auftritt, gleich beim Aussteigen. Nein, alles in Ordnung, stellte sie fest. Die Schnürschuhe waren korrekt geschnürt, der gestrickte Pulli kaschierte perfekt ihre pummeligen Rundungen und hatte ausnahmsweise keine Flecken. Die Brille war einwandfrei auf der Nase platziert, die langen Haare ordentlich zu zwei straffen Zöpfen gebunden, die ihr bis zum Bauchnabel fielen und die Tasche mit dem Handgepäck fest verschnürt. Sie kontrollierte das absichtlich doppelt, denn es wäre nicht das erste Mal, dass ihre Umhängetasche beim Umhängen plötzlich kippte, weil sie sie nicht verschlossen hatte. Aber nein, alles klar. Den quietschgelben Regenumhang hatte sie ebenfalls griffbereit, damit sie nicht völlig durchweicht in der Schule ankam. Wer weiß, wie weit es vom Parkplatz zum Schulgebäude ist? So gerüstet saß sie kerzengerade auf dem Rücksitz und beobachtete durch die Frontscheibe, wie der Vater in das Dorf Wächterstett hineinfuhr. Es sah nach einem recht kleinen Dorf aus. „Die Stadt hat nur 13.000 Einwohner, du kannst dich also nicht verirren, wenn ihr mal Ausgang habt!“ erklärte der Vater, während er die...



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