E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Mather Arabisches Märchen
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-2277-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-2277-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Komm mit mir in meinen orientalischen Palast!' Vivian glaubt zu träumen: Ausgerechnet der Ölmagnat Alexander Roche umwirbt sie nach allen Regeln der Verführungskunst und lädt sie ein, mit ihm ihr ganz persönliches Märchen aus Tausendundeiner Nacht zu erleben. Aber so sehr seine zärtlichen Küsse ihre Sehnsucht wecken, ist sie auch voller Misstrauen. Was will er nur von einer einfachen Sekretärin wie ihr? Immer wieder weist sie ihn zurück, voller Zweifel an all seinen süßen Worten. Bis sie in eine dramatische Notlage gerät. Nur einer kann sie retten: Alexander!
Ich habe schon immer gern geschrieben, was nicht heißt, dass ich unbedingt Schriftstellerin werden wollte. Jahrelang tat ich es nur zu meinem Vergnügen, bis mein Mann vorschlug, ich solle doch meine Storys mal zu einem Verlag schicken - und das war's. Mittlerweile habe ich über 140 Romances verfasst und wundere mich manchmal, wie schnell alles ging. Obwohl ich als Kind und auch als Teenager praktisch ständig geschrieben habe, habe ich keine Story wirklich beendet. Wenn mein Zimmer zu chaotisch aussah, kam meine Mutter herein, sammelte alle bekritzelten Blätter ein und warf sie in den Müll. So kam es, dass das Buch, das ich verfasste, als meine Tochter ein Baby war, das erste Werk war, das ich tatsächlich abschloss. Ich fand es schwierig, zwischen dem Haushalt und dem Kind genug Zeit zu finden und schrieb in jeder freien Minute auf ein Stück Papier - nicht gerade professionell, aber so war es halt damals. Mittlerweile sind meine beiden Kinder erwachsen, und ich habe zwei entzückende Enkel, die vier und sechs Jahre alt sind.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Der Mann lag über dem Lenkrad und brauchte offensichtlich ärztliche Hilfe. An dem ausländischen Sportwagen deutete nichts auf einen Unfall hin. Im Gegenteil, er war vorschriftsmäßig am Bordstein geparkt wie alle anderen Autos auf dem Kimble Square.
Vivian blieb stehen und sah sich seufzend um. Sie hatte die Party so früh verlassen, weil sie und Roger sich gestritten hatten. Außerdem hatte sie keinen Parkplatz in der Nähe seiner Wohnung gefunden, sodass sie jetzt ein Stück gehen musste. In diesem ruhigen Londoner Stadtviertel war jetzt, um halb zwölf Uhr nachts, niemand mehr unterwegs. Sie musste sich einfach um den möglicherweise bewusstlosen Mann kümmern, sonst würde er wahrscheinlich bis zum nächsten Morgen auf Hilfe warten müssen.
Roger hatte ihr angeboten, sie zu ihrem Auto zu begleiten. Doch nach dem Streit hatte sie die Beherrschung verloren und war einfach davongelaufen, ohne sich zu verabschieden. Natürlich könnte sie jetzt zurückgehen, um Hilfe zu holen. Als sie aber wieder an die Vorwürfe dachte, die sie einander gemacht hatten, schien ihr die Polizei die bessere Alternative zu sein. Aber wo war die nächste Polizeiwache?
Vivian beschloss, erst einmal festzustellen, was mit dem Mann los war, und ging zu dem Auto. Dann fasste sie versuchsweise an den Türgriff. Der Wagen war nicht verschlossen.
Der Mann bewegte sich nicht. Er hatte hellblondes Haar und eine auffallend dunkle Haut. Entweder war er kein Engländer, oder er hielt sich sehr viel im Freien auf. Seine zusammengesunkene Haltung machte eine genauere Musterung unmöglich. Es fiel ihr schwer, sein Alter zu schätzen. Er mochte um die dreißig sein. Er musste recht wohlhabend sein, denn er saß in einem teuren Wagen und trug einen eleganten Anzug.
Vivian beugte sich zu ihm hinunter. Sie nahm den unverwechselbaren Geruch von Leder, gutem Tabak und noch etwas anderem wahr, das sie nicht sofort einordnen konnte. Als sie den Mann leicht anstieß, fiel eine Flasche von seinem Schoß. Bevor sie sich instinktiv danach bückte, wurde ihr klar, was sie gerochen hatte.
„Gin!“, murmelte sie und starrte die fast leere Flasche an. Vivian war nicht auf die Idee gekommen, dass der Mann vielleicht nur total betrunken war. Sie konnte nicht verstehen, dass jemand so leichtsinnig war und sich betrunken ans Steuer setzte. Wenn ein Polizist vorbeikäme, würde er großen Ärger bekommen. Die Vermutung lag nahe, dass er auch betrunken gefahren war.
Sie schob die Flasche unter den Vordersitz. Ihr konnte es gleichgültig sein, wenn dieser Mann es auf eine Anzeige ankommen ließ. Gerade wollte sie die Tür wieder schließen, als er plötzlich seitwärts gegen sie fiel.
Sein Gewicht warf sie beinahe um. Vivian musste sich am Wagendach festhalten, um nicht zu stürzen. Doch war sie kräftig genug, um ihn wieder auf den Sitz zurückschieben zu können. Die unsanfte Behandlung hatte ihn aufgeweckt. Noch im halbbewussten Zustand griff er nach ihrem Handgelenk.
„Bon sang!“ Sein gedämpfter Fluch bestätigte ihre Vermutung, dass er Ausländer war. „Qu’est-ce que vous êtes en train de faire?“
Vivian versuchte erfolglos, sich frei zu machen. Erst jetzt fiel ihr ein, dass er sie vielleicht für eine Diebin hielt. Sie war froh, die Situation richtig gedeutet zu haben, bevor sie ihm Schlips und Kragen gelockert hatte.
„Sie wären beinahe aus dem Wagen gefallen“, erklärte sie etwas unsicher. Er hob den Kopf und sah sie an. „Es tut mir leid, ich dachte, Sie seien krank. Ich hätte nicht so neugierig sein dürfen.“
„Krank? Warum sollte ich krank sein?“ Er sprach jetzt Englisch mit einem leichten Akzent. „Dringen Sie oft in fremder Leute Autos ein?“, fragte er höhnisch.
„Selbstverständlich nicht.“ Vivian fühlte sich unbehaglich unter seinem prüfenden Blick. „Sie schienen bewusstlos. Ich war um Sie besorgt.“
„Die gute Samariterin“, spottete er.
„Wenn Sie so wollen.“ Sie holte tief Luft. „Würden Sie mich jetzt bitte gehen lassen? Es ist spät, und ich muss morgen arbeiten.“
Nach einem Augenblick des Zögerns gab der Fremde Vivians Handgelenk frei. Er lehnte sich im Sitz zurück und streckte sich. Ohne ein weiteres Wort machte Vivian sich auf den Weg zu ihrem Auto.
„Warten Sie.“
Widerstrebend blieb sie stehen. Er war ausgestiegen und stützte sich auf das Dach des Sportwagens. Der Fremde war sehr schlank, überdurchschnittlich groß und hatte breite Schultern. Sein helles Haar bildete zu der gebräunten Haut einen reizvollen Kontrast. Vivian dachte, dass sie sicher nicht die einzige Frau war, die ihn attraktiv fand. Er bemerkte ihre Unsicherheit. Spöttisch verzog er die Lippen.
„Darf ich den Namen meiner Retterin erfahren? Ohne Ihr Eingreifen hätte ich wahrscheinlich viel länger geschlafen. Es wäre mir sehr peinlich gewesen, in dieser Lage gefunden zu werden.“
„Geschlafen? Sie waren bewusstlos. Sie können von Glück sagen, dass ich Sie gefunden habe und nicht ein Polizist.“
Er kam leicht schwankend auf sie zu. „Wollen Sie damit behaupten, ich hätte getrunken?“
Vivian sah sich um. Ihr Wagen stand nur wenige Meter weiter am Straßenrand. Im Notfall konnte sie ihn schnell erreichen.
„Immerhin lag eine Flasche auf Ihrem Schoß. Ich glaube Ihnen nicht, dass Sie sich nur schläfrig fühlten und ausruhen wollten.“
Der Mann stand nun mit den Händen in den Hosentaschen vor ihr. „Sie haben mir Ihren Namen noch nicht gesagt.“
„Fleming.“ Sie ärgerte sich, dass er ihren Vorwurf nicht einmal abstritt. „Vivian Fleming. Gute Nacht.“
„Einen Augenblick noch.“ Wieder hielt er sie zurück. Sie wandte sich um und zwang sich, ihn kühl anzuschauen. Verwirrt fragte sie sich, warum ihr Herz auf einmal so pochte.
„Ich möchte es Ihnen erklären.“
„Das ist nicht nötig.“
„Ich glaube schon. Ich war nicht betrunken, wie Sie anscheinend denken. Die Flasche gehört mir nicht“, sagte der Fremde.
„Ach, wirklich?“
„Ja, wirklich. Sie werden bemerkt haben, dass sie nicht verschlossen war. Ich hatte vor, sie auszuschütten, aber ich war sehr müde und muss wohl im Auto eingeschlafen sein.“
„Wollen Sie damit sagen, Sie wären völlig nüchtern?“, fragte sie ungläubig.
„Nein, im Flugzeug habe ich etwas Wein getrunken.“
„Im Flugzeug?“
„Ich komme aus New York. Wahrscheinlich bin ich deshalb so müde. Ich habe seit 24 Stunden nicht geschlafen.“
Vivian wollte ihn darauf hinweisen, dass der Flug von New York nicht so lange dauerte, doch dann würde er denken, sie wartete auf weitere Erklärungen. Aber schließlich brauchte er sich vor ihr nicht zu rechtfertigen.
Sie zwang sich zu einem höflichen Lächeln. „Dann habe ich mich wohl geirrt. Entschuldigen Sie bitte.“
„Im Gegenteil, Sie haben getan, was Sie für das Beste hielten. Wäre ich tatsächlich bewusstlos gewesen, hätte ich Ihre Hilfe vielleicht benötigt.“
„Sprechen wir nicht mehr davon. Ich muss gehen.“
„Sie müssen mir erlauben, Sie nach Hause zu fahren.“ Er ging neben ihr her. Er ließ seinen Wagen unverschlossen zurück. Wieder ergriff er ihren Arm. „Glauben Sie mir, ich bin nicht betrunken. Sie sind ganz sicher bei mir.“
Vivian war sich nicht sicher, ob sie dem Fremden vertrauen konnte. Es war lächerlich, aber sie hatte das Gefühl, dass dieser Mann sie in Schwierigkeiten bringen würde. Obwohl es keinen Grund zur Beunruhigung gab, wehrte sie sich gefühlsmäßig gegen seine starke Anziehungskraft. Sie war immerhin mit Roger verlobt. Nur wegen ihres lächerlichen Streits konnte sie sich doch nicht so von einem anderen Mann beeindrucken lassen. Auch dann nicht, wenn dieser Mann selbstsicher und reich war.
„Dort steht mein Wagen.“ Sie zeigte auf den Mini ein paar Schritte weiter und machte sich entschlossen von ihm los. „Danke, aber ich brauche niemanden, der mich nach Hause fährt. Gute Nacht.“
Er ließ sie nicht aus den Augen, während Vivian ungeschickt versuchte, den Wagenschlüssel ins Schloss zu stecken. Sie glaubte, die Berührung seiner Hände auf ihrer Haut zu fühlen.
Sie öffnete die Tür. Hastig setzte sie sich in den Wagen und ließ den Motor an. Doch sie hatte sich umsonst aufgeregt, denn der Mann rührte sich nicht. Im Rückspiegel bemerkte Vivian, dass er sie beim Anfahren beobachtete, sich dann umdrehte und ruhig zu seinem eigenen Auto zurückging.
„Du warst gestern Nacht früh zu Hause.“ Jane stellte Vivian eine Tasse Tee ans Bett. Sie bemerkte dunkle Schatten unter den Augen ihrer Freundin. „Es war kurz nach Mitternacht, oder? Ich hatte dich nicht vor drei erwartet.“
Vivian richtete sich in den Kissen auf. „Ich bin früh gegangen. Roger und ich hatten Streit.“
„Ich verstehe. Deshalb konntest du also nicht schlafen. Worum ging es diesmal? Oder war es das Übliche?“
Vivian nippte an dem starken, süßen Tee. Sie überlegte, warum sie sich so schuldig fühlte. Jane spielte darauf an, dass sie mit Roger schon mehrmals über ihre bevorstehende Hochzeit und vor allem über die Rolle seiner Mutter dabei gestritten hatten. Doch war dies nicht der Grund für ihre schlaflose Nacht gewesen.
„Inzwischen muss er doch eingesehen haben, dass du nicht Mrs. Harrington die Vorbereitungen treffen lassen willst.“ Jane ging durch das Zimmer, zog die Vorhänge zurück und hob Vivians Strumpfhose vom Boden auf. „Schließlich hast du ja auch eine Familie.“
„Das ist...




