Mann | Lobo - Der Einzelgänger 05: Schwarze Pferde | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 4205, 194 Seiten

Reihe: Lobo

Mann Lobo - Der Einzelgänger 05: Schwarze Pferde


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-395-7
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 4205, 194 Seiten

Reihe: Lobo

ISBN: 978-3-95719-395-7
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Pike Summer und seine Bande überfallen den Rancher Palmer und stehlen eine wertvolle Herde schwarzer Pferde, um sie an die Armee zu verkaufen. Als Lobo den sterbenden Rancher findet, kann dieser ihm noch den Namen seines Mörders nennen. Lobo folgt der Spur und deckt ein Netz aus Intrigen und Korruption auf. Wie immer ist ihm das Gesetz keine Hilfe.

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Kapitel 1

Gibt es einen majestätischeren Anblick als schwarze Mustangs, die über das Land dahinpreschen? Die blauschwarzen Mähnen flattern im Wind, das glatte Fell glänzt in der Sonne, die vier Beine im perfekt koordinierten Zusammenspiel, wie sie den großen, kräftigen Körper vorantreiben. Das leichte Wippen des Kopfes, das Schnaufen, das aus der Anstrengung erwächst, das zufriedene Wiehern, wenn eines der Tiere seinen Lauf abbremst und sich selbst an seiner Freiheit und seiner Kraft zu berauschen scheint?

Ambrose Palmer saß auf der Veranda seiner Ranch und beobachtete, wie ein halbes Dutzend seiner schwarzen Mustangs über einen nahegelegenen Hügel jagten. Viele Jahre hatte er gebraucht, um seine Ranch aufzubauen, und sein ganzer Stolz waren seine schwarzen Mustangs. Die meisten Pferdebesitzer, die er kannte, liebten Schimmel, doch kein solches Tier konnte sich in der Reinheit seines Fells mit dem seiner schwarzen Mustangs messen, und auch hinsichtlich Kraft und Ausdauer würde es schwer sein, nur ein einzelnes Tier, geschweige denn eine ganze Herde zu finden, die seiner gleichkam. Seine Mustangs waren über die sanften Hügel des südlichen Texas galoppiert und hatten von Jahr zu Jahr an Stärke gewonnen.

Wehmütig seufzte Ambrose Palmer auf. Wehmütig, weil er selbst schon lange nicht mehr in der Lage war, ein solches Tier an seine Grenzen zu treiben. Er konnte zwar noch reiten, aber nicht mehr so gut wie in jungen Jahren, als er in General Jo Shelbys Iron Brigade gekämpft hatte. In irgendeinem kleinen Gefecht an einem unbedeutenden Ort, den er mit Macht aus seiner Erinnerung zu verdrängen suchte, hatten ihn zwei Kugeln im linken Bein getroffen. Eine hatte sein Knie zertrümmert, und letztendlich musste er Gott für ihren erstklassischen Chirurgen danken, der mit all seinem Können dafür gesorgt hatte, dass er das Bein behielt. Aber dafür war das Knie steif geblieben. Die andere hatte seinen Oberschenkelknochen durchschlagen, und derselbe geniale Chirurg hatte seltsamerweise nicht dafür sorgen können, dass dieser Bruch richtig ausheilte, sodass Ambrose Palmer stets Schmerzen hatte, wenn er beim Reiten etwas Schenkeldruck ausüben musste. Letztendlich konnte er ein Pferd im Trab gehen lassen, aber nicht mehr galoppieren, nicht mehr diese unbändige Kraft zwischen den Schenkeln spüren. Dabei war er vollkommen davon überzeugt, dass sich kein Pferd mit jenen schwarzen Mustangs würde messen können, die er in über fünfzehn Jahren seit Kriegsende auf seiner Ranch heranzüchtete.

Der Gedanke daran machte ihn von Zeit zu Zeit wehmütig, aber allein der Anblick seiner Tiere, die die mit dornigen Büschen übersäten Hügel hinauf galoppierten oder auf den saftigen Wiesen in den Tälern grasten, an den blauen Teichen, die diese Wiesen speisten, ihr Wasser soffen oder die wilde Unbekümmertheit, mit der die Fohlen mit den älteren Tieren spielten und mit der sie ihre noch nicht vollständig kontrollierte Kraft erprobten, trösteten ihn darüber hinweg.

Was ihn wirklich traurig machte, war, dass er einen Großteil seiner Herde bald verkaufen würde. Dafür hatte er sie jahrelang aufgebaut. Doch jetzt fiel ihm dieser Schritt schwer, vor allem, da er seine Pferde nur ungern an die Armee abtrat. Für die Kavallerie waren seine Mustangs eigentlich viel zu gut, aber die Armee war nun einmal der einzige Käufer, der ihm eine große Herde als Ganzes abkaufte, und obwohl er für jedes seiner Tiere einzeln einen viel höheren Preis hätte erzielen können, kannte sich Ambrose Palmer doch auch gut genug auf dem Markt aus, um zu wissen, dass sie ihm mehr zahlten als anderen Züchtern. Die Armee war daran interessiert, eine große Zahl möglichst gleichfarbiger Tiere für eine komplette Schwadron zu bekommen, und Ambrose Palmers Mustangs genossen im ganzen Land einen unvergleichlich guten Ruf. Viele Offiziere hatten sich bereits Pferde bei ihm gekauft, ebenso wie eine Reihe von Senatoren. Daher hatte der Rancher genügend Fürsprecher, die sich dafür einsetzten, dass die Armee etwas mehr Geld für den Ankauf seiner Pferde locker machte.

Ein groß gewachsener, hagerer Cowboy kam mit leicht wiegenden Schritten und klirrenden Sporen von einem der Corrals auf das Ranchgebäude zu. Er trug ein weites blaues Flanellhemd, das sich im sanften, warmen Sommerwind blähte, ein weißes Halstuch und Jeans, die fast vollständig von seinen abgewetzten braunen Lederchaps bedeckt wurden. Ein breitkrempiger, hochkroniger grauer Stetson schützte das braune Gesicht von der Sonne. Er kaute auf einem langen Grashalm herum, den er sich aus dem Mund zog und zu Boden warf, bevor er die drei Stufen zur Veranda erklomm, bevor er sich etwas linkisch mit der linken Hand an die Hutkrempe fasste und mit einem Kopfnicken einen leichten Gruß andeutete.

„Wir sind fertig, Mister Palmer, Sir. Alle für den Verkauf vorgesehenen Pferde sind markiert. Zwanzig haben wir im großen Corral, die anderen grasen wieder auf der Südweide, aber die können wir morgen rasch zusammentreiben.“

„Sehr gut. Danke, Will. Setz dich zu mir, oder nein …“, Ambrose Palmer sah auf das leere Tischen neben sich, auf dem nur seine Kaffeetasse und eine kleine Porzellankanne standen, „geh doch rein und hol meine Zigarren. Sie stehen auf dem Schreibtisch. Willst du einen Kaffee? Dann bring dir eine Tasse mit, einverstanden?“

„Jawohl, Sir“, sagte Will, tippte sich wieder an den Hut und ging durch die offenstehende Tür ins Innere des Hauses, nur um kurz darauf mit einem Holzkistchen unter dem Arm wieder nach draußen zu treten. Er reichte die Kiste an Ambrose Palmer, der jedoch abwehrend die Hand hob. „Nimm du dir erst eine. Willst du keinen Kaffee? Möchtest du einen Drink?“

Der Cowboy schüttelte mit dem Kopf, öffnete die Kiste, nahm sich eine Zigarre heraus und reichte sie dann an Ambrose Palmer, der sich ebenfalls eine herausnahm. „Hast du Feuer, Will?“

Der Cowboy griff in die weite Brusttasche seines Hemdes, holte eine kleine Messingbox hervor und ließ ein Streichholz in seine Hand gleiten, dass er auf dem von der Sonne ausgedörrten Holz des Verandageländers entzündete, bevor er es seinem Boss reichte.

Als Palmer seine Zigarre entzündet hatte, war das Streichholz niedergebrannt. Will ließ es fallen, holte ein neues hervor und zündete auch seine Zigarre an, ehe er an dem Tisch vorbeischritt und sich langsam in den bereitstehenden leeren Stuhl gleiten ließ.

„Das war gute Arbeit“, sagte Ambrose Palmer und ließ den Blick über sein Land streifen. Die Mustangherde war hinter der Kuppe des fernen Hügels verschwunden, aber in dem großen Corral, der genau zwischen dem Ranchhaus und einem großen Stallgebäude lag, tummelten sich zwanzig erstklassige Tiere mit einem frischen P-Brandzeichen auf der linken Flanke. Sie suchten den Schatten einiger Bäume, die ihre grünen Äste über den Corral streckten und deren frisches Grün im sanften Wind rauschte.

„Vielen Dank, Mister Palmer“, sagte Will Childs, der vom Anblick der Ranch beinahe ebenso fasziniert war wie sein Boss.

„Wie lange arbeitest du jetzt schon für mich, Will?“

„Seit 69, Mister Palmer, Sir.“

„Und in dieser Zeit hatte ich nie Ärger.“

„Sie bezahlen uns gut, und sie behandeln uns fair, Mister Palmer, Sir. Grund genug, sich zusammenzureißen. Gibt nicht viele Rancher im Süden, die einen schwarzen Mann so behandeln wie sie.“

„Wie behandle ich euch denn?“

„Wie Cowboys. Die Weißen, wie die Schwarzen. Gleich nach dem Krieg hab‘ ich für ‘nen Mann gearbeitet, für den war ich immer noch nichts anderes als ein Baumwollpflücker.“

Ambrose Palmer nickte langsam und sog an seiner Zigarre. Dann musterte er seinen Cowboy. Tatsächlich war Will Palmer schwarz wie die meisten, wenn auch nicht alle seiner Cowboys. Allerdings war seine Haut nicht von dem gleichen tiefen Schwarz wie das seiner anderen Arbeiter. Es war von einem milchigen Braun, weswegen sich Ambrose Palmer für einen Moment fragte, ob irgendeiner seiner Vorfahren nicht doch ein Weißer gewesen sein könnte. Es war eine dieser Fragen, die einen interessierten, ohne dass sie relevant waren, weswegen sie nicht gestellt wurden.

Stattdessen stieß Ambrose Palmer blauen Rauch aus und sagte: „Weißt du, vor dem Krieg habe ich selber mal einen Sklaven besessen. Ich hatte eine kleine Farm im Osten von Texas und hab‘ versucht, Baumwolle anzubauen. Hat sich aber nicht gelohnt. Der Krieg hat mich gezwungen, den Schlussstrich zu ziehen, der notwendig war.“

„Verstehe“, sagte der Cowboy und versuchte, möglichst unbeteiligt zu klingen, was Ambrose Palmer ein leichtes Schmunzeln entlockte.

„Ich hab‘ mich seitdem manchmal gefragt, ob ich seit dem Krieg anders über die Schwarzen denke. Aber um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht. Vielleicht hat‘s nie eine Rolle gespielt. Jack, so hieß mein Sklave damals, hat mit mir in derselben schäbigen Hütte gewohnt, am selben Tisch gesessen und aus derselben Flasche billigen Fusel getrunken. Er gehörte mir, und ich hätte mit ihm machen können, was ich will. Für mich hat das nie eine Rolle gespielt. Aber für ihn schon, denn als der Krieg ausbrach, ist er abgehauen. Ich hab‘ das lange nicht begreifen wollen, denn ich war überzeugt, dass es ihm bei mir gut ging, dass wir beinahe so was wie Kameraden waren und dass Besitzverhältnisse keine Rolle spielen. Aber aus seiner Sicht war das wohl anders. Das tut mir bis heute sehr leid.“

„Haben Sie ihn so behandelt wie uns?“, fragte Will und reckte sich in seinem Stuhl.

Ambrose Palmer seufzte und kniff leicht die Augen zusammen, als er sich eine Antwort...



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