Maron | Silvia-Gold 107 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 107, 64 Seiten

Reihe: Silvia-Gold

Maron Silvia-Gold 107

Julia Möwe zeigt es allen
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7325-9723-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Julia Möwe zeigt es allen

E-Book, Deutsch, Band 107, 64 Seiten

Reihe: Silvia-Gold

ISBN: 978-3-7325-9723-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Julia Möwe hat offensichtlich gerade eine Pechsträhne. Nicht nur, dass sie gezwungen ist, nach einer neuen Wohnung Ausschau zu halten und ihr Freund sie wegen einer reichen Professorentochter verlassen hat, zu allem Überfluss erfährt sie auch noch, dass sie schwanger ist. Und das sechs Wochen vor dem Examen!
Schlimmer kann es wirklich nicht kommen. Dann unterläuft ihr auf der Wohnungssuche eine Verwechslung. Sie meldet sich auf die falsche Anzeige. Doch mit diesem Irrtum verändert sich plötzlich ihr ganzes Leben ...

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Julia Möwe zeigt es allen

Als ihr Leben in Scherben lag, traf sie eine mutige Entscheidung

Von Isabelle Maron

Julia Möwe hat offensichtlich gerade eine Pechsträhne. Nicht nur, dass sie gezwungen ist, nach einer neuen Wohnung Ausschau zu halten und ihr Freund sie wegen einer reichen Professorentochter verlassen hat, zu allem Überfluss erfährt sie auch noch, dass sie schwanger ist. Und das sechs Wochen vor dem Examen!

Schlimmer kann es wirklich nicht kommen. Dann unterläuft ihr auf der Wohnungssuche eine Verwechslung. Sie meldet sich auf die falsche Anzeige. Doch mit diesem Irrtum verändert sich plötzlich ihr ganzes Leben …

„Hey, Julia! Hast du vielleicht Lust auf einen Teller Spaghetti? Dann komm mit rüber!“

Lisa Weber war – natürlich ohne anzuklopfen – einfach in das Zimmer ihrer Kommilitonin gestürmt und stand jetzt dicht neben deren Schreibtisch, an dem anscheinend immer noch gearbeitet wurde. Sie stützte ihren rechten Ellbogen auf Julias linke Schulter und schielte auf das aufgeschlagene Buch mit dem Titel „Lernbiologie, Lernmethodik, Lerntechnik“.

„Du, Thomsen hat eine tolle Knoblauchsauce dazu gekocht oder angerührt, ich weiß es nicht so genau. Der Kerl ist als Koch echt spitze! Wenn wir wirklich einmal heiraten sollten, dann muss er kochen – und die Kinder erziehen. Ich gehe lieber die Kohle verdienen!“

„Eigentlich müsste ich ja noch lernen, aber es will heute so gar nichts da oben hängen bleiben.“ Julia Möwe tippte ärgerlich an ihre Stirn.

„Hohl?“, fragte Lisa mitleidig.

„Das will ich doch nicht hoffen! – Also gut, schon überredet. Vielleicht klappt es mit vollem Bauch besser.“ Julia klappte das Buch zu und folgte Lisa und dem Duft, der von der Küche aus in alle Richtungen strömte.

„Hallo, du fleißiges Mädchen!“, wurde sie von der Tischrunde begrüßt. „Setz dich ans Kopfende, du bekommst heute einen Ehrenplatz!“ Stefan Schopohl rückte Julia echt kavaliersverdächtig einen Stuhl zurecht.

„Du trinkst doch auch Wein? Welchen möchtest du, den roten oder den weißen?“ Thomsen fuchtelte mit dem Flaschenöffner und zwei Flaschen vor Julias Nase herum.

„Moment mal, ich habe doch heute keinen Geburtstag, und das Examen habe ich auch noch nicht bestanden. Also, irgendetwas stimmt doch hier nicht. Wetten, ihr wollt mich ködern – wozu?“

Diese übertriebene Höflichkeit der kleinen Wohngemeinschaft kam doch nicht von ungefähr, das merkte doch ein Blinder mit Krückstock.

„Komisch, dass manche Leute immer gleich Angst haben, über den Tisch gezogen zu werden, wenn sie mal besonders höflich behandelt werden“, nuschelte Stefan in sein Papiertaschentuch. Seine Nase sah gefährlich nach Bakterienverbreitung aus!

„Schämt ihr euch gar nicht, ihr feige Bande, so eine falsche Platte aufzulegen!“ Lisa stemmte entrüstet ihre Hände in die Seiten und sah die Jungs missbilligend an.

„Julchen, natürlich wollen wir etwas von dir“, mischte sich jetzt Karin Lübbers in das Gespräch ein. „Du hast doch sicher schon bemerkt haben, dass ich und Stefan, ich meine, dass wir jetzt zusammen sind – und Lisa und Thomsen auch“, stotterte sie.

„Habe ich – und weiter?“

„Also, ich bekomme ein Kind, und da wird unser Zimmer einfach zu klein. Und so dachten wir, dass du vielleicht auch mit deinem Ingo zusammenziehen willst oder dir eine andere Wohnung suchst.“

Thomsen klatschte gerade eine große Fülle Spaghetti auf Julias Teller und sah beschämt an ihr vorbei.

„Aha, das war endlich Klartext! Warum habt ihr mir das nicht gleich gesagt, anstatt diese Schau abzuziehen.“

„Du nimmst es uns doch nicht übel? Nee?“

Als sie Julia nicken sahen, atmeten alle erleichtert auf.

„Seht ihr, ich habe es gleich gesagt, Julia versteht das und hilft uns“, freute sich Karin.

„Wohnt Ingo nicht in einer schönen separaten Souterrainwohnung bei seinen Eltern?“, fragte Lisa und drehte als einzige ihre Spaghetti auf dem Löffel, bevor sie diese in den Mund schob.

„Ja, aber mit Familienanschluss – so ein ‚Hotel Mama‘, versteht ihr. Sie ist dagegen, dass er mit einer Frau zusammenzieht, bevor er sein Examen gemacht hat.“ Julia kostete von dem trockenen Wein, fand, dass er nach Korken schmeckte und im Übrigen der Kochdunst im Zimmer kaum zum Aushalten war.

„Dann sucht euch doch einfach eine andere Wohnung“, schlug Thomsen vor und reichte Julia das Kännchen mit der selbstkreierten Knoblauch-Kräutersauce.

„Wovon denn? Glaubst du, seine Eltern zahlen ihm auch nur einen müden Euro, wenn er auszieht?“ Julia spürte auf einmal so ein komisches flaues Gefühl in der Magengegend.

Eigenartig, den Duft von Knoblauch hatte sie doch sonst beim Essen ganz gut vertragen! Wieso würgte es plötzlich in ihrem Hals?

Sie atmete schön tief durch wie bei ihren Yoga-Übungen. Das unwohle Gefühl blieb. Ein kleines Bäuchlein wölbte sich über ihren Jeansbund, das gestern noch nicht da war. Wahrscheinlich Blähungen vom vielen Sitzen oder von der Schokolade, die sie seit Neuestem so oft futterte! Hätte sie sich bloß nicht zu Spaghetti überreden lassen. Das waren doch Füller!

„Was sind das denn für vorsintflutliche Leute?“, fragte Thomsen und zündete die drei tiefblauen Kerzen an, die Lisa noch schnell irgendwo her gekramt hatte.

„Du meinst seine Eltern? Das kann man so nicht sagen. Es gibt eben Prinzipienreiter. Außerdem studieren bei Wiedemanns immerhin drei Kinder. Ingos Vater ist zwar Oberamtsrat beim Zoll, aber von seiner Kohle müssen auch fünf Leute leben. Und alle drei Kinder haben ein Auto. Da hat der Papa auch immer noch etwas zugetan. Ihr kennt doch Ingos Autofimmel. Der steckt doch jeden Euro in seine blöde Kiste. An der hängt er doch mehr als an jeder Frau.“ Julia stockte und hatte plötzlich das Gefühl, diesen Knoblauchgeruch nicht mehr länger ertragen zu können. Sie stand auf, ging zum Fenster und öffnete es. Puh, das tat gut!

„He, was hast du? Du bist ja kreidebleich geworden, Julchen. Ist dir schlecht? Schwanger ist aber garantiert nicht ansteckend“, feixte Karin.

Nein! An diese Möglichkeit hatte sie überhaupt noch nicht gedacht. Warum auch? Zehn Tage drüber kam immer schon mal vor. Es gab sicher auch noch andere Menschen, denen es von Knoblauchgestank schlecht wurde!

„Hallo, Träumerin? Überlegst du, wann es passiert ist?“, fragte Stefan grinsend.

Nur das nicht, keine Komplikationen! In sechs Wochen will ich meine mündliche Pädagogikprüfung machen. Eine panische Angst überfiel Julia plötzlich.

„Quatsch was Intelligenteres“, murrte sie und ging auf wackeligen Beinen zum Tisch zurück. Sie zwang sich förmlich dazu, wenigstens eine Gabel voll in den Mund zu stopfen.

Doch noch ehe sie den letzten Bissen heruntergewürgt hatte, waren die Spaghetti plus Sauce schon wieder oben. In panischer Hektik sprang Julia auf und lief mit vorgehaltener Hand zum Etagenbad. Dicke, kalte Schweißtropfen standen auf ihrer Stirn, und vor ihren Augen drehten sich die Kacheln an den Wänden.

„Mist, so ein Mist!“, schimpfte sie, während sie würgend über der Klobrille hing.

„Ich gebe dir die Adresse von Dr. Zwirn. Ein guter Arzt, mit dem kannst du in aller Ruhe reden. Der nimmt sich noch echt Zeit für ein Gespräch. Und wenn du ihm dann erzählst, dass du dich zurzeit in einer Notlage befindest, dann wird er einen Ausweg wissen. Schließlich stehst du kurz vor deinem Abschluss, und dein Lover ist dir auch nicht so ganz treu …“ Lisa hielt entsetzt inne.

Wie konnte ihr dieser Satz nur in diesem Augenblick und unter diesen Umständen herausrutschen! Sie hielt noch immer Julias Kopf fest in ihren Händen und tupfte mit einem angefeuchteten Waschläppchen den Schweiß von ihrer Stirn.

„Würdest du mir das näher erklären, Lisa? Ist es tatsächlich diese Patricia, mit der ich ihn in letzter Zeit unverhältnismäßig oft gesehen habe? – Aha, ihr alle wisst es längst, nur ich Idiot wollte es nicht wahrhaben. Da hat sich wohl hinter meinem Rücken etwas ganz rasant entwickelt“, keuchte Julia und würgte nach einer kurzen Pause erneut.

„Männer sind ein schwaches Geschlecht und können kaum einer Anmache widerstehen! Also, ich sage dir, ich persönlich lege für Thomsen auch keine Hand ins Feuer. Das heißt, er ist ein Bequemer, und Bequemen passiert das nicht so schnell! – Vielleicht ist es ja nur Patricias Cabrio, was deinen Ingo an ihr reizt.“ Lisa schlug den Klodeckel zu, drückte die Wasserspülung herunter und bugsierte Julia auf den Holzdeckel.

„Er hat mir gesagt, dass sie die Tochter seines Professors ist und ihren Dad ab und zu im Labor besucht. Mehr nicht!“, lallte Julia. „Und ich, ich habe mir nichts dabei gedacht. Ich blödes Schaf! Kennst du sie,...



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