E-Book, Deutsch, Band 2671, 64 Seiten
Reihe: Lassiter
Martens Lassiter 2671
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-5280-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gerechtigkeit für einen Killer
E-Book, Deutsch, Band 2671, 64 Seiten
Reihe: Lassiter
ISBN: 978-3-7517-5280-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Schockschwerenot! Dieser Cowboy ist eine Lady! Verblüfft mustert Lassiter den vermeintlichen Burschen, den er soeben aus den reißenden Fluten des Missouri gerettet hat. Unter dem viel zu weiten Hemd verbergen sich sinnliche Kurven. Und die Schöne hat noch mehr Überraschungen auf Lager. Als sie sich nachts am Feuer aufwärmen, lässt sie die letzten Hüllen fallen.
Ja, Carrie ist alles andere als schüchtern. Sie weiß nur zu gut, dass jede Nacht ihre letzte sein kann. Schließlich ist sie auf einer schier aussichtslosen Mission...
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Gerechtigkeit
für einen
Killer
von Katja Martens
Diesmal würde er es nicht lebend zurückschaffen. Die Erkenntnis sickerte allmählich in seinen von Kälte und Entbehrungen umnebelten Verstand. Er würde hier draußen sterben, umgeben von Schnee und der Einsamkeit der Rocky Mountains. Nun, es gab schlechtere Arten, den Tod zu finden, aber er wollte verdammt sein, wenn er seinen Auftrag kampflos verloren gab!
Verbissen trieb Lassiter sein Pferd weiter. Längst schon hatte er kein Gefühl mehr in seinen Fingern. Die Zügel schienen an seinen Lederhandschuhen festgefroren zu sein. Pure Willenskraft hielt ihn noch im Sattel.
Die Brigade Sieben hatte ihn auf einen Killer angesetzt, der schon vielen Sternträgern durchs Netz geschlüpft war. Er war während seiner Suche dicht an ihn herangekommen, aber dann hatte ihn der Bastard im Schneesturm abgehängt. Lassiter war weitergeritten – in sein Verderben...
Sein Brauner trottete mit gesenktem Kopf voran. Der Schnee reichte ihm bis zum Bauch. Dampfwolken stiegen aus seinen Nüstern auf. Schweif und Mähne waren mit Eiszapfen verflochten. Das Pferd war ebenso wie Lassiter weit jenseits von allem, was machbar schien. Und doch waren sie noch unterwegs.
Meile um Meile kämpften sie sich den Wolf Creek Pass hoch. Espen standen hier dicht an dicht, neigten sich unter der Last des Schnees. Das Holz knirschte und ächzte. Der Blick schien sich im allgegenwärtigen Weiß zu verlieren. Und die wenigen Tierfährten verrieten, dass sich das Wild in die niedrigeren Regionen zurückgezogen hatte, wo es leichter an Nahrung gelangte. Einzig die Raubtiere hofften hier oben auf eine leichte Beute – von Alter oder Krankheit geschwächte Tiere würden das nächste Frühjahr nicht mehr erleben.
Irgendwo weiter südlich heulten Wölfe.
Sie klangen nah.
Verdammt nah sogar.
Lassiter knirschte mit den Zähnen.
Die Beutegreifer suchten normalerweise nicht die Nähe von Menschen. Diese hier schienen hungrig zu sein – und das machte sie gefährlich.
Unter anderen Umständen hätte er seine Winchester aus dem Sattelschuh gezogen und schussbereit gemacht. Er wusste sich seiner Haut zu wehren. Allerdings hatte er seit einem Geplänkel mit einer Schar Blackfeet kaum noch Munition. Der Jagdtrupp hatte mit allen Waffen auf ihn gefeuert. Lassiter hatte die bleihaltigen Grüße erwidert. Seine beherzte Gegenwehr hatte ihn am Leben erhalten, seine Vorräte an Kugeln und Patronen jedoch verbraucht.
Ihm waren nur noch seine Klinge und seine Entschlossenheit geblieben.
Beides schien die Wölfe nicht sonderlich zu beeindrucken. Sie zogen ihre Kreise um ihn immer enger.
Sein Brauner spürte die nahende Gefahr. Schnaubend warf er den Kopf zurück.
»Hooh, ruhig, Brauner«, murmelte der große Mann. Die Worte kamen ihm kaum über die Lippen, in denen er längst kein Gefühl mehr hatte.
Sein Blick schweifte über die weite, weiße Bergwelt.
Keine Spur von Jack Quinn.
Der Killer schien vom Schnee verschluckt worden zu sein.
Doch Lassiter war sich sicher, dass es nicht so einfach sein würde.
Quinn war ein Mann mit vielen Gesichtern. Wenn auch nur die Hälfte der Geschichten stimmte, die man sich über ihn erzählte, dann hatte er Hunderte Menschen auf dem Gewissen. Noch keinem Sternträger war es gelungen, ihn zu schnappen. Lassiter war ihm von South Fork aus gefolgt. Dort hatte Quinn einen Marshal erschossen – und den Bogen damit überspannt. Den gewaltsamen Tod eines Sternträgers würde man in Washington nicht tolerieren – und so hatten sie einen ihrer besten Männer geschickt, um Quinn zu fassen.
Lassiter.
Er ritt seit vielen Jahren für die Brigade Sieben, eine geheime Organisation, die immer dort eingriff, wo andere scheiterten.
An Quinn jedoch schien auch er sich die Zähne auszubeißen.
Allerdings: Noch war nicht aller Tage Abend, nicht wahr?
Solange er noch atmete, würde er weitersuchen.
Das Heulen wurde allmählich lauter.
Lassiter wusste, was das bedeutete: Die Wölfe kamen näher. Sie zogen ihre Kreise um ihn immer enger und enger. Im Schneetreiben konnte er manchmal schnelle Bewegungen aus dem Augenwinkel wahrnehmen, aber sobald er den Kopf drehte, hatten sich die Angreifer schon wieder zwischen den Bäumen abgeduckt und waren nicht mehr zu sehen. Noch nicht jedenfalls.
Nicht mehr lange, dann würden sie sich auf ihn stürzen.
Lassiter tastete nach seinem Messer. Seine Finger waren von der Kälte taub geworden, deshalb konnte er den Griff kaum umfassen. Die Waffe drohte, ihm zu entgleiten und in den Schnee zu fallen, wo er sie vermutlich nie wiederfinden würde.
Er packte fester zu und wappnete sich.
Ein düsterer, wolkenverhangener Himmel wölbte sich über den Rocky Mountains. Dicke Flocken wirbelten vom Himmel, als würden sie zu einer unhörbaren Melodie tanzen. Einer Melodie des Todes, denn die Kälte, die sie mitbrachten, kroch unter jede Lage Kleidung, in jeden Knochen und jeden Winkel des Körpers.
Lassiter hatte nicht vor, seine Suche nach Quinn aufzugeben. Nein, so einfach würde er den Gesuchten nicht entkommen lassen. Spuren, denen er hätte folgen können, gab es keine. Der Sturm wehte sie im Handumdrehen zu. Und so blieb ihm nur, seinem Gespür zu vertrauen.
Und weiter nach Nordwesten zu reiten.
Ein eisiger Sturm fegte über die Berge heran und schnitt in die Wangen des Agenten wie scharfe Klingen. Eine Schicht aus Schnee und Eis bedeckte seine mit Fell gefütterte Jacke und die ledernen Hosen. Eis klebte in seinem Bart und seinen Wimpern. Schon seit Stunden spürte er seine Füße nicht mehr.
Da! Plötzlich schälte sich eine graue Gestalt aus dem Weiß des Flockenwirbels. Ein Wolf huschte um sein Pferd herum. Der Fluchtinstinkt des Braunen ließ ihn steigen. Lassiter klammerte sich mit seinen kräftigen Oberschenkeln fest und verlagerte das Gewicht nach vorn. Sein Reittier setzte die Hufe wieder auf.
Der Wolf verschwand so lautlos, wie er aufgetaucht war.
»Nun kommt schon.« Die Worte entrangen sich wie ein Knurren seiner Kehle.
Und als hätte es nur dieser Aufforderung bedurft, schnellten vier große, kräftige Grauwölfe aus dem Weiß. Sie schienen sich vor ihm aus dem Nichts zu materialisieren und stürmten pfeilschnell heran.
Einer der Wölfe war ein massiges Tier, dem ein Ohr fehlte. Was ihm an Gehör abging, machte er mit Schnelligkeit wett. Einohr stieß sich vom Boden ab und schien auf Lassiter zuzufliegen – geradewegs in das Messer des großen Mannes hinein.
Die Klinge schnitt durch dichten Pelz, Fleisch und die Kehle des Wolfes.
Jaulend landete er im Schnee, der sich rasend schnell tiefrot unter ihm färbte.
Dem großen Mann blieb keine Zeit, um darüber nachzudenken.
Zwei weitere Wölfe griffen ihn nun gleichzeitig an.
Einer hechtete auf ihn zu. Ein ungeheurer Schmerz explodierte im Arm des Agenten, als sich das riesige Tier darin verbiss. Lassiter riss den freien Arm hoch, holte aus und stach dem Angreifer in den Leib. Seine Klinge glitt jedoch von einem Knochen ab – und der Griff entglitt dem großen Mann. So blieb ihm nur noch eines: Er schmetterte dem Angreifer die bloße Faust gegen die empfindliche Nase. Einmal... zweimal... Endlich ließ das Tier von ihm ab. Lassiter zog tief den Atem ein, spürte, wie ihm das Blut über den Arm rann und sich die Welt um ihn herum zu drehen begann. Dabei entging ihm, dass sich der andere Wolf zum Sprung anspannte und seine Kehle anvisierte.
Als der mächtige graue Schatten auf ihn zusprang, starrte Lassiter in weit aufgerissene Kiefer mit Zähnen, die dazu geschaffen waren, mühelos durch Fleisch und Muskeln zu dringen. Der Wolf hechtete geradewegs auf ihn zu, bereit, ihm die Kehle durchzubeißen...
Der Blutverlust machte ihn langsam.
Zu langsam.
Bevor er reagieren konnte, krachte es plötzlich in der Ferne.
Eine ungeheure Wucht riss den Angreifer im Sprung zur Seite und schleuderte ihn in den Schnee. Auf der Seite blieb er liegen. Blut sickerte aus der Höhle, in der sich einmal sein Auge befunden hatte.
Etwas flammte auf dem Hügel rechts von Lassiter auf.
Mündungsfeuer!
Der vierte Wolf fiel. Er war schon tot, als er im Schnee aufkam.
Lassiter schwankte im Sattel, hielt sich gerade noch so aufrecht. In seinen Ohren rauschte es. Sein Herz hämmerte wild gegen seine Rippen.
Blinzelnd starrte er zu dem Hügel hinüber.
Undeutlich konnte er einen Mann erkennen, der sein Pferd nun hinter einer tief verschneiten Baumgruppe hervorlenkte und grüßend sein Gewehr hob, bevor er es wieder senkte – und davonritt.
Wenig später hatte ihn der Flockenwirbel verschluckt, als wäre er niemals dort gewesen.
Lassiter schüttelte ungläubig den Kopf.
Seine Sinne mussten ihm einen Streich spielen. Anders war es nicht zu erklären, dass der Mann dort drüben aussah wie eben jener, hinter dem er seit Wochen her war. Der Mann, der scheinbar wahllos mordete und dessen bärtiges, von Narben zerpflügtes Konterfei auf zahlreichen Steckbriefen zu sehen war: Jack Quinn.
»Verdammt noch...




