E-Book, Deutsch, 339 Seiten
Markus Sie werden lachen, es ist ernst
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-902998-49-1
Verlag: Amalthea Signum
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine humorvolle Bilanz unseres Jahrhunderts aus Österreich
E-Book, Deutsch, 339 Seiten
ISBN: 978-3-902998-49-1
Verlag: Amalthea Signum
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Georg Markus, einer der erfolgreichsten Schriftsteller und Zeitungskolumnisten Österreichs, lebt in Wien, wo er sich als Autor von Sachbüchern und großer Biografien einen Namen machte. Seine Bücher Unter uns gesagt, Die Enkel der Tante Jolesch, Adressen mit Geschichte, Die Hörbigers und Was uns geblieben ist führten monatelang die Bestsellerlisten an. In seiner Kolumne Geschichten mit Geschichte schreibt er historische Berichte für die Zeitung Kurier, von März 2000 bis März 2008 gestaltete und moderierte er im RadioKulturhaus des ORF die Ö1-Sendreihe Das war's, Erinnerungen an das 20. Jahrhundert. Aufsehen erregte Georg Markus, als er 1992 den Grabraub der Mary Vetsera aufdeckte, nachdem das Skelett der Geliebten des Kronprinzen Rudolf bei Nacht und Nebel aus ihrer Gruft in Heiligenkreuz bei Wien entwendet worden war. Weltweite Beachtung fand auch seine im März 2009 im Kurier erschienene Artikelserie, in der er zum ersten Mal über den unehelichen Sohn John F. Kennedys mit einer gebürtigen Österreicherin berichtete. Mutter und Sohn leben heute in den USA. Hunderte Zeitungen und TV-Sender in aller Welt übernahmen den Exklusivbericht von Georg Markus. Georg Markus ist Mitglied des P.E.N.-Clubs und des Österreichischen Schriftstellerverbandes. Die Bücher von ihm wurden u. a. ins Englische, Französische, Spanische, Ungarische, Polnische, Tschechische und Japanische übersetzt.
Autoren/Hrsg.
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HIER DÜRFEN NUR DIE TOTEN LEBEN
NUR LEUTNANTS SIND UNTREU
1. Jänner 1900. Schon der Beginn ist sehr österreichisch. Obwohl vor acht Jahren beschlossen wurde, daß mit dem ersten Tag des neuen Jahrhunderts die Krone den Gulden als neue Währung ablösen wird, will die Bevölkerung auch nach einer so langen Gewöhnungsfrist die neuen Münzen und Scheine nicht und nicht akzeptieren. Das Nörgeln hilft nichts: Krone und Heller sind ab nun das ausschließliche Zahlungsmittel in der k. u. k. Donaumonarchie. Folgerichtig ist in Innsbruck eine amtliche Verlautbarung mit diesem Wortlaut affichiert: »Es ist ab sofort verboten, anders als nach Kronen und Hellern zu rechnen. Zuwiderhandeln wird mit fünf Gulden bestraft.«
Sigmund Freud veröffentlicht , die seine berühmteste Lehre begründen wird. Karl Kraus kann sich mit ihr nicht anfreunden: »Psychoanalyse ist jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält.«
Eigentlich sollte des Kaisers Thronfolger Franz Ferdinand eine Tochter der Erzherzogin Isabella heiraten, doch er verliebt sich in deren Hofdame Gräfin Sophie Chotek, die er am 1. Juli 1900 zum Traualtar führt. Das neue Jahrhundert beschert den Österreichern mit der ein neues, bald überaus populäres Blatt. Erstmals geigen die Wiener Symphoniker auf. Und auf dem Opernring wird das Goethe-Denkmal enthüllt. »Paradox ist«, sagt man in Wien, »wenn das Goethe-Denkmal durch die Bäume .«
Neben dümmlichen Backfischen, Schnorrern und Gigerln zählen am Beginn des Jahrhunderts die jungen Offiziere zu den beliebtesten Objekten der Witzblätter. Die feschen Leutnants gelten als Parade-Liebhaber, und daher ist dieser Scherz aus der satirischen Zeitschrift sehr typisch:
»Schweigen Sie, Herr Leutnant«, empört sich das Dienstmädchen, »Ihre Liebesbeteuerungen sind wie die aller Herren Leutnants – flatterhaft, falsch und treulos.«
»Entschuldigen Sie, liebes Fräulein«, entgegnet der fesche Offizier, »ich bin heute zum Hauptmann avanciert!«
»Hauptmann sind Sie? Das is’ was anderes. Von treulosen Hauptleuten hab’ ich noch nie was gehört!«
»SCHNITZLER IST EIN GENIE«
…
Erzherzogin Elisabeth, die Tochter Kronprinz Rudolfs, feiert Verlobung mit Otto Prinz Windischgrätz. Auf dem Wiener Zentralfriedhof wird ein Denkmal des vor zwei Jahren verstorbenen Johann Strauß enthüllt. Und dessen jüngerer Bruder Eduard gibt seinen Rücktritt als Hofballmusikdirektor bekannt.
Direktor Gustav Mahler holt den Tenor Leo Slezak und den Dirigenten Bruno Walter an die Hofoper. Die Tatsache, daß Bruno Walter gerade erst seinen Familiennamen Schlesinger abgelegt hat, veranlaßt dessen Kollegen Franz Schalk, ihn boshaft als »Herr Schlesinger von der Vogelweide« zu begrüßen.
Die Stücke Johann Nestroys werden aus Anlaß seines 100. Geburtstags wiederentdeckt. feiert am Burgtheater eine fulminante Premiere – getreu der Nestroy-Devise: »Eine gute Bühne ist nämlich die, wo in jeder Loge ein Millionär und auf jedem Fauteuil ein Kapitalist sitzt.«
Arthur Schnitzler verliert seine Offizierscharge als Oberarzt, nachdem die Veröffentlichung seiner Erzählung in der einen ungeheuren Skandal provozierte. Dem Dichter wird vorgeworfen, das Ansehen der österreichischungarischen Armee verletzt zu haben. Es ist nicht das erste Mal, daß Schnitzler verkannt wird: Sein Vater, als Theaterarzt mit vielen Schauspielern befreundet, gab eines Tages dem berühmten Burgschauspieler Adolf von Sonnenthal das Textbuch des von seinem Sohn verfaßten Schauspiels . Der es ihm mit den Worten »Völlig unbegabt« retournierte. Als Wochen danach eben dieses Stück vom Burgtheater angenommen wurde, fragte man »Burg«-Direktor Max Burckhard, wie Sonnenthal nun reagieren werde.
»Da ich ihm die Hauptrolle gebe«, antwortete der Direktor, »wird er im Brustton der Überzeugung tremolieren: >Ich habe ja immer gesagt – Arthur ist ein Genie!<«
So war’s dann auch.
SKITRANSPORT MIT HUNDEKARTE
Vor dem Parlament wird die Pallas-Athene-Statue fertiggestellt, und die »Elektrische« löst die letzte Pferdetramway ab. Als auf dem Hahnenkamm in Kitzbühel das erste Skirennen stattfindet, fragen sich zunächst viele Wiener, wie sie mit ihren Skiern zum Westbahnof gelangen sollen, um von dort nach Tirol zu kommen. Ganz einfach, zwischen Wiental und Gürtel verkehrt die erste Stadtbahn, deren Kunden prompt informiert werden: »Die Beförderung von Skiern in der Stadtbahn wird gegen Lösung einer Hundekarte gestattet, allerdings nur provisorisch und wenn sich keine Beanstandung seitens des Bahnpersonals und der Mitreisenden ergibt.«
Richard Strauss kommt 1902 gemeinsam mit seiner Gattin Pauline nach Wien, wo diese einen Liederabend mit Kompositionen ihres Mannes gibt. Der gefürchtete Kritiker Eduard Hans-lick schreibt über den Abend im »Sie ist entschieden seine bessere Hälfte!«
Im Literatencafé hinterm Burgtheater kommt es zu einem der seltsamsten Heiratsanträge aller Zeiten: Peter Altenberg, Egon Friedell und Adolf Loos sitzen an ihrem Stammtisch, als sie an einem benachbarten Tisch eine 18jährige Schauspielerin entdecken, die auf den schönen Namen Lina Obertimpfler hört. Die drei Freunde sind von dem bildhübschen Mädchen entzückt und bitten es an ihren Tisch. Loos zeigt eine wunderschöne Zigarettendose, die Lina zu öffnen versucht, wobei der Deckel bricht. Erschrocken fragt sie: »Wie kann ich das wieder gutmachen?«
Loos sieht sie lächelnd an und sagt: »Heiraten Sie mich!«
Der Antrag erfolgt fünf Minuten nach dem Kennenlernen. Während die Umsitzenden vorerst an einen Scherz glauben, treten die beiden tatsächlich vor den Standesbeamten.
Leider gibt’s kein Happy-End. Drei Jahre nach der Hochzeit geht die Ehe in die Brüche.
»ICH HEISS’ AUCH POLLAK!«
Franz Joseph bekommt hohen Besuch aus Petersburg: Zar Nikolaus II. ist Gast des Kaisers in Schönbrunn. Der Komponist Hugo Wolf stirbt im Alter von 42 Jahren in Wien. In Graz bringt die Firma ihr erstes serienmäßiges Motorrad in den Handel; in der Schweiz wird man darüber lachen: »Warum stellen die Österreicher ihre Motorräder ins Bücherregal?« – »Weil Puch draufsteht.«
Am Beginn des Jahrhunderts erfreuen sich die sogenannten »Prädikate« besonderer Beliebtheit. Bürger, vor allem auch solche, die sich um den Ausbau der Ringstraße Verdienste erworben haben, dürfen ihre Namen per kaiserlichem Dekret mit phantasievoll klingenden Adelstiteln schmücken. Da heißt einer dieser »Ringstraßenbarone« plötzlich Johann Huber von Prinzenbach, ein anderer Emmerich Pribil von Greifenwald. Als einmal vier Herren im Zug von Bad Ischl nach Wien fahren, stellt sich der erste Reisende vor: »Gestatten, von Bergheim«, der zweite: »von Meyendorff«, der dritte: »von Birkenstein«. Worauf der vierte sagt: »Sie werden lachen, meine Herren, ich heiß’ auch Pollak!«
Und selbst dem alten Kaiser bringen die Prädikate ein Prädikat ein. Man nennt Franz Joseph jetzt »Sehadler« – jeden, den er gesehen hat, den hat er auch schon geadelt.
In den Reihen der alten Aristokratie ist man über die Entwicklung ganz und gar nicht glücklich. Kommentar eines Grafen, dessen Ahnen den Titel seit Jahrhunderten tragen: »Es ist an der Zeit, einen Verein gegen die zunehmende Veradelung des Volkes zu gründen!«
Das Telefonieren ist in den ersten Jahren des Jahrhunderts ein ebenso aufwendiges wie außergewöhnliches Erlebnis. Als Kardinal Giuseppe Sarto 1903 als Nachfolger Leos XIII. zum Papst gewählt wird, gibt der römische Korrespondent einer Wiener Zeitung das Resultat fernmündlich durch. Sicherheitshalber buchstabiert er den Familiennamen des neuen Papstes. Am nächsten Tag erscheint in dem Wiener Blatt die Meldung: »In Rom wurde Kardinal Giuseppe Siegfried Anton Richard Theodor Otto Sarto zum neuen Papst gewählt.«
EIN GESCHÄFT FÜR ROTHSCHILD
In der Wiener Apollogasse eröffnet das...




