E-Book, Deutsch, 348 Seiten
Maruyama Overlord – Light Novel, Band 01
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-8420-7165-0
Verlag: TOKYOPOP GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Der untote König
E-Book, Deutsch, 348 Seiten
ISBN: 978-3-8420-7165-0
Verlag: TOKYOPOP GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Zwölf Jahre lang beherrschte das Online-Rollenspiel Yggdrasil die Gaming-Welt. Für den Gildenmeister, den sogenannten Overlord, mit dem Alias 'Momonga' und seine Gilde Ainz Ooal Gown war es ein aufregendes Abenteuer. Doch jetzt ist der Hype um das Game vorbei und die Server sollen abgeschaltet werden. Als sich Momonga ein letztes Mal einloggt, um da zu sein, wenn das Spiel offline geht, geschieht das Undenkbare: Er kann sich nicht mehr ausloggen. Und die Spielfiguren der Großen Gruft von Nazarick beginnen, sich wie lebendige Menschen zu bewegen und zu handeln. Die Fantasie wird zur tödlichen Realität. Auch wenn das Spiel vorbei ist, hat die epische Geschichte von Ainz Ooal Gown gerade erst begonnen ...
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1
»Kommt zurück, Dämonen von Lemegeton!«
Auf Momongas Befehl hin kehrten die extrem seltenen Erzgolems auf ihre Sitze zurück und nahmen ihre wachsame Haltung mit einer Leichtigkeit ein, die man ihnen angesichts ihrer Statur gar nicht zugetraut hätte.
Nachdem Momonga nun offiziell die Möglichkeit in Betracht zog, dass diese Fantasiewelt tatsächlich zur realen Welt geworden sein könnte, begann er sich darum zu kümmern, seine Sicherheit zu gewährleisten. Die NPCs, die er zuvor getroffen hatte, hatten sich ihm gegenüber zwar alle unterwürfig gezeigt, aber das hieß nicht, dass dies auch auf all jene zutraf, denen er noch begegnen würde. Selbst wenn sie Verbündete wären, konnte niemand sagen, welche Gefahren da draußen noch lauerten. Sein Überleben konnte davon abhängen, ob alle Einrichtungen, Golems, Items sowie die Magie in der Gruft genauso funktionierten wie im Spiel, deshalb hatte die Überprüfung all dieser Dinge für ihn höchste Priorität.
»Das sollte fürs Erste reichen«, sagte Momonga zu sich selbst und atmete erleichtert auf, während er die Golems betrachtete. Er hatte ihnen befohlen, keine Kommandos von irgendjemandem außer ihm entgegenzunehmen, was ihm im Falle einer NPC-Rebellion immerhin eine Möglichkeit ließ, sich zu verteidigen. Erfreut über die robusten Körper der Golems blickte er auf seine eigenen Fingerknochen hinab.
Da waren neun Ringe an seinen zehn Fingern; der einzige Finger, der keinen trug, war sein linker Ringfinger. In Yggdrasil konnte man für gewöhnlich nur einen Ring pro Hand tragen, aber da er ein teures Cash Store Item mit einem permanenten Effekt gekauft hatte, konnte er nun zehn gleichzeitig tragen und ihre Kräfte benutzen. Nicht, dass ihn das zu etwas Besonderem gemacht hätte – jeder Spieler, der etwas auf seine Stärke hielt und diese priorisierte, wusste, dass man dieses Item einfach kaufen musste.
In den Ring, den Momonga jetzt musterte, war das gleiche Wappen eingraviert, das auch auf dem scharlachroten Wandteppich hinter dem Thron hing. Es war der Ring von Ainz Ooal Gown, ein magisches Item, das jedes Mitglied der Gilde in seinem Besitz hatte. Er trug seinen an seinem rechten Ringfinger.
Er war in der Lage, die Kraft von zehn Ringen zu nutzen, allerdings hatte er diese Ringe sorgfältig auswählen müssen, denn es war nicht möglich, die Entscheidung später zu ändern. Verglichen mit seinen anderen Ringen (inklusive dem, den er nicht trug und der in der Schatzkammer verwahrt wurde) war die Kraft dieses Rings nicht sehr außergewöhnlich, dennoch wollte er ihn jederzeit bei sich haben, da er ihn, zumindest in bestimmten Situationen, viel öfter verwendete als alle anderen Ringe.
Der Ring von Ainz Ooal Gown ermöglichte es seinem Träger, an fast jeden Ort innerhalb der Großen Gruft von Nazarick zu teleportieren. Man konnte sich sogar von außerhalb hineinteleportieren. Die Gruft blockierte Teleportationsmagie an allen Orten außer solchen, die speziell dafür vorgesehen waren, also gab es keine bessere Methode, um sich hier fortzubewegen. Es gab nicht viele Plätze, an die man sich nicht teleportieren konnte – außer dem Thronsaal und den Zimmern der Gildenmitglieder. Ohne diesen Ring hatte man jedoch keinen Zugang zur Schatzkammer. Das war der Grund, warum Momonga ihn immer dabeihaben wollte.
Er atmete tief aus. Er war im Begriff, die Kraft des Ringes zu aktivieren, doch er war nicht sicher, was dann passieren würde. Würde es funktionieren wie erwartet? Er war ein wenig nervös, doch er musste es herausfinden.
Momonga aktivierte den Ring und alles in seinem Blickfeld wurde schwarz, so als ob er blinzeln würde.
Die Umgebung um ihn herum veränderte sich – nun befand er sich in einem schwach beleuchteten Durchgang. Das Ende wurde durch ein verschlossenes Tor blockiert. Künstliches weißes Licht drang von der anderen Seite durch jeden Spalt.
»Das hat geklappt …«, murmelte er erleichtert, weil seine Teleportation geglückt war. Er ging durch den breiten Gang, der eine sehr hohe Decke besaß, und näherte sich dem Tor. Der Steinboden ließ seine Schritte laut widerhallen. Das flackernde Licht der Fackeln brachte die Schatten an den Wänden zum Tanzen und erweckte den Eindruck, als wären außer ihm noch mehr Personen anwesend.
Als er das Tor erreichte, nahm seine Nase – die eigentlich nur aus Löchern bestehen sollte, die ins Nichts mündeten – einen Duft wahr. Er blieb kurz stehen, um ein- und auszuatmen. Ein durchdringender Geruch nach Blättern und der Duft von Erde – dies war der Geruch eines tiefen Waldes.
Da sein Geruchssinn nun offensichtlich wieder funktionierte, so wie er es schon bei Albedo festgestellt hatte – was ja in einer Fantasiewelt nach wie vor unmöglich sein sollte –, fühlte sich Momonga immer mehr, als wäre dieser Ort nun tatsächlich die wirkliche Welt.
Aber wie kann ich ohne Luftröhre und Lunge überhaupt atmen? Er grübelte eine Weile, erkannte aber schon bald, dass es lächerlich war, den Grund dafür überhaupt zu suchen, und verwarf das Ganze wieder.
Als er vor das Tor trat, glitt es nach oben wie eine automatische Tür. Er schritt hindurch und erblickte das Kolosseum, das aus einer riesigen Anzahl von Zuschauersitzen bestand, die sich auf mehreren Ebenen rund um die Arena im Zentrum an den Wänden entlangzogen. Der ovale Raum maß etwa 190 Meter in der Länge und 155 Meter in der Breite und besaß eine Höhe von fast 50 Metern – das Ganze glich dem Kolosseum in Rom, das in der Kaiserzeit errichtet worden war. Continual Light erstrahlte hier aus diversen Richtungen, sodass die gesamte Arena in weißes Licht getaucht wurde, als würde helllichter Tag herrschen. Es gab zu viele Zuschauerplätze, um sie alle zu zählen, doch auf vielen von ihnen befanden sich große Klötze aus scheinbar leblosem Dreck – keiner der Golems hier rührte sich.
Dieser Ort wurde auch das Amphitheater genannt. Die Schauspieler waren gefangene Angreifer und Plünderer, die Zuschauer waren Golems und in den VIP-Sitzen durften die Mitglieder von Ainz Ooal Gown Platz nehmen. Was auf dem Programm stand? Ein Gemetzel natürlich. Mit der Ausnahme der 1.500 Teilnehmer des großen Raids fand jeder Eindringling, egal wie stark er auch war, an diesem Ort sein Ende.
Momonga schritt in die Mitte der Arena und spähte hinauf in den schwarzen Nachthimmel. Ohne die grelle Beleuchtung hätte er womöglich sogar die Sterne sehen können.
Natürlich war dies jedoch die sechste Ebene der Großen Gruft von Nazarick. Da sich alles im Untergrund befand, war der vermeintliche Himmel an der Decke nicht echt, sondern durch eine große Datenmenge kreiert worden, also änderte er sich im Laufe der Zeit und es gab sogar eine Sonne, die genau wie die echte Sonne auf- und unterging. Selbst dieser falsche Himmel schaffte es, Momongas Herz ein wenig leichter werden zu lassen – war der Grund dafür vielleicht, dass er unter all dieser Grafik noch immer menschlich war? Oder lag es womöglich daran, dass die Programmierung des Himmels ganz nach den Vorlieben eines seiner ehemaligen Kameraden vorgenommen worden war? Er wünschte sich, einfach hierbleiben zu können, um sich ein wenig auszuruhen, aber die derzeitige Situation erlaubte dies nicht.
Momonga schaute sich um. Sie sind nicht da. Die Zwillinge sollten sich doch um diesen Ort hier kümmern, aber … Da spürte er plötzlich, dass ihn jemand ansah.
»Haiyaaah!« Im selben Moment, in dem der Ausruf ertönte, sprang eine Gestalt von den VIP-Sitzen herab. Der Weg bis nach unten entsprach ungefähr der Höhe eines fünfstöckigen Hauses, doch die Gestalt machte einen Salto im Flug und legte eine federleichte Landung hin. Dies war keine Magie, sondern einfach ein großartiges, athletisches Kunststück. Die Gestalt fing den Aufprall mit gebeugten Beinen ab, grinste stolz und machte ein Peace-Zeichen mit beiden Händen. »Tada!«
Die Gestalt, die gerade heruntergesprungen war, war ein Kind von vielleicht zehn Jahren. Die beste Beschreibung, die man diesem Lächeln geben konnte, war »strahlend wie die Sonne«. Die Kleine besaß diese Art androgyner Niedlichkeit, die nur Kinder haben.
Ihr goldenes Haar reflektierte das Licht so, dass es fast aussah, als hätte sie einen Heiligenschein. Ihre Augen, leuchtend wie die eines aufgeregten Welpen, hatten zwei verschiedene Farben – Waldgrün und Ozeanblau. Wie es für Dunkelelfen üblich war, die dem Elfenvolk angehörten, waren ihre Ohren lang und spitz und ihre Haut dunkel.
Sie war von Kopf bis Fuß in dunkelrote leichte Rüstung aus Drachenschuppen gekleidet, die über einer Schicht aus gewöhnlicher Lederkleidung lag. Darüber trug sie eine weiße Weste mit goldener Stickerei, die das Wappen von Ainz Ooal Gown auf ihrer Brust erkennen ließ, und dazu eine weiße Hose. Eine große goldene Eichel hing an einer Kette um ihren Hals. Ihre Hände waren durch Handschuhe geschützt, mit magischen Metallplatten auf dem Handrücken. Sie hatte zwei aufgerollte Peitschen bei sich, eine trug sie an ihrer Hüfte und eine hatte sie sich um ihre rechte Schulter geschlungen. Auf ihrem Rücken hing ein Bogen mit sonderbaren Dekorationen am Griff, dem Mittelteil und an den Wurfarmen.
»Oh, es ist Aura.« Momonga murmelte ihren Namen, als er sie erkannte. Aura Bella Fiora war eine der Wächterinnen der sechsten Ebene und konnte als Ranger und Beast Tamer fantastische und magische Kreaturen befehligen.
Sie huschte ihm mit kleinen Schritten entgegen, wobei sie außergewöhnlich schnell vorankam, fast wie ein Tier, das auf allen vieren rannte. Als sie bei Momonga angekommen war, kam sie ganz abrupt zum Stehen. Ihre sportlichen...




