Marshall | Winterzauber am Königshof | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

Marshall Winterzauber am Königshof


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-2841-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

ISBN: 978-3-7337-2841-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ränkespiele am Königshof sind Penelope als Hofdame bestens bekannt. Aber plötzlich ist sie selbst in eine gefährliche Intrige verwickelt: Der attraktive Oliver Woodville hat ihr einen Weihnachtskuss geraubt - und damit mächtige Feinde im Palast auf den Plan gerufen ...



Als Bibliothekarin hatte Paula Marshall ihr Leben lang mit Büchern zu tun. Doch sie kam erst relativ spät dazu, ihren ersten eigenen Roman zu verfassen, bei dem ihre ausgezeichneten Geschichtskenntnisse ihr sehr hilfreich waren. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie fast die ganze Welt bereist. Ihr großes Hobby ist das Malen.

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PROLOG

10. November 1558

Du hast versprochen, Oliver zu heiraten, sobald er zurückkehrt. Das weißt du ganz genau! Du hast es mir damals selbst gesagt.“

Es war an einem kalten und sonnigen Tag kurz vor Mittag in Shelford House am Ufer der Themse im Herzen Londons, als Penelope Jermaine ihrer älteren Schwester Mary wegen deren Treulosigkeit schwere Vorwürfe machte. Gerade erst hatte sie erfahren, dass ihre Eltern mit Marys voller Zustimmung deren Verlobung mit William Vassall, Earl of Castleford, besiegelt hatten.

Mary, die ebenso blond und schön war wie sie selbst braunhaarig und unscheinbar – woran die ältere Schwester sie bei jeder Gelegenheit erinnerte –, lächelte sie herablassend an.

„Bitte benimm dich nicht kindisch“, sagte sie in affektierter Sprechweise. „Oliver Woodville und ich waren noch die reinsten Kinder, als er auf den Kontinent reiste. Und als Kindern hat es uns Freude bereitet, solchen Unsinn zu reden. Das hatte für uns gar keine Bedeutung.“

„Ihr wart längst keine Kinder mehr!“, rief Penelope zornig. „Beide wart ihr bereits erwachsen, und du hast am Abend, bevor er aufbrach, sogar Ringe mit ihm ausgetauscht.“

„Ringe?“ Mary hob spöttisch die bezaubernd geschwungenen Brauen. „Das war nichts als Tand. Niemand käme auf den Gedanken, dass dieser Austausch wertloser Kleinigkeiten mich in irgendeiner Weise binden würde.“

„Du selbst bist wertlos, nicht die Ringe“, erwiderte Penelope verärgert. „Offenkundig sind selbst die feierlichsten Versprechungen für dich ohne Bedeutung.“

Mary Jermaine lachte verächtlich. „Komm schon, Schwesterherz! Du scheinst in deiner eigenen Traumwelt zu leben. Als Oliver und mich Freundschaft verband, waren du und ich nichts als verarmte adlige Mädchen ohne Mitgift. Wir waren die Töchter eines Niemands. Zu diesem Zeitpunkt wäre er eine gute Partie für mich gewesen. Doch seit unser Vater ein Vermögen und das große Haus, in dem wir jetzt leben, geerbt hat und wir als reiche Erbinnen angesehen werden, hat sich alles geändert. Seither können wir weit bessere Verbindungen eingehen, am königlichen Hof verkehren und ein Leben ohne die Einschränkungen führen, zu denen wir vormals verdammt waren. Folglich bin ich überaus erfreut, einen bedeutenden Mann zu heiraten und nicht einen Niemand wie Oliver Woodville.“ Sie hielt einen Moment inne, bevor sie gehässig hinzufügte: „Du tätest gut daran, dir über deine eigene Zukunft Gedanken zu machen, Schwesterchen. Da dich niemand aufgrund deines Äußeren heiraten wird, wäre ein zurückhaltendes Betragen eine positive Ergänzung zu deiner Mitgift. Hör besser auf, den Menschen, denen du Respekt zollen solltest, mahnende Vorträge zu halten.“

Penelope wurde rot vor Zorn. Sie hatte immer gewusst, dass Mary sie verachtete, weil sie sich mehr für Bücher als für die Ränke und den Klatsch am Tudor-Hof interessierte. „Aber was wird Oliver denken, wenn er heimkommt und erfährt, dass du einen anderen Mann heiratest, der noch dazu so alt ist, dass er dein Vater sein könnte?“

Auch darauf hatte Mary eine Entgegnung parat. Offenbar wusste sie auf alles eine Antwort. „Was Oliver darüber denkt, geht dich nichts an und ist auch nicht von Belang. Da er sich in Frankreich und Italien bestimmt mit diversen Damen amüsiert hat, wird er nicht überrascht sein, dass ich es mir anders überlegt habe. Bestimmt ist er zufrieden, wenn er eine Frau heiraten kann, die über eine bescheidene Mitgift verfügt. Dann kann er sich mit ihr auf das Land zurückziehen. Und wenn du dir schon solche Sorgen darüber machst, dass ich meine Meinung über Oliver geändert habe, warum heiratest du ihn dann nicht selbst? Ein Leben in einem verschlafenen Dorf würde gut zu euch beiden passen und dich im wahrsten Sinne des Wortes auf den Boden der Tatsachen zurückführen.“

Obwohl Penelope nicht weinen wollte, traten ihr Tränen in die Augen. Ihr war bewusst, dass Mary nicht viel für sie empfand, doch von der Schwester mit solcher Geringschätzung behandelt zu werden, war beinahe unerträglich. Es machte auch keinen Sinn, an Marys Ehrgefühl zu appellieren, da sie offenkundig keines besaß. Penelope erinnerte sich nur zu gut an jenen letzten Tag vor drei Jahren, den Oliver mit ihnen gemeinsam verbracht hatte, bevor er mit seinem Freund Harry Grantly zu einer langen Reise durch Europa aufgebrochen war. Nach allem, was er gesagt und getan hatte, ging er fest davon aus, dass Mary auf ihn wartete. Penelope, die vier Jahre jünger war als ihre Schwester und damals erst vierzehn Jahre alt gewesen war, erinnerte sich auch noch an etwas anderes. Oliver hatte mit ihrem Vater sprechen wollen, um vor seinem Aufbruch das offizielle Einverständnis für die Verlobung mit Mary zu erbitten. Doch Mary hatte gezögert.

„Dafür ist noch Zeit genug, wenn du zurück bist“, hatte sie gesagt.

Wusste sie zu diesem Zeitpunkt bereits, dass der Cousin ihres Vaters schwer erkrankt war und sie im Falle seines Todes nicht mehr arm und unbedeutend sein würden? Oliver Woodvilles Werbung nachzugeben, solange sie unvermögend waren und er immerhin über passable, wenn auch nicht riesige Einkünfte verfügte, war die eine Sache. Ihm die Treue zu halten, wenn das Schicksal ihr die Gelegenheit bot, in eine einflussreiche Familie einzuheiraten, war eine andere.

Mary würde sich von ihrer Entscheidung nicht abbringen lassen, ganz gleich, welche Vorhaltungen Penelope ihr machte. Der arme Oliver! Was für eine üble Überraschung erwartete ihn bei seiner Heimkehr. Um ihren Kummer zu verbergen, ging sie langsam im Zimmer auf und ab – einem Zimmer, an dem sie trotz seiner Schönheit keinen Gefallen finden konnte. Anders als Mary wünschte sie sich zurück in das hübsche kleine Gutshaus, das ihnen bis vor zwei Jahren als Heim gedient hatte, bevor die Erbschaft des Vaters das Leben der Familie auf den Kopf gestellt hatte.

Mary schien nichts mehr von Oliver hören zu wollen. Ihre nächsten Worte verrieten, dass ihre Gedanken um andere Dinge kreisten.

„Vater möchte mit uns über Elizabeths Krönung reden, die in angemessener Zeit nach dem Ableben ihrer Halbschwester Mary stattfinden wird. Mit dem Tod der Queen ist jetzt jederzeit zu rechnen. Da ich die zukünftige Gattin von Lord Castleford bin, werden wir gewiss zur Teilnahme an der Krönungszeremonie in Westminster Abbey eingeladen. Es ist von größter Bedeutung, dass wir beide so gut wie möglich aussehen. Mutter lässt bereits neue Kleider für uns schneidern, und wir werden mit ihr geeignete Goldschmiede aufsuchen.“

Kritisch musterte sie Penelope von Kopf bis Fuß. „Mutter wird eine Menge Arbeit und Ausgaben haben, bis sie dich in jemanden verwandelt hat, der sich von der gewöhnlichen Menge abhebt. Das ist höchst bedauerlich, aber leider nicht zu ändern …“

Penelope atmete erleichtert auf, als weitere Ausführungen über ihr mangelhaftes Aussehen von einem Klopfen an der Tür unterbrochen wurden. John Brewster, der Majordomus der Jermaines, trat ein und fuchtelte mit seinem neuen weißen Amtsstab in der Luft herum.

„Mistress Mary, Mistress Penelope!“, verkündete er mit orakelhafter Miene, „Euer Vater erwartet Euch im Empfangszimmer. Er hat wichtige Neuigkeiten für Euch. Habt die Güte, mir ohne Umschweife zu folgen.“

Penelope fiel es schwer, das Kichern zu unterdrücken. Eines der Dinge, die sie an ihrem neuen Leben belustigte, war Brewsters erstaunliche Verwandlung von einem reichlich tollpatschigen Lakaien in einen auf äußerste Würde bedachten Majordomus. Seit ihm eine Reihe von zusätzlichen Bediensteten unterstellt worden war, gebärdete er sich, als ob er dem königlichen Hofstaat angehörte.

Sie folgten ihm die Treppe hinunter durch die Flügeltüren, die in einen weiteren prunkvoll möblierten Raum führten, in dem ihr Vater und ihre Mutter bereits auf sie warteten. Wie Brewster hatte sich auch John Jermaine grundlegend verändert. Zuvor war das Familienoberhaupt ein nüchtern gekleideter Gutsherr gewesen. Jetzt war er wie ein Grande ausstaffiert, der es mit allen spanischen Höflingen aufnehmen konnte, die Queen Mary, der Gemahlin Philipps von Spanien, an Englands weniger prunkvollen Hof gefolgt waren.

Ihre Mutter hielt noch immer an schlichter Kleidung fest. Agnes Jermaine war eine bescheidene Frau, die sich mit Wehmut an ihr ruhiges Leben auf dem Land erinnerte – ein Leben, dem sie den Vorzug gegenüber den neuen Ehren gegeben hätte, derer sie sich nun glücklich schätzen musste. Bisher weigerte sie sich, die steife und übermäßig verzierte Kleidung anzuziehen, die die herrschende Mode bei Hofe war.

Auch das würde sie ändern müssen, denn John Jermaine eröffnete seinen Töchtern, die künftige Queen hätte angeordnet, dass bei den Krönungsfeierlichkeiten an nichts gespart werden sollte.

„Elizabeth möchte, dass die ganze Welt erfährt“, erläuterte er ihnen ernst, „dass es künftig keinen Hof geben wird, der sich an Pracht mit unserem messen kann. Das hat Castleford, der nach wie vor hoch in ihrer Gunst steht, mir mitgeteilt. Unser Erscheinungsbild muss sich diesen Wünschen anpassen – das gilt auch für dich, meine Liebe“, sagte er und drehte sich zu seiner Frau um. „Zudem möchte ich euch mitteilen, dass die neue Queen Mistress Mary Jermaine und Mistress Penelope Jermaine zu ihren Hofdamen ernennen wird.“ Voller Stolz blickte er seine Töchter an.

Penelope erstarrte. Nein, das durfte einfach nicht wahr sein! Sie verspürte nicht den leisesten Wunsch, Hofdame zu werden. Sie konnte sich kaum einen weniger attraktiven Posten denken, abgesehen von dem eines...



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