Marshall | Eine Braut muss her! | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 0382, 144 Seiten

Reihe: Historical MyLady

Marshall Eine Braut muss her!


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95446-033-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 0382, 144 Seiten

Reihe: Historical MyLady

ISBN: 978-3-95446-033-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sorglos lebt Russell Chancellor, Lord Hadleigh, seit Jahren in den Tag hinein. Für seinen herrischen Vater ein unerträglicher Zustand, dem jetzt ein Ende bereitet werden soll: Innerhalb von drei Monaten muss Russell sich eine Braut suchen - andernfalls droht ihm die Enterbung! Gezwungen diesem massiven Druck nachzugeben, nimmt Russell die Einladung der Markhams an, die unbedingt ihre flatterhafte Tochter Anjelica unter die Haube bringen möchten. Doch als er auf dem feudalen Landsitz überraschend Mary Wardour wieder sieht, hat er keine Augen für Anjelica. Wie vor Jahren, als beide eine zarte Romanze verband, fühlen sie, dass sie füreinander geschaffen sind. Aber - genau wie damals - passt ihre Verbindung überhaupt nicht in die Pläne seines Vaters. Niemals wird er seine Zustimmung geben...



Als Bibliothekarin hatte Paula Marshall ihr Leben lang mit Büchern zu tun. Doch sie kam erst relativ spät dazu, ihren ersten eigenen Roman zu verfassen, bei dem ihre ausgezeichneten Geschichtskenntnisse ihr sehr hilfreich waren. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie fast die ganze Welt bereist. Ihr großes Hobby ist das Malen.

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1. KAPITEL

Kurz vor Tagesanbruch war Russell Chancellor, Viscount Hadleigh, aus dem “Coal Hole” kommend, daheim eingetroffen, wütend auf sich selbst, weil er zu viel getrunken und beim Spiel zu hohe Einsätze gewagt hatte. Mit dröhnendem Schädel begab er sich zu Bett, wurde jedoch schon kurze Zeit später von seinem Kammerdiener geweckt.

“Zum Teufel, was fällt Ihnen ein, Pickering?” herrschte er ihn an. “Sie wissen doch, dass ich erst vor einer Stunde nach Haus gekommen bin!”

“Ja, Mylord”, erwiderte Paul. “Ihr Vater hat mich jedoch vor knapp fünf Minuten zu sich kommen lassen und mir aufgetragen, Ihnen auszurichten, er habe etwas Dringendes mit Ihnen zu besprechen. Er wünscht, dass Sie ihn unverzüglich in seinem Arbeitszimmer aufsuchen.”

“Ach, will er das?”, fragte Russell mürrisch und stand ächzend auf. “Haben Sie eine Ahnung, worum es geht?”

“Nein, Sir. Er war jedoch …” Verlegen hielt Pickering inne.

“Was war er? Um Himmels willen, Mann, haben jetzt auch Sie sich die lästige Angewohnheit meines Vaters zu eigen gemacht, mitten im Satz aufzuhören?”

“Nein, Sir. Ich wollte sagen, er war mehr als sonst über den Klatsch verärgert, der ihm zu Ohren gekommen ist.”

Nach dieser unerfreulichen Mitteilung stöhnte Russell auf. Das aufbrausende Temperament des Vaters war in Gesellschaft weidlich bekannt. Verdrossen machte Russell Morgentoilette und ließ sich von Pickering das Krawattentuch binden.

Beim Verlassen des Ankleidezimmers erblickte er sich im Pilasterspiegel und fand, er mache keineswegs den Eindruck, imstande zu sein, sich jetzt vom Vater eine Moralpredigt anhören zu können. Er sah eher danach aus, als sei er auf dem Weg zu seiner eigenen Beerdigung.

Es verdross ihn, dass er, obwohl er dreißig Jahre alt war, vom Vater immer noch wie ein unreifer Junge behandelt wurde.

Ein Lakai machte ihm die Tür zum Arbeitszimmer auf, und voll böser Vorahnungen betrat er den Raum, in dem der Vater sichtlich erzürnt auf und ab ging.

“Da bist ja endlich, Russell! Mein Gott, wenn du so weitermachst, wird man dir deinen liederlichen Lebenswandel bald ansehen! Ich staune immer wieder aufs Neue, wie sehr du dich von Richard unterscheidest!”

Russell wusste zur Genüge, dass der Vater, in dessen Augen er ein Versager war, den Zwillingsbruder ihm vorzog.

“Ich frage mich, warum du mich zu dieser frühen Stunde herzitiert hast, nur um mir etwas mitzuteilen, was mir sattsam bekannt ist”, erwiderte er verstimmt.

Nach dieser ungebührlichen Bemerkung lief das Gesicht des Vaters rot an.

“Du bist unverschämt, Russell! Ich habe genug von dir! Du kümmerst dich um nichts anderes als dein Vergnügen! Mir graust es bei der Vorstellung, was aus dem Gut werden soll, wenn ich nicht mehr lebe und du mein Nachfolger geworden bist. Es ist zwar kein fest vererblicher Besitz, aber du weißt, dass es in unserer Familie Sitte ist, dass er an den ältesten Sohn fällt. Ich frage mich jedoch, ob das …”

“Was fragst du dich, Vater? Ich würde gern den ganzen Satz hören.”

“Ich frage mich, ob das ein weise Regelung ist”, antwortete Jack frostig. “Und weil ich Zweifel habe, stelle ich dir ein Ultimatum. Ich verlange von dir, dass du heiratest und eine Familie gründest. Folglich wirst du dich von deiner Mätresse trennen, und zwar umgehend, falls möglich, noch heute Vormittag. Ich erwarte von dir, dass du dich mit einer anständigen jungen Dame vermählst, jemandem, der so ist wie Veronica. Bei der Wahl seiner Gattin hat dein Bruder den richtigen Weitblick gezeigt, etwas, das ich, was deine Entscheidungen betrifft, von dir nicht behaupten kann! Solltest du dich weigern, mir zu gehorchen, lasse ich unverzüglich meine Anwälte herkommen und verfüge in meinem Testament, dass Richard bis auf den Titel alles erbt. Desgleichen würde ich dir deine Apanage streichen. Das würde bedeuten, dass du dir deinen Lebensunterhalt verdienen müsstest. Ich fordere von dir, dich endlich deiner Pflichten zu besinnen und aufzuhören, mir Schande zu machen. Daher setze ich dir nun eine Frist von drei Monaten, innerhalb derer du eine Frau geheiratet haben musst, die unserem Namen Ehre macht und dir Söhne schenken wird.”

Russell fühlte das Blut aus den Wangen weichen und warf scharf ein: “Ist Richard über dieses Gespräch informiert? Er hat doch bereits einen Sohn.”

“Natürlich habe ich ihm nichts davon gesagt!”, antwortete Jack erregt. “Es ist unangebracht, ihn von meiner Entscheidung in Kenntnis zu setzen, ehe du die Möglichkeit hattest, dich zu beweisen. Und was seine und deine Nachkommen angeht, so muss ich dich wohl nicht darauf hinweisen, dass ich großen Wert auf möglichst viele Enkel lege, da die Sterblichkeitsrate bei Säuglingen so hoch ist.”

Russell entsann sich, dass der Bruder ihm gegenüber geäußert hatte, er lebe ständig im Schatten des Erstgeborenen. In Wirklichkeit lagen die Dinge ganz anders, denn Richard wurde ihm vorgezogen. Der ruhmreich aus dem Krieg zurückgekehrte, ernste, sachliche und pflichtbewusste Richard, der bereits einen Stammhalter vorzuweisen hatte, war der Lieblingssohn.

“Ich wünschte, ich wäre der Zweitgeborene, von dem längst nicht so viel erwartet würde”, platzte Russell verbittert heraus.

“Es ist deine angeborene Leichtfertigkeit, über die ich mich beklage! Ich erwarte von dir, dass du dich meinen Wünschen fügst oder die Konsequenzen auf dich nimmst. Ich korrespondiere seit einiger Zeit mit einem Freund, General Markham, dessen Tochter, sein einziges Kind, ihn eines Tages beerben wird. Wir hoffen, dass Miss Angelica und du ein Paar werdet. In der nächsten Woche hat er anlässlich einer Gesellschaft Hausgäste eingeladen, und ich möchte, dass du ihn besuchst, damit du seine Tochter kennenlernst. Ich unterstelle, du hast begriffen, wie dringend die Angelegenheit geworden ist. Ich bin nicht gewillt, dir deinen losen Lebenswandel noch länger nachzusehen. Ich will keine wortreichen Versicherungen von dir hören, sondern endlich erleben, dass du Fakten schaffst. Mehr habe ich dir nicht zu sagen. Du kannst jetzt gehen. Ich will dich erst dann wiedersehen, wenn du alles so geregelt hast, wie ich es von dir verlange.”

Der Vater setzte sich und begann zu schreiben. Schweigend wandte Russell sich ab und verließ den Raum.

“Ach, verdammt und zugenäht!” fluchte Russell so laut, dass etliche Passanten in der Bruton Street ihn erstaunt anschauten.

Je mehr er über sein Anliegen nachdachte, desto unbehaglicher fühlte er sich. Gewiss, in der letzten Zeit hatte er wiederholt daran gedacht, die Beziehung zu Miss Fawcett abzubrechen, jedoch vorgehabt, das Ende langsam herbeizuführen, sodass die Trennung für sie kein allzu großer Schock sein würde.

Der Vater hatte ihm jedoch kompromisslos ein Ultimatum gestellt, das er nicht ignorieren konnte, es sei denn, er war willens, mittellos auf der Straße zu stehen. Er haderte mit sich und hielt sich vor, er hätte mutiger sein und ihm sagen sollen, er solle sich zum Teufel scheren. Er hätte sich von ihm lossagen sollen und versuchen müssen, es aus eigener Kraft zu etwas im Leben zu bringen. Aber leider hatte er keinerlei Fachkenntnisse, auf die er dabei hätte zurückgreifen können. Und der Dienst in der Armee war ihm als dem älteren der beiden Söhne vom Vater untersagt worden. Auch die Leitung des Gutes in Northumberland war ihm nicht übertragen worden, da diese Aufgabe ein Verwalter wahrnahm. Ironisch hatte der Vater hinzugesetzt, er habe nicht vor, den sehr tüchtigen Mr Shaw zugunsten eines unerfahrenen, inkompetenten Mannes seiner Pflichten zu entheben.

Verbittert dachte Russell daran, dass der Vater nicht zum ersten Mal entscheidend in sein Leben eingegriffen hatte. Schon vor dreizehn Jahren war das der Fall gewesen. Gewiss, es hatte einen Anlass dafür gegeben, doch wäre der Vater damals entgegenkommender gewesen, hätten die Dinge sich sicherlich anders entwickelt.

Russell sah das Haus vor sich, in dem Miss Fawcett wohnte, und verlangsamte die Schritte. Ihm widerstrebte die Vorstellung, ihr mitteilen zu müssen, dass er die Beziehung, die er ohnehin hatte abbrechen wollen, so abrupt beenden würde. Der Vater hatte ihn jedoch dazu genötigt, sodass er nun vollendete Tatsachen schaffen musste.

Zu seiner Überraschung sah er eine Kutsche vor dem Eingang stehen und Miss Fawcetts Pagen Reisetaschen im Gepäckfach unterbringen. Erstaunt ging er schneller, eilte die Freitreppe hinauf und betrat das Vestibül. “Caroline!”, rief er laut. Da weder sie noch der Butler zu sehen waren, wiederholte er ungeduldiger: “Caroline!”

Eine Weile später erschien sie auf dem oberen Treppenpodest und kam langsam, zum Ausgehen gekleidet, die Stufen herunter.

“Du?”, fragte sie befremdet. “Ich war der Meinung, du hättest längst vergessen, dass ich hier lebe. Hast du eine Ahnung, wie lange dein letzter Besuch bei mir bereits zurückliegt?”

Russell fühlte sich in die Defensive gedrängt. Der Tag hatte schlecht begonnen, und es sah ganz danach aus, dass noch mehr Ärger bevorstand. Caroline würde sich gewiss nicht dadurch beschwichtigen lassen, dass er ihr eine beträchtliche Abfindung zu zahlen gedachte.

“Nein”, antwortete er knapp. “Aber ich weiß, dass ich dich vernachlässigt habe.” Er war froh, dass er zusammenhängend gesprochen hatte, denn wenn er aufgeregt war, stotterte er manchmal wie in der Kindheit.

“Wie wahr!”, erwiderte Caroline mit kaltem Lächeln. “Nun, ich enthebe dich der Notwendigkeit, dich je wieder bei mir einfinden zu sollen. Ich bin deine Unbeständigkeit leid und habe daher beschlossen, dich zu verlassen. An sich wollte ich dir das brieflich mitteilen, doch zum Glück ist das jetzt nicht...



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