E-Book, Deutsch, Band 4, 352 Seiten
Reihe: Overlord - Light Novel
Maruyama Overlord – Light Novel, Band 04
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7593-0084-3
Verlag: TOKYOPOP GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Die Helden der Echsenmenschen
E-Book, Deutsch, Band 4, 352 Seiten
Reihe: Overlord - Light Novel
ISBN: 978-3-7593-0084-3
Verlag: TOKYOPOP GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Eine unbarmherzige Armee des Todes nähert sich den friedlichen Dörfern der Echsenmenschen. Die Armee der Untoten wurde von der Großen Gruft von Nazarick entsandt und steht unter dem Kommando von Cocytus, dem Wächter der fünften Ebene, dem Herrscher des gefrorenen Flusses. Was ist die Strategie dieses Mannes? Und wieso fallen die Starken gnadenlos über die Schwachen her?
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»Willkommen zu Hause, Lord Ainz.« Ainz war seit Wochen nicht mehr in seinem Zimmer gewesen und Albedos nächste Worte raubten ihm jeglichen Willen, irgendwas zu tun. »Möchtet Ihr etwas essen? Oder ein Bad nehmen? Oder vielleicht … mich? «
Er stellte sich vor, wie hinter ihrem Kopf Herzen wild auf und ab hüpften. »Was soll der Blödsinn?«
»Ich spiele Frischvermählte, Lord Ainz. Wenn der Ehemann allein mit seinem Haustier auszieht, um etwas zu erledigen, ist das die beste Weise, wie ihn seine Braut bei seiner Rückkehr begrüßen kann. Zumindest habe ich das gehört. Wie findet Ihr es?«
Deshalb hatte sie ihn also nicht an der Oberfläche empfangen. Er wollte mit einem ausdruckslosen Und warum sollte mich das interessieren? antworten, allerdings hatte er noch nie ein Date gehabt, geschweige denn geheiratet. Daher verkniff er sich den Kommentar. Männlicher Stolz überkam ihn. Was für eine Antwort erwartet sie überhaupt? Er war sich nicht sicher, doch um zumindest den Schein zu wahren, entgegnete er möglichst wohlwollend: »Es war ziemlich verlockend, Albedo.«
Sie kiekste glücklich lächelnd. »Gut. Ti hi hi!«
Bei diesem bezaubernden Lächeln verlagerte er sein Gewicht und bereitete sich auf einen Angriff vor. Es war, als würde eine Schlange über seinen Rücken kriechen. Vermutlich lag es an der animalischen Lust, die sich in Albedos goldschimmernden Augen spiegelte. Doch ihr Blick war todernst. Sollte er auch nur im Scherz sagen, er wollte sie, würde sie ihn beim Wort nehmen und wie ein vom Lustrausch umnebeltes Ungeheuer über ihn herfallen. Ihm kamen die Worte sexueller Übergriff in den Sinn.
Inzwischen hatte er so ziemlich alle körperlichen Gelüste eingebüßt, nur die sich verzweifelt festklammernden Reste bettelten darum, er solle Albedos Stimmung nachgeben, um festzustellen, was als Nächstes geschehen würde. Zusätzlich stachelte ihn seine trotz allem ungebrochene Neugier an.
Hör auf, du Trottel. Es lag bestimmt nicht an seinen Selbstzweifeln, sondern an etwas ähnlich Mächtigem (das bestimmt mit seinem Dasein als Untoter zusammenhing), dass er es fertigbrachte, ihre Annäherungsversuche zu ignorieren.
Bevor sie in diese Welt gekommen waren, hatte er in ihrer Hintergrundgeschichte vermerkt, sie würde ihn lieben, und damit ihre Persönlichkeit verändert. Doch jetzt konnte er das nicht ausnutzen, auch wenn er sie auf diverse andere Arten benutzte. Er hasste sich ein wenig dafür. Ohne Knüppel kann ich auch nicht zuschlagen, ist doch logisch. Und ich glaub auch nicht, dass eine rein geistige Beziehung zwischen Mann und Frau lange gut geht … Hab ich deswegen Angst?, fragte sich Ainz, die Jungfrau.
Da war noch etwas anderes. Der von seinem Freund geschaffene NPC war gewissermaßen noch ein Kind. Kurz fragte er sich, ob es richtig war, sie noch weiter zu verderben, als er es ohnehin schon getan hatte. Bist du blöde? Darüber solltest du dir jetzt echt keine Gedanken machen.
»Ah!«
Albedos plötzlicher Schrei ließ die Flammen in seinen leeren Augenhöhlen auflodern. »Wa… Was ist los, Albedo? Was ist passiert?«
»Ich habe einen Fehler gemacht. Angeblich ist es Brauch, dass die frisch angetraute Ehefrau ihren Mann lediglich mit einer Schürze bekleidet begrüßt …« Sie betrachtete ihr Kleid, bevor sie mit hochrotem Kopf weitersprach. »Wenn Ihr mir befehlt, mich umzuziehen, werde ich dem sofort nachkommen.« Dann schlug sie mit unverhohlenem Blick und schrecklich eindeutigem Tonfall vor: »Gleich hier, vor Euch …«
»Äh … Gleich hier … Ngh. Meine Güte …« Er seufzte. »Albedo, es wird Zeit, dass wir mit diesem Blödsinn aufhören. Fangen wir mit der Lagebesprechung an und tauschen Informationen aus.«
»Ja, mein Lord.«
Bedauernd – auch wenn er nicht genau sagen konnte weswegen – tat Ainz sein Möglichstes, sie zu ignorieren, und sackte in seinen Sessel. Er warf drei Lederbeutel auf den Tisch. Innerhalb von wenigen Augenblicken wechselte Albedo von geiler Braut zu herausragender Sekretärin, bereit, jeden seiner Befehle auszuführen.
»Als Erstes, hier ist das Geld, das ich in E-Rantel verdient habe, also nutz es für Experimente.«
Die Beutel waren alle von unterschiedlicher Größe und der dickste war so voll, dass er fast überquoll. Darin befanden sich Gold-, Silber- und Kupfermünzen, die Ainz als Abenteurer verdient hatte.
»Wie Ihr befehlt. Dann benutze ich es für Nazaricks Verteidigungssystem und probiere aus, ob man damit Monster beschwören kann.«
»Mach das. Und finde raus, ob man damit Schriftrollen oder Rohstoff-Items herstellen kann.« Er wandte den Blick von Albedos tiefer Verneigung ab und betrachtete die Lederbeutel, wobei ihn ein ähnliches Gefühl wie bei einem Gebet überkam.
In Yggdrasil konnte man mit Goldmünzen nicht nur Items kaufen, sondern unter anderem die Gilde unterhalten, Monster über Stufe 30 beschwören, die nicht automatisch spawnten, Zauber wirken, Items herstellen und NPCs wiederbeleben.
Dass es möglich war, Yggdrasils Goldmünzen zu nutzen, hatten sie bereits festgestellt. Nicht jedoch, ob das auch für die Währung dieser Welt galt – besonders für Silber- und Kupfermünzen, die es in Yggdrasil nicht gab.
Man konnte zu Recht sagen, Nazaricks Zukunft hing von diesen Experimenten ab. Sollten die Münzen dieser Welt wie Gold in Yggdrasil funktionieren, würde das großen Einfluss auf ihre Pläne haben – Geld dieser Welt zu bekommen wäre dann um ein Vielfaches wichtiger. Situationsabhängig bestand die Möglichkeit, dass Ainz Geld heranzuschaffen zur obersten Priorität erklärte. Sollten die Experimente jedoch scheitern, hing das Überleben Nazaricks von den Vorräten in der Schatzkammer ab und sie müssten beginnen, sich ihre Ausgaben wohl zu überlegen.
»Was Clementine angeht …«
Beim Namen der verschwundenen Leiche verzog Ainz sein regloses Gesicht. Er machte sich Sorgen, dass man sie wegen seines Fehlers wiedererweckt hatte und sie jetzt einer unbekannten Anzahl von Leuten verriet, was sie über Nazarick wusste.
Die Gruft hatte viele potenzielle Feinde, doch leider hatten sie bislang nur sehr wenig über sie in Erfahrung bringen können. Zusätzlich hatte er selbst Informationen verbreitet. Mit etwas Glück hören andere Gildenmitglieder davon. Es könnte ein paar geben … Aber es wäre falsch, sich darauf zu verlassen. Ich muss von jetzt an vorsichtiger sein. Was sollte ich also mit Momon machen?
Sollte es jemand auf sie abgesehen haben, wäre Momon das Ziel. Ainz war dabei, sich einen Namen zu machen. Die Identität einfach so aufzugeben wäre also reine Verschwendung. Und es war noch zu früh, alle wissen zu lassen, dass Momon und Ainz dieselbe Person waren. Ich muss es wohl darauf ankommen lassen …
Seine Überlegungen steckten in einer Sackgasse – wie er es auch drehte und wendete, es gab einfach keine leichte Antwort –, daher ließ er das Thema vorläufig ruhen und wandte sich anderen Dingen zu. »Ich denke darüber nach, Pandora’s Actor zu befehlen, er soll eins von Clementines Schwertern in den Schredder schieben.«
»Schredder?«
Albedos verwirrtes Nachfragen erinnerte Ainz an den offiziellen Namen. »Die Tauschbox. Wenn jemand mit Händlerskills sie benutzt, schlägt man einen besseren Preis raus. Ich lasse also Pandora’s Actor Nearatas Form annehmen und seine Skills benutzen.« Während Albedo bestätigend den Kopf neigte, rollte Ainz ein Stück Pergament auf dem Tisch aus. »Übrigens, ich hab in E-Rantel endlich eine Weltkarte aufgetrieben.«
»Das ist … Hmm …«
Er wusste, warum sie leicht die Stirn runzelte. Die Karte strotzte nicht gerade vor Details.
»Ich weiß, was du meinst. Sie umfasst nur dieses Gebiet, nur diesen Teil der Welt. Vermutlich stimmt auch der Maßstab nicht und es fehlen einige geografische Einzelheiten. Abgesehen davon zeigt sie weitestgehend menschliche Länder und nur eine halbmenschliche Nation. Sie ist total grob, aber was Besseres bekommen wir erst mal nicht.«
Dank seiner gedeihenden Freundschaft mit dem Oberhaupt der Zauberergilde hatte er von vielen Orten erfahren – beispielsweise von den Ebenen, wo die Zentaurenstämme lebten; den in der Wüste gelegenen Dörfern des Skorpionvolks, das sich selbst Pabilsags nannte; den Bergen, in denen das Zwergenreich lag, und mehr –, auf dem Pergament war jedoch nichts davon verzeichnet. Letztendlich war diese Karte kaum mehr als ein Hilfsmittel von Menschen für Menschen, um es ihnen einfacher zu machen.
Eine unzuverlässige Karte war praktisch nutzlos. Doch ohne viel Geld und Zeit zu investieren, war es schwierig, eine Bessere aufzutreiben. Das hatte Theo Rakheshir gesagt und bedachte man, wie freundlich sich das Oberhaupt der Zauberer gegenüber Ainz gab, entsprach das vermutlich der Wahrheit. Aus seiner Antwort hatte Ainz geschlossen, allein diese Karte zu bekommen war bereits eine beinahe unmögliche Bitte gewesen.
»Verstanden. Dann sollten wie sie kopieren und an alle Wächter weitergeben.«
»Ja, aber vorher möchte ich sie dir grob erklären.« Er deutete in die Mitte der Karte, die recht viele Einzelheiten aufwies. »Das ist E-Rantel … und die Große Gruft von Nazarick befindet sich etwa hier.« Er bewegte den Finger nach Nordosten, bis er fast einen großen Wald erreicht hatte. Vielleicht war es nur natürlich, aber er konnte Nazaricks Standort allein anhand der Umgebung recht sicher ausfindig machen. »Das ist das...




