E-Book, Deutsch, Band 2, 348 Seiten
Reihe: Overlord – Light Novel
Maruyama Overlord – Light Novel, Band 02
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-8420-7301-2
Verlag: TOKYOPOP GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Der dunkle Krieger
E-Book, Deutsch, Band 2, 348 Seiten
Reihe: Overlord – Light Novel
ISBN: 978-3-8420-7301-2
Verlag: TOKYOPOP GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Als das Online-Rollenspiel Yggdrasil vor wenigen Tagen abgeschaltet werden sollte, strandete Momonga in der Gaming-Welt. Nun führt er seine Gilde als der Overlord Ainz Ooal Gown. Doch Wissen ist Macht - und ihm fehlt vor allem das Wissen über die veränderte Welt. So reist er als Abenteurer getarnt in die Stadt E-Rantel, um mehr zu erfahren. Aber etwas Düsteres nähert sich der Stadt ...
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1
Es gab zwei Hauptrouten, über die man mit dem Wagen von E-Rantel ins nordöstlich gelegene Dorf Carne reisen konnte. Man konnte zuerst nach Norden gehen und dann dem Pfad am Wald entlang nach Osten folgen oder Richtung Osten aufbrechen und sich dann nach Norden wenden. Die Gruppe entschied sich für Ersteres.
Am Waldrand war das Risiko, Monstern zu begegnen, größer, was man als Eskorte eher hätte vermeiden wollen. Der Grund, warum sie sich trotzdem für diesen Weg entschieden hatten, war die Monsterjagd, auf die Ainz ursprünglich mit Peter und seiner Gruppe hatte gehen wollen. Sie wollten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, aber riskierten damit, gar keine zu erwischen. Mit Ainz und Nabe an ihrer Seite fühlten sich jedoch alle sicher genug, den gefährlicheren Weg zu nehmen. Ainz hatte Nabe befohlen, Lightning einzusetzen, sobald sie die Stadt verlassen hatten, um den anderen zu beweisen, dass sie Magie der Stufe drei anwenden konnte, was auch die letzten Zweifel ausgeräumt hatte.
Ohnehin würden sie nicht tiefer in den Wald vordringen, sondern auf der Grasebene an ihm vorbeiziehen, sodass sie keinen allzu starken Monstern begegnen sollten. Da sie allerdings auch mit diesen fertig werden würden, entschieden sie, dass dies eine gute Gelegenheit wäre, die Fähigkeiten jedes Teams in der Praxis auszutesten.
Sie hatten E-Rantel verlassen, als die Sonne gerade ihren Zenit überschritten hatte. In der Ferne konnten sie einen kleinen Wald ausmachen, der wie ein dunkelgrüner Fleck aussah, so dicht war er. Die dicken Stämme der Bäume wuchsen pfeilgerade aus dem Boden und ihre prächtigen Äste waren so ausladend, dass kaum ein Sonnenstrahl hindurchdrang. Im Wald sah man kaum die Hand vor Augen und es fühlte sich fast an, als würde man von der Dunkelheit verschluckt, sobald man hineintrat. Die Leerräume zwischen den Bäumen muteten wie weit aufgerissene Mäuler an, die auf ihre Beute warteten. Allein der Anblick ließ einen erzittern.
Die Gruppe war so aufgestellt, dass der Wagen in der Mitte war. Nphelia lenkte logischerweise den Wagen, Lukeluther, der Ranger, übernahm die Spitze, Peter, der Krieger, deckte die linke Seite, Dyne, der Druide, und Ninya die rechte und Ainz und Narberal bildeten das Schlusslicht.
Sie waren bisher nicht besonders wachsam gewesen, unter anderem weil die Sicht gut war, doch auf einmal verschärfte sich Peters Tonfall. »Momon, wir erreichen jetzt gefährlicheres Terrain. Ich denke nicht, dass es hier Monster gibt, mit denen wir nicht klarkommen werden, aber bleibt sicherheitshalber wachsam.«
»Verstanden«, nickte Ainz, dann kam ihm ein Gedanke.
In einem Spiel waren die Monster, denen die Spieler in einem bestimmten Gebiet begegnen konnten, festgelegt. Das konnte jedoch unmöglich auf die Realität zutreffen. Wer weiß, was für gewitzten Gegnern wir hier begegnen.
Nach dem Vorfall im Dorf Carne und dem, was er von den gefangen genommenen Mitgliedern der Heiligen Schrift des Sonnenlichts erfahren hatte, hatte Ainz keine Zweifel an seiner Stärke. Aber das betraf nur seine Stärke als Magic Caster. Derzeit konnte er allerdings kaum irgendwelche Zauber sprechen, da er in seiner engen Rüstung steckte. Wenn er seine Spezialfähigkeiten nicht einsetzen konnte, würde er dann den Erwartungen an ihn als Vorhut überhaupt gerecht werden können? Außerdem waren sie als Eskorte hier, es ging also nicht nur darum, Monster zu erledigen – er musste Nphelia unter allen Umständen am Leben halten, sonst würde die Mission fehlschlagen. Bei diesem Gedanken wurde ihm doch ein wenig mulmig zumute.
Wenn es wirklich darauf ankam, würde er die Rüstung einfach abwerfen und seine Magie nutzen, doch dann würde er entweder die ganze Gruppe töten oder sie mit einer Art Gedächtnismanipulationsmagie belegen müssen, was er lieber vermeiden wollte. Das wär echt nervig.
Ainz sah zu Narberal. Sie reagierte mit einem einzelnen Nicken. Sie hatten sich darauf geeinigt, dass sie im Ernstfall auch höhere Zauber als die der Stufe drei anwenden würde – bis zu Stufe fünf war alles erlaubt. Das würde hoffentlich alle Gefahren beseitigen. Falls nicht, würde Ainz seine Rüstung ablegen und ernst machen.
Lukeluther schien den Blickkontakt (den er unter Ainz’ Helm nur vermuten konnte) zwischen Ainz und Narberal irgendwie fehlgedeutet zu haben, denn er scherzte: »Es ist alles gut. Ihr müsst euch keine Sorgen machen. Solange wir nicht aus dem Hinterhalt angegriffen werden, wird auch nichts Schlimmes passieren. Ich bin Eure Augen und Ohren, also alles no problemo. Hab ich recht, Nabe? Bin ich nicht toll?«
Er setzte eine ritterliche Miene auf und Narberal lachte abfällig. »Habe ich die Erlaubnis, diese schäbige Mücke zu zerquetschen, Sir Momon?«
»Eiskalt! Aber das lob ich mir!« Lukeluther streckte den Daumen hoch, was alle anderen nur noch mehr nervte, aber niemand schien sich an Narberals harten Worten zu stören. Glücklicherweise schienen sie es alle als Reaktion auf Lukeluthers schlechte Anmachkünste zu verstehen und nicht als einen Ausdruck des abgrundtiefen Hasses, den sie gegen die Menschen im Allgemeinen verspürte.
Ainz bremste sie, doch ein ungutes Gefühl machte sich in seiner nicht vorhandenen Magengegend breit. Du bist hier mit Menschen unterwegs! Sei ein bisschen diskreter!
Nphelia musste seine Körpersprache anders gedeutet haben und erklärte schnell: »Es ist alles in Ordnung. Von hier bis nach Carne erstreckt sich das Gebiet des Weisen Königs des Waldes, ein mächtiges magisches Ungeheuer, deswegen ist es ziemlich selten, dass hier andere Monster auftauchen.«
»Der Weise König des Waldes?«, fragte Ainz, dem einfiel, was er im Dorf Carne herausgefunden hatte. Der Weise König des Waldes war angeblich eine magische Bestie, die eine unglaubliche Macht besaß und sogar in der Lage war, Magie anzuwenden. Er lebte so tief im Wald verborgen, dass keiner ihn je mit eigenen Augen gesehen hatte, doch Sagen und Legenden über ihn wurden seit Generationen weitergegeben. Eine Geschichte, die er gehört hatte, beschrieb ihn als silberne, vierbeinige Bestie, die den Schwanz einer Schlange hatte und Hunderte von Jahren alt war.
Ich würde ihn zu gern treffen. Die Geschichte ist nicht so leicht zu glauben, aber wenn er echt so alt ist, muss er eine Menge wissen. Immerhin heißt er ja schon der Weise König des Waldes! Ihn zu fangen würde Nazaricks Macht stärken. Ainz erinnerte sich vage daran, wie die magische Bestie ausgesehen hatte. Der Weise König des Waldes … Ich bin ziemlich sicher, dass es ein ausgestorbenes Tier gibt, das so hieß … Es hat ungefähr wie ein Affe ausgesehen … Ja, genau, ein Orang-Utan. Eine Person … ähm, ich meine, ein weiser Mann, der tief im Wald lebt …? Mit einem Schlangenschwanz …? Ich glaube, so ein Monster gab es. Er war sich auf einmal sicher, dass es so ein Lebewesen in Yggdrasil gegeben hatte, doch dann fiel ihm endlich ein, was es wirklich war. Eine Chimäre! Die hat doch so ausgesehen, mit einem Affenkopf, dem Körper eines Dachses, den Beinen eines Tigers und einem Schlangenschwanz … Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass das hier wie das Monster aus Yggdrasil sein wird, aber wenn es irgendwie so wie damals mit den beschworenen Engeln wird, dann ist die Chance ziemlich groß.
Während Ainz so darüber nachdachte, was er noch alles über die Chimäre aus Yggdrasil wusste, sprach Lukeluther Narberal schon wieder an. »Hm, okay, ich muss mir hier echt Mühe geben, damit Nabe den besten Eindruck von mir bekommt und lernt, mich zu mögen.«
Narberal schnalzte mit der Zunge und das Geräusch schien alle Missgunst aus der tiefsten Tiefe ihres Herzens zu beinhalten.
Lukeluther war schockiert, doch niemand schien ihn trösten zu wollen. Es schien, als ob die Truppe das Hin- und Her zwischen den beiden mittlerweile als Comedy-Einlage sah.
Gelegentlich von solchen Plänkeleien unterbrochen, zog die Gruppe weiter, die brennende Sonne immer im Rücken. Als sie so durch das Gras stapften, blieb der Saft des frischen, zertretenen Grases an ihren Lederschuhen haften und verströmte seinen Duft.
Wenn Ainz sah, wie die anderen sich den Schweiß von der Stirn wischten, war er wieder froh, ein Untoter zu sein. Sein Körper hatte keine Probleme mit der gleißenden Sonne und selbst in seiner schweren Rüstung wurde er nicht wirklich müde.
Lukeluther war weiterhin der Einzige, der die Stille mit seinen frechen Kommentaren unterbrach. »Ihr müsst nicht so viel Ausschau halten, wisst ihr, meine Augen sind weit offen! Ich meine – seht euch mal Nabe an, sie ist total tiefenentspannt, weil sie an meine Fähigkeiten glaubt.«
»An deine glaube ich nicht. Aber an die von Sir Momon.« Sie zog die Augenbrauen zusammen. Da er spürte, dass Narberal jede Sekunde explodieren konnte und etwas Furchtbares anrichten würde, legte Ainz seine Hand auf ihre Schulter. Ihr Gesichtsausdruck wurde augenblicklich wieder ganz entspannt.
Als er das sah, musste Lukeluther einfach noch mal nachbohren. »Hey, ihr beiden, seid ihr sicher, dass ihr nicht doch ein Liebespaar seid?«
»L… Liebespaar?! Wovon sprichst du?! Er hat doch Meisterin Albedo!«
»Ah!« Sie schlug sich die Hände vor den Mund, während sie ihre Augen weit aufgerissen hatte.
Ainz räusperte sich und fuhr dann in kaltem Ton fort: »Lukeluther. Würdest du bitte mit diesen Fragen aufhören?«
»Oh … Tut mir leid. Ich hab...




