E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Mather Wiedersehen in Wales
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7337-5486-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-5486-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Plötzlich, nach all den Jahren, begreift die schöne Laura, wo wirklich ihr Zuhause ist: Im wildromantischen Wales, wo ihr Elternhaus steht und wo sie damals so heftig in Oliver Kemp verliebt war! Beim ersten Wiedersehen weiß Laura, dass es nicht leicht sein wird, Wales noch einmal ohne ihn zu verlassen und ohne ihn nach New York zu gehen ...
Ich habe schon immer gern geschrieben, was nicht heißt, dass ich unbedingt Schriftstellerin werden wollte. Jahrelang tat ich es nur zu meinem Vergnügen, bis mein Mann vorschlug, ich solle doch meine Storys mal zu einem Verlag schicken - und das war's. Mittlerweile habe ich über 140 Romances verfasst und wundere mich manchmal, wie schnell alles ging. Obwohl ich als Kind und auch als Teenager praktisch ständig geschrieben habe, habe ich keine Story wirklich beendet. Wenn mein Zimmer zu chaotisch aussah, kam meine Mutter herein, sammelte alle bekritzelten Blätter ein und warf sie in den Müll. So kam es, dass das Buch, das ich verfasste, als meine Tochter ein Baby war, das erste Werk war, das ich tatsächlich abschloss. Ich fand es schwierig, zwischen dem Haushalt und dem Kind genug Zeit zu finden und schrieb in jeder freien Minute auf ein Stück Papier - nicht gerade professionell, aber so war es halt damals. Mittlerweile sind meine beiden Kinder erwachsen, und ich habe zwei entzückende Enkel, die vier und sechs Jahre alt sind.
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1. KAPITEL
Als Oliver die Stufen zur Haustür hinaufeilte, hörte er das Telefon läuten. Durch das fächerförmige Dachfenster sah er Licht. Demnach war Thomas, sein Butler, zu Hause, und hatte sich aus irgendwelchen Gründen entschlossen, das Läuten zu ignorieren.
Wahrscheinlich ist es meine Mutter, wer könnte es sonst sein? überlegte Oliver. Er konnte sich gut vorstellen, dass sie Thomas schon den ganzen Tag genervt hatte mit ihren Anrufen. Er wäre längst zu Hause, wenn alles nach Plan verlaufen wäre. Und jetzt wartete sie sicher ungeduldig darauf, zu erfahren, was er unterwegs erlebt hatte.
Oder vielleicht auch nicht.
Oliver schnitt ein Gesicht, während er die Haustür aufschloss. Seine Mutter interessierte sich nur selten für Dinge, die sie nicht direkt betrafen. Wenn sie so dringend mit ihm reden wollte, handelte es sich eher um etwas sehr Persönliches.
Wohltuende Wärme schlug ihm aus der Eingangshalle entgegen. Nachdem er die letzten drei Wochen in Malaysia im Dschungel verbracht hatte, wo es sehr heiß gewesen war, wäre er am liebsten gar nicht in das kühle London zurückgekehrt.
„Mr. Oliver!“ Thomas Grayson tauchte am anderen Ende des langen Flurs auf. Und genau in dem Moment hörte auch das Telefon auf zu läuten.
Oliver hatte dem alten Mann die steife Anrede nicht abgewöhnen können. Er stellte die Tasche mit seiner Kameraausrüstung, den Rucksack und die Reisetasche ab und machte die Haustür hinter sich zu. Dann lehnte er sich sekundenlang dagegen. Nicht oft dachte er darüber nach, wie glücklich er sich schätzen konnte, so ein schönes und elegantes vierstöckiges Haus, das im gregorianischen Stil erbaut war, zu besitzen. Aber wenn er länger weggewesen war, genoss er es, wieder in seinen eigenen vier Wänden zu sein.
„Ich habe Sie gestern schon erwartet, Mr. Oliver“, sagte Thomas leicht vorwurfsvoll.
„Der Flug von Singapur war verspätet, und außerdem tobten Stürme über Europa. Haben Sie etwa hier davon nichts gemerkt?“, antwortete Oliver leicht spöttisch. „Ach Thomas, ich bin froh, Sie zu sehen.“
„Oh, entschuldigen Sie, Mr. Oliver. Das war wohl nicht die richtige Begrüßung. Natürlich ist es gut, dass Sie wieder da sind. Aber ich befürchte, es gibt einen Notfall.“
„Was für einen?“
Oliver war nicht in der Stimmung, sich anhören zu müssen, in welcher Krise sich seine Mutter jetzt schon wieder befand. Sie hatte immer finanzielle Probleme, obwohl Griffith ihr mehr als genug Geld zur Verfügung stellte.
„Ihre Mutter versucht schon seit zwei Tagen verzweifelt, Sie zu erreichen“, erklärte Thomas. Geht es vielleicht um Laura? schoss es Oliver durch den Kopf. Seine Stiefschwester, die schon seit beinah sieben Jahren in New York lebte, war seiner Mutter ein Dorn im Auge. „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Ihr Stiefvater vor zwei Tagen gestorben ist“, fügte er behutsam hinzu. „Mrs. Williams war schon sehr ärgerlich. Sie hat mir unterstellt, ich hätte es Ihnen nicht ausgerichtet. Sie wollte mir nicht glauben, dass ich nicht wusste, wo Sie waren.“
Jetzt war Oliver klar, warum der alte Mann nicht mehr ans Telefon gegangen war. Seine Mutter hatte ihn offenbar beleidigt. „Sie hätte am Flughafen anrufen können, dann hätte sie erfahren, dass die Flüge verspätet waren“, antwortete er. Nachdem er achtundvierzig Stunden unterwegs gewesen war, hatte er sich darauf gefreut, heiß zu duschen und sich auszuschlafen. Stattdessen musste er sich erst um seine Mutter kümmern.
„Okay, ich rufe sie an.“ Er hatte nicht mehr viel Hoffnung, sich ausruhen zu können, und nahm die Tasche mit der Kameraausrüstung in die Hand. Dann ging er vor Thomas die Treppe hinauf. „Würden Sie mir bitte saubere Sachen einpacken, falls ich nach Penmadoc fahren muss?“
„Sie wollen doch nicht etwa heute Abend noch starten!“ Thomas war entsetzt.
„Vielleicht habe ich keine andere Wahl“, antwortete Oliver und betrat den erleuchteten Raum links neben der Treppe. Im ersten Stock des Hauses befanden sich sein Arbeits-, ein Ess- und ein behagliches Wohnzimmer, im zweiten Stock sein Schlaf- und zwei Gästezimmer. Er durchquerte den Wohnraum und schenkte sich an der Getränkebar einen Whisky ein. „Ja, ich weiß“, sagte er, als Thomas, der auf der Türschwelle stehen geblieben war, missbilligend den Kopf schüttelte. „Aber ich brauche unbedingt eine Stärkung. Ehe ich wegfahre, esse ich ein Sandwich und trinke einen Kaffee. Versprochen.“
Thomas gefiel es nicht, dass Oliver vor der Fahrt Alkohol trank, doch in den acht Jahren, die er schon bei ihm angestellt war, hatte er gelernt, im richtigen Moment zu schweigen. Er drehte sich um und ging hinauf in den zweiten Stock.
Oliver musste lange warten, ehe seine Mutter ans Telefon ging. Er überlegte schon, ob sie ihn vielleicht absichtlich warten ließ, um ihn dafür zu bestrafen, dass er nicht für sie da gewesen war, als sie ihn gebraucht hatte. Zu solchen Reaktionen war sie durchaus fähig.
Er konnte sich gut vorstellen, wie das Läuten in der zugigen alten Eingangshalle mit den Deckenbalken aus Holz und dem gebohnerten Fußboden widerhallte. Laura hatte immer behauptet, in dem Haus spuke es, und als Teenager hatte er es ihr geglaubt.
Laura …
„Penmadoc Hall“, ertönte es plötzlich am anderen Ende der Leitung mitten in Olivers Gedanken hinein.
„Oh … hallo. Oliver Kemp hier. Ist meine Mutter da?“
„Hallo, Oliver“, begrüßte Eleanor Tenby ihn überraschend freundlich. „Deine Mutter wird sich freuen, dass du anrufst. Ich hole sie.“
Es war eher die Ausnahme, dass Lauras Tante Nell ihn und seine Mutter freundlich behandelte. Stella hätte sie schon längst hinausgeworfen. Doch Griffith war, was Eleanor betraf, hart geblieben, obwohl er seiner Frau sonst die meisten Wünsche erfüllte. Eleanor war die Schwester seiner verstorbenen Frau, und Penmadoc war ihr Elternhaus.
Außerdem war es für Stella nützlich, so eine perfekte Haushälterin wie Nell zu haben. Oliver schnitt ein Gesicht, er wusste, wie sehr seine Mutter die Hausarbeit verabscheute. Maggie, Lauras Mutter, war vor ihrem Tod jahrelang krank gewesen, deshalb hatte Eleanor sich um alles gekümmert. Als Griffith dann Stella geheiratet hatte, war Eleanor im Haus geblieben.
„Oliver?“, rief Stella ins Telefon. Sie hörte sich unglücklich und geradezu hysterisch an. Oliver war überrascht und nahm sich vor, vielleicht brauchte seine Mutter wirklich Trost.
„Hallo, Mom“, begrüßte er sie und fügte sanft hinzu: „Das mit Griffith tut mir so leid. Du bist sicher zutiefst erschüttert.“
„Ja, ja, das bin ich“, antwortete Stella angespannt. „Wo, zum Teufel, warst du, Oliver? Schon tagelang versuche ich, dich zu erreichen.“
„Ich weiß, Thomas hat es mir erzählt.“
„Thomas!“, wiederholte sie verächtlich. „Dieser kleine Kriecher hatte den Nerv, mir weismachen zu wollen, er wisse nicht, wo du seist. Als würdest du jemals weggehen, ohne deine Adresse zu hinterlassen.“
Oliver atmete tief durch. „Er hat dich nicht belogen, Mom. Der Flieger hatte gestern Morgen schon in Singapur Verspätung. Danach gab es in Bahrain einen längeren Aufenthalt wegen eines Schadens am Triebwerk. Und die Stürme über Europa …“
„Du hättest wenigstens anrufen können.“
„Warum?“ Olivers Mitgefühl verschwand. „Es gibt doch Wetterberichte.“
„Soll das eine Anspielung sein?“ Stellas Stimme klang auf einmal unsicher.
Offenbar geht ihr Griffiths Tod doch näher, als ich gedacht habe, überlegte Oliver. Immer wieder hatte Stella sich bei ihm darüber beklagt, wie problematisch es sei, mit einem älteren Mann verheiratet zu sein. Angeblich konnte Griffith nicht verstehen, warum sie mit ihrem Geld nicht auskam.
„Ach, vergiss es. Wenn ich gewusst hätte, dass Griffith …“
„Ja.“ Seine Mutter hatte sich wieder unter Kontrolle, wie es schien. „Ja, du hast recht. Bei deiner Abreise war mit ihm alles Ordnung. Wer hätte da schon geahnt, dass er in drei Wochen tot sein würde? Du kommst du doch heute noch, oder?“
„Natürlich.“ Es lässt sich wohl nicht vermeiden, fügte er insgeheim hinzu. „Ich esse noch eine Kleinigkeit, dann mache ich mich auf den Weg.“
„Gut.“ Stella hörte sich erleichtert an. „Ich bleibe so lange auf.“
„Wie ist es denn passiert, das mit Griffith?“, fragte Oliver, ehe sie auflegen konnte.
„Er hatte einen Herzinfarkt“, erklärte Stella kurz angebunden. „Fahr vorsichtig.“ Dann war die Leitung tot.
Nachdenklich legte Oliver das Telefon weg. Seltsam, Griffith hat doch nie Probleme mit seinem Herzen gehabt, sagte er sich. Aber was wusste er schon von Griffith? Obwohl seine Mutter zwanzig Jahre mit ihm verheiratet gewesen war, waren Oliver und sein Stiefvater sich eher fremd geblieben. Erst in den letzten Jahren waren sie sich näher gekommen.
Oliver rechnete damit, dass Laura zur Beerdigung ihres Vaters kommen würde. Nach der Scheidung von Conor Neill war sie nicht nach Penmadoc zurückgekehrt, wie man vielleicht hätte erwarten können. Aber warum hätte sie ihren guten Job in New York aufgeben sollen?
Stella war erleichtert gewesen über Lauras Entschluss. Es hätte ihr nicht gefallen, wenn ihre Stieftochter sich mit ihrem Vater gegen sie, Stella, verschworen hätte. Oliver wusste, dass seine Mutter immer eifersüchtig gewesen war auf das gute Verhältnis, das Laura mit ihrem Vater gehabt hatte. Und Laura hatte Stella nie verziehen, dass sie relativ kurz nach Maggies Tod deren...




