E-Book, Deutsch, Band 35, 160 Seiten
Mann Western Legenden 35: Mexiko Marshal
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-546-3
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 35, 160 Seiten
Reihe: Western Legenden (Historische Wildwest-Romane)
ISBN: 978-3-95719-546-3
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Nachdem er bei seiner letzten Wahl zum Sheriff eine Niederlage erlitten hat, lässt sich Jake Gutterson von einem mexikanischen Bauern als Beschützer für das kleine Dorf San Pedro in den Bergen der Sierra Madre anwerben. Die Bewohner des Ortes leiden unter den Übergriffen des Banditen Hugo und den übertriebenen Steuerforderungen korrupter Rurales. Jake Gutterson kämpft für die Menschen in San Pedro, doch dann dringt Hugo mit seiner Bande in das kleine Dorf ein. Es kommt zum alles entscheidenden Kampf.
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1. Kapitel
Jake Gutterson schloss leicht die Augen und umfasste das kleine Whiskeyglas mit den Fingerspitzen beider Hände. Dann nahm er es in die Rechte und kippte es mit einem Zug herunter.
„Noch einen.“
Der Barmann sah ihn mitleidig an und dieser Blick verärgerte Jake Gutterson.
„Der geht aufs Haus.“
„Du kannst mich mal mit deinem Mitleid, Will. Dass ich meinen Job los bin, heißt nicht, dass ich meine Rechnungen nicht mehr begleichen kann.“ Er zog drei Ein-Dollar-Noten aus seiner Westentasche hervor. „Lass die Flasche stehen.“
Der Barmann nickte. Das Mitleid war nicht aus seinem Blick gewichen. „Ich wollte nur sagen, dass ich für Sie gestimmt habe.“
Jake Gutterson füllte sich selbst nach und überließ sich seinen düsteren Gedanken.
„Na, wenn das nicht unser Ex-Sheriff ist“, sagte eine freudige Stimme zu seiner Linken. Jake Gutterson presste die Zähne zusammen. Die Stimme gehörte zu Rick O’Neal. „Muss wehtun, so eine Wahlklatsche mit fast 700 Stimmen Unterschied. Und das in einem so kleinen County.“
„Wenn du gekommen bist, nur um den Sheriff zu ärgern, dann hau ab, O’Neal“, sagte der Barmann.
„Er ist nicht mehr Sheriff. Und ich bin gekommen, um ein Bier zu trinken. Konnte ja nicht wissen, dass unser ehemaliger Gesetzeshüter hier seinen Kummer ertränken will.“
„Du solltest ein Schild neben deinem Eingang anbringen, Will“, meinte Jake Gutterson, während der Barmann widerwillig ein Bier zapfte. „Hunde und Gesindel bleiben draußen. Dann müsste ich meinen Whiskey nicht in Gesellschaft solcher feigen Aufschneider trinken.“
„Wie hast du mich eben genannt?“ Rick O’Neal drehte sich zu Jake Gutterson herum und ließ die Rechte neben seinem Revolver baumeln.
„Ich nannte dich einen feigen Aufschneider, O’Neal. Und dazu nenne ich dich einen miesen Drecksack. Aber dass du jetzt so tust, als würdest du dich mit mir schießen wollen, finde ich irgendwie belustigend.“
„Sie haben mich beleidigt. Ex-Sheriff. Wüsste also nicht, warum der Gedanke so belustigend sein soll.“
„Weil alle hier wissen, ganz besonders du selbst, O’Neal, dass du nicht mal dann eine Chance gegen mich hättest, ob mit Revolver oder den Fäusten, wenn ich die ganze Flasche hier getrunken hätte.“
„Wollen Sie wirklich dem neuen Sheriff gleich etwas zu tun geben, indem Sie einen Unschuldigen erschießen?“
Mit einem Mal fuhr Jake Gutterson herum und hielt seinen Revolver in der Hand. „Warum eigentlich nicht? Ich meine, als Sheriff hätte ich diese Situation sicherlich anders gelöst. Aber jetzt, wo die braven Bürger dieses Countys der Meinung sind, sie hätten lieber einen anderen, und wo ich nur noch ein Zivilist bin, warum sollte ich da meine Streitigkeiten anders regeln als ihr?“
„Die Leute haben Sie abgewählt, weil Sie zu gewalttätig waren, Gutterson. Wie bei dem Cowboy von Livingston, dem Sie die Schulter zerschossen haben.“
„Ich denke, er ist ganz gut dabei weggekommen.“
„Er und seine Freunde wollten nur ein bisschen Spaß haben.“
„Ja, aber der Chinese, dem sie zwischen die Beine geschossen haben, fand sie nicht sonderlich witzig.“
„Und wenn schon. Es ist nur ein Chinese.“
„Meine Auffassung des Jobs war immer, dass ich mich um alle Bürger des Countys kümmern sollte. Nicht nur die Weißen. Coover Behan wird das sicherlich anders händeln.“
„Sie hätten dem Cowboy damals nicht gleich in die Schulter schießen sollen.“
„Ich hätte das gern vermieden, aber als ich ihn aufforderte, mit der Knallerei aufzuhören, hat er seine Waffe auf mich gerichtet.“
„Der Mann wird nie wieder als Cowboy arbeiten können.“
„Wir alle tragen die Konsequenzen unseres Handelns.“
„Und aus eben diesem Grund sind Sie nicht wiedergewählt worden.“
„Willst du mich jetzt zu Tode quatschen, O’Neal, oder verpisst du dich endlich?“
„Sie richten eine Waffe auf mich und haben mir keine Chance gegeben, zu ziehen.“
„Du hattest die Hand schon fast am Kolben. Warst einfach zu langsam.“
„Ich sag Ihnen was. Lassen Sie Ihren Colt noch mal um den Finger wirbeln und ich zeige Ihnen, wie schnell ich bin.“
Jake Gutterson wirbelte den Revolver einmal um den Finger und spannte den Hahn.
„Beeindruckende Nummer, O’Neal. Ich würde sagen, ich erschieß dich jetzt, dann kann ich endlich weitertrinken.“
„Ich war noch nicht bereit.“
„Dein Problem ist, dass du zu viele schlechte Dime Novells liest, O’Neal. So läuft das aber im echten Leben nicht. Wir warten nicht auf ominöse Zeichen oder bis alle bereit sind. Die ganzen Arschlöcher, die ich in den letzten drei Jahren festgenommen habe, hätten alle zuerst gezogen und zuerst geschossen. Aber davon hast du ja keine Ahnung, O’Neal. Denn du reißt nur das Maul auf. Aber ganz ehrlich, was machst du, wenn dich jemand mal die Konsequenzen dafür ausbaden lässt? Was, wenn ich derjenige wäre? Jetzt.“
O’Neal schluckte und sämtliche Farbe schien aus seinem Gesicht zu weichen.
„Du kannst aber deinen Kopf aus der Schlinge ziehen und mir einen Gefallen tun und dich einfach verpissen.“
O’Neal zögerte nur einen kurzen Moment, dann machte er auf dem Absatz kehrt und eilte schnurstracks aus dem Saloon. Jake Gutterson steckte behäbig seinen Revolver weg und wandte sich wieder seinem Glas zu.
„Bravo, Sheriff“, sagte Will, der Barmann. „Wurde Zeit, dass dem Arschloch mal jemand richtig die Leviten liest. Ich hatte nur Angst, dass er mir vor Angst auf den Fußboden pisst.“
„Nenn mich nicht mehr so, Will.“
„Was meinen Sie?“
„Nenn mich nicht mehr Sheriff.“
„Ist gut, Sheriff.“
Jake Gutterson überhörte diese letzten Worte und konzentrierte sich weiter auf sein Glas. Er dachte nicht an die Zukunft. Obwohl er es ungern zugab, aber die Wahlniederlage gegen Coover Behan nagte gewaltig an seinem Stolz. Er wusste, dass viele Menschen im County mit seinen Methoden unzufrieden waren. Aber er hatte in drei Jahren nie jemanden erschossen und das war sicherlich eine gute Bilanz angesichts der vielen Fehden zwischen Rinder- und Schafzüchtern, Weißen und Schwarzen und Chinesen, Alteingesessenen und Neuankömmlingen. Er hatte diese Menschen nicht gebeten, ihre Ansprüche, Meinungen und Hoffnungen mit der Waffe durchzusetzen. Es waren nicht seine Methoden. Es war der Umstand, dass er es nicht allen recht machen konnte. Coover Behan war eine Marionette der Alteingesessenen und der Rinderleute, die Melville Town aufgebaut hatten, und er war glatt genug, um auch genügend Neuansiedler auf seine Seite zu ziehen. Behan konnte reden und Leute um den Finger wickeln. Solche Dinge waren nie Jake Guttersons Sache gewesen. Sein Hauptargument war immer, dass er seinen Job tat, aber damit gewann man keine Wahl.
Und so hatte Behan in einem Erdrutschsieg gewonnen und das, obwohl er es nicht einmal für nötig gehalten hatte, während der Wahlveranstaltungen einen Revolver zu tragen. Nicht, dass Jake Gutterson sich ausschließlich auf seine Waffe verließ. Im Gegenteil. Er war tunlichst darum bemüht, Schießereien zu vermeiden. Aber er wusste, dass dies dann am besten ging, wenn alle Bürger und vor allem alle möglichen Gegner davon überzeugt waren, dass man der beste Schütze der Gegend war. Von Behan war dagegen nicht einmal bekannt, ob er überhaupt eine Waffe besaß, geschweige denn, ob er mit ihr umgehen konnte.
„Jake Gutterson“, drang da die Stimme seines Kontrahenten an sein Ohr.
Coover Behan hatte den Saloon in seinem feinen dunkelgrünen Anzug mit der gelb bestickten schwarzen Seidenweste betreten. Es war derselbe Anzug, den er am Morgen in Gesellschaft seiner Wahlkampfunterstützer getragen hatte. Um seine Hüfte hatte er einen braunen Coltgürtel geschnallt. Der war neu.
Der ehemalige Sheriff von Melville Town ignorierte den neuen Amtsinhaber und starrte einfach weiter auf sein Whiskyglas.
„Ich rede mit dir Jake.“
„Erstens heißt es auch für Sie Mister Gutterson, Sheriff. Zweitens haben Sie mir keine Frage gestellt. Und drittens rede ich nicht mit Ihnen.“
„Du solltest jetzt den Saloon verlassen, Jake. Du bist betrunken und pöbelst die Leute an.“
„Das ist Unsinn, Mister Behan“, mischte sich Will, der Barkeeper, in das Gespräch ein.
„Es heißt Sheriff. Und das Gespräch geht Sie nichts an.“
„Wer in meinem Saloon Leute anpöbelt, weiß ich immer noch am besten. Sheriff. Und wenn das kleine Würstchen O’Neal heulend zu Ihnen gerannt ist, um Ihnen zu erzählen, dass Sheriff Gutterson ihn angepöbelt habe, so sage ich Ihnen, dass es hier nichts für Sie zu tun gibt, weil die Geschichte erstunken und erlogen ist.“
Behan musterte den Saloonbesitzer mit finsteren Augen. Es war kein Geheimnis, dass er ihn nicht ausstehen konnte, denn William Hooker hatte immer zu den erklärten Unterstützern von Jake Gutterson gezählt und so manche Rede, die im Laufe des Wahlkampfes in seinem Saloon zu Ehren des ehemaligen Sheriffs gehalten wurde, mit einer Runde Freibier belohnt.
„Wegen was wollen Sie mich denn jetzt festnehmen, Behan? Wegen Pöbelei oder wegen Trunkenheit“, schaltete sich Jake Gutterson wieder in das Gespräch ein.
„Wegen beidem.“
„Verstehe. Nun, betrunken bin ich noch nicht, weil mich ständig irgendwelche Arschlöcher von der Seite anquatschen. Wäre ich es, würde ich längst auf meinem...




