Marlenhorst | Was wirklich wichtig ist ... | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2058, 100 Seiten

Reihe: Mami

Marlenhorst Was wirklich wichtig ist ...

Mami 2058 - Familienroman
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98757-487-0
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mami 2058 - Familienroman

E-Book, Deutsch, Band 2058, 100 Seiten

Reihe: Mami

ISBN: 978-3-98757-487-0
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Familie ist ein Hort der Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Wir alle sehnen uns nach diesem Flucht- und Orientierungspunkt, der unsere persönliche Welt zusammenhält und schön macht. Das wichtigste Bindeglied der Familie ist Mami. In diesen herzenswarmen Romanen wird davon mit meisterhafter Einfühlung erzählt. Die Romanreihe Mami setzt einen unerschütterlichen Wert der Liebe, begeistert die Menschen und lässt sie in unruhigen Zeiten Mut und Hoffnung schöpfen. Kinderglück und Elternfreuden sind durch nichts auf der Welt zu ersetzen. Genau davon kündet Mami. Viola schloss die Augen und atmete tief ein: der Geruch von schmelzender Schokolade war berauschend! Ihre Mutter war dabei, ein neues Rezept auszuprobieren und hatte Viola um Hilfe bei der Zubereitung der Sauce gebeten. Es war ein ganz besonderes Rezept, das ihr ein befreundeter Koch aus Mexiko geschickt hatte. Er behauptete, es handle sich um eine typische Speise seines Landes. Das sollte man sich nur mal vorstellen: Truthahnfleisch mit pikanter Schokoladensauce! Obwohl ihr persönlich eine warme Schokosauce zu Vanilleeis besser gefallen hätte, half Viola gern. Bedächtig und ausdauernd in großen Töpfen zu rühren, das war ihr immer ein Vergnügen, und im Grunde war es ihr sogar herzlich egal, was sich darin befand. Für eine Dreizehnjährige mochte das eine ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung sein, aber eigentlich war ihre Vorliebe naheliegend: schließlich drehte sich im Leben der Kühners fast alles um gutes Essen. Nur das ganze geschäftige Drumherum beim Kochen war Viola immer ziemlich lästig. Je eintöniger die Tätigkeit, desto ausgezeichneter konnte sie sich dabei entspannen. Mama verbreitete oft so einen Stress! »Cara mia! Jetzt musst du deine Sauce zu meiner Sauce geben, und zwar hurtig!« Prompt! Schon fing der Stress an! Viola öffnete die Augen, seufzte tief auf und begann unter dem kritischen Blick ihrer Mutter, mit einer Kelle die flüssige Schokolade in den riesigen Kochtopf zu schöpfen, in dem Sophia Kühner, geborene Carlucci, eifrig rührte. »Nicht zu schnell!«, warnte sie, als sich ein Schwall Schokolade in den Saucentopf ergoss. Viola musste lächeln, denn sie wusste schon, welcher Spruch als nächstes kam. Und richtig: »Zügig, aber nicht hektisch!«

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Viola schloss die Augen und atmete tief ein: der Geruch von schmelzender Schokolade war berauschend!

Ihre Mutter war dabei, ein neues Rezept auszuprobieren und hatte Viola um Hilfe bei der Zubereitung der Sauce gebeten. Es war ein ganz besonderes Rezept, das ihr ein befreundeter Koch aus Mexiko geschickt hatte. Er behauptete, es handle sich um eine typische Speise seines Landes. Das sollte man sich nur mal vorstellen: Truthahnfleisch mit pikanter Schokoladensauce!

Obwohl ihr persönlich eine warme Schokosauce zu Vanilleeis besser gefallen hätte, half Viola gern. Bedächtig und ausdauernd in großen Töpfen zu rühren, das war ihr immer ein Vergnügen, und im Grunde war es ihr sogar herzlich egal, was sich darin befand. Für eine Dreizehnjährige mochte das eine ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung sein, aber eigentlich war ihre Vorliebe naheliegend: schließlich drehte sich im Leben der Kühners fast alles um gutes Essen. Nur das ganze geschäftige Drumherum beim Kochen war Viola immer ziemlich lästig. Je eintöniger die Tätigkeit, desto ausgezeichneter konnte sie sich dabei entspannen. Mama verbreitete oft so einen Stress!

»Cara mia! Jetzt musst du deine Sauce zu meiner Sauce geben, und zwar hurtig!«

Prompt! Schon fing der Stress an! Viola öffnete die Augen, seufzte tief auf und begann unter dem kritischen Blick ihrer Mutter, mit einer Kelle die flüssige Schokolade in den riesigen Kochtopf zu schöpfen, in dem Sophia Kühner, geborene Carlucci, eifrig rührte.

»Nicht zu schnell!«, warnte sie, als sich ein Schwall Schokolade in den Saucentopf ergoss. Viola musste lächeln, denn sie wusste schon, welcher Spruch als nächstes kam. Und richtig: »Zügig, aber nicht hektisch!«

»Stopp!«, tönte es da vom riesigen quadratischen Tisch her, der die Raummitte beherrschte, und fast wäre Viola die Schöpfkelle aus der Hand gefallen.

Am Tisch saß Marita, die noch ein paar Augenblicke zuvor voll und ganz mit ihren Hausaufgaben beschäftigt gewesen war, doch nun starrte sie entgeistert auf ihre große Schwester und ihre Mutter. »Hört auf, ihr habt euch vertan!«

»Marita, du bringst uns ganz durcheinander!«, sagte Sophia, und ihre Augenbrauen zogen sich ärgerlich zusammen.

»Ihr seid schon durcheinander! Ihr gießt ja Schokosauce ans Essen!«, rief Marita mit weit aufgerissenen Augen.

»Carissima, wir wissen, was wir tun, kümmere dich um deine Hausaufgaben, wir kümmern uns ums Essen!«

»Aber –!«

»Das gehört so, wirklich!«, sagte Viola schlichtend, »lass uns nur machen. – Und was ist da nun alles drin?«, fragte sie ihre Mutter leise.

»Chilischoten, Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch, Hühnerbrühe, Mandeln, Rosinen und Erdnüsse«, zählte Sophia fröhlich auf. Sie hatte sich wieder ganz den Töpfen zugewandt und rührte leidenschaftlich, so dass sich die beiden Saucen zu einer sämigen, dickflüssigen Einheit vermischten. Maritas entsetztes Gesicht konnte sie nicht sehen. »Dann noch Nelke, Zimt und Anis zum Würzen, Pfeffer natürlich …« Sie überlegte. »Ich glaube, das war’s.«

»Und Schokolade«, fügte Viola hinzu.

»Und Schokolade!«, nickte Sophia zufrieden und schnupperte. »Das riecht doch wunderbar …«

Abrupt verschwand ihr Lächeln: »Jetzt weg!«, kam ihre plötzliche Anweisung. Viola wusste: dann hatte man gleich Folge zu leisten. Sie trat mit ihrem inzwischen leeren Topf einen Schritt beiseite, und ihre Mutter zog die frisch vermengte Sauce von der Herdplatte und stellte sie auf ein großes Holzbrett.

»Soll ja nicht unten ansetzen«, murmelte sie, bevor sie nach einem Löffel griff und ihn in die noch sanft brodelnde Mischung tauchte. Sie pustete und kostete vorsichtig. Dann nickte sie zufrieden. »Nicht zu süß, auch nicht zu

scharf …, perfekt!«

Sie warf den Löffel in die Spüle und wandte sich so schnell zur Tür, dass sie beinahe mit ihrem Ehemann, der eben hereinkam, zusammengestoßen wäre, und im ersten Schreck laut aufschrie.

Thomas Kühner zog seine Frau an sich: »Immer so stürmisch und temperamentvoll! So hab’ ich’s gern …« Er neigte seinen Kopf und küsste sie aufs Ohr. Obwohl Sophia eine recht große und kräftige Frau war, wirkte sie neben ihrem Mann beinahe zart. Thomas war groß und breitschultrig und alles andere als schlank, doch hätte man ihn auch nie als dick bezeichnen können. Muskeln und gut verteilter Speck machten ihn zu einem Schrank von einem Mann. Und eben jetzt füllte er den Türrahmen beinahe vollständig aus; Sophia, die sich spielerisch sträubte, hielt er an sich gedrückt.

Gesehen hätte man sie nicht, doch eine schrille Stimme hinter Thomas’ Rücken machte klar, dass da noch eine Person versuchte, in die Küche zu gelangen.

»Nun mach doch Platz, Bub!«, rief seine Mutter. Viola und Marita mussten grinsen, als sich die kleine Frau schließlich an ihrem großen Sohn und ihrer Schwiegertochter vorbeidrängte.

»Wie riecht das denn hier?«, fragte sie, kaum dass sie in der Küche stand.

»Riecht doch prima!«, meinte Thomas. »Was machst du denn heute Feines? Lass mich raten: Es gibt Brathähnchen … und als Dessert irgend etwas Schokoladiges … – Brownies! Stimmt’s?«

Viola schüttelte warnend den Kopf. Papa steuerte mal wieder zielsicher auf ein Fettnäpfchen zu! Als würde Mama etwas so Einfaches wie ein gebratenes Hähnchen überhaupt in Erwägung ziehen!

»Zweimal falsch geraten! Es gibt Truthahn in scharfer Schokosauce!« Sophia sah sehr zufrieden aus, als sie das sagte, und schaute Thomas beifallheischend an.

Viola seufzte. Manchmal hatte sie das Gefühl, als könnte sie die Dialoge ihrer Eltern auswendig aufsagen. Komischerweise schienen sie beide ihre Sketche jedes Mal als völlig neu zu empfinden.

»Schokoladensauce zu Truthahn?« Thomas sah beinahe angeekelt aus. »Schokoladensauce gehört zu Vanilleeis oder meinetwegen zu Kuchen.«

Obwohl Viola genau das auch gedacht hatte, fühlte sie sich verpflichtet, ihrer Mutter beizustehen.

»Das ist ein ganz besonderes Rezept …«, begann sie, aber weiter kam sie nicht.

Ihre Oma, Thomas’ Mutter, unterbrach sie: »Das glaube ich gern. Das ist ja nicht mal italienisch, was ich noch verstehen würde.« – Sophias Mutter war Italienerin, und obwohl Sophia in Deutschland geboren war und ihr ganzes Leben hier verbracht hatte, blieb auch sie in Gertie Kühners Augen auf ewig Italienerin. – »Italienisch, das mögen manche Gäste ja gern; ich persönlich kann’s zwar nicht verstehen, aber sei’s drum. Warum machst du kein, äh, Timuri …« Sie verhaspelte sich und verstummte.

»Tiramisu«, sagte Sophia mit frostiger Miene. Sie sah ihre Schwiegermutter nicht an, sondern schaute unverwandt auf Thomas, doch der tat ihr nicht den Gefallen, ihr beizustehen.

»Warum überhaupt Truthahn? Haben wir Weihnachten, oder was?«

»Mexikanisch!«, warf Viola ein.

»Was, mexikanisch?«

»Es ist ein mexikanisches Nationalgericht!«

»Na und, haben wir vielleicht mexikanischen Nationalfeiertag?«

Viola sah den beleidigten Ausdruck im Gesicht ihrer Mutter, aber ihr Vater fuhr fort: »Spaß beiseite: Wer soll das essen? Das kannst du niemandem hier aus dem Dorf oder aus der Umgebung vorsetzen! Und die Urlauber wollen im Schwarzwald typisch badische Küche haben, jedenfalls irgend etwas, das ihnen bekannt vorkommt. Und Mexikaner kommen ja eher selten zu uns …«

Ironische Bemerkungen konnte Sophia ganz und gar nicht leiden. Sie wandte sich ab und fing an, Küchenutensilien von einer Ablage auf die nächste zu räumen. Das war zwar weitgehend überflüssig und unproduktiv, machte aber einen geschäftigen Eindruck und gehörig Lärm.

»Wir kochen hier tolle Sachen, und dessen sollten wir uns nicht schämen. Es ist eben nicht nur banale Hausmannskost!«, stieß sie hervor.

Alle wussten, gegen wen sich diese kleine Spitze richtete. Thomas’ Mutter hatte die kleine Gaststätte jahrelang allein geführt. Ihren Gästen hatte sie in all den Jahren zwar kein schlechtes, aber doch reichlich deftiges Essen vorgesetzt, dem jede Raffinesse gefehlt hatte.

»Was gibt es einzuwenden gegen deutsches traditionelles Essen?«, begehrte Gertie Kühner auf. »Es macht satt, es ist bezahlbar, und es schmeckt den Leuten!«

Tatsächlich war Sophia darin weitgehend mit ihr einig. Die deutsche Küche war weitaus besser als ihr Ruf. Aber erstens hätte Sophia nur äußerst ungern zugegeben, dass ihre Schwiegermutter auch einmal recht haben konnte, und zweitens fand sie wirklich nicht, dass die Mutter ihres Ehemannes, wenn sie die Kochschürze anzog, der vergessenen Qualität deutscher Traditionsgerichte gerecht wurde.

»Ich bin mir sicher, dass die Leute das Mole Poblano lieben werden«, fuhr Sophia fort.

»Mole Po – was?«, fragte Thomas.

»Mole Poblano. So heißt das Gericht. Es schmeckt köstlich. Du machst dich lustig, und dabei hast du noch nicht einmal probiert. Die Kombination ist vielleicht ungewöhnlich, sorgt aber für eine gute Überraschung. Sei doch kein solcher Banause!«

»Wie heißt es doch so schön: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht!«, lachte Thomas. »Nein, Spaß beiseite, ich werd’s probieren. Aber ob’s mir schmeckt, ist ja gar nicht die Frage. Ich weiß doch, dass du die beste Köchin von ganz Süddeutschland und Süditalien zusammen bist.«

Er hörte ein leises, nichtsdestoweniger deutlich verächtliches Schnauben – seine Mutter war von den Kochkünsten ihrer Schwiegertochter so wenig überzeugt, wie Sophia von den ihren. Das war doch alles moderner Schnickschnack!

»Aber ich finde«, fuhr Thomas fort, »dass du dich übernimmst. Du stehst jeden Tag länger in der Küche. In meinen Augen ist das falscher...



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