E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Marquart / Bagus Wir schaffen das - alleine!
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-96092-067-0
Verlag: FinanzBuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-96092-067-0
Verlag: FinanzBuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Andreas Marquart ist Vorstand des Ludwig-von-Mises-Instituts Deutschland. Nach dem Abitur absolvierte er eine klassische Bankausbildung und machte sich 1998 nach 15 Jahren als Banker in der Finanzdienstleistung mit dem Schwerpunkt Vermögensanlage selbstständig. Er orientiert sich bei der Beratung an den Erkenntnissen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Mehr zu seiner Person unter: http://austrianconsult.de Philipp Bagus ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid. Er veröffentlicht Beiträge in internationalen Fachzeitschriften wie Journal of Business Ethics, Independent Review und American Journal of Economics and Sociology. Seine Arbeiten wurden mit dem »O.P. Alford III Prize in Libertarian Scholarship«, dem »Sir John M. Templeton Fellowship«, dem »IREF Essay Preis« und dem »Ron Paul Liberty in Media Award« ausgezeichnet. Er ist außerdem Träger des »Ludwig Erhard Förderpreis für Wirtschaftspublizistik 2016« Sein Buch Die Tragödie des Euro (Finanzbuch Verlag) wurde in dreizehn Sprachen übersetzt. Mit David Howden hat er außerdem das Buch Deep Freeze: Iceland's Economic Collapse veröffentlicht.
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Vorwort
Brexit, Trumps Deal und Europa
von Roland Tichy
Als Donald Trump, zu der Zeit noch designierter Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, neue »Deals« für die US-amerikanische Wirtschaft ankündigte, knickten der Euro und die Börsenkurse in Europa noch am Tag der Erklärung zum Teil kräftig. Trumps Worte haben die Automobilfirmen härter getroffen als die Diesel-Affäre. Das sind keine »Buchwerte«. Börsen sind sensible Messsysteme für Unsicherheit und Veränderung. Müssen die Deutschen also Angst vor Trump haben? Was passiert mit Europa, das gerade eine Phase der Unsicherheit und des Streits um die Zukunft seiner Gestalt durchläuft? Muss Europa jetzt noch enger zusammenrücken? Braucht es jetzt dringender denn je die Vereinigten Staaten von Europa? Mehr Zentralismus, um gegen Trump ausreichend politisches Gewicht entwickeln zu können?
Andreas Marquart und Philipp Bagus behandeln in ihrem Buch Wir schaffen das – alleine diese brennenden Fragen und kommen zu dem Schluss, dass Europa entgegen der landläufigen Meinungen mehr Dezentralität und mehr politischen Wettbewerb benötigt. Für die Autoren liegt die Antwort auf die Globalisierung in kleinen politischen Einheiten und nicht in Riesenstaaten, die, wie jetzt im Falle von Trumps Präsidentschaft, das Potenzial haben, wie Elefanten im Porzellanladen großen Schaden anzurichten. Der Fürst von Liechtenstein oder der Schweizer Bundespräsident hingegen bewegen mit ihren Tweets nicht die Börsenkurse dieser Welt, und das ist gut so. Sie besitzen nicht diese gefährliche, unberechenbare Macht, die Trump ausübt.
Das Seltsame ist, dass Trump das erfüllt, was sich Linke und Grüne in Deutschland herbeisehnen: Er bremst die Globalisierung und beendet den wirtschaftlichen Liberalismus. Er regiert per Twitter in die Wirtschaft hinein – und betreibt damit das Gegenteil von Ordnungspolitik, der Trennung zwischen Wirtschaft und Politik. Längst greift auch Berlin immer öfter und tiefer per Anweisung in das Mikrogeflecht der Wirtschaft ein. Auch Berlin hat zu viel Macht. Selbst im deutschen Nationalstaat ist in den Augen der Autoren schon zu viel Macht konzentriert. Marquart und Bagus plädieren für noch kleinere Einheiten – ein ungewöhnlicher, aber sicher bedenkenswerter Ansatz. Schließlich wäre es für zahlreiche und kleine Staaten einfacher, den Anweisungen Berlins zu entkommen und in konkurrierende, freiere Gebiete auszuweichen. Der Wettbewerb setzt der Politik ihre Grenzen.
Trump vollzieht, was sich viele in Deutschland wünschen: Er setzt den Primat der Politik durch, und die Wirtschaft hat seinen getwitterten Befehlen zu folgen. US-Firmen stoppten daraufhin Produktionsverlagerungen ins Ausland: 1.000 Jobs in einer Fabrik für Kühlgeräte in Indiana wurden gerettet.
Deutsche Autos, die in Mexiko billig gebaut und von dort in die USA importiert werden, sollen mit 35 Prozent Strafsteuer belegt werden. Dabei hatten es sich die Deutschen doch so schön ausgerechnet und sich vorgenommen, vom billigen Industriestandort Mexiko mit willigen Arbeitskräften aus ganz Amerika, von Alaska bis Feuerland, und einen Teil Asiens zu beliefern.
Strukturwandel als Wohlstandsmaschine
Trumps »New Deal« ist ein radikaler Bruch mit der Nachkriegsordnung der Wirtschaft. Deutschland kam nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf die Beine, weil die »Käfer« aus Wolfsburg durch Amerika krabbeln durften und dort Geld für das »Wirtschaftswunder« einfuhren.
Die Öffnung der Märkte, zunächst des Westens, nach 1989 dann der ganzen Welt, war ein globales Konjunkturprogramm. Es setzte darauf, dass es allen Beteiligten Vorteile bringt, wenn die Fabriken dorthin wandern, wo die Löhne noch niedrig sind. Die Textilindustrie hat es vorgemacht: Erst wanderten die Nähereien nach Südeuropa, dann nach Nordafrika, später nach China und zuletzt nach Bangladesch und Burma. Andere Industrien folgten dem Trend. Die Produkte von Apple werden im Silicon Valley erdacht, aber in China von Foxconn (mit circa 450.000 Mitarbeitern) hergestellt.
Die klassischen Industrieländer sind in der Globalisierung Gewinner und Verlierer zugleich: Sie verlieren im Strukturwandel Arbeitsplätze und sind ständig gezwungen, mit neuen Produkten und Ideen höherwertige Arbeitsplätze zu schaffen – bis auch die wieder verloren gehen. So hat auch Deutschland wichtige Industriezweige abgeben müssen: in der Produktion von Haushaltsgeräten, Unterhaltungselektronik, Fotoapparaten – ein Drama für die Beschäftigten. Und doch war der ständige Strukturwandel und Zwang zur Innovation eine immer schneller laufende Wohlstandsmaschine.
Nicht nur die Öffnung der USA hat Deutschland also zu dem gemacht, was es heute ist. Der fortgesetzte Einigungsprozess in Europa hat Deutschland weitergeholfen. Die Öffnung Osteuropas nach dem Fall des Eisernen Vorhangs beschleunigte den Vorgang: Deutschland rückte wieder in das Zentrum Europas. Es ist elementar davon abhängig, dass die Grenzen offen bleiben. Dass Trump Europa als Deutschlands Projekt zur Durchsetzung seiner Interessen benennt, ist zwar politisch fragwürdig – die wirtschaftlichen Daten aber sprechen dafür. Die Deutschen haben die Chancen des gemeinsamen Marktes am besten genutzt und Krisen immer wieder zu ihrem Vorteil bewältigt.
Autarkie ist teuer und meist unmöglich
Zuletzt wuchs jedoch das Unbehagen an offenen Märkten: Freihandelsabkommen werden abgelehnt; faire, also höhere Preise für Produkte aus anderen Ländern werden aus ethischen Gründen gefördert; globale Standards für Arbeitsbedingungen sollen den globalen Kreislauf verlangsamen. Das gilt auch für Europa: Offene Märkte gelten vielen als ähnliche Bedrohung, etwa wenn es um die Landwirtschaft geht. Die deutschen Milchbauern würden Europa für sich gerne abschaffen. Europaweite Ausschreibungen belasten die Kommunen.
Zu Beginn des Nachkriegsaufschwungs stand aber die Öffnung des riesigen US-Marktes für die Europäer. Deutschland war von Anfang an Gewinner und, wenn man so will, ein Täter der Globalisierung, nicht ein Opfer. Das deutsche Wirtschaftssystem ist darauf ausgelegt, gemessen an den Wirtschaftssystemen aller größeren Länder vermutlich sogar am meisten zielgerichtet: Zulieferung von den Werkbänken aus dem billigen Osteuropa, dann Veredelung im Inland und schließlich teurer Export in die Weltmärkte. Globale Verflechtung und Lieferketten bis in den hintersten Winkel – das ist das deutsche Modell!
Es ist ein Erfolgsmodell, weil es sich gegen protektionistische Vorstöße behaupten konnte – insbesondere China startet immer neue Versuche, die Spielregeln einseitig zu seinem Vorteil zu ändern. Wenn Donald Trump seinen »New Deal« tatsächlich durchzieht, muss sich Deutschland neu erfinden.
Trump benennt die USA als Verlierer: Das Land hat seine Märkte geöffnet und Millionen Arbeitsplätze verloren. Nicht nur in Europa, sondern gerade in Asien sind Hunderte von Millionen Menschen der Armut entkommen; neue Mittelschichten sind entstanden. Trump behauptet, das sei zulasten Amerikas geschehen. Ist das fair?
Protektionismus ist schädlich für alle Beteiligten. Aber, so legen Marquart und Bagus überzeugend dar, große Volkswirtschaften können mit Protektionismus besser umgehen, weil sie innerhalb ihrer Grenzen Arbeitsteilung und Spezialisierung wenigstens in Maßen aufrechterhalten können. Kleinere, spezialisierte Volkswirtschaften verhungern buchstäblich draußen vor der Tür. Das ist die klare Lehre aus der Zwischenkriegszeit, nachdem die globale Freihandelsbewegung eingefroren war und die großen Reiche wie das Osmanische Reich, die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, das russische Zaren- und das deutsche Kaiserreich in kleinere und kleinste Einheiten zerfallen waren, die sich noch dazu voneinander abschotteten. Autarkie ist eine teure, meist sogar unmögliche Lösung, die Konflikte erzeugt, die, wie die Geschichte lehrt, oftmals auch blutig ausgetragen werden.
Der Wettbewerbsdruck und die Nähe zum Bürger bewirken, wie die Autoren zeigen, mannigfaltige Vorteile. Kleinere Länder sind meist besser verwaltet und einfallsreicher in ihrer gesellschaftlichen Fortentwicklung. Ohnehin neigen sie weniger zu aggressivem Auftreten. Um fehlende Größenvorteile zu ersetzen, wurden schon früher gemeinsame Wirtschaftsräume ohne Abschottung und Handelsbarrieren erfunden. Das war die Geburtsstunde der EU. Sie geht einher mit hohen Wachstumsraten.
Daher braucht Deutschland Europa. Die Frage ist nur: dieses Europa? Braucht es weitere politische Zentralisierung? Löst die Forderung nach immer mehr Verhinderung nicht doch Konflikte aus, die nur zu einer Vertiefung der Konflikte beitragen? Gibt es auch andere Formen der Zusammenarbeit, die weniger schwerfällig, weil auch weniger tiefgreifend sind? In diesem Buch werden solche Antworten gesucht. Europa braucht den Wettbewerb der Ideen wie den der Regionen. Dieser Wettbewerb, so argumentieren Marquart und Bagus, habe Europa ausgezeichnet und großgemacht. Sollte es etwa sein, dass Europa nur dezentral und flexibel in kleinen Einheiten die passende Antwort auf die Gefahr des Protektionismus geben mag?
Trump erfüllt Wünsche der Grünen und Linken
Trump fordert eine neue Gewinn- wie Lastenverteilung – auch in Sicherheitsfragen. Hier hat Deutschland ebenfalls eine schwache Stelle: Es ließ sich gut leben unter dem amerikanischen Schutzschirm, und es war einfach, aus einer pazifistischen Position heraus die USA für ihre Verteidigungsmaßnahmen zu kritisieren. Diese Haltung ist mit »America...




