E-Book, Deutsch, 163 Seiten
Mattes Helden des Wilden Westens
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7549-3017-5
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 163 Seiten
ISBN: 978-3-7549-3017-5
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Daniela Mattes, geb. 1970, Diplom-Verwaltungswirtin (FH) hat ihre schriftstellerische Laufbahn 2005 mit einem Kinderbuch begonnen. Seither ist sie jedoch in jedem Genre vertreten und hat in verschiedenen Verlagen Kinderbücher, Fantasybücher, historische Romane, esoterische Bücher und Wahrsagekarten veröffentlicht. Mit zwei Autorenkolleginnen hat sie lange Zeit die Kolumne 'Federlesen' geschrieben, die zunächst in der Tageszeitung, dann als Printausgabe veröffentlicht wurde. Für den Ancient Mail Verlag hat sie bereits einige Bücher ins Deutsche übersetzt. Daniela Mattes beschäftigt sich seit dem 14. Lebensjahr mit Astrologie und hat einen Abschluss in Astrologischer Psychologie (SGD). Außerdem interessiert sie sich für Wahrsagen und Steinheilkunde sowie alte Kulturen und ungelöste Rätsel.
Autoren/Hrsg.
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Der amerikanische Goldrausch
Abb. 9: Goldgräbersiedlung beim Goldrausch in Klondike
Gold wurde und wird in vielen Gebieten gefunden, aber die sicherlich legendärsten Erzählungen, wenn es um Goldsuche oder gar den Goldrausch geht, drehen sich um die Funde in Amerika, hauptsächlich zu der Zeit, als der Westen noch wild war. Sicherlich wäre ohne den großen Ansturm der Goldsucher (Prospektoren) das Land nicht so schnell und an so vielen Stätten besiedelt worden. Schnell wurden Zeltstädte und bei längerem Aufenthalt Holzhütten, danach sogar Gebäude aus Stein errichtet.
Die Sache hatte nur einen Haken, oder sogar zwei: zum einen gab es keine Garantie, dass jeder Gold finden würde oder dass die Vorkommen ewig reichten. Daher musste manch einer pleite wieder abziehen. Der rasche Verfall der Städte führte im Endeffekt dazu, dass diese dann zu Geisterstädten wurden, die man heute in ganz Amerika findet. Der zweite Haken war der, dass die Gier nach Gold viele unehrliche Gesellen anzog, fiese Geschäftemacher, Räuber, Mörder … Aus diesem Grund waren viele Boomtowns gleichzeitig ein Hort der Gesetzlosen und entsprechend gefährlich.
In Amerika gab es viele einzelne Goldräusche, doch nicht jeder davon war berühmt und hatte denselben Ansturm wie die anderen. Die drei berühmtesten waren die in Kalifornien, Colorado und Alaska/Kanada in Klondike. Diese war dann auch der letzte große Goldrausch überhaupt. Wir werden daher hauptsächlich Kalifornien und Klondike beleuchten, da es auch nicht möglich ist, in diesem Bericht alle Schauplätze ausführlich zu besprechen.
Schauen wir zunächst, wo alles begann.
1848 Kalifornien.
„Wer hat’s erfunden? Die Schweizer!“ möchte man beinahe sagen, denn mit einem Schweizer hat eigentlich alles begonnen. Der Kaufmann Johann August Sutter, der eigentlich Suter hieß (23.02.1803 – 18.06.1880), war ein reicher Abkömmling einer Firma, die Papier herstellte und außerdem Druckereien besaß. Als er wegen unsauberer Geschäfte vor den Schweizer Behörden floh, landete er in Kalifornien, das damals zu Mexiko gehörte, und ließ sich 1839 im Sacramento-Tal nieder.
Abb. 10: Ölgemälde: Sutter, eigentl.
Suter, gemalt von Frank Buchser (1866) (Wikipedia, gemeinfrei)
Er vertrieb die Indianer und baute sich ein Reich auf, das er Neu-Helvetien nannte. Schließlich fiel das Gebiet jedoch nach Beendigung des Amerikanisch-Mexikanischen Krieges 1848 von den Mexikanern an die USA und sein Traum vom eigenen Reich zerplatzte. Im selben Jahr wollte er nämlich von James W. Marshall eine Sägemühle am American River bauen lassen. Bei den Grabungsarbeiten fand Marshall ein Goldnugget und Sutter konnte nicht verhindern, dass Marshall dies sofort herumposaunte. Sutter konnte sich vorstellen, was passieren würde … und genau so traf es auch ein.
Abb. 11: Zeitgenössische Darstellung von Sutters Fort (Wikipedia, gemeinfrei)
Marshall bezahlte seine Rechnungen beim örtlichen Kaufmann Kaufmann Samuel Brannan (1819-1889) mit Gold, was natürlich ziemlich auffällig war. Noch ungünstiger war die Tatsache, dass Brannan eine gute Geschäftsidee umsetzte. Er verkaufte lautstark eine riesige Menge Schaufeln, neben die er ein Glas mit Goldstaub stellte und dazu verkündete, dass es im American River Gold gab.
Die Leute stürmten jetzt von überall herbei, wanderten sogar von Deutschland dorthin aus, um an der Fundstelle nach Gold zu suchen, und obwohl es sich dabei eigentlich um SEIN Land handelte, hinderte es die Goldsucher nicht daran, sich darauf munter einen Claim abzustecken und drauf los zu buddeln. Recht und Gesetz spielten bald keine Rolle mehr. Auch seine eigenen Arbeiter widmeten sich lieber der Goldsuche als ihrem Job und so ging Sutter schließlich bankrott.
Aber nicht nur Sutter hatte der Goldrausch geschadet, sondern dem gesamten Land. Über 100.000 Ureinwohner verloren ihr Leben, Flüsse und Seen waren nachhaltig geschädigt. Denn zum Goldabbau wurden sie oft trockengelegt und umgeleitet. Das gesamte Ökosystem geriet aus dem Gleichgewicht.
Doch mit Sutters Ruin ist die Geschichte des Goldrauschs natürlich noch nicht zu Ende. In San Francisco ging es jetzt erst richtig rund. Die Zeitungen berichteten ebenfalls überall vom Goldfund und schürten die Gier der Prospektoren noch weiter. Massenweise landeten die Einwanderer hier mit den Schiffen und sorgten dafür, dass die Bevölkerung in San Francisco explodierte. Unter den ersten Einwanderern und Goldsuchern waren die Chinesen, die später fast 20 Prozent der Bevölkerung San Franciscos ausmachten. Sie wurden anschließend speziell beim Bau der Eisenbahn eingesetzt, mussten sich aber ständig gegen Diskriminierungen und Überfälle wehren.
Abb. 12: Photo panorama of San Francisco, 1853 Source http://www.daguerre.org/gallery/oakland/5ca.html (wikipedia, gemeinfrei)
1849 die „Forty-Niner“
Besonders im Jahr 1849 ging es so richtig rund in Kalifornien, daher hatten die Goldsucher dann auch ihren Spitznamen “Forty-Niner“. Gaststätten, Bordelle und alles, was die Goldsucher so brauchten, konnte man hier finden. Recht und Gesetz war Mangelware, Mord, Raub und Tote waren an der Tagesordnung. Genauso wie Brände in den Holzhütten, verursacht durch die Petroleum- und Lebertran-Lampen. San Francisco ist eine der wenigen Boomtowns, die nach dem Abflauen des Goldrausches nicht zur Geisterstadt geworden ist.
Abb. 13: Plakat aus dem Jahr 1849 für Schiffspassagen nach Kalifornien zum Goldrausch (Wikipedia, gemeinfrei)
Als nun die Forty-Niner ein Jahr nach dem ersten Fund endlich eintrafen, waren die besten Claims schon weg und außerdem stellten sie fest, dass auch das meiste Gold, das man leicht aus dem Fluss herauswaschen konnte, schon verschwunden war. Um weiter zu graben oder komplizierter zu schürfen, benötigte man Geld, welches die Glücksritter natürlich nicht besaßen.
Eine Möglichkeit der Unterstützung bestand darin, dass sich die Goldsucher Arbeitsgeräte von Förderern ausliehen – gegen eine Beteiligung am Erlös des gefundenen Goldes. Einige Männer betrieben diese Art der Förderung im großen Stil, hauptsächlich Kaufleute und Saloonbesitzer. Eine andere Möglichkeit war, sich mit mehreren Männern zusammenzutun, um gemeinsam mit größerem Werkzeug und vereinten Kräften am Goldabbau zu arbeiten.
1853 kam der deutsche Jude Levi Strauss (eigentlich Löb Strauss, geb. 1829 in Buttenheim bei Bamberg) nach San Francisco, wo er mit seinem Schwager und seinem Bruder ein Geschäft eröffnete, das mit Stoffen und Kurzwaren handelte.
Abb. 14: Löb Strauss, Fotograf unbekannt (Wikipedia, public domain)
Er verkaufte auch vor Ort den täglichen Bedarf an die Goldgräber. Dabei führte er Stoffballen, Zeltplanen und Nähzeug mit und entdeckte beizeiten den Bedarf an strapazierfähiger Kleidung, der für die Goldsucher unerlässlich war.
Er verkaufte ihnen die sogenannten Duck Pants, die aus Segeltuchstoff bestanden, die aber nicht lange hielten, bzw. deren Nähte nicht lange genug hielten, da die Goldgräber ihr Werkzeug in die Taschen stopften und sie damit kaputtmachten.
1870 kam der Schneider Jacob Davis auf die Idee, dieses Problem dadurch zu lösen, dass er einfach diese Nähte mit Nieten verstärkte. Weil ihm das Geld zur Patentanmeldung fehlte, bat er Levi Strauss um Hilfe, seinen damaligen Stofflieferanten.
1873 erhielten die beiden das Patent für den Waist Overall, der sich großer Beliebtheit erfreute. Diese wurden aus Denim gefertigt und sind der Vorläufer der heutigen Jeans.
Weitere Stationen des Goldrauschs (ohne nähere Erläuterung):
1850 Goldrausch in Oregon und in British Columbia
1854 die Goldlagerstätten in Kalifornien sind erschöpft;
Wirtschaftskrise
1858 Denver, Colorado, South Platte River
1859/60 Nevada, Comstock Lode
1863 Montana und Idaho
1874 Black Hills, in Custer und Deadwood, South Dakota
1896 Klondike
Klondike oder besser die „Klondike Fields“ liegen im Territorium Yukon, dem kleinsten der drei kanadischen Territorien. Es liegt östlich der Grenze zu Alaska.
Abb. 15: Goldsucher am Chilcoot Trail (Wikipedia, public domain)
Als in Kanada/Alaska im Yukon River Gold gefunden wurde, machten sich die Veteranen aus den vorangegangenen Goldräuschen auf, um auch dem Yukon River in der Stadt Dawson das Gold zu entreißen. Die Strecke dorthin war lang und gefährlich und die meisten überlebten nicht einmal die Anreise.
Es gab nur zwei Wege in die Stadt Dawson: a) 2.700 km den Yukon River entlang, der die meiste Zeit des Jahres zugefroren war oder b) 570 km von der Küste Alaskas über die schwer passierbaren Schluchten und Gebirgspässe (Chilcoot Trail).
1870 kamen bereits die ersten Veteranen aus Kalifornien in das Gebiet am Klondike. Dort gab es hauptsächlich zwei Städte: Circle City auf amerikanischem Gebiet und Forty Mile auf kanadischer Seite. Beide bestanden aus Hütten.
Der richtige Goldrausch in Klondike startete allerdings erst 1896 und die Spitze war 1897/98. Der Abbau des Goldes war hier allerdings wesentlich schwieriger als in Kalifornien, denn wer die gefährliche Anreise überstand, hatte anschließend mit den rauen Lebensbedingungen dort zu kämpfen.
Abb. 16: Warteschlange bei der Registrierung des Claims, 1898 Erik A. Hegg (Wikipedia, gemeinfrei, source: Alaska National Archives)
Im Winter war eine bittere Kälte bis minus 59° Grad C auszuhalten, im Sommer bis plus 38° C, gepaart mit einer üblen Stechmückenplage. Nur ganz wenige Frauen kamen in das Gebiet am Klondike, erst als sich die...




